• Es geht los! NOlympia-Bündnis Berlin startet mit Antrag auf Kostenschätzung sein Volksbegehren

    (Berlin, 15. Dezember 2025) Die fünf Vertrauenspersonen des geplanten Volksbegehrens »Für Berlin – gegen Olympia. Wir sagen Nein zu einer Bewerbung zu Olympischen Spielen in den Jahren 2036, 2040 und 2044« haben heute gemeinsam bei der Senatsverwaltung für Inneres und Sport den offiziellen Antrag auf eine amtliche Kostenschätzung eingereicht. Der Innensenat unter der Leitung von Iris Spranger (SPD) hat nun zwei Monate Zeit, seine Schätzung abzugeben. Spätestens Mitte Februar kann mit dem Sammeln von Unterschriften für den Antrag auf Einleitung des Volksbegehrens begonnen werden. Dazu die Kommentare der Vertrauenspersonen:

    »Berlin ist eine arme Stadt, die sich am Rande einer Haushaltsnotlage befindet. In dieser Situation«, so Dr. Gabriele Hiller (Die LINKE Berlin) weiter, »ist jeder Euro, der für Olympische Spiele ausgegeben wird, einer zu viel. Berlin muss in Wohnungsbau investieren, die soziale Infrastruktur stärken und Bildungsgerechtigkeit fördern – DAS sind die Pflichtaufgaben für Berlin.«

    Klara Schedlich (Grüne Fraktion Berlin) bekräftigt: »Olympische Spiele kosten das Land Berlin Milliarden an Steuergeldern – Gelder, die an anderer Stelle wie dem Ausbau von Sportstätten fehlen werden. Berlin sollte lieber erst seine Hausaufgaben machen, die wegen Sanierungsstau geschlossenen Hallen öffnen und ermöglichen, dass Kinder in Vereine kommen, statt auf Wartelisten verharren zu müssen. Ein positives NOlympia Volksbegehren spart Geld und ermöglicht Investitionen in den Sport und das bezahlbare Leben.«

    »Nachhaltigkeitsversprechen von IOC und Politik werden regelmäßig gebrochen. Weder in Paris noch bei den anstehenden Winterspielen in Südtirol spielen ökologische Kriterien oder Klimaschutz eine entscheidende Rolle.1 Schon in der Anbahnungsphase fressen sie wertvolle Ressourcen. Diese braucht gerade Berlin dringend, um die Stadt zukunftsfest umzubauen. Wärmewende, Mobilitätswende, Klimaanpassung – die Liste der Aufgaben ist gewaltig und wird nicht oder kaum abgearbeitet. Da passt die Bewerbung für ein Mega-Event wie die Olympischen Spiele überhaupt nicht«, so Carmen Schultze vom BUND Berlin.

    Uwe Hiksch (NaturFreunde Berlin): »Nachhaltige Olympische Spiele gibt es nicht, solange das IOC mit seinen Auflagen die Ausrichterstädte für die Sportstätten zu riesigen Modernisierungs- oder Neubaumaßnahmen zwingt. Die Ausrichtung der Olympischen Spiele ist in keiner Weise mit einer klimagerechten und ökologischen Entwicklung Berlins vertretbar. So werden weitere Flächen sinnlos versiegelt und auch die Errichtung von temporären Spielstätten verschwendet Energie und Ressourcen.«

    Sportwissenschaftler Prof. Dr. Johannes Verch fügt hinzu: »Das Modell des Höchstleistungs­sport mit gigantomanischen Spielen in mehrfacher Milliardenhöhe in wechselnden Städten ermöglicht weder einen vielfältigen Sport für alle noch löst es mit seinem immens verbleibenden Ressourcen-, Energie- und Flugaufkommen die Versprechen auf Klimagerechtigkeit und Nachhaltigkeit ein, die Deutschland bzw. Berlin bei den UN-Verträgen mit propagieren.«

     

    Kontakt:
    Uwe Hiksch, hiksch@naturfreunde.de, 0176 62 0159 02

    Dr. Gabriele Hiller, drghiller@gmail.com, 0174 37 250 58

    Carmen Schultze, schultze@bund-berlin.de, 0179 59 359 12

     

    Im Bündnis NOlympia Berlin arbeiten zusammen:

    BUND, BUNDjugend, Grüne Liga, NABU, NaturFreunde, Bürgerinitiative Jahnsportpark, Berliner Wassertisch, Roter Stern, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE, Grüne Jugend, Linksjugend [’solid], Jusos

    Bündnis NOlympia Berlin

    c/o NaturFreunde Landesverband Berlin e.V., Paretzer Str. 7, Tel. 030-810560250, nolympia@naturfreunde-berlin.de

    1. Vgl. bspw. zuletzt »Die Olympia-Organisatoren und unsere Politiker haben uns die nachhaltigsten Olympischen Spiele versprochen, aber das Gegenteil ist eingetreten« (Michaela Schuster, 2025). In: Hans Gasser: Olympische Spiele in Südtirol. Oh, Olympia! In: Süddeutsche Zeitung, 11. Dezember 2025, https://www.sueddeutsche.de/reise/olympia-biathlon-antholz-suedtirol-li.3337962

     

  • NOlympia Hamburg: Zur Mitgliederversammlung des DOSB / Kritik an »operativen Mindestanforderungen«

    Olympia in Hamburg: Verkehrschaos und Sicherheit auf Steuerzahlerkosten – Mindestanforderungen der Stadt nicht erfüllt.

    Im Rahmen der sogenannten »operativen Mindestanforderungen« hat der DOSB die vier Bewerberstädte auf Eventdurchführungstauglichkeit und Plausibilität des Gesamtkonzeptes geprüft. Hamburg und alle anderen Städte haben bestanden. Die Ergebnisse werden am 6. Dezember den DOSB-Mitgliedern vorgestellt. NOlympia Hamburg und der Bund der Steuerzahler Hamburg e.V. sehen ihre Mindestanforderungen nicht erfüllt.

    Dazu Eckart Maudrich, Sprecher von NOlympia Hamburg:

    »Nach der Prüfmethode des DOSB1 würden zentrale Hamburger Verkehrsadern zu Nadelöhren für die Hamburger*innen werden – wie der Elbtunnel, die Elbbrücken, die Lombardsbrücke, sowie die Willy-Brandt-, Budapester-, Stresemann- und Billhorner Brückenstraße. Auf diesen Straßen würden eigene Fahrspuren für das IOC sowie Akkreditierte eingerichtet werden, sogenannte Olympic Lanes. Das Chaos wäre vorprogrammiert, die Stadt gelähmt. Auch bei der Risiko- und Lastenverteilung akzeptiert der Senat den Status Quo des IOC, anstatt für Hamburg zu kämpfen: Weihnachtsmarktveranstalter zahlen für die Sicherheit ihrer Veranstaltung. Bei den Spielen ist jedoch die Stadt bereit, gigantische Summen dafür zu zahlen – wie Paris, wo die Sicherung der Spiele den öffentlichen Haushalt 1,4 Milliarden2 kostete. Der Senat hat sich noch nicht einmal mit der Idee beschäftigt, zumindest die Hochrisikokosten vom IOC bezahlen zu lassen.3 Dass in den sogenannten Beteiligungsformaten nicht darüber informiert wurde, spricht Bände.«4

    Sascha Mummenhoff, Landesvorsitzender des Bund der Steuerzahler Hamburg e.V.:

    »Dass der DOSB Hamburg bei der Eventtauglichkeit durchwinkt, beantwortet die entscheidende Frage nicht: Welche konkreten Belastungen kommen auf die Stadt zu und wer trägt am Ende die Risiken und Kosten, besonders bei Verkehr und Sicherheit? Ohne vollständige Transparenz ist eine verantwortliche Bewertung unmöglich. Der Bund der Steuerzahler Hamburg e.V. erwartet daher eine lückenlose, öffentlich zugängliche Kostendarstellung, vom ersten Euro der Bewerbungsphase bis zu Infrastruktur-, Organisations- und Sicherheitsausgaben. Jede finanzielle Verpflichtung muss nachvollziehbar offengelegt werden, bevor politische Festlegungen getroffen werden. Und ausgerechnet bei den Sicherheitskosten erleben wir seit Jahren eine Mauer des Schweigens: Die Hamburger Innenbehörde verweigert echte Transparenz darüber, welche Polizeikosten bei Großveranstaltungen tatsächlich entstehen und wie sie sich zusammensetzen. Wer beim Tagesgeschäft mauert, darf erst recht keine zusätzlichen Milliardenrisiken eingehen. Beim Profifußball fordern wir seit Jahren das Verursacherprinzip: Wer zusätzliche Polizeieinsätze auslöst, soll die Mehrkosten tragen. Für Olympia muss derselbe Maßstab gelten. Es ist nicht vermittelbar, dass Steuerzahlerinnen und Steuerzahler die olympiabedingten Sicherheits-Mehrkosten eines globalen Milliardenevents schultern sollen, während das IOC wirtschaftlich profitiert. Unsere Position lautet daher: Die olympiabedingten Sicherheits-Mehrkosten, insbesondere Hochrisiko- und Zusatzaufwände, müssen vom IOC übernommen werden. Der Hamburger Senat muss die Realität des eigenen Haushalts im Blick behalten. Wenn parallel weitere große Vorhaben (Naturkundemuseum im Elbtower, Kühne-Oper, Sanierung der bestehenden Oper, Hafenmuseum und Zukunftsentscheid) anstehen, steigt die Pflicht zu Transparenz, Prioritäten und klarer Risikobegrenzung. Das ist kein Votum gegen Olympia. Aber Olympia kann in Hamburg nur seriös diskutiert werden, wenn alle Risiken offen auf dem Tisch liegen und die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler nicht zum Selbstbedienungsladen für ein internationales Prestigeprojekt werden.«

    1 siehe DOSB Anleitung im Anhang [hier nicht angehängt]
    2 Cours de Compte: Les Jeux Olympiques et Paralympiques de Paris 2024. Rapport au Parlement. S.18. Zusätzliche Infrastrukturkosten: 300 Millionen für Sicherheitsequipment
    3 BDrs 23-02040
    4 Der DOSB bestätigt am 30.09.2025, dass die Minimumkriterien erfüllt sind – inkl. Olympic Lanes.

  • Pressemitteilung: Nein zur Olympiabewerbung! Berlin hat andere Probleme

    Der Senat hat heute einen Beschluss gefasst, der die Bewerbung Berlins für Olympische Spiele 2036/40/44 unwiderruflich machen soll. Es werden Maßnahmen, Veranstaltungen, Mittel in ungenannter Höhe angekündigt, die dazu zur Verfügung stehen sollen. Personal, ja eine Zentrale Steuerungseinheit, wird in Aussicht gestellt, um die Bewerbung zu forcieren. Im September 2026, also kurz vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin, soll die endgültige Bewerbung eingereicht werden.

    Man wundert sich. Hat dieser Senat keine anderen Probleme? Weiß er um die Beschaffenheit des öffentlichen Nahverkehrs? Kennt er die über siebzig maroden Brücken dieser Stadt? Kennt er den Sanierungsbedarf von Schule, Schwimmbädern, Sportanlagen in dieser Stadt? Weiß er um die Beschaffenheit der Hochschulen, der Theater, Museen? Kennt er die Wohnungsnot? Weiß er, wie geflüchtete Menschen hier untergebracht werden? Und dann setzt er solche Prioritäten?

    Wir als Bündnis NOlympia Berlin halten diesen Beschluss für einen perfiden Versuch, von den Problemen des Landes Berlin abzulenken. Stattdessen manövriert er die Stadt noch tiefer in die Schuldenfalle.

    Es geht dem Senat nicht wirklich um die Verbesserung der Lebensbedingungen der Berliner*innen, sondern darum, von diesen abzulenken, sich zu inszenieren und vermeintliche Erfolgsmeldungen vermitteln zu können. Die Olympiabewerbung ist nichts anderes als eine kollektive Realitätsflucht der gescheiterten CDU-SPD-Regierung.

    Wir von NOlympia Berlin werden es dazu nicht kommen lassen.

    Volksentscheid jetzt!

  • Sigrun Franzen / Rainer Schmitz (Spiegel): Berliner Olympia-Debatte. Warum Berlin auf die Spiele verzichten sollte (2015)

    Soll sich die deutsche Hauptstadt für die Olympischen Sommerspiele 2024 beziehungsweise 2028 bewerben? Hier erklären zwei Mitglieder des Berliner NOlympia-Bündnisses, warum sie dagegen sind.
    27.02.2015, 13.21 Uhr
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  • Pressemitteilung: LSB-»Volksinitiative« ist ein Plebiszit ›von oben‹. Echte Bürgerbefragung geht anders

    Der Landessportbund Berlin (LSB) hat am 2. Juli 2025 seine Volksinitiative zur Austragung Olympischer Spiele (OS) in Berlin gestartet. Damit sich das Berliner Abgeordnetenhaus (AGH) mit dem Anliegen befasst, müssen innerhalb von sechs Monaten mindestens 20.000 wahlberechtigte Berliner*innen ab 16 Jahren den Aufruf unterstützen. Ziel der Initiative ist es, einen Beschluss des AGH für eine Bewerbung für OS zu erreichen.

    Dazu das Bündnis NOlympia Berlin:

    Die vom Landessportbund gestartete Volksinitiative ist nichts weiter als eine Demokratiesimulation. Dem LSB geht es als Mitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) nicht um echte Mitbestimmung, sondern vor allem darum, dem Senat Rückendeckung zu verschaffen und eine Bewerbung politisch abzusichern.

    Echte Beteiligung der BerlinerInnen setzt Diskussion voraus. Sie erfordert die Offenlegung aller Pläne und eine seriöse Folgenabschätzung. Eine echte Beteiligung der Bevölkerung würde auch Alternativentscheidungen zulassen. Eine Bewerbung wie die zu Olympischen Spielen, die sich über einen Zeitraum von zehn bis fünfzehn Jahren erstreckt, braucht die Unterstützung einer großen Mehrheit der Bevölkerung. Eine Volksinitiative reicht nicht. Wenn sich Berlin bewirbt, muss, so wie es auch der DOSB fordert, eine echte Bürgerbefragung stattfinden.

    Dass eine Olympiabewerbung, wie behauptet wird, den Schul- und Breitensport fördert, ist ein oft wiederholtes Märchen. Das zeigen auch die Spiele in London 2012, wo das Versprechen, die Nation insgesamt fitter zu machen, krachend gescheitert ist. Wir sind überzeugt: Es wird kein einziges Schwimmbad, keine neue Schulsportanlage für die Berliner Bevölkerung entstehen. Neubauten stünden ohnehin im eklatanten Widerspruch zu allen Einsparungsmaßnahmen, die in der Stadt gegenwärtig in allen gesellschaftlichen Bereichen vorgenommen werden.

    Ökonom Oliver Holtemöller warnt: Berlin würde wirtschaftlich unter Olympia leiden

    Berlin hat bereits jetzt über 67 Mrd. EU Schulden. Die Finanzierung der Spiele mit ungeklärten Beteiligungen durch das privatwirtschaftlich agierende IOC, durch unbekannte private Investoren und durch die Bundesregierung würde den Schuldenberg massiv erhöhen und unsere Stadt tiefer in die Abhängigkeit von Banken treiben. Die Konzentration auf die Olympischen Spiele zöge unweigerlich Benachteiligungen in allen anderen Bereichen nach sich, so in der Bildung, in der Kultur, im Sozialen, in der Verkehrsinfrastruktur. Die soziale Schieflage in der Stadt würde weiter verstärkt. Es darf Berlin nicht so gehen wie beispielsweise Rio de Janeiro nach den Spielen 2016: »An Olympia ist die Stadt […] zerbrochen. Sie hat für eine knapp dreiwöchige Party ihre letzten Finanzreserven zusammengekratzt. Das Geld fehlt jetzt in den Schulen, den Unis, in den Krankenhäusern und der Rentenkasse und vor allem bei der öffentlichen Sicherheit.« (SZ, 13.7.2018)

    • Olympische Spiele lösen in Berlin kein einziges Problem!
    • Im Gegenteil: Olympische Spiele schaffen neue Probleme!

    Ein NEIN zu Olympischen Spielen ist ein JA zu Berlin!