»In den tagesaktuellen Einlassungen zu Nachhaltigkeit oder Klimaschutz/-gerechtigkeit kommt es nicht selten zu einem Diskursphänomen, was im Folgenden am Beispiel des Sports verdeutlicht werden soll. Wenn es etwa um den Neubau von (Zweit-)Stadien, Großsportveranstaltungen mit Fernreisen, Trainingslager in der Ferne oder Olympia geht, wird oftmals mit einem (relativen) Einsparen an Ressourcen und Energie geworben. Diese Effizienz-, manchmal auch Konsistenzgewinne dominieren dann die Berichterstattung, indem sie den Eindruck erzeugen, als handele man per se nachhaltig. Es wird also nicht etwa von den Planetary Boundaries bzw. unterzeichneten Klimavereinbarungen, einem ökologischen Fußabdruck, ökologischem Rucksack, CO2-Äquivalenten oder virtuellem Wasserverbrauch (absolut) ausgegangen, sondern eben prozentual (relativ) von einem ressourcenumfassenden Istzustand, der oftmals weit entfernt ist von den ersteren (stark-nachhaltigen) Maßstäben (Rinker & Preuß, 2024). Trotz möglicher erheblicher Ressourcen- und Energieeinsparungen im Einzelfall dürften diese meist nicht genügen, um die übergeordneten Nachhaltigkeits- und Klimaziele zu erreichen, zumal Reboundeffekte einen Teil der Gewinne wieder aufzehren oder gar übertreffen können.
Das Verhängnisvolle daran ist jedoch, dass in der öffentlichen Kommunikation symbolisch der Eindruck entsteht, man hätte mit der ein oder anderen (relativen) Einsparmaßnahme bereits (absolut) nachhaltige Sportstätten errichtet oder entsprechende Veranstaltungen durchgeführt. Vor diesem Hintergrund erscheinen etwa Olympische Spiele potenziell immer nachhaltig durchführbar, Fußballzweitstadien (wie in München realisiert oder z.Zt. in Berlin diskutiert) legitimierbar. Etwaige sozusagen ›Nullvarianten‹ oder Nichtrealisierungen mit Blick auf jene stark nachhaltigen Kennziffern scheiden a priori aus. Hierbei geht es insbesondere im Sport letztlich auch um Fragen einer menschlich-bedürfniskulturellen Zumutbarkeit im ›Jetztaugenblick‹ – auch um einen ›gesellschaftlichen Frieden‹ zu wahren. Damit wiederum aber wären in Sport und Gesellschaft suffizienzkulturelle Strategien aufgerufen, die eben auf einen Wandel dieser (oftmals absolut nichtnachhaltigen) Bedürfniskulturen und -habitusformen zielten.«
Ergänzung:
Laut Umweltbundesamt wäre rund 1 t CO2-Emission pro Jahr/Person sozialökologisch gerecht.1 Deutschland steht bei durchschnittlich 10 t. Eine Flugreise zum Berlinmarathon von Australien aus erfordert mit einer Boeing 767 für einen einfachen Flug bereits etwa 4 t! 2.

