Gentest

  • Rachel Beroggi (SRF): Geschlechtertests für Olympia – Sorgt ein Gentest für mehr Fairness im Frauensport? Interview mit Soziologen Dennis Krämer

    »Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verschärft die Regeln für den Frauensport: Athletinnen müssen künftig einen genetischen Geschlechtertest machen, Transfrauen werden ausgeschlossen. Die neuen Richtlinien sollen die Fairness im Frauensport gewährleisten, heisst es vom IOC. Tun sie das wirklich? Der Soziologe Dennis Krämer sieht das kritisch. Er forscht zur Geschlechterdiversität im Sport.«

    Dennis Krämer: »[…] Für die Spiele 2028 bedeutet das konkret: Rund 5600 Personen werden getestet, um über ihre Teilnahme zu entscheiden. Gleichzeitig zeigen sportmedizinische Metastudien, dass es über Disziplinen hinweg keine signifikanten Leistungsunterschiede zwischen trans- und nicht­trans­geschlechtlichen Personen gibt. Das kann man alles diskutieren und kritisch sehen, aber man muss es zumindest zur Kenntnis nehmen. […] In meinen Augen sollte die Partizipation von inter- und transgeschlechtlichen Personen stärker an Selbstbestimmungsgesetzen orientiert werden. Dem Argument, dass das unfair sei, würde ich begegnen mit: Sport ist immer unfair. Neben biologischen Faktoren spielen auch Grösse, Alter, Training, Talent oder Ehrgeiz eine Rolle. Diese Dimensionen bildet ein SRY-Gen überhaupt nicht ab.«
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  • Raphael Späth (Sportschau): Geschlechtertests für Sportlerinnen. Kein Schritt nach vorne, dafür drei Schritte zurück

    »Das IOC führt Gentests für Frauen ein und schließt transgender Athletinnen aus. Es ist ein Schritt zurück in die Vergangenheit, der auch politisch motiviert ist…. Anstatt Regularien zu finden, die diese Erkenntnisse und die gesellschaftliche Entwicklung in den vergangenen Jahren mit einbeziehen, schiebt das IOC allen Athletinnen einen Riegel vor, die nicht der weiblichen Norm entsprechen. Als Grundlage hierfür soll der sogenannte SRY-Gentest dienen – ein Test, der selbst vom Erfinder und vielen anderen wissenschaftlichen Expertinnen und Experten als unzureichend bezeichnet wurde, um sportliche Leistungsfähigkeit festzustellen. Auf welchen wissenschaftlichen Studien die Entscheidung des IOC basiert, ist nicht öffentlich einsehbar. Auch, wer genau Teil der Arbeitsgruppe war, die diese neuen Regularien erarbeitet hat, weiß nur der erlesene innere Kreis des IOC…. Was aber transparent dargelegt wurde, ist, dass diese Entscheidung auch mit Blick auf die Olympischen Sommerspiele 2028 getroffen wurde. 2028 finden die Spiele in den USA statt, es ist das letzte große Sportereignis mit Donald Trump als Präsidenten, dem Vorreiter im US-Kulturkampf gegen transgender Sportlerinnen. Schon im Wahlkampf 2024 war der Ausschluss von transgender Athletinnen eines der wichtigsten Themen der Republikaner – obwohl die Anzahl an trans* Leistungssportlerinnen in den USA an einer Hand abgezählt werden kann.

    Seit seinem Amtsantritt hat die US-Regierung dann auch entsprechende Gesetze erlassen, in vielen Bundesstaaten und quasi im gesamten Collegesport-System ist transgender Athletinnen der Start in der Frauen-Kategorie inzwischen untersagt. Donald Trump hat auch klar gemacht, dass er keine trans* Athletinnen in Los Angeles am Start sehen will. Diesen Wunsch hat die neue IOC-Präsidentin Kirsty Coventry ihm jetzt erfüllt. Anders als Vorgänger Thomas Bach bewegt sie sich voll auf Trump-Linie und verwendet dabei die gleichen diskriminierenden Formulierungen, spricht immer wieder von biologischen Männern anstatt von transgender Frauen.

    Die neuen Regeln sind ein klarer Verstoß gegen bestehende Menschenrechtskonventionen und Datenschutzverordnungen, selbst die Vereinten Nationen haben in den vergangenen Wochen gegen die Einführung verpflichtender Gentests plädiert. Vielmehr sind sie ein Schritt zurück in die Vergangenheit, in schon längst vergessen geglaubte Zeiten. Ausschluss anstatt Inklusion – das ist seit heute das neue Motto im Weltsport.«

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