Der Senat träumt von glänzenden Medaillen, doch wir blicken hinter die Fassade.
Hier sind die wichtigsten Antworten zu den Olympia-Plänen – mit den Fakten, die in den Werbebroschüren fehlen.
Können wir uns Olympia überhaupt leisten?
Nein. Berlin hat derzeit weder das Geld noch die funktionierende Infrastruktur. Allein im Bereich der Berliner Sportstätten und Bäder gibt es einen Sanierungsstau von rund einer Milliarde Euro. Statt marode Turnhallen und geschlossene Schwimmbäder zu reparieren, sollen Milliarden in ein vierwöchiges Event fließen.
Was kostet allein die Bewerbung?
Während der Senat im Frühjahr 2025 noch von rund 32.000 € sprach, zeigen aktuelle Zahlen ein anderes Bild: Die Bewerbungskosten für Marketing, Planung und Kommunikation werden mittlerweile auf mindestens 6 Millionen Euro geschätzt. Dieses Geld fehlt dem Berliner Breitensport an anderer Stelle.
Aber bringt Olympia nicht Einnahmen und Tourismus?
Das ist ein Mythos. Wissenschaftliche Belege für langfristige positive Effekte fehlen.
London 2012: Hier klaffte am Ende eine Lücke von rund 8 Milliarden US-Dollar zulasten der Steuerzahler*innen.
Paris 2024: Trotz »nachhaltiger« Versprechen stiegen die geschätzten Kosten auf 6,6 Milliarden Euro (inkl. Sicherheit). Der wirtschaftliche Effekt wurde vom Rechnungshof als »bescheiden« eingestuft.
Tourismus: Oft meiden „normale“ Tourist*innen Olympiastädte wegen überhöhter Preise, was zu einem Rückgang der regulären Besucher*innenzahlen führen kann (Verdrängungseffekt). Berlin mangelt es nicht an Tourismus. Berlin ist touristisch attraktiv durch Kultur, Geschichte und Sport – diese Potenziale können ohne Olympische Spiele ausgeschöpft werden.
Entsteht durch das Olympische Dorf bezahlbarer Wohnraum?
Das ist höchst unwahrscheinlich. Geplant ist die Nutzung des Projekts »Stadteingang West« am Funkturm. Der
Zeitplan ist unrealistisch: Die Realisierung hängt vom Umbau des Autobahndreiecks ab, der laut Ausschreibung wohl nicht vor 2045 fertig wird. Eine Fertigstellung bis zu den Spielen (2036/2040) ist kaum machbar.
Kostenfalle: Ein Olympisches Dorf hat andere Anforderungen als normaler Wohnungsbau. Der spätere Umbau für eine zivile Nutzung verursacht enorme Zusatzkosten. Auch dafür ist Paris ein Beispiel.
Erfahrungswerte: In anderen Städten (beispielsweise in London) führten solche Projekte oft zu Gentrifizierung, steigenden Mieten und Luxuswohnungen statt zu bezahlbarem Kiez-Wohnraum.
Bricht der Verkehr zusammen?
Die Berliner S-Bahnen und die BVG kämpfen schon im Normalbetrieb mit Personalmangel, Ausfällen und maroder Infrastruktur. Wenn Berlin den Alltagsverkehr schon jetzt kaum bewältigen kann, wäre die zusätzliche Belastung durch ein Mega-Event unverantwortlich. Die Ausdehnung auf vier weitere Regionen müsste zusätzlich mit rieseigem Kraftaufwand gestaltet werden. Dazu kommen noch die vom IOC verlangten Olympic Lanes, das sind Fahrspuren nur für Athlet*innen und Funktionär*innen, die die Verkehrssituation verschärfen werden.
Gibt es eine Volksabstimmung?
Bisher plant der Berliner Senat kein verbindliches Referendum, denn die Berliner Verfassung sieht dies nicht vor.
Andere Städte beteiligen ihre Bürger*innen. In Hamburg gibt es digitale Beteiligungsverfahren und ein geplantes Referendum im Mai 2026. In München haben die Bürger*innen bereits im Oktober 2025 abgestimmt. [Das war keine faire Abstimmung, sondern ein Plebizit, ein VB „von oben“, bei dem naturgemäß die Kritiker*innen keine Chance hatten, weil ihre Argumente nicht eingebracht wurden.]
Berlin: Hier soll es lediglich unverbindliche »Dialogformate« und ein Kuratorium geben. Es bleibt abzuwarten, ob hier eine echte Beteiligung aller Berliner*innen stattfindet oder dies reine Alibi Veranstaltungen bleiben werden. Wir fordern: Keine Bewerbung ohne die explizite Zustimmung der Berlinerinnen und Berliner!
Darum starten wir das Volksbegehren!
Sind die Spiele nachhaltig?
Das IOC und der Senat werben mit Nachhaltigkeit (»90% vorhandene Sportstätten«). Großveranstaltungen sind per se nicht nachhaltig. Davon abgesehen, lag eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung für das Gesamtvorhaben im Mai 2025 nicht vor.
Das IOC steht oft in der Kritik für Greenwashing, indem es mit umweltschädlichen Konzernen (z.B. Coca-Cola, Toyota, Öl- und Gaskonzern Eni) als Top-Sponsor*innen kooperiert.
Der massive Ressourcenverbrauch für temporäre Bauten und den Transport von Millionen Menschen konterkarieren Berlins eigene Klimaziele.
Wer ist das IOC?
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) ist eine private, nichtstaatliche Organisation mit Sitz in Lausanne (Schweiz). Sie wird oft als intransparente »Blackbox« kritisiert.
Die neuen Richtlinien der Vergabe und Forderungen werden frühestens Mitte 2026 bekanntgegeben. Das hieße, Berlin ließe sich auf ein unbekanntes Prozedere mit unbekannten Kosten ein. Niemand würde im Privaten so mit seiner Zukunft umgehen!
Finanzen: Das IOC behält den Großteil der Einnahmen aus TV-Rechten und Sponsoring, während das finanzielle Risiko und die Schulden bei der Austragungsstadt bleiben.
Korruption: Die Geschichte des IOC ist geprägt von Bestechungsskandalen, z.B. Salt Lake City (USA) 2002, Sotchi (Russland) 2014, Rio de Janeiro (Brasilien) 2016, Tokio (Japan) 2021, Mailand (Italien) 2024.
Menschenrechte: Das IOC vergab Spiele wiederholt an autoritäre Regime (Peking 2008 & 2022) und bot damit eine Bühne für »Sportswashing«.
Fazit: Berlin braucht funktionierende Schulen, bezahlbare Wohnungen und sanierte Sportplätze für den Breitensport – keine Milliarden-Show für das IOC.
Werde aktiv! Informiere dich, misch dich ein und unterstütze das Volksbegehren für ein Berlin ohne Olympia.

