NOlympia

  • Berlin träumt von Olympia – Neukölln sperrt Turnhallen wegen etwas Schnee

    Schwarz-Rot verkennt mit Olympiabewerbung tatsächliche Bedarfe der Stadt.

    Von einer Schneekatastrophe ist Berlin mit aktuellen Schneehöhen zwischen sechs und zwölf Zentimetern weit entfernt, dennoch hat der Bezirk Neukölln neun Schulturnhallen „aufgrund der aktuellen Witterungsbedingungen und der dadurch entstandenen Schneelast“ für den Trainings- und Spielbetrieb gesperrt, bis der Schnee beräumt wurde. Das ist in der dem BUND Berlin vorliegenden E-Mail des Bezirks an die Nutzenden der Hallen zu lesen.

    Dazu erklärt Carmen Schultze, Vertrauensperson des geplanten Volksbegehrens »Für Berlin – gegen Olympia. Wir sagen Nein zu einer Bewerbung zu Olympischen Spielen in den Jahren 2036, 2040 und 2044«:

    „Der Berliner Senat will sich im Licht eines internationalen Sportevents sonnen, während gleichzeitig die Grundvoraussetzungen für den Schul- und Breitensport immer weiter vor sich hinbröckeln. Die im Haushalt 2026 reservierten sechs Millionen Euro für die Berliner Olympiabewerbung wären offensichtlich wesentlich besser in vordringlichen Instandsetzungsarbeiten der bestehenden Sportinfrastruktur aufgehoben.

    Olympische Spiele in Berlin wären weder finanziell noch ökologisch nachhaltig. Schon in der Anbahnungsphase fressen sie wertvolle Ressourcen. Diese braucht gerade Berlin dringend, um die Stadt zukunftsfest umzubauen. Wärmewende, Mobilitätswende, Klimaanpassung – die Liste der Aufgaben ist gewaltig und wird nicht oder kaum abgearbeitet. Da passt die Bewerbung für ein Mega-Event wie die Olympischen Spiele überhaupt nicht.“

    Am 15. Dezember 2025 haben die Vertrauenspersonen des geplanten Volksbegehrens »Für Berlin – gegen Olympia. Wir sagen Nein zu einer Bewerbung zu Olympischen Spielen in den Jahren 2036, 2040 und 2044« bei der Senatsinnenverwaltung den offiziellen Antrag auf eine amtliche Kostenschätzung eingereicht. Die Verwaltung unter der Leitung von Iris Spranger (SPD) hat nun zwei Monate Zeit, ihre Schätzung abzugeben. Frühestens Mitte Februar kann mit dem Sammeln von den 20.000 benötigten Unterschriften für den Antrag auf Einleitung des Volksbegehrens begonnen werden.

    Betroffen von der Sperrung in Neukölln sind laut vorliegender Mail die Turnhallen von Christoph-Ruden-Schule, Hermann-Boddin-Schule, Bruno-Taut-Schule, Elbe-Schule, Hans-Fallada-Schule, Karlsgarten-Schule, Thomas-Morus-Schule, Albert-Einstein-Schule und Theodor-Storm-Schule.

    Zur Pressemitteilung

  • Beschluss Landesdelegiertenkonferenz GEW Berlin: Ablehnung einer Bewerbung der Stadt Berlin für die Olympischen Spiele

    Die GEW Berlin spricht sich gegen eine Bewerbung der Stadt Berlin für die Austragung der Olympischen Spiele aus. Sie fordert den Berliner Senat auf, von einer Bewerbung abzusehen und stattdessen die öffentlichen Mittel für den Ausbau und die Sanierung von Bildungseinrichtungen, Sportstätten an Schulen, für sozialen Wohnungsbau sowie für Erhaltung und Ausbau der sozialen Infrastruktur zu verwenden.

    Begründung

    1. Finanzielle Risiken

    Olympische Spiele gehören weltweit zu den kostenintensivsten Großprojekten überhaupt. Laut der OxfordOlympics Study 2024 lagen die durchschnittlichen Kosten der Spiele seit 1960 bei über 12 Mrd. USD, mit einer durchschnittlichen Kostenüberschreitung von 172 %. (Flyvbjerg, Bent/ Budzier, Alexander, The Oxford Olympics Study 2024. Cost and Cost Overrun at the Games, Oxford 2024.) Für Paris 2024 werden die Gesamtausgaben auf einen Betrag von 8,7 bis 11 Mrd. Euro geschätzt – über 115 % mehr als ursprünglich veranschlagt. (Lutaud, Emmanuelle/Mouterde, Philippe, Les Jeux de Paris 2024 coûtent déjà 8,7 milliards d’euros; in: Le Monde, 6. Juli 2024.) Auch Berlin müsste nach internen Berechnungen der Senatsfinanzverwaltung mit bis zu 16 Mrd. Euro rechnen, ohne langfristige Gewinngarantien. (Hettfleisch, Anne, Olympia-PR in Berlin. Millionen für Stimmungsmache; in: Der Tagesspiegel, 18. März 2024.)

    2. Bildungs- und sportpolitische Argumente gegen Olympia

    Eine Olympia-Bewerbung gefährdet dringend benötigte Investitionen in Bildung. Schon heute besteht ein Sanierungsstau an Berliner Schulen von über 5 Mrd. Euro ( Rechnungshof Berlin (Hrsg.), Schulbau und Sanierungsstau; in: Jahresbericht 2024, Kap. III Nr. 3, Berlin 2024.). Eine Großveranstaltung dieser Dimension würde Haushaltsmittel binden, die für Schulbau, Kitas, Ganztagsangebote und den Breitensport fehlen. Sporthallen und Schwimmbäder müssten temporär für den Schulsport gesperrt werden – mit unmittelbaren Folgen für Unterricht und Vereine. Investitionen in Bildung und Sportstätten vor Ort wären nachhaltiger und kämen Schüler*innen und Beschäftigten direkt zugute. Auch ein positiver Impuls Olympischer Spiele für den Breitensport lässt sich nicht nachweisen: In einer Olympiastadt wird nach den Spielen nicht mehr Sport getrieben als zuvor.

    3. Sozialpolitische Belastungen
    Erfahrungen aus anderen Austragungsorten zeigen, dass Olympia soziale Ungleichheit verschärft. In London 2012 stiegen die Mieten im Umfeld der Wettkampfstätten um bis zu 400 % (Wainwright, Oliver, London Olympic legacy. House prices soar by 400 % around the Park; in: The Guardian, 5. August 2013.). Viele Anwohner*innen wurden verdrängt. Auch in Berlin ist der Wohnungsmarkt bereits angespannt – temporäre Profite für Immobilienkonzerne würden den Druck weiter erhöhen. Ausbau und Erhalt von sozialem Wohnungsbau und sozialer Infrastruktur bedarf keiner zusätzlichen Großveranstaltungen und nützt der gesamten Stadtgesellschaft direkt.

    4. Ökologische Belastungen

    Olympische Spiele verursachen erhebliche Umweltbelastungen. Trotz Nachhaltigkeitsversprechen führen Bau- und Infrastrukturmaßnahmen zu hohen CO2-Emissionen, Flächenversiegelung und Energieverbrauch. Der BUND Berlin warnt, dass eine Berliner Olympiabewerbung ein falsches Signal in Zeiten der Klimakrise wäre und den Fokus von dringend nötiger nachhaltiger Stadtentwicklung ablenke. (Fleckenstein, Hanno/Peter, Erik, Olympia- Pläne in Berlin. NOlympia gilt immer noch; in: taz , 4. Dezember 2024.) Bestehende Sportstätten und Grünflächen würden umgebaut oder übernutzt, während temporäre Bauten nach den Spielen oft leer stehen. Die Mittel sollten stattdessen in klimaneutrale Schulgebäude und öffentliche Sportstätten fließen.

    5. Fragwürdiges Vorgehen beim Volksentscheid

    Das Ergebnis des am 26. Oktober 2025 durchgeführten Referendums über eine Olympiabewerbung der Stadt München kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem Versand der Abstimmungsunterlagen ein Werbeprospekt für die Ausrichtung der Veranstaltung beilag, hingegen keinerlei kritische Informationen. Das dürfte einer differenzierten Meinungsbildung nicht geholfen haben (Effern, Heiner, Streit über Münchner Olympia- Votum. Kritiker drohen mit Klage; in: SZ , 22. September 2025.). Bisher hat auch der Berliner Senat alle Hinweise auf die finanziellen, ökologischen und sozialen Risiken solcher Großprojekte ignoriert. Stattdessen wurden bereits 6 Mio. Euro öffentlicher Mittel für PR- und Werbekampagnen eingeplant, um eine positive Grundstimmung zu erkaufen und die Bevölkerung von einer Bewerbung zu überzeugen, bevor eine Debatte überhaupt stattgefunden hat. (Thewalt, Anna, Bis zu sechs Millionen Euro. Berliner Senat will Olympia-Bewerbung mit zusätzlichem Geld und neuem Gremium Schwung verleihen; in: Der Tagesspiegel , 30. September 2025). Notwendig ist aber ein Volksentscheid auf breiter Informationsbasis, weil nur so ein transparentes Verfahren und demokratische Mitbestimmung über Milliardeninvestitionen möglich ist.

    6. Undemokratisches und intransparentes Vorgehen des IOC

    Das Internationale Olympische Komitee (IOC) agiert als privatwirtschaftlicher Akteur ohne demokratische Kontrolle. Das IOC zählt zu den intransparentesten globalen Organisationen. Kommunen haben bei der Vertragsgestaltung in der Vergangenheit kaum Einfluss, obwohl sie die Hauptkosten tragen. Im Falle eines Defizits müssen sie für die Kosten haften. Die Gewinne aber streichen in der Masse das IOC und privatwirtschaftliche Unternehmen ein. Ein solches Finanzmodell steht im Widerspruch zu demokratischer Selbstbestimmung und verantwortlicher Haushaltsführung. (Bendrich, Benjamin, Olympische Spiele in Hamburg?; URL: derballluegtnicht.com/2025/07/15/olympische-spiele-in-hamburg/, letzter Zugriff am 28.10.2025, 11:02 Uhr.)

    7. Mangelnde historische und politische Kontextualisierung

    Olympische Spiele gelten in der Öffentlichkeit oft als unpolitisches Sportereignis und werden mit Assoziationen von „olympischem Frieden“ oder „friedlicher Begegnung der Völker“ beworben. Doch dienen sie der politischen Repräsentation oft diktatorischer Staaten. Das IOC hat sich seiner Verantwortung für die Kooperation mit Diktatoren und Diktaturen weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart gestellt. Es folgte stets seinen materiellen Interessen. Nach den Spielen von 1936 unter den Bedingungen des NS- Regimes und des danach jahrzehntelang verfehlten Umgangs mit diesem Erbe bedürfen neuerliche Spiele besonderer Aufarbeitung und Kontextualisierung. Deutsche Sportverbände und Berliner Bewerber*innen versagten hier in der Vergangenheit schon wiederholt. Auch heute ist zu befürchten, dass die Spiele von 1936 nachträglich mit positiven Eindrücken überschrieben werden sollen. Von den Olympiawilligen wurde ein Konzept für den Umgang mit dem historischen Erbe nicht einmal andiskutiert. Das ist einer demokratischen Stadtgesellschaft unwürdig und nährt Zweifel am Horizont der Entscheider*innen.

    Zum Beschluss der Landesdelegiertenkonferenz GEW Berlin hier

  • Es geht los! NOlympia-Bündnis Berlin startet mit Antrag auf Kostenschätzung sein Volksbegehren

    (Berlin, 15. Dezember 2025) Die fünf Vertrauenspersonen des geplanten Volksbegehrens »Für Berlin – gegen Olympia. Wir sagen Nein zu einer Bewerbung zu Olympischen Spielen in den Jahren 2036, 2040 und 2044« haben heute gemeinsam bei der Senatsverwaltung für Inneres und Sport den offiziellen Antrag auf eine amtliche Kostenschätzung eingereicht. Der Innensenat unter der Leitung von Iris Spranger (SPD) hat nun zwei Monate Zeit, seine Schätzung abzugeben. Spätestens Mitte Februar kann mit dem Sammeln von Unterschriften für den Antrag auf Einleitung des Volksbegehrens begonnen werden. Dazu die Kommentare der Vertrauenspersonen:

    »Berlin ist eine arme Stadt, die sich am Rande einer Haushaltsnotlage befindet. In dieser Situation«, so Dr. Gabriele Hiller (Die LINKE Berlin) weiter, »ist jeder Euro, der für Olympische Spiele ausgegeben wird, einer zu viel. Berlin muss in Wohnungsbau investieren, die soziale Infrastruktur stärken und Bildungsgerechtigkeit fördern – DAS sind die Pflichtaufgaben für Berlin.«

    Klara Schedlich (Grüne Fraktion Berlin) bekräftigt: »Olympische Spiele kosten das Land Berlin Milliarden an Steuergeldern – Gelder, die an anderer Stelle wie dem Ausbau von Sportstätten fehlen werden. Berlin sollte lieber erst seine Hausaufgaben machen, die wegen Sanierungsstau geschlossenen Hallen öffnen und ermöglichen, dass Kinder in Vereine kommen, statt auf Wartelisten verharren zu müssen. Ein positives NOlympia Volksbegehren spart Geld und ermöglicht Investitionen in den Sport und das bezahlbare Leben.«

    »Nachhaltigkeitsversprechen von IOC und Politik werden regelmäßig gebrochen. Weder in Paris noch bei den anstehenden Winterspielen in Südtirol spielen ökologische Kriterien oder Klimaschutz eine entscheidende Rolle.1 Schon in der Anbahnungsphase fressen sie wertvolle Ressourcen. Diese braucht gerade Berlin dringend, um die Stadt zukunftsfest umzubauen. Wärmewende, Mobilitätswende, Klimaanpassung – die Liste der Aufgaben ist gewaltig und wird nicht oder kaum abgearbeitet. Da passt die Bewerbung für ein Mega-Event wie die Olympischen Spiele überhaupt nicht«, so Carmen Schultze vom BUND Berlin.

    Uwe Hiksch (NaturFreunde Berlin): »Nachhaltige Olympische Spiele gibt es nicht, solange das IOC mit seinen Auflagen die Ausrichterstädte für die Sportstätten zu riesigen Modernisierungs- oder Neubaumaßnahmen zwingt. Die Ausrichtung der Olympischen Spiele ist in keiner Weise mit einer klimagerechten und ökologischen Entwicklung Berlins vertretbar. So werden weitere Flächen sinnlos versiegelt und auch die Errichtung von temporären Spielstätten verschwendet Energie und Ressourcen.«

    Sportwissenschaftler Prof. Dr. Johannes Verch fügt hinzu: »Das Modell des Höchstleistungs­sport mit gigantomanischen Spielen in mehrfacher Milliardenhöhe in wechselnden Städten ermöglicht weder einen vielfältigen Sport für alle noch löst es mit seinem immens verbleibenden Ressourcen-, Energie- und Flugaufkommen die Versprechen auf Klimagerechtigkeit und Nachhaltigkeit ein, die Deutschland bzw. Berlin bei den UN-Verträgen mit propagieren.«

     

    Kontakt:
    Uwe Hiksch, hiksch@naturfreunde.de, 0176 62 0159 02

    Dr. Gabriele Hiller, drghiller@gmail.com, 0174 37 250 58

    Carmen Schultze, schultze@bund-berlin.de, 0179 59 359 12

     

    Im Bündnis NOlympia Berlin arbeiten zusammen:

    BUND, BUNDjugend, Grüne Liga, NABU, NaturFreunde, Bürgerinitiative Jahnsportpark, Berliner Wassertisch, Roter Stern, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE, Grüne Jugend, Linksjugend [’solid], Jusos

    Bündnis NOlympia Berlin

    c/o NaturFreunde Landesverband Berlin e.V., Paretzer Str. 7, Tel. 030-810560250, nolympia@naturfreunde-berlin.de

    1. Vgl. bspw. zuletzt »Die Olympia-Organisatoren und unsere Politiker haben uns die nachhaltigsten Olympischen Spiele versprochen, aber das Gegenteil ist eingetreten« (Michaela Schuster, 2025). In: Hans Gasser: Olympische Spiele in Südtirol. Oh, Olympia! In: Süddeutsche Zeitung, 11. Dezember 2025, https://www.sueddeutsche.de/reise/olympia-biathlon-antholz-suedtirol-li.3337962

     

  • Presseschau: Ergebnis einer neuen Umfrage: »Eine klare Mehrheit der Berliner ist gegen Olympia in Berlin«

    Dieses erfreuliche Ergebnis einer selbst in Auftrag gegebenen Umfrage hat der Tagesspiegel heute veröffentlicht.

    Wie er dazu etwas sauertöpfisch brummelt, habe es »Schwarz-Rot in den vergangenen Jahren verpasst«, die Möglichkeit für eine Befragung der Bürger*innen durch die Regierung zu schaffen. So ein »Volksentscheid von oben«, der dem »Volk« die Worte regierungsgerecht in den Mund legt, ist in Berlin tatsächlich nicht möglich. Und zwar aus guten Gründen:

    Wie Professor Hermann K. Heußner in »Prämie auf die Macht« schreibt, ist ein solches Plebizit »keine Form der direkten Demokratie, denn nicht die BürgerInnen entscheiden, wann und über was sie abstimmen. Damit bekommt die Regierung bzw. die Parlamentsmehrheit entscheidende Trümpfe in die Hand: Sie entscheidet einseitig über Inhalt, Formulierung und Zeitpunkt der Abstimmung.«

    Auch aus diesem Grund hatten beispielsweise die NOlympia-Aktiven in München kaum eine Chance (s. dazu unsere Pressemitteilung vom 27. Oktober 2025). Wen wunderts, dass der von oben »betreute« Volksentscheid besonders bei Akteuren beliebt ist, die ansonsten eher nicht als Fans der direkten Demokratie in Erscheinung treten.

    Christian Latz (Tagesspiegel): »Neue Umfrage zu Olympia: Klare Mehrheit der Berliner lehnt Spiele in der Hauptstadt ab« (24.11.2025), Professor Hermann K. Heußner: »Prämie auf die Macht«

  • Pressemitteilung: Blauer Dunst in München. »Volksbefragungen von oben« taugen nichts

    Das Bündnis NOlympia Berlin erklärt zum Ergebnis der Olympia-Volksabstimmung in München:

    Nachdem die Münchner Bevölkerung monatelang unter medialem Olympiadauerfeuer stand, haben sich am Sonntag rund 300.000 Menschen (66,4%) in einem von der Münchner Gemeinde initiierten Bürgerentscheid für eine Bewerbung für die Olympischen Wettkämpfe 2036/40/44 ausgesprochen.

    Das Ergebnis bestätigt die Warnung von Verfassungsrechtlern, dass Regierungen keine »Volksbefragungen von oben« durchführen sollten. Solche Plebiszite sind keine gute Form der direkten Demokratie, da die Regierung einseitig über den Inhalt, die Formulierung und den Zeitpunkt der Abstimmung entscheidet und das Blaue vom Münchner Himmel herunter versprechen kann. Die Gegenseite ist strukturell benachteiligt, ihre Argumente finden wenig Gehör.

    Angesichts dieses strategischen Vorteils der Münchner Regierung sind die 33,6 % Nein-Stimmen immer noch ein zu schlechtes Ergebnis in Anbetracht der zu erwartenden Milliardenausgaben und der sonstigen, üblicherweise mit Olympia verbundenen Probleme. Es ist auch damit zu rechnen, dass die Begeisterung nachlässt, wenn sich die Versprechen allmählich als blauer Dunst erweisen und die Nachteile deutlich werden.

    Eine Berliner Bewerbung wird jedenfalls ad absurdum geführt. Sie soll von einem schwachen, erfolglos agierenden Senat ohne jegliche demokratische Legitimierung durchgezogen werden. Der Senat will – noch vor der kommenden Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses – vollendete Tatsachen schaffen. Das erfolgt angesichts einer deutlich höheren Verschuldung Berlins mit fast 70 Mrd. EU (München 10 Mrd. EU), trotz riesiger ungelöster Aufgaben in fast allen Politikfeldern der Stadt.

    Wir fordern den Senat auf: Ziehen Sie die nationale Bewerbung für die Olympischen Spiele 2036/40/44 sofort zurück! Beenden Sie alle Aktivitäten in der Berliner Verwaltung, die diese Bewerbung weiter forcieren könnten. Ersparen Sie den Berlinerinnen und Berlinern diesen lächerlichen millionenschweren Krampf! Es gibt viel zu tun in Berlin außerhalb olympischer Spielereien, packen Sie dort an!

  • Pressemitteilung: Das gigantische Umverteilungsprojekt Olympia wirft seine Schatten voraus. CDU-SPD-Senat will Millionen für Bewerbung verschleudern

    Der Senat beschließt heute, eine sogenannte »zentrale Steuerungseinheit« für die Bewerbung um Olympische Spiele einzurichten. Die voraussichtlichen Kosten bis 2027 betragen derzeit 6 Millionen Euro.

    Bereits jetzt zeigt sich, dass die Olympiabewerbung zulasten des regulären Sportbetriebs und anderer dringender Aufgaben in der Stadt geht. Stellen, die dringend für andere Aufgaben benötigt werden, werden einfach der »Steuerungseinheit« zugeschlagen. Wo diese nun eingespart werden sollen, bleibt unklar. Das Umverteilen der Ressourcen zeigt: Berlin hat kein Geld für dieses elitäre Prestigeprojekt.

    Die Hauptfunktion der »Steuerungseinheit« und des dazugehörigen Kuratoriums – die »Einbindung und Überzeugung der Berliner Bevölkerung« von der Notwendigkeit Olympischer Spiele – zeugt von einem defizitären Politikverständnis. Bezeichnend ist, dass der Senat die Stadtgemeinschaft lediglich »einbinden« will – ein Begriff, der verdeutlicht, wie fern ihm echte Beteiligung der Bürger*innen ist. Die Bevölkerung wird nicht als mündiger Akteur verstanden, sondern soll offenbar durch das neue »Indoktrinationskomitee« gesteuert werden. Seinem Olympiakonzept scheint er in dieser Beziehung selbst nicht viel zuzutrauen. Immerhin hier zeigt er Realitätssinn.

    Tatsächlich meidet der Senat systematisch die Beteiligung von Abgeordnetenhaus und Zivilgesellschaft an zentralen Entscheidungsprozessen. Der Grund liegt auf der Hand: Frühere Bewerbungsversuche haben gezeigt, dass die Berliner*innen wohlweislich keine Olympischen Spiele in ihrer Stadt wollen.

    Dazu Klara Schedlich (MdA Bündnis 90 / Die Grünen):

    »Diese 6 Millionen Euro werden an anderer Stelle fehlen! Man sollte das Geld jetzt lieber in die Sanierung und den Bau von Sportstätten stecken. Da gibt es große Bedarfe und es sollte die Priorität sein, dafür zu sorgen, dass alle Schulen und Vereine gute Hallen und Plätze zur Verfügung haben. Für eine nicht besonders aussichtsreiche Bewerbung so viel Geld auszugeben, ist mehr als verantwortungslos.«

    Dazu Dr. Gabriele Hiller (DIE LINKE):

    »Der vom Senat vorgelegte Beschluss widerspricht dem Prinzip demokratischer Mitbestimmung durch das Parlament. Hier sollen Mittel zur freien Verfügung gestellt werden – ohne parlamentarische Kontrolle. Der Senat will Fakten schaffen, ohne Bevölkerung und Parlament einzubeziehen. Wir lehnen ein solches Vorgehen entschieden ab!«