• Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus: Kein Blankoscheck für Olympia – Priorität für Kiez-Sanierung statt Milliarden-Roulette

    Am heutigen Mittwoch startet das Bündnis „NOlympia Berlin“ vor dem Roten Rathaus die Unterschriftensammlung für das Volksbegehren gegen die Olympia-Pläne des Senats. Die Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus unterstützt das Bündnis und fordert eine Abkehr von der Bewerbung „BERLIN+“, solange die Basisinfrastruktur des Sports in den Berliner Kiezen massiv vernachlässigt wird.

    Dazu erklärt Claudia Engelmann, sportpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke:

    „Wir unterschreiben keinen Blankoscheck für ein milliardenschweres Olympia-Roulette. Gegen die Bewerbung des Senats sprechen vor allem drei zentrale Aspekte:

    Erstens, die völlig falschen Prioritäten: Während der Senat elitäre Luftschlösser plant, schieben wir in Berlin bei Sportanlagen und Bädern einen gewaltigen Sanierungsstau von über einer Milliarde Euro vor uns her. 13.000 Kinder stehen auf Wartelisten der Vereine. Unser Maßstab lautet: Bevor wir ein Event-Spektakel ausrichten, muss jedes Kind in dieser Stadt in intakten Bädern schwimmen lernen können.

    Zweitens, das Märchen von den Bundesgeldern: Das Argument, der Bund würde Berlin bei der Sanierung der städtischen Infrastruktur unterstützen, ist eine bewusste Nebelkerze. Die Bundesregierung hat auf unsere Nachfrage unmissverständlich klargestellt, dass sich ihre Zuständigkeit ausschließlich auf den Spitzensport beschränkt. Keine Kiez-Sporthalle zusätzlich würde dadurch entstehen und die immensen Kosten für die vom IOC geforderten Sicherheitsstandards und ÖPNV-Leistungen müsste das Land Berlin komplett allein stemmen.

    Drittens, das Recht auf demokratische Mitbestimmung: Bei einer derart weitreichenden und teuren Entscheidung müssen die Berlinerinnen und Berliner das letzte Wort haben. Wir halten den Volksentscheid für das einzig richtige Instrument und unterstützen die Unterschriftensammlung aus voller Überzeugung. Was wir vor der Wahl sagen, gilt auch danach: Mit einer Linken in Regierungsverantwortung wird es keine Olympia-Bewerbung auf Kosten des Breitensports geben.“

    Zur Pressemitteilung

  • Zentrale Fragen zur geplanten Olympiabewerbung Leipzigs für 2036 bleiben unbeantwortet, kritisiert der BUND Leipzig

    Trotz wiederholter Nachfragen bleiben zentrale Fragen zur geplanten Olympiabewerbung Leipzigs für 2036 unbeantwortet. Das kritisieren die Initiator:innen der Einwohnerfrage „Wirklich Gold für Leipzig?“, die im November 2025 in der Ratsversammlung behandelt wurde (VIII-EF-02006-AW-01).

    „Die Antworten der Stadtspitze waren auffallend allgemein – konkrete Angaben zu Bauprojekten, Kosten, Finanzierung und sozialen Auswirkungen fehlen bis heute“, kritisieren Lisa Falkowski und Jürgen Kasek vom BUND Leipzig. Auch detaillierte Unterfragen zu ökologischen Folgen, Nachnutzungskonzepten und langfristigen finanziellen Risiken seien nicht substanziell beantwortet worden.

    DOSB-Kriterien erfordern belastbare Zahlen

    Brisant ist die Situation auch vor dem Hintergrund neuer Entwicklungen: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat inzwischen eine Bewertungsmatrix für Bewerberstädte veröffentlicht. Zentrale Kriterien sind unter anderem internationale Wettbewerbsfähigkeit, Finanzierung und Kosten sowie gesellschaftliche Akzeptanz. Da die detaillierten Bewerbungsunterlagen der Städte nach bisherigem Kenntnisstand bereits im Februar/März 2026 beim DOSB eingereicht werden müssen, gehen die Initiator:innen davon aus, dass der Stadt Leipzig mittlerweile konkretisierte Planungen und Kostenanalysen vorliegen.

    „Wenn Leipzig ernsthaft olympische Ambitionen verfolgt, muss es diese Informationen jetzt offenlegen – nicht erst nach einer Vorentscheidung“, so die weitere Kritik von Falkowski und Kasek.

    Offene Fragen zu Bauprojekten, Finanzierung und Nachnutzung

    In einer erneuten Anfrage an den Oberbürgermeister fordert die Initiative nun detaillierte projektbezogene Auskünfte, unter anderem zu:

    • geplanten Neu- und Ausbauprojekten im Olympiakontext (Sportstätten, Infrastruktur, Unterkünfte),
    • konkreten Standorten, Flächenverbräuchen und Versiegelungen,
    • Investitions- und Folgekosten (kommunal, Land, Bund),
    • Zeitplänen und möglichen Beschleunigungen durch Olympia,
    • sowie belastbaren Nachnutzungskonzepten.

    Besonders kritisch sehen die Fragesteller:innen die fehlende Transparenz bei den Kosten. So wird in der bisherigen Antwort auf einen Stadtratsbeschluss („Memorandum of Understanding mit dem DOSB“) verwiesen, der jedoch weder im Ratsinformationssystem noch auf der städtischen Website öffentlich zugänglich ist.

    Unklare Rolle von „Gold for Leipzig e.V.“

    Ebenfalls ungeklärt sei die Finanzierung des Vereins „Gold for Leipzig e.V.“. Bislang ist nicht öffentlich nachvollziehbar,

    • ob und in welchem Umfang öffentliche Mittel an den Verein fließen,
    • ob Sponsoring-Vereinbarungen mit Unternehmen bestehen
    • und wie die organisatorische Einbindung in die städtische Verwaltung erfolgt.

    Stakeholder-Workshop ohne Umweltverbände

    Kritik gibt es auch am sogenannten Stakeholder-Workshop im September 2025. Zwar verweist die Stadt auf Beteiligung aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – Ergebnisse, Protokolle oder Teilnehmerlisten sind jedoch nicht öffentlich. Auffällig sei zudem, dass der BUND als einer der größten Umweltverbände Deutschlands offenbar nicht eingeladen wurde.

    „Gerade bei einem Projekt dieser Größenordnung ist Transparenz keine Kür, sondern Voraussetzung“, heißt es von Seiten der Fragesteller:innen.

    Soziale und ökologische Risiken bislang ausgeblendet

    Bis heute unbeantwortet geblieben seien außerdem Fragen zu möglichen negativen Folgen einer Olympiabewerbung, etwa:

    • steigende Lebenshaltungskosten,
    • sozialräumliche Verdrängung,
    • Kürzungen öffentlicher Mittel in sozialen und ökologischen Bereichen.

    Ob hierzu Studien, Gutachten oder Szenario-Analysen existieren, ist unklar – obwohl die gesellschaftliche Akzeptanz ein zentrales Kriterium des DOSB ist.

    Forderung: Offene Debatte statt Marketing

    Die Initiative fordert nun eine vollständige, zeitnahe und transparente Information der Öffentlichkeit. Parallel dazu hat sich auch in Leipzig eine Initiative gegründet, die die Olympiabewerbung kritisch begleiten will.

    „Olympia ist kein Imageprojekt, sondern ein massiver Eingriff in Stadtentwicklung, Haushalt und soziale Strukturen“, so das Fazit der Initiator:innen. „Wenn Leipzig diesen Weg gehen will, dann nur auf Grundlage überprüfbarer Zahlen und einer ehrlichen gesellschaftlichen Debatte.“

    Zur Pressemitteilung »Olympiabewerbung Leipzig 2036: Stadt bleibt zentrale Antworten schuldig. Initiative des BUND Leipzig fordert Transparenz zu Kosten, Bauprojekten und sozialen Folgen«