Nolympia

  • Berlin träumt von Olympia – Neukölln sperrt Turnhallen wegen etwas Schnee

    Schwarz-Rot verkennt mit Olympiabewerbung tatsächliche Bedarfe der Stadt.

    Von einer Schneekatastrophe ist Berlin mit aktuellen Schneehöhen zwischen sechs und zwölf Zentimetern weit entfernt, dennoch hat der Bezirk Neukölln neun Schulturnhallen „aufgrund der aktuellen Witterungsbedingungen und der dadurch entstandenen Schneelast“ für den Trainings- und Spielbetrieb gesperrt, bis der Schnee beräumt wurde. Das ist in der dem BUND Berlin vorliegenden E-Mail des Bezirks an die Nutzenden der Hallen zu lesen.

    Dazu erklärt Carmen Schultze, Vertrauensperson des geplanten Volksbegehrens »Für Berlin – gegen Olympia. Wir sagen Nein zu einer Bewerbung zu Olympischen Spielen in den Jahren 2036, 2040 und 2044«:

    „Der Berliner Senat will sich im Licht eines internationalen Sportevents sonnen, während gleichzeitig die Grundvoraussetzungen für den Schul- und Breitensport immer weiter vor sich hinbröckeln. Die im Haushalt 2026 reservierten sechs Millionen Euro für die Berliner Olympiabewerbung wären offensichtlich wesentlich besser in vordringlichen Instandsetzungsarbeiten der bestehenden Sportinfrastruktur aufgehoben.

    Olympische Spiele in Berlin wären weder finanziell noch ökologisch nachhaltig. Schon in der Anbahnungsphase fressen sie wertvolle Ressourcen. Diese braucht gerade Berlin dringend, um die Stadt zukunftsfest umzubauen. Wärmewende, Mobilitätswende, Klimaanpassung – die Liste der Aufgaben ist gewaltig und wird nicht oder kaum abgearbeitet. Da passt die Bewerbung für ein Mega-Event wie die Olympischen Spiele überhaupt nicht.“

    Am 15. Dezember 2025 haben die Vertrauenspersonen des geplanten Volksbegehrens »Für Berlin – gegen Olympia. Wir sagen Nein zu einer Bewerbung zu Olympischen Spielen in den Jahren 2036, 2040 und 2044« bei der Senatsinnenverwaltung den offiziellen Antrag auf eine amtliche Kostenschätzung eingereicht. Die Verwaltung unter der Leitung von Iris Spranger (SPD) hat nun zwei Monate Zeit, ihre Schätzung abzugeben. Frühestens Mitte Februar kann mit dem Sammeln von den 20.000 benötigten Unterschriften für den Antrag auf Einleitung des Volksbegehrens begonnen werden.

    Betroffen von der Sperrung in Neukölln sind laut vorliegender Mail die Turnhallen von Christoph-Ruden-Schule, Hermann-Boddin-Schule, Bruno-Taut-Schule, Elbe-Schule, Hans-Fallada-Schule, Karlsgarten-Schule, Thomas-Morus-Schule, Albert-Einstein-Schule und Theodor-Storm-Schule.

    Zur Pressemitteilung

  • Beschluss Landesdelegiertenkonferenz GEW Berlin: Ablehnung einer Bewerbung der Stadt Berlin für die Olympischen Spiele

    Die GEW Berlin spricht sich gegen eine Bewerbung der Stadt Berlin für die Austragung der Olympischen Spiele aus. Sie fordert den Berliner Senat auf, von einer Bewerbung abzusehen und stattdessen die öffentlichen Mittel für den Ausbau und die Sanierung von Bildungseinrichtungen, Sportstätten an Schulen, für sozialen Wohnungsbau sowie für Erhaltung und Ausbau der sozialen Infrastruktur zu verwenden.

    Begründung

    1. Finanzielle Risiken

    Olympische Spiele gehören weltweit zu den kostenintensivsten Großprojekten überhaupt. Laut der OxfordOlympics Study 2024 lagen die durchschnittlichen Kosten der Spiele seit 1960 bei über 12 Mrd. USD, mit einer durchschnittlichen Kostenüberschreitung von 172 %. (Flyvbjerg, Bent/ Budzier, Alexander, The Oxford Olympics Study 2024. Cost and Cost Overrun at the Games, Oxford 2024.) Für Paris 2024 werden die Gesamtausgaben auf einen Betrag von 8,7 bis 11 Mrd. Euro geschätzt – über 115 % mehr als ursprünglich veranschlagt. (Lutaud, Emmanuelle/Mouterde, Philippe, Les Jeux de Paris 2024 coûtent déjà 8,7 milliards d’euros; in: Le Monde, 6. Juli 2024.) Auch Berlin müsste nach internen Berechnungen der Senatsfinanzverwaltung mit bis zu 16 Mrd. Euro rechnen, ohne langfristige Gewinngarantien. (Hettfleisch, Anne, Olympia-PR in Berlin. Millionen für Stimmungsmache; in: Der Tagesspiegel, 18. März 2024.)

    2. Bildungs- und sportpolitische Argumente gegen Olympia

    Eine Olympia-Bewerbung gefährdet dringend benötigte Investitionen in Bildung. Schon heute besteht ein Sanierungsstau an Berliner Schulen von über 5 Mrd. Euro ( Rechnungshof Berlin (Hrsg.), Schulbau und Sanierungsstau; in: Jahresbericht 2024, Kap. III Nr. 3, Berlin 2024.). Eine Großveranstaltung dieser Dimension würde Haushaltsmittel binden, die für Schulbau, Kitas, Ganztagsangebote und den Breitensport fehlen. Sporthallen und Schwimmbäder müssten temporär für den Schulsport gesperrt werden – mit unmittelbaren Folgen für Unterricht und Vereine. Investitionen in Bildung und Sportstätten vor Ort wären nachhaltiger und kämen Schüler*innen und Beschäftigten direkt zugute. Auch ein positiver Impuls Olympischer Spiele für den Breitensport lässt sich nicht nachweisen: In einer Olympiastadt wird nach den Spielen nicht mehr Sport getrieben als zuvor.

    3. Sozialpolitische Belastungen
    Erfahrungen aus anderen Austragungsorten zeigen, dass Olympia soziale Ungleichheit verschärft. In London 2012 stiegen die Mieten im Umfeld der Wettkampfstätten um bis zu 400 % (Wainwright, Oliver, London Olympic legacy. House prices soar by 400 % around the Park; in: The Guardian, 5. August 2013.). Viele Anwohner*innen wurden verdrängt. Auch in Berlin ist der Wohnungsmarkt bereits angespannt – temporäre Profite für Immobilienkonzerne würden den Druck weiter erhöhen. Ausbau und Erhalt von sozialem Wohnungsbau und sozialer Infrastruktur bedarf keiner zusätzlichen Großveranstaltungen und nützt der gesamten Stadtgesellschaft direkt.

    4. Ökologische Belastungen

    Olympische Spiele verursachen erhebliche Umweltbelastungen. Trotz Nachhaltigkeitsversprechen führen Bau- und Infrastrukturmaßnahmen zu hohen CO2-Emissionen, Flächenversiegelung und Energieverbrauch. Der BUND Berlin warnt, dass eine Berliner Olympiabewerbung ein falsches Signal in Zeiten der Klimakrise wäre und den Fokus von dringend nötiger nachhaltiger Stadtentwicklung ablenke. (Fleckenstein, Hanno/Peter, Erik, Olympia- Pläne in Berlin. NOlympia gilt immer noch; in: taz , 4. Dezember 2024.) Bestehende Sportstätten und Grünflächen würden umgebaut oder übernutzt, während temporäre Bauten nach den Spielen oft leer stehen. Die Mittel sollten stattdessen in klimaneutrale Schulgebäude und öffentliche Sportstätten fließen.

    5. Fragwürdiges Vorgehen beim Volksentscheid

    Das Ergebnis des am 26. Oktober 2025 durchgeführten Referendums über eine Olympiabewerbung der Stadt München kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem Versand der Abstimmungsunterlagen ein Werbeprospekt für die Ausrichtung der Veranstaltung beilag, hingegen keinerlei kritische Informationen. Das dürfte einer differenzierten Meinungsbildung nicht geholfen haben (Effern, Heiner, Streit über Münchner Olympia- Votum. Kritiker drohen mit Klage; in: SZ , 22. September 2025.). Bisher hat auch der Berliner Senat alle Hinweise auf die finanziellen, ökologischen und sozialen Risiken solcher Großprojekte ignoriert. Stattdessen wurden bereits 6 Mio. Euro öffentlicher Mittel für PR- und Werbekampagnen eingeplant, um eine positive Grundstimmung zu erkaufen und die Bevölkerung von einer Bewerbung zu überzeugen, bevor eine Debatte überhaupt stattgefunden hat. (Thewalt, Anna, Bis zu sechs Millionen Euro. Berliner Senat will Olympia-Bewerbung mit zusätzlichem Geld und neuem Gremium Schwung verleihen; in: Der Tagesspiegel , 30. September 2025). Notwendig ist aber ein Volksentscheid auf breiter Informationsbasis, weil nur so ein transparentes Verfahren und demokratische Mitbestimmung über Milliardeninvestitionen möglich ist.

    6. Undemokratisches und intransparentes Vorgehen des IOC

    Das Internationale Olympische Komitee (IOC) agiert als privatwirtschaftlicher Akteur ohne demokratische Kontrolle. Das IOC zählt zu den intransparentesten globalen Organisationen. Kommunen haben bei der Vertragsgestaltung in der Vergangenheit kaum Einfluss, obwohl sie die Hauptkosten tragen. Im Falle eines Defizits müssen sie für die Kosten haften. Die Gewinne aber streichen in der Masse das IOC und privatwirtschaftliche Unternehmen ein. Ein solches Finanzmodell steht im Widerspruch zu demokratischer Selbstbestimmung und verantwortlicher Haushaltsführung. (Bendrich, Benjamin, Olympische Spiele in Hamburg?; URL: derballluegtnicht.com/2025/07/15/olympische-spiele-in-hamburg/, letzter Zugriff am 28.10.2025, 11:02 Uhr.)

    7. Mangelnde historische und politische Kontextualisierung

    Olympische Spiele gelten in der Öffentlichkeit oft als unpolitisches Sportereignis und werden mit Assoziationen von „olympischem Frieden“ oder „friedlicher Begegnung der Völker“ beworben. Doch dienen sie der politischen Repräsentation oft diktatorischer Staaten. Das IOC hat sich seiner Verantwortung für die Kooperation mit Diktatoren und Diktaturen weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart gestellt. Es folgte stets seinen materiellen Interessen. Nach den Spielen von 1936 unter den Bedingungen des NS- Regimes und des danach jahrzehntelang verfehlten Umgangs mit diesem Erbe bedürfen neuerliche Spiele besonderer Aufarbeitung und Kontextualisierung. Deutsche Sportverbände und Berliner Bewerber*innen versagten hier in der Vergangenheit schon wiederholt. Auch heute ist zu befürchten, dass die Spiele von 1936 nachträglich mit positiven Eindrücken überschrieben werden sollen. Von den Olympiawilligen wurde ein Konzept für den Umgang mit dem historischen Erbe nicht einmal andiskutiert. Das ist einer demokratischen Stadtgesellschaft unwürdig und nährt Zweifel am Horizont der Entscheider*innen.

    Zum Beschluss der Landesdelegiertenkonferenz GEW Berlin hier

  • Es geht los! NOlympia-Bündnis Berlin startet mit Antrag auf Kostenschätzung sein Volksbegehren

    (Berlin, 15. Dezember 2025) Die fünf Vertrauenspersonen des geplanten Volksbegehrens »Für Berlin – gegen Olympia. Wir sagen Nein zu einer Bewerbung zu Olympischen Spielen in den Jahren 2036, 2040 und 2044« haben heute gemeinsam bei der Senatsverwaltung für Inneres und Sport den offiziellen Antrag auf eine amtliche Kostenschätzung eingereicht. Der Innensenat unter der Leitung von Iris Spranger (SPD) hat nun zwei Monate Zeit, seine Schätzung abzugeben. Spätestens Mitte Februar kann mit dem Sammeln von Unterschriften für den Antrag auf Einleitung des Volksbegehrens begonnen werden. Dazu die Kommentare der Vertrauenspersonen:

    »Berlin ist eine arme Stadt, die sich am Rande einer Haushaltsnotlage befindet. In dieser Situation«, so Dr. Gabriele Hiller (Die LINKE Berlin) weiter, »ist jeder Euro, der für Olympische Spiele ausgegeben wird, einer zu viel. Berlin muss in Wohnungsbau investieren, die soziale Infrastruktur stärken und Bildungsgerechtigkeit fördern – DAS sind die Pflichtaufgaben für Berlin.«

    Klara Schedlich (Grüne Fraktion Berlin) bekräftigt: »Olympische Spiele kosten das Land Berlin Milliarden an Steuergeldern – Gelder, die an anderer Stelle wie dem Ausbau von Sportstätten fehlen werden. Berlin sollte lieber erst seine Hausaufgaben machen, die wegen Sanierungsstau geschlossenen Hallen öffnen und ermöglichen, dass Kinder in Vereine kommen, statt auf Wartelisten verharren zu müssen. Ein positives NOlympia Volksbegehren spart Geld und ermöglicht Investitionen in den Sport und das bezahlbare Leben.«

    »Nachhaltigkeitsversprechen von IOC und Politik werden regelmäßig gebrochen. Weder in Paris noch bei den anstehenden Winterspielen in Südtirol spielen ökologische Kriterien oder Klimaschutz eine entscheidende Rolle.1 Schon in der Anbahnungsphase fressen sie wertvolle Ressourcen. Diese braucht gerade Berlin dringend, um die Stadt zukunftsfest umzubauen. Wärmewende, Mobilitätswende, Klimaanpassung – die Liste der Aufgaben ist gewaltig und wird nicht oder kaum abgearbeitet. Da passt die Bewerbung für ein Mega-Event wie die Olympischen Spiele überhaupt nicht«, so Carmen Schultze vom BUND Berlin.

    Uwe Hiksch (NaturFreunde Berlin): »Nachhaltige Olympische Spiele gibt es nicht, solange das IOC mit seinen Auflagen die Ausrichterstädte für die Sportstätten zu riesigen Modernisierungs- oder Neubaumaßnahmen zwingt. Die Ausrichtung der Olympischen Spiele ist in keiner Weise mit einer klimagerechten und ökologischen Entwicklung Berlins vertretbar. So werden weitere Flächen sinnlos versiegelt und auch die Errichtung von temporären Spielstätten verschwendet Energie und Ressourcen.«

    Sportwissenschaftler Prof. Dr. Johannes Verch fügt hinzu: »Das Modell des Höchstleistungs­sport mit gigantomanischen Spielen in mehrfacher Milliardenhöhe in wechselnden Städten ermöglicht weder einen vielfältigen Sport für alle noch löst es mit seinem immens verbleibenden Ressourcen-, Energie- und Flugaufkommen die Versprechen auf Klimagerechtigkeit und Nachhaltigkeit ein, die Deutschland bzw. Berlin bei den UN-Verträgen mit propagieren.«

     

    Kontakt:
    Uwe Hiksch, hiksch@naturfreunde.de, 0176 62 0159 02

    Dr. Gabriele Hiller, drghiller@gmail.com, 0174 37 250 58

    Carmen Schultze, schultze@bund-berlin.de, 0179 59 359 12

     

    Im Bündnis NOlympia Berlin arbeiten zusammen:

    BUND, BUNDjugend, Grüne Liga, NABU, NaturFreunde, Bürgerinitiative Jahnsportpark, Berliner Wassertisch, Roter Stern, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE, Grüne Jugend, Linksjugend [’solid], Jusos

    Bündnis NOlympia Berlin

    c/o NaturFreunde Landesverband Berlin e.V., Paretzer Str. 7, Tel. 030-810560250, nolympia@naturfreunde-berlin.de

    1. Vgl. bspw. zuletzt »Die Olympia-Organisatoren und unsere Politiker haben uns die nachhaltigsten Olympischen Spiele versprochen, aber das Gegenteil ist eingetreten« (Michaela Schuster, 2025). In: Hans Gasser: Olympische Spiele in Südtirol. Oh, Olympia! In: Süddeutsche Zeitung, 11. Dezember 2025, https://www.sueddeutsche.de/reise/olympia-biathlon-antholz-suedtirol-li.3337962

     

  • Grüne Liga Berlin ist wieder an Bord!

    Wir freuen uns.

    Auch die Grüne Liga Berlin macht wieder mit. Sie war schon bei den letzten beiden Zusammenschlüssen (1989–1993 und 2014–2015) eine wichtige Säule von NOlympia Berlin.

    Herzlich willkommen! 🥰

  • NOlympia Hamburg: Zur Mitgliederversammlung des DOSB / Kritik an »operativen Mindestanforderungen«

    Olympia in Hamburg: Verkehrschaos und Sicherheit auf Steuerzahlerkosten – Mindestanforderungen der Stadt nicht erfüllt.

    Im Rahmen der sogenannten »operativen Mindestanforderungen« hat der DOSB die vier Bewerberstädte auf Eventdurchführungstauglichkeit und Plausibilität des Gesamtkonzeptes geprüft. Hamburg und alle anderen Städte haben bestanden. Die Ergebnisse werden am 6. Dezember den DOSB-Mitgliedern vorgestellt. NOlympia Hamburg und der Bund der Steuerzahler Hamburg e.V. sehen ihre Mindestanforderungen nicht erfüllt.

    Dazu Eckart Maudrich, Sprecher von NOlympia Hamburg:

    »Nach der Prüfmethode des DOSB1 würden zentrale Hamburger Verkehrsadern zu Nadelöhren für die Hamburger*innen werden – wie der Elbtunnel, die Elbbrücken, die Lombardsbrücke, sowie die Willy-Brandt-, Budapester-, Stresemann- und Billhorner Brückenstraße. Auf diesen Straßen würden eigene Fahrspuren für das IOC sowie Akkreditierte eingerichtet werden, sogenannte Olympic Lanes. Das Chaos wäre vorprogrammiert, die Stadt gelähmt. Auch bei der Risiko- und Lastenverteilung akzeptiert der Senat den Status Quo des IOC, anstatt für Hamburg zu kämpfen: Weihnachtsmarktveranstalter zahlen für die Sicherheit ihrer Veranstaltung. Bei den Spielen ist jedoch die Stadt bereit, gigantische Summen dafür zu zahlen – wie Paris, wo die Sicherung der Spiele den öffentlichen Haushalt 1,4 Milliarden2 kostete. Der Senat hat sich noch nicht einmal mit der Idee beschäftigt, zumindest die Hochrisikokosten vom IOC bezahlen zu lassen.3 Dass in den sogenannten Beteiligungsformaten nicht darüber informiert wurde, spricht Bände.«4

    Sascha Mummenhoff, Landesvorsitzender des Bund der Steuerzahler Hamburg e.V.:

    »Dass der DOSB Hamburg bei der Eventtauglichkeit durchwinkt, beantwortet die entscheidende Frage nicht: Welche konkreten Belastungen kommen auf die Stadt zu und wer trägt am Ende die Risiken und Kosten, besonders bei Verkehr und Sicherheit? Ohne vollständige Transparenz ist eine verantwortliche Bewertung unmöglich. Der Bund der Steuerzahler Hamburg e.V. erwartet daher eine lückenlose, öffentlich zugängliche Kostendarstellung, vom ersten Euro der Bewerbungsphase bis zu Infrastruktur-, Organisations- und Sicherheitsausgaben. Jede finanzielle Verpflichtung muss nachvollziehbar offengelegt werden, bevor politische Festlegungen getroffen werden. Und ausgerechnet bei den Sicherheitskosten erleben wir seit Jahren eine Mauer des Schweigens: Die Hamburger Innenbehörde verweigert echte Transparenz darüber, welche Polizeikosten bei Großveranstaltungen tatsächlich entstehen und wie sie sich zusammensetzen. Wer beim Tagesgeschäft mauert, darf erst recht keine zusätzlichen Milliardenrisiken eingehen. Beim Profifußball fordern wir seit Jahren das Verursacherprinzip: Wer zusätzliche Polizeieinsätze auslöst, soll die Mehrkosten tragen. Für Olympia muss derselbe Maßstab gelten. Es ist nicht vermittelbar, dass Steuerzahlerinnen und Steuerzahler die olympiabedingten Sicherheits-Mehrkosten eines globalen Milliardenevents schultern sollen, während das IOC wirtschaftlich profitiert. Unsere Position lautet daher: Die olympiabedingten Sicherheits-Mehrkosten, insbesondere Hochrisiko- und Zusatzaufwände, müssen vom IOC übernommen werden. Der Hamburger Senat muss die Realität des eigenen Haushalts im Blick behalten. Wenn parallel weitere große Vorhaben (Naturkundemuseum im Elbtower, Kühne-Oper, Sanierung der bestehenden Oper, Hafenmuseum und Zukunftsentscheid) anstehen, steigt die Pflicht zu Transparenz, Prioritäten und klarer Risikobegrenzung. Das ist kein Votum gegen Olympia. Aber Olympia kann in Hamburg nur seriös diskutiert werden, wenn alle Risiken offen auf dem Tisch liegen und die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler nicht zum Selbstbedienungsladen für ein internationales Prestigeprojekt werden.«

    1 siehe DOSB Anleitung im Anhang [hier nicht angehängt]
    2 Cours de Compte: Les Jeux Olympiques et Paralympiques de Paris 2024. Rapport au Parlement. S.18. Zusätzliche Infrastrukturkosten: 300 Millionen für Sicherheitsequipment
    3 BDrs 23-02040
    4 Der DOSB bestätigt am 30.09.2025, dass die Minimumkriterien erfüllt sind – inkl. Olympic Lanes.

  • Warum NOlympia Berlin? Klara Schedlich (Stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für Sportpolitik)

    Grüne Fraktion Berlin: Fragen & Antworten zur Berliner Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele in Deutschland

    Frage 1: Warum lehnen wir als Fraktion die Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele für Berlin ab?

    Berlin steht vor massiven Haushaltskürzungen durch den schwarz-roten Senat und verfügt weder über die finanziellen Mittel noch über die notwendige Infrastruktur, um ein solches Großereignis sinnvoll auszurichten. Hinzu kommt, dass die Sportinfrastruktur für den Breitensport einen sehr hohen Sanierungsstau hat und Gelder für Reparaturen und Renovierungen fehlen. Anstatt also Milliarden an Steuergeldern in ein Prestige-Ereignis zu investieren, das keinen dauerhaften Mehrwert für die Stadt schafft, müssen wir uns dringend um bestehende Probleme kümmern: marode Sportstätten und Bäder, eine überlastete Verkehrsinfrastruktur, verfehlte Klimaziele und ein angespannter Wohnungsmarkt. Gleichzeitig ist die Bewerbung intransparent organisiert, es liegen weder Finanzierungspläne noch Konzepte für die Sportstättennutzung öffentlich vor, die Bevölkerung wird kaum beteiligt. Aus diesen Gründen lehnen wir eine Bewerbung für mögliche Olympische und Paralympische Spiele in Berlin in 2036, 2040 und 2044 ab, weil sie aus sport- und finanzpolitischer, sozialer sowie ökologischer Sicht nicht verantwortbar ist.

    Frage 2: Kann sich Berlin Olympische und Paralympische Spiele finanziell überhaupt leisten?

    Nein, aus unserer Sicht kann Berlin sich Olympische und Paralympische Spiele ganz klar nicht leisten. Schon die Bewerbung selbst kostet mindestens sechs Millionen Euro und das nur für Marketing, Planung und Kommunikation rund um den innerdeutschen Wettstreit, mit welchem Standort sich Deutschland beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) für eine mögliche Austragung der Spiele bewirbt. Die eigentliche Ausrichtung – wenn es überhaupt einen Zuschlag für Deutschland gibt – würde dann in die Milliarden gehen. Aber schon die 6 Millionen Euro, die jetzt ausgegeben werden sollen, werden an anderer Stelle fehlen und zu Kürzungen im Berliner Sport führen.

    Allein bei Sportstätten und Bädern besteht heute schon ein Sanierungsstau von rund einer Milliarde Euro. Statt weitere Milliarden in überteuerte Groß-Events zu investieren, müsste Berlin zuerst die bestehenden Anlagen sanieren. Hinzu kommt das hohe Risiko von Kostenexplosionen, wie zuletzt immer bei Olympischen und Paralympischen Spielen in anderen Städten.

    Frage 3: Aber bringen Olympische und Paralympische Spiele nicht ganz viele Einnahmen für die Stadt?

    Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass Olympische und Paralympische Spiele langfristig positive finanzielle Effekte für Austragungsorte haben. Im Gegenteil: In London klaffte nach den Spielen eine massive Kostenlücke – das Delta zwischen Ausgaben und Einnahmen lag bei rund 8 Milliarden US-Dollar zulasten der öffentlichen Hand. Zahlen zu Paris liegen noch nicht abschließend vor aber klar ist, auch Paris liefert keinen Gegenbeweis: Der Rechnungshof erhöhte die geschätzten Kosten auf 6,6 Milliarden Euro, inklusive 1,44 Milliarden Euro für Sicherheit. Die Bilanz: Der Einfluss auf das Wirtschaftswachstum 2024 liegt bei lediglich +0,07 Prozentpunkten, laut Rechnungshof „bescheiden“ und „kurzfristig begrenzt“. Wenn selbst Paris – mit hoher Zustimmung der Bevölkerung und professioneller Vorbereitung – keinen deutlichen ökonomischen Effekt erzielt, ist es für Berlin noch unrealistischer. Statt Millionen in Hoffnungen zu investieren, brauchen wir sie dringend für Sportstätten.

    Frage 4: Profitiert nicht der Tourismus von Olympia?

    Auch der Mythos, dass Olympia den Tourismus ankurbelt, hält einer Überprüfung nicht stand. Untersuchungen zeigen, dass Großveranstaltungen Verdrängungseffekte haben. Das heißt, dass viele Tourist*innen oft nicht in Städte reisen, in denen sportliche Großveranstaltungen stattfinden, weil oft die Preise in diesem Zeitraum (z.B. für Hotels) viel höher sind als sonst. Die weithin als Erfolg gewertete Olympiade in Paris hat dort im Jahr 2024 sogar zu einem Rückgang der Tourismuszahlen geführt. Ein ähnliches Bild zeigte sich bereits bei der Europameisterschaft 2024, die Auslastung der Berliner Hotels lag trotz des Turniers nicht höher als üblich. Für Berlin gibt es weder eine belastbare, noch eine öffentliche Kostenschätzung oder Risikoabwägung. Faktisch würden Milliarden an Steuergeldern für eine zweiwöchige Veranstaltung ausgegeben, ohne dass dies einen dauerhaften Mehrwert für die Stadt brächte.

    Frage 5: Würden die Olympischen und Paralympischen Spiele nicht dabei helfen, die Sportinfrastruktur in Berlin zu verbessern?

    Dieses Argument klingt zwar auf den ersten Blick attraktiv, hält einer genaueren Betrachtung jedoch nicht stand. Schon heute sind in Berlin über 50 Sportstätten und 8 Bäder geschlossen und werden nicht saniert. Hier liegt der eigentliche Handlungsbedarf, der durch eine Bewerbung nicht kleiner, sondern eher größer wird, weil Geld in die Ausrichtung der Spiele und nicht in die Sportstätten für den Breitensport fließt.

    Berlin verfügt über keine Schwimmhalle, die für olympisches und paralympisches Schwimmen geeignet ist. Eine entsprechende Anlage würde temporär errichtet werden, anstatt vorhandene Strukturen dauerhaft zu stärken. Das ist weder nachhaltig noch sinnvoll.

    Das oft vorgebrachte Argument, eine Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele würde dem Sport in Berlin automatisch helfen, ist deshalb irreführend. Es besteht die reale Gefahr, dass Mittel aus dem regulären Sporthaushalt zugunsten von Prestigeprojekten und Großveranstaltungen umgeleitet werden, genauso wie es jetzt bereits geschieht. Am Ende profitieren nicht der Breitensport, die Vereine und die Kinder, sondern einzelne Großprojekte.

    Frage 6: Ist Berlin überhaupt in der Lage, den Verkehr für ein solches Mega-Event zu stemmen?

    Der aktuelle Zustand unserer Nahverkehrssysteme und der Verkehrsinfrastruktur weckt Zweifel. BVG und S-Bahn befinden sich in einem kritischen bis alarmierenden Zustand. Es fehlen Fahrzeuge und Personal bei U-Bahn, S-Bahn, Straßenbahn und Bussen. Gleichzeitig müssen rund 120 Brücken, zahlreiche Bahnhöfe, Stellwerke und U-Bahntunnel saniert oder neu gebaut werden. Der Busbetrieb wurde massiv runtergefahren und eine Normalisierung ist nicht in Sicht. Das bedeutet langfristige Sperrungen und massives Verkehrschaos, Fahrplanausfälle und Verzögerungen und damit auch heute schon komplett überfüllte Fahrzeuge und Bahnsteige.

    Unter diesen Bedingungen wäre eine zusätzliche Belastung durch ein globales Großereignis unverantwortlich. Bevor wir über Olympische und Paralympische Spiele nachdenken, müssen wir erst einmal sicherstellen, dass der Alltagsverkehr für die Berliner*innen zuverlässig funktioniert.

    Frage 7: Entsteht durch das Olympische und Paralympische Dorf zusätzlicher benötigter Wohnraum?

    Nein. Nach den aktuellen Planungen soll das ohnehin geplante neue Stadtquartier „Stadteingang West“ zunächst als Olympisches und Paralympisches Dorf genutzt werden. Der Bau von Wohnungen ist hier aber sowieso geplant. Das Projekt soll rund um das Autobahndreieck am Funkturm entstehen. Genau hier liegt das Problem. Die Planungen sind abhänging vom vorgesehen Umbau des Autobahnkreuzes, der durch die Autobahn GmbH und den Bund durchgeführt wird und die sich immer weiter verzögern. Laut Ausschreibung ist eine vollständige Realisierung nicht vor 2045 vorgesehen. Eine Fertigstellung bis 2036 ist somit völlig unrealistisch. Hinzu kommt, dass ein Olympisches und Paralympisches Dorf andere bauliche und räumliche Anforderungen hat, als „normaler“ Wohnungsbau. Es müssten also erneute Umbaumaßnahmen vorgenommen werden, damit die Wohnungen im Anschluss vermietet werden können, was zusätzliche Kosten verursacht.

    Frage 8: Wären Olympische und Paralympische Spiele in Berlin nicht eine Chance, um Klima- und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen?

    Aus unserer Sicht ist eine wirklich umweltfreundliche Austragung einer solchen Großveranstaltung unrealistisch. Bisherige vergleichbare Veranstaltungen wurden nicht nachhaltig umgesetzt. Berlin verfehlt bereits heute seine eigenen Klimaziele und hat Probleme, bestehende Umweltprobleme zu bewältigen.

    Auch temporäre Bauten verbrauchen Fläche und Ressourcen, sind also weder klimaneutral noch folgenlos. Bei Olympischen und Paralympischen Spielen ist Nachhaltigkeit keine verpflichtende Bedingung, sondern vor allem ein PR-Versprechen. Unter diesen Voraussetzungen wäre es nicht glaubwürdig, die Spiele als Klimaprojekt zu vermarkten, während wir gleichzeitig unsere eigenen Ziele vor Ort verfehlen.

    Frage 9: Wie sieht es mit der demokratischen Beteiligung der Berliner Bevölkerung aus?

    Die mangelnde demokratische Beteiligung ist eines der größten Defizite der aktuellen Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele. In Berlin kann laut Landesverfassung keine Bürger*innenbefragung oder ein Bürger*innenentscheid „von oben“, also direkt durch einen Senatsbeschluss durchgeführt werden. Um ein solches Instrument einzuführen, wäre eine Verfassungsänderung nötig. Der Senat plant bisher aber auch keine vergleichbaren Beteiligungsformate oder Befragungen.

    Gleichzeitig hat sich München bereits für die Spiele entschieden. Berlin könnte seine Bewerbung also zurückziehen und damit Kosten sparen, anstatt weiteres Geld in ein Verfahren zu stecken, das auf wackligen Füßen steht. Die Unterstützung in der Berliner Bevölkerung ist ohnehin gering. Ein Projekt dieser finanziellen Größenordnung ohne breite Zustimmung der Menschen vor Ort voranzutreiben, halten wir politisch für falsch.

    Frage 10: Was kritisieren wir am Vorgehen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)?

    Der DOSB hat zunächst eine deutschlandweite Bewerbung angekündigt, die potenziell sinnvoller und nachhaltiger hätte sein können. Von dieser Idee ist er jedoch wieder abgerückt. Nun bewerben sich vier Städte gleichzeitig. In allen vier Bewerberstädten werden Millionen für Werbung und Konzepte ausgegeben, obwohl am Ende nur eine Stadt den Zuschlag erhalten kann. Das ist eine ineffiziente und teure Vorgehensweise.

    Die Verfahren des DOSB sind zudem intransparent: Es bleibt unklar, welche Kriterien genau gelten, wer die Entscheidungen am Ende wirklich trifft und wie der Zeitplan konkret aussieht. Bewertungsstandards werden nicht offengelegt. Insgesamt entsteht der Eindruck eines undemokratischen, intransparenten Machtprozesses, der den Ansprüchen an moderne, offene und partizipative Entscheidungen nicht gerecht wird.

    Frage 11: Warum ist das Internationale Olympische Komitee ein Problem für Austragungsorte wie Berlin?

    Das Internationale Olympische Komitee (IOC) ist nicht nur Sportdachverband, sondern ein mächtiger globaler Akteur, der die Spielregeln setzt, während Städte die Risiken tragen. In der Olympischen Charta und im „Host City Contract“ legt das IOC detaillierte Anforderungen fest – von Infrastruktur über Sicherheit bis zu Markenrechten und Ticketing. Bewerberstädte müssen Millionen in aufwendige Bewerbungsdossiers stecken, haben aber nur begrenzten Spielraum, die Bedingungen mitzugestalten. Gleichzeitig schöpft das IOC einen großen Teil der Gewinne aus TV-Rechten und globalen Sponsoren ab, während Milliardeninvestitionen in Sportstätten, Verkehr und Sicherheit überwiegend bei Städten und Staaten hängen bleiben. Ökonomische Analysen zeigen, dass seit 1960 alle Spiele das Budget überschritten haben und Austragungsorte oft langfristig mit Schulden und wenig genutzten Anlagen zurückbleiben.

    Hinzu kommt eine lange Geschichte der Kritik an Korruption, Intransparenz und Menschenrechtsverletzungen. Skandale wie bei der Vergabe der Winterspiele 2002 nach Salt Lake City sowie Vorwürfe rund um andere Bieterrunden haben das Bild eines korruptionsanfälligen Systems verfestigt. Menschenrechtsorganisationen dokumentieren immer wieder Verdrängung, Wohnraumverlust und Einschränkungen von Freiheitsrechten im Umfeld der Spiele. Als privater Verein mit erheblichem politischem Einfluss unterliegt das IOC nur schwacher demokratischer Kontrolle – ein weiteres Argument dagegen, Berlin in diese Abhängigkeit zu führen.

    Frage 12: Was hat die Münchner Abstimmung für Olympische und Paralympische Spiele mit Berlin zu tun?

    Ende Oktober 2025 konnten die Münchner*innen darüber abstimmen, ob sie für oder gegen eine Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele in ihrer Stadt sind. Eine Mehrheit hat dabei mit Ja gestimmt. Mit dieser Beteiligung und der Zustimmung hat München einen eindeutigen Vorteil gegenüber Berlin, wo es nicht mal eine Beteiligung geben soll (siehe vorherige Frage). Das muss auch dem Senat klar sein. Das halbherzige Vorgehen des Senats wirkt wie eine gesichtswahrende Bewerbung. Dafür sind sechs Millionen Euro zu viel Geld – Geld, das uns bei der Sanierung von Sportstätten fehlt. Während München die Stadt hinter sich hat, zeigt sich in Berlin in Umfragen eine Ablehnung von Olympischen und Paralymischen Spielen.

    Auch andere Städte machen es längst vor. In Nordrhein-Westfalen soll im April 2026 ein Bürgerentscheid in 17 Städten und Kommunen stattfinden. Hamburg führt sogar ein digitales Beteiligungsverfahren durch – auf einer Online-Plattform können Interessierte Vorschläge einbringen, Informationen abrufen und an einer Umfrage teilnehmen. Ende Mai 2026 stimmen die Hamburger*innen schließlich per Referendum über die Bewerbung ab. Fast alle Bewerberstädte binden ihre Bevölkerung aktiv ein – nur Berlin nicht. Obwohl klar ist: Rückhalt der Bevölkerung ist ein zentrales Auswahlkriterium für das IOC, das über die Vergabe der Spiele entscheidet.

    Auf dieser Grundlage ist es falsch, weiter Millionen in eine aussichtslose Bewerbung zu stecken, statt in die notwendige Sanierung maroder Sportanlagen zu investieren. Damit erweist Berlin dem Breitensport einen Bärendienst. Allen ist klar, dass weder der DOSB noch das IOC einen Austragungsort wählen, dessen Bevölkerung nicht eindeutig dahintersteht.

    Frage 13: Hat die Grüne Fraktion bereits in Regierungsveranwortung die Durchführung von Olympischen und Paralympischen Spielen in Berlin gefordert?

    Nein. Im Koalitionsvertrag 2021 haben wir keine Austragung von Olympischen oder Paralympischen Spielen gefordert. Wir haben lediglich festgelegt, dass Sportgroßveranstaltungen künftig klimaneutral, ökonomisch und sozial nachhaltig umgesetzt werden sollen. Eine Bewerbung wird nur unter klar definierten Bedingungen grundsätzlich geprüft. Dazu gehören eine grundlegende Reform der Vergaberichtlinien durch das IOC, ein nachhaltiges Konzept ohne Gigantismus, die Zustimmung des Deutschen Olympischen Sportbundes und der Bundesregierung sowie die Absicherung notwendiger Infrastrukturinvestitionen durch den Bund. Eine konkrete Forderung für eine Bewerbung oder Durchführung gab es von uns nicht.

    Frage 14: Welche Rolle spielt das geplante Volksbegehren des Bündnisses „NOlympia Berlin”?

    Das Bündnis will mit dem Volksbegehren erreichen, dass die Berliner Bevölkerung selbst über die Bewerbung für Olympische und Paralymische Spiele entscheiden kann. Das klare Ziel ist es, die Austragung Olympischer und Paralympische Spiele in Berlin politisch zu stoppen. Am Ende soll ein Volksentscheid stehen, bei dem die Berliner*innen über die Frage „Olympische Spiele in Berlin: Ja oder Nein?” abstimmen. Ein mehrheitliches „Nein” würde den Senat erheblich unter Druck setzen, die Bewerbung zurückzuziehen, und die Pläne für Olympische und Paralympische Spiele für Berlin faktisch kaum noch durchsetzbar machen.

    Rechtlich orientiert sich das Bündnis an den bestehenden Regeln für direkte Demokratie in Berlin. Das Verfahren ist mehrstufig: Zunächst braucht es einen Antrag auf ein Volksbegehren mit rund 20.000 gültigen Unterschriften. Wird dieser zugelassen, folgt das eigentliche Volksbegehren, für das etwa 170.000 bis knapp 175.000 Unterschriften von Wahlberechtigten gesammelt werden müssen. Erst wenn dieses Quorum erreicht ist und der Senat das Anliegen nicht freiwillig übernimmt, kommt es zum Volksentscheid, bei dem alle wahlberechtigten Berliner*innen abstimmen können.

    Frage 15: Zusammengefasst – warum ist eine Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele für Berlin der falsche Weg?

    Die Fakten sprechen klar gegen eine Bewerbung Berlins: Die Stadt hat die finanziellen Mittel nicht, es besteht ein massiver Sanierungsstau im Sportbereich, die Verkehrsinfrastruktur ist überlastet, das Olympische und Paralympische Dorf ist planerisch und zeitlich unrealistisch. Die Veranstaltung wäre weder klimafreundlich noch nachhaltig, und echte demokratische Beteiligung ist nicht vorgesehen.

    Gleichzeitig zeigt das Vorgehen des DOSB ein hohes Maß an Intransparenz, während in mehreren Städten Millionen in ein Konkurrenzverfahren gesteckt werden, bei dem am Ende nur eine Stadt übrig bleibt. Unter diesen Umständen ist es unsere Verantwortung, klar zu sagen: Berlin braucht jetzt Investitionen in bestehende Sportflächen, in den Breitensport für alle, in funktionierende Infrastruktur und in Klimaschutz, nicht ein teures, kurzfristiges Prestigeprojekt Olympia.

    Veröffentlicht am 01.12.2025 unter dem Link