»Frauen müssen sich künftig vor Olympia einem Geschlechtertest unterziehen. Grundlage für die Entscheidung ist eine konstruierte Bedrohung. […] Den Ausschluss von Sportlerinnen nun als ein Ergebnis zu präsentieren, das auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse gefällt wurde, die in der Arbeitsgruppe zusammengetragen wurden, zeugt von einer gewissen Unverfrorenheit. Der Ausschluss ist vielmehr Ergebnis eines Kulturkampfes, der auch den Sport erreicht hat und besonders intensiv bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris entbrannte. […]«
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Johannes Kopp (taz): IOC führt Geschlechtertests wieder ein. Kulturkampf wird olympische Disziplin
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Raphael Späth (Sportschau): Geschlechtertests für Sportlerinnen. Kein Schritt nach vorne, dafür drei Schritte zurück
»Das IOC führt Gentests für Frauen ein und schließt transgender Athletinnen aus. Es ist ein Schritt zurück in die Vergangenheit, der auch politisch motiviert ist…. Anstatt Regularien zu finden, die diese Erkenntnisse und die gesellschaftliche Entwicklung in den vergangenen Jahren mit einbeziehen, schiebt das IOC allen Athletinnen einen Riegel vor, die nicht der weiblichen Norm entsprechen. Als Grundlage hierfür soll der sogenannte SRY-Gentest dienen – ein Test, der selbst vom Erfinder und vielen anderen wissenschaftlichen Expertinnen und Experten als unzureichend bezeichnet wurde, um sportliche Leistungsfähigkeit festzustellen. Auf welchen wissenschaftlichen Studien die Entscheidung des IOC basiert, ist nicht öffentlich einsehbar. Auch, wer genau Teil der Arbeitsgruppe war, die diese neuen Regularien erarbeitet hat, weiß nur der erlesene innere Kreis des IOC…. Was aber transparent dargelegt wurde, ist, dass diese Entscheidung auch mit Blick auf die Olympischen Sommerspiele 2028 getroffen wurde. 2028 finden die Spiele in den USA statt, es ist das letzte große Sportereignis mit Donald Trump als Präsidenten, dem Vorreiter im US-Kulturkampf gegen transgender Sportlerinnen. Schon im Wahlkampf 2024 war der Ausschluss von transgender Athletinnen eines der wichtigsten Themen der Republikaner – obwohl die Anzahl an trans* Leistungssportlerinnen in den USA an einer Hand abgezählt werden kann.
Seit seinem Amtsantritt hat die US-Regierung dann auch entsprechende Gesetze erlassen, in vielen Bundesstaaten und quasi im gesamten Collegesport-System ist transgender Athletinnen der Start in der Frauen-Kategorie inzwischen untersagt. Donald Trump hat auch klar gemacht, dass er keine trans* Athletinnen in Los Angeles am Start sehen will. Diesen Wunsch hat die neue IOC-Präsidentin Kirsty Coventry ihm jetzt erfüllt. Anders als Vorgänger Thomas Bach bewegt sie sich voll auf Trump-Linie und verwendet dabei die gleichen diskriminierenden Formulierungen, spricht immer wieder von biologischen Männern anstatt von transgender Frauen.
Die neuen Regeln sind ein klarer Verstoß gegen bestehende Menschenrechtskonventionen und Datenschutzverordnungen, selbst die Vereinten Nationen haben in den vergangenen Wochen gegen die Einführung verpflichtender Gentests plädiert. Vielmehr sind sie ein Schritt zurück in die Vergangenheit, in schon längst vergessen geglaubte Zeiten. Ausschluss anstatt Inklusion – das ist seit heute das neue Motto im Weltsport.«
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