DOSB

  • köln.t-online: Olympia in Köln: Böhmermann geht OB an

    »TV-Moderator Jan Böhmermann hat in seinem Podcast [spotify.com: ›Fest und Flauschig‹] eine klare Absage an die Kölner Olympia-Bewerbung erteilt – und dabei kein Blatt vor den Mund genommen. „Aus irgendwelchen Gründen hat die Stadt Köln sich in den Kopf gesetzt, Olympiastadt zu werden“, so Böhmermann und machte deutlich, dass er beim anstehenden Bürgerentscheid dagegen stimmen wolle. Seine Vermutung für die kölsche Olympia-Bewerbung: die DOSB-Vergangenheit von Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD). […]«
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    »Vom 1. Februar 2022 bis Dezember 2024 war Torsten Burmester Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). In dieser Funktion führte er für knapp zwei Jahre die operative Leitung des Verbands. Burmester vertrat den DOSB auf Bundesebene und war 2024 Mitglied der Delegationsleitung für die Olympischen Spiele in Paris. Zeitgleich zur Bekanntgabe seiner Kandidatur als Kölner Oberbürgermeister wurde Burmester am 3. Dezember 2024 mit sofortiger Wirkung als DOSB-Vorstandsvorsitzender abberufen.« (wikipedia, Stand: 31.3.2026, 17:39)

  • Dr. Benjamin Benrich: Taschenspielertricks an der Elbe? Das Argument, das keines ist – wie Hamburg seine Bürger*innen mit Wissenschaft von Olympia überzeugen will

    »[…] Es ist alarmierend, wie viele Millionen Euro die Bewerberstädte und Regionen für den internen deutschen Wettbewerb aus Steuergeldern bereits investiert haben, insbesondere angesichts der häufig angespannten finanziellen Situation der Bewerberstädte und der Kürzungen der Fördermittel im Breitensport (siehe Berlin).[…]«
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  • BUND-Kreisgruppe Köln: NOlympia – Fragen und Antworten (24. Februar 2026)

    Welche Auswirkungen hätten die Olympischen Spiele auf Stadt, Finanzen, Klima und Verkehr?

    Der BUND Köln hat einen Q&A-Katalog zum Thema NOlympia zusammengestellt, der die Auswirkungen eines Austragungsort Köln hätte, gruppiert nach den Themenfeldern:

    – Stadtnatur und Flächenverbrauch
    – Kosten und kommunale Finanzen
    – Verkehr und Alltag
    – Demokratie und Mitbestimmung
    – Nachhaltigkeit und Greenwashing

    Die Publikation kann hier heruntergeladen werden.

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    Hier die Fragen und Antworten aus der downloadbaren PDF als Fließtext:

    Stand: Februar 2026

    Fragen und Antworten zum Ratsbürgerentscheid im März/April 2026

    Bewerbung der Stadt Köln für Olympische Spiele 2036, 2040, 2044

    Stadtnatur und Flächenverbrauch

    Frage 1: Befürworter der Olympischen Spiele behaupten, dass 90% der benötigten Sportstätten bereits vorhanden seien. Wie sieht es in Köln aus?

    Antwort: Das Gegenteil ist in Köln der Fall. Olympiastadion und Olympisches Dorf müssen neu errichtet werden!

    Frage 2: Welche Auswirkungen sind damit verbunden?

    Antwort: Im Kölner Norden in Kreuzfeld sollen dafür über 88 ha wertvoller landwirtschaftlicher Flächen, durchsetzt mit Hecken und Säumen, geopfert werden. Die Bodenzerstörung durch Siedlungsneubau gilt als eines der größten Umweltprobleme.

    Obwohl der Rat der Stadt Köln am 9. Juli 2019 den Klimanotstand ausgerufen hat, soll in Kreuzfeld ein wichtiges Kaltluftentstehungsgebiet beseitigt werden, ebenso Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten.

    Frage 3: Sollte Kreuzfeld nicht ohnehin bebaut werden?

    Antwort: Die Planungen für einen neuen Stadtteil mit ca. 8.000 Einwohnern laufen schon länger. Dabei wird dieser gar nicht benötigt.

    Das Potential für zusätzlichen Wohnraum ist durch Aufstockungen auf Bestandsgebäuden, höhere Geschossigkeit bei Neubauten, die Nutzung von Baulücken und mindergenutzten Grundstücken in den Stadtteilen, die neuen Stadtquartiervorhaben Parkstadt Süd und Deutzer Hafen, die Nutzung bisheriger industrieller Konversionsflächen, etwa in Mülheim und die Überbauung von Parkplätzen um ein Mehrfaches höher.

    Kosten und kommunale Finanzen

    Frage 4: Welche Kosten kommen auf die Stadt Köln bei einer Durchführung der Olympischen Spiele zu?

    Antwort: Bisher sind lediglich die Kosten für den Bürgerentscheid in Köln bekannt. Diese betragen nach Angaben der Stadt Köln 2,5 Millionen Euro. Hiervon will 85% das Land NRW übernehmen. Zu den eigentlichen Kosten der Durchführung der Olympischen Spiele in Köln gibt es bisher keine Angaben.

    Das Rechnungsprüfungsamt der Stadt Köln verlangt deswegen eine zeitnahe Wirtschaftlichkeitsbetrachtung.

    Erfahrungsgemäß werden die ursprünglichen Kostenprognosen systematisch zu niedrig angesetzt – nicht zuletzt, um politische Zustimmung und öffentliche Akzeptanz zu sichern. Tatsächlich liegen die Gesamtkosten Olympischer Spiele im Durchschnitt um 156% über den veranschlagten Budgets.

    Die finanziellen Risiken werden in die Zukunft verlagert, zu Lasten der öffentlichen Haushalte.

    Frage 5: Welche Erfahrungen mit den Kosten bei den Olympischen Spielen 2024 hat die Stadt Paris gemacht?

    Antwort: Der französische Rechnungshof beziffert die öffentlichen Kosten auf 6,6 Milliarden Euro. 2023 wurde noch mit lediglich 2,44 Milliarden Euro gerechnet. 3,63 Milliarden entfielen auf die Infrastruktur und 3,02 Milliarden für die Organisation, darunter allein 1,44 Milliarden für Sicherheit.

    Frage 6: Wie wirken sich die Kosten durch die Olympischen Spiele auf den Haushalt der Stadt Köln aus?

    Antwort: Durch Olympische Spiele würde das vorhandene Haushaltsdefizit der Stadt Köln weiter erhöht. Bereits für 2024 weist der Kölner Stadthaushalt ein Defizit von 293,4 Millionen Euro aus, 2025 waren es sogar 582 Millionen Euro.

    Auch für die folgenden Jahre bis 2029 fallen zusätzlich jedes Jahr erhebliche Millionenbeträge an Verlusten an.

    Es droht eine Haushaltssicherung. Zentrale Entscheidungen für die Stadt trifft dann die Bezirksregierung und nicht mehr der gewählte Stadtrat. Ende 2025 musste eine Haushaltssperre verhängt und die Grundsteuer erhöht werden.

    Es ist nicht verantwortbar, dass Finanzmittel für eine leistungsfähige KVB, zur Sanierung von Schwimmbädern, Schulen und Brücken und zur personellen Ausstattung von Kitas weiterhin fehlen, während gleichzeitig die Durchführung Olympischer Spiele das Haushaltsdefizit der Stadt Köln weiter ansteigen lässt!

    Verkehr und Alltag

    Frage 7: Wie soll das zusätzliche Verkehrsaufkommen durch die Olympischen Spiele in Köln bewältigt werden?

    Antwort: Das geplante Olympische Dorf und das Olympiastadion in Köln Kreuzfeld auf der linken Rheinseite sind über die Eisenbahnstrecke Köln-Neuss erreichbar. Diese Strecke ist bereits heute mit Güterverkehr, zwei Regionalbahnen und einer S-Bahn völlig überlastet und ein Kapazitätsausbau kaum möglich.

    Auf der rechten Rheinseite wird das Verkehrskonzept Rhein-Ruhr-Express geplant und gebaut und soll bis 2040 die derzeit ausgeschöpften Kapazitäten vergrößern. Ob aber angesichts des sanierungsbedürftigen Schienennetzes in NRW die Vorgaben des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) eingehalten werden können, erscheint mehr als fraglich.

    Der DOSB verlangt, dass die Fahrwege zwischen Olympischen Dorf und Wettkampfstätten in weniger als einer Stunde erreichbar bzw. die Entfernungen kleiner als 50 km sind.

    Frage 8: Was bedeutet das zusätzliche Verkehrsaufkommen für die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB)?

    Antwort: Die KVB hat seit 2023 wegen fehlender Fahrer/innen und Wagen ihr Verkehrsangebot deutlich reduziert. Mit diesem verringerten Angebot ist es kaum noch möglich, Menschen für den Umstieg auf den ÖPNV zu gewinnen. Die Kapazität der KVB stößt an ihre Grenzen.

    Gleichzeitig steckt die KVB in einer wirtschaftlichen Krise. Über Jahrzehnte hat der Kölner Stadtwerkekonzern die jährlichen KVB-Defizite im Rahmen des steuerlichen kommunalen Querverbunds durch die Überschüsse vor allem der GEW/RheinEnergie ausgeglichen. Dies wird zukünftig in vollem Umfang nicht mehr möglich sein.

    Der zu erwartende Zusatzverkehr durch die Olympischen Spiele würde das System überfordern zu Lasten der regulären Fahrgäste und mit erheblichen Beeinträchtigungen für den Alltagsverkehr.

    Frage 9: Was bedeuten zusätzliche Sicherheitsanforderungen bei den Olympischen Spielen für die lokale Bevölkerung?

    Antwort: Olympische Spiele gelten als „High Risk Events“. Dies ist mit weitreichenden Sicherheitszonen, Zugangsbeschränkungen und umfassenden Kontrollmaßnahmen verbunden. Es kommt zu Eingriffen in den Alltag und in gewohnte Freiheitsräume.

    Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris berichteten Anwohner/innen von erheblichen Zugangsbeschränkungen in ihrem eigenen Stadtteil. Bereits im Vorfeld kam es zu einer massiven Verlagerung obdachloser Menschen aus Pariser Stadtteilen in entfernte Regionen Frankreichs.

    Demokratie und Mitbestimmung

    Frage 10: Hat die Stadt Köln gegenüber dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ausreichend Mitsprachemöglichkeiten?

    Antwort: Leider nein. Das IOC nutzt seine unkontrollierte Monopolstellung für Regelungen, die Vertragspartner einseitig belasten. Der Host-City-Vertrag gilt als Knebelvertrag.

    Er lastet nahezu alle Risiken der Stadt an und gibt fast alle Rechte an das IOC.

    Frage 11: Kann die Stadt Köln im Rahmen ihres kommunalen Selbstverwaltungsrechts beim Bau der Sportstätten mitbestimmen?

    Antwort: Praktisch nicht, da die Standards vom IOC vorgegeben werden.

    Nachhaltigkeit und Greenwashing

    Frage 12: Warum betonen die Befürworter der Olympischen Spiele die Bedeutung der Nachhaltigkeit?

    Antwort: Der Nachhaltigkeitsbegriff ist deswegen so bedeutsam, weil die ökologische Gesamtbilanz bisheriger Olympischer Spiele verheerend ist und die gesellschaftliche Akzeptanz der Olympischen Spiele ohne dieses Label kaum noch erreichbar wäre. So blieb bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro die zugesagte Reduzierung der Gewässerverschmutzung in der Guanabara-Bucht bei den Segelwettbewerben aus. Zudem wurde der Olympische Golfplatz in einem Naturschutzgebiet errichtet.

    Frage 13: Was ist erforderlich, um frühzeitig, systematisch und transparent die Umweltauswirkungen der Olympischen Spiele zu ermitteln?

    Antwort: Vor einer Bewerbung und weiteren Planungsschritten ist zwingend eine Strategische Umweltprüfung (SUP) durchzuführen.

    Eine solche Prüfung sollte vor einer verbindlichen politischen Grundsatzentscheidung, wie etwa dem Bürgerentscheid, vorliegen, damit die Öffentlichkeit auf der Grundlage belastbarer Informationen abstimmen kann.

    Die SUP untersucht umfassend, welche Folgen die Olympischen Spiele für Menschen und Umwelt hätten. Sie bewertet die Auswirkungen auf Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung, Tiere, Pflanzen und die biologische Vielfalt, auf Boden, Wasser, Luft, Klima und Landschaft, auf Kultur und sonstige Sachgüter sowie die Wechselwirkungen zwischen den genannten Schutzgütern.

    Dabei müssen auch Alternativen geprüft werden, einschließlich der Frage, ob auf die Bewerbung ganz verzichtet werden sollte (sog. „Null-Option“).

    Frage 14: Wie sind die Auswirkungen Olympischer Spiele auf die Wirtschaft?

    Antwort: Wirtschaftsforschungsinstitute wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin sprechen von meist begrenzten gesamtwirtschaftlichen Effekten.

    Der französische Rechnungshof geht bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris von einem Anstieg des BSP von 0,07%, etwa 1,9 Milliarden Euro aus.

    Öffentliche Investitionen in Milliardenhöhe erzeugen zwar kurzfristig zusätzliche Nachfrage und Beschäftigung. Ihnen stehen aber erhebliche Folgekosten für den Betrieb, Instandhaltung, Sicherheit und ggf. den Rückbau der Anlagen gegenüber.

    Der gezielte Einsatz vergleichbarer finanzieller Mittel in Bildung, klimafreundliche Infrastruktur, energetische Sanierung von Gebäuden oder nachhaltige Mobilität hätte voraussichtlich höhere Beschäftigungs- und Wertschöpfungseffekte als die Durchführung Olympischer Spiele.

    Frage 15: Gibt es einen Vorschlag für am ehesten nachhaltige Olympische Spiele?

    Antwort: Um den alle vier Jahre stattfindenden weltweiten Wettbewerb um die Ausrichtungsorte mit all den bekannten schädlichen ökologischen und finanziellen Auswirkungen zu vermeiden, sollten die Olympischen Spiele an einem festen, dafür geeigneten Standort stattfinden.

  • Christoph Becker (FAZ): Der DOSB wählt den Gleichschritt [€]

    »[…] Allerdings sollten Weikert und Co. darauf achten, mit welchem Weltbild Frau Coventry Olympische Spiele aufzieht. Dass das IOC und die Olympischen Spiele von 1936 keinen Beitrag zur Propaganda der Nationalsozialisten geleistet haben, sie ebenso wenig Wladimir Putin 2014 beim Winterfestival an seiner Sommerresidenz in Sotschi in die Karten spielten, ist eine Sicht, die in ihrer Geschichtsvergessenheit und Verantwortungslosigkeit nicht satisfaktionsfähig ist.«

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  • NOlympia Hamburg: Zur Mitgliederversammlung des DOSB / Kritik an »operativen Mindestanforderungen«

    Olympia in Hamburg: Verkehrschaos und Sicherheit auf Steuerzahlerkosten – Mindestanforderungen der Stadt nicht erfüllt.

    Im Rahmen der sogenannten »operativen Mindestanforderungen« hat der DOSB die vier Bewerberstädte auf Eventdurchführungstauglichkeit und Plausibilität des Gesamtkonzeptes geprüft. Hamburg und alle anderen Städte haben bestanden. Die Ergebnisse werden am 6. Dezember den DOSB-Mitgliedern vorgestellt. NOlympia Hamburg und der Bund der Steuerzahler Hamburg e.V. sehen ihre Mindestanforderungen nicht erfüllt.

    Dazu Eckart Maudrich, Sprecher von NOlympia Hamburg:

    »Nach der Prüfmethode des DOSB1 würden zentrale Hamburger Verkehrsadern zu Nadelöhren für die Hamburger*innen werden – wie der Elbtunnel, die Elbbrücken, die Lombardsbrücke, sowie die Willy-Brandt-, Budapester-, Stresemann- und Billhorner Brückenstraße. Auf diesen Straßen würden eigene Fahrspuren für das IOC sowie Akkreditierte eingerichtet werden, sogenannte Olympic Lanes. Das Chaos wäre vorprogrammiert, die Stadt gelähmt. Auch bei der Risiko- und Lastenverteilung akzeptiert der Senat den Status Quo des IOC, anstatt für Hamburg zu kämpfen: Weihnachtsmarktveranstalter zahlen für die Sicherheit ihrer Veranstaltung. Bei den Spielen ist jedoch die Stadt bereit, gigantische Summen dafür zu zahlen – wie Paris, wo die Sicherung der Spiele den öffentlichen Haushalt 1,4 Milliarden2 kostete. Der Senat hat sich noch nicht einmal mit der Idee beschäftigt, zumindest die Hochrisikokosten vom IOC bezahlen zu lassen.3 Dass in den sogenannten Beteiligungsformaten nicht darüber informiert wurde, spricht Bände.«4

    Sascha Mummenhoff, Landesvorsitzender des Bund der Steuerzahler Hamburg e.V.:

    »Dass der DOSB Hamburg bei der Eventtauglichkeit durchwinkt, beantwortet die entscheidende Frage nicht: Welche konkreten Belastungen kommen auf die Stadt zu und wer trägt am Ende die Risiken und Kosten, besonders bei Verkehr und Sicherheit? Ohne vollständige Transparenz ist eine verantwortliche Bewertung unmöglich. Der Bund der Steuerzahler Hamburg e.V. erwartet daher eine lückenlose, öffentlich zugängliche Kostendarstellung, vom ersten Euro der Bewerbungsphase bis zu Infrastruktur-, Organisations- und Sicherheitsausgaben. Jede finanzielle Verpflichtung muss nachvollziehbar offengelegt werden, bevor politische Festlegungen getroffen werden. Und ausgerechnet bei den Sicherheitskosten erleben wir seit Jahren eine Mauer des Schweigens: Die Hamburger Innenbehörde verweigert echte Transparenz darüber, welche Polizeikosten bei Großveranstaltungen tatsächlich entstehen und wie sie sich zusammensetzen. Wer beim Tagesgeschäft mauert, darf erst recht keine zusätzlichen Milliardenrisiken eingehen. Beim Profifußball fordern wir seit Jahren das Verursacherprinzip: Wer zusätzliche Polizeieinsätze auslöst, soll die Mehrkosten tragen. Für Olympia muss derselbe Maßstab gelten. Es ist nicht vermittelbar, dass Steuerzahlerinnen und Steuerzahler die olympiabedingten Sicherheits-Mehrkosten eines globalen Milliardenevents schultern sollen, während das IOC wirtschaftlich profitiert. Unsere Position lautet daher: Die olympiabedingten Sicherheits-Mehrkosten, insbesondere Hochrisiko- und Zusatzaufwände, müssen vom IOC übernommen werden. Der Hamburger Senat muss die Realität des eigenen Haushalts im Blick behalten. Wenn parallel weitere große Vorhaben (Naturkundemuseum im Elbtower, Kühne-Oper, Sanierung der bestehenden Oper, Hafenmuseum und Zukunftsentscheid) anstehen, steigt die Pflicht zu Transparenz, Prioritäten und klarer Risikobegrenzung. Das ist kein Votum gegen Olympia. Aber Olympia kann in Hamburg nur seriös diskutiert werden, wenn alle Risiken offen auf dem Tisch liegen und die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler nicht zum Selbstbedienungsladen für ein internationales Prestigeprojekt werden.«

    1 siehe DOSB Anleitung im Anhang [hier nicht angehängt]
    2 Cours de Compte: Les Jeux Olympiques et Paralympiques de Paris 2024. Rapport au Parlement. S.18. Zusätzliche Infrastrukturkosten: 300 Millionen für Sicherheitsequipment
    3 BDrs 23-02040
    4 Der DOSB bestätigt am 30.09.2025, dass die Minimumkriterien erfüllt sind – inkl. Olympic Lanes.

  • Warum NOlympia Berlin? Klara Schedlich (Stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für Sportpolitik)

    Grüne Fraktion Berlin: Fragen & Antworten zur Berliner Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele in Deutschland

    Frage 1: Warum lehnen wir als Fraktion die Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele für Berlin ab?

    Berlin steht vor massiven Haushaltskürzungen durch den schwarz-roten Senat und verfügt weder über die finanziellen Mittel noch über die notwendige Infrastruktur, um ein solches Großereignis sinnvoll auszurichten. Hinzu kommt, dass die Sportinfrastruktur für den Breitensport einen sehr hohen Sanierungsstau hat und Gelder für Reparaturen und Renovierungen fehlen. Anstatt also Milliarden an Steuergeldern in ein Prestige-Ereignis zu investieren, das keinen dauerhaften Mehrwert für die Stadt schafft, müssen wir uns dringend um bestehende Probleme kümmern: marode Sportstätten und Bäder, eine überlastete Verkehrsinfrastruktur, verfehlte Klimaziele und ein angespannter Wohnungsmarkt. Gleichzeitig ist die Bewerbung intransparent organisiert, es liegen weder Finanzierungspläne noch Konzepte für die Sportstättennutzung öffentlich vor, die Bevölkerung wird kaum beteiligt. Aus diesen Gründen lehnen wir eine Bewerbung für mögliche Olympische und Paralympische Spiele in Berlin in 2036, 2040 und 2044 ab, weil sie aus sport- und finanzpolitischer, sozialer sowie ökologischer Sicht nicht verantwortbar ist.

    Frage 2: Kann sich Berlin Olympische und Paralympische Spiele finanziell überhaupt leisten?

    Nein, aus unserer Sicht kann Berlin sich Olympische und Paralympische Spiele ganz klar nicht leisten. Schon die Bewerbung selbst kostet mindestens sechs Millionen Euro und das nur für Marketing, Planung und Kommunikation rund um den innerdeutschen Wettstreit, mit welchem Standort sich Deutschland beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) für eine mögliche Austragung der Spiele bewirbt. Die eigentliche Ausrichtung – wenn es überhaupt einen Zuschlag für Deutschland gibt – würde dann in die Milliarden gehen. Aber schon die 6 Millionen Euro, die jetzt ausgegeben werden sollen, werden an anderer Stelle fehlen und zu Kürzungen im Berliner Sport führen.

    Allein bei Sportstätten und Bädern besteht heute schon ein Sanierungsstau von rund einer Milliarde Euro. Statt weitere Milliarden in überteuerte Groß-Events zu investieren, müsste Berlin zuerst die bestehenden Anlagen sanieren. Hinzu kommt das hohe Risiko von Kostenexplosionen, wie zuletzt immer bei Olympischen und Paralympischen Spielen in anderen Städten.

    Frage 3: Aber bringen Olympische und Paralympische Spiele nicht ganz viele Einnahmen für die Stadt?

    Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass Olympische und Paralympische Spiele langfristig positive finanzielle Effekte für Austragungsorte haben. Im Gegenteil: In London klaffte nach den Spielen eine massive Kostenlücke – das Delta zwischen Ausgaben und Einnahmen lag bei rund 8 Milliarden US-Dollar zulasten der öffentlichen Hand. Zahlen zu Paris liegen noch nicht abschließend vor aber klar ist, auch Paris liefert keinen Gegenbeweis: Der Rechnungshof erhöhte die geschätzten Kosten auf 6,6 Milliarden Euro, inklusive 1,44 Milliarden Euro für Sicherheit. Die Bilanz: Der Einfluss auf das Wirtschaftswachstum 2024 liegt bei lediglich +0,07 Prozentpunkten, laut Rechnungshof „bescheiden“ und „kurzfristig begrenzt“. Wenn selbst Paris – mit hoher Zustimmung der Bevölkerung und professioneller Vorbereitung – keinen deutlichen ökonomischen Effekt erzielt, ist es für Berlin noch unrealistischer. Statt Millionen in Hoffnungen zu investieren, brauchen wir sie dringend für Sportstätten.

    Frage 4: Profitiert nicht der Tourismus von Olympia?

    Auch der Mythos, dass Olympia den Tourismus ankurbelt, hält einer Überprüfung nicht stand. Untersuchungen zeigen, dass Großveranstaltungen Verdrängungseffekte haben. Das heißt, dass viele Tourist*innen oft nicht in Städte reisen, in denen sportliche Großveranstaltungen stattfinden, weil oft die Preise in diesem Zeitraum (z.B. für Hotels) viel höher sind als sonst. Die weithin als Erfolg gewertete Olympiade in Paris hat dort im Jahr 2024 sogar zu einem Rückgang der Tourismuszahlen geführt. Ein ähnliches Bild zeigte sich bereits bei der Europameisterschaft 2024, die Auslastung der Berliner Hotels lag trotz des Turniers nicht höher als üblich. Für Berlin gibt es weder eine belastbare, noch eine öffentliche Kostenschätzung oder Risikoabwägung. Faktisch würden Milliarden an Steuergeldern für eine zweiwöchige Veranstaltung ausgegeben, ohne dass dies einen dauerhaften Mehrwert für die Stadt brächte.

    Frage 5: Würden die Olympischen und Paralympischen Spiele nicht dabei helfen, die Sportinfrastruktur in Berlin zu verbessern?

    Dieses Argument klingt zwar auf den ersten Blick attraktiv, hält einer genaueren Betrachtung jedoch nicht stand. Schon heute sind in Berlin über 50 Sportstätten und 8 Bäder geschlossen und werden nicht saniert. Hier liegt der eigentliche Handlungsbedarf, der durch eine Bewerbung nicht kleiner, sondern eher größer wird, weil Geld in die Ausrichtung der Spiele und nicht in die Sportstätten für den Breitensport fließt.

    Berlin verfügt über keine Schwimmhalle, die für olympisches und paralympisches Schwimmen geeignet ist. Eine entsprechende Anlage würde temporär errichtet werden, anstatt vorhandene Strukturen dauerhaft zu stärken. Das ist weder nachhaltig noch sinnvoll.

    Das oft vorgebrachte Argument, eine Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele würde dem Sport in Berlin automatisch helfen, ist deshalb irreführend. Es besteht die reale Gefahr, dass Mittel aus dem regulären Sporthaushalt zugunsten von Prestigeprojekten und Großveranstaltungen umgeleitet werden, genauso wie es jetzt bereits geschieht. Am Ende profitieren nicht der Breitensport, die Vereine und die Kinder, sondern einzelne Großprojekte.

    Frage 6: Ist Berlin überhaupt in der Lage, den Verkehr für ein solches Mega-Event zu stemmen?

    Der aktuelle Zustand unserer Nahverkehrssysteme und der Verkehrsinfrastruktur weckt Zweifel. BVG und S-Bahn befinden sich in einem kritischen bis alarmierenden Zustand. Es fehlen Fahrzeuge und Personal bei U-Bahn, S-Bahn, Straßenbahn und Bussen. Gleichzeitig müssen rund 120 Brücken, zahlreiche Bahnhöfe, Stellwerke und U-Bahntunnel saniert oder neu gebaut werden. Der Busbetrieb wurde massiv runtergefahren und eine Normalisierung ist nicht in Sicht. Das bedeutet langfristige Sperrungen und massives Verkehrschaos, Fahrplanausfälle und Verzögerungen und damit auch heute schon komplett überfüllte Fahrzeuge und Bahnsteige.

    Unter diesen Bedingungen wäre eine zusätzliche Belastung durch ein globales Großereignis unverantwortlich. Bevor wir über Olympische und Paralympische Spiele nachdenken, müssen wir erst einmal sicherstellen, dass der Alltagsverkehr für die Berliner*innen zuverlässig funktioniert.

    Frage 7: Entsteht durch das Olympische und Paralympische Dorf zusätzlicher benötigter Wohnraum?

    Nein. Nach den aktuellen Planungen soll das ohnehin geplante neue Stadtquartier „Stadteingang West“ zunächst als Olympisches und Paralympisches Dorf genutzt werden. Der Bau von Wohnungen ist hier aber sowieso geplant. Das Projekt soll rund um das Autobahndreieck am Funkturm entstehen. Genau hier liegt das Problem. Die Planungen sind abhänging vom vorgesehen Umbau des Autobahnkreuzes, der durch die Autobahn GmbH und den Bund durchgeführt wird und die sich immer weiter verzögern. Laut Ausschreibung ist eine vollständige Realisierung nicht vor 2045 vorgesehen. Eine Fertigstellung bis 2036 ist somit völlig unrealistisch. Hinzu kommt, dass ein Olympisches und Paralympisches Dorf andere bauliche und räumliche Anforderungen hat, als „normaler“ Wohnungsbau. Es müssten also erneute Umbaumaßnahmen vorgenommen werden, damit die Wohnungen im Anschluss vermietet werden können, was zusätzliche Kosten verursacht.

    Frage 8: Wären Olympische und Paralympische Spiele in Berlin nicht eine Chance, um Klima- und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen?

    Aus unserer Sicht ist eine wirklich umweltfreundliche Austragung einer solchen Großveranstaltung unrealistisch. Bisherige vergleichbare Veranstaltungen wurden nicht nachhaltig umgesetzt. Berlin verfehlt bereits heute seine eigenen Klimaziele und hat Probleme, bestehende Umweltprobleme zu bewältigen.

    Auch temporäre Bauten verbrauchen Fläche und Ressourcen, sind also weder klimaneutral noch folgenlos. Bei Olympischen und Paralympischen Spielen ist Nachhaltigkeit keine verpflichtende Bedingung, sondern vor allem ein PR-Versprechen. Unter diesen Voraussetzungen wäre es nicht glaubwürdig, die Spiele als Klimaprojekt zu vermarkten, während wir gleichzeitig unsere eigenen Ziele vor Ort verfehlen.

    Frage 9: Wie sieht es mit der demokratischen Beteiligung der Berliner Bevölkerung aus?

    Die mangelnde demokratische Beteiligung ist eines der größten Defizite der aktuellen Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele. In Berlin kann laut Landesverfassung keine Bürger*innenbefragung oder ein Bürger*innenentscheid „von oben“, also direkt durch einen Senatsbeschluss durchgeführt werden. Um ein solches Instrument einzuführen, wäre eine Verfassungsänderung nötig. Der Senat plant bisher aber auch keine vergleichbaren Beteiligungsformate oder Befragungen.

    Gleichzeitig hat sich München bereits für die Spiele entschieden. Berlin könnte seine Bewerbung also zurückziehen und damit Kosten sparen, anstatt weiteres Geld in ein Verfahren zu stecken, das auf wackligen Füßen steht. Die Unterstützung in der Berliner Bevölkerung ist ohnehin gering. Ein Projekt dieser finanziellen Größenordnung ohne breite Zustimmung der Menschen vor Ort voranzutreiben, halten wir politisch für falsch.

    Frage 10: Was kritisieren wir am Vorgehen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)?

    Der DOSB hat zunächst eine deutschlandweite Bewerbung angekündigt, die potenziell sinnvoller und nachhaltiger hätte sein können. Von dieser Idee ist er jedoch wieder abgerückt. Nun bewerben sich vier Städte gleichzeitig. In allen vier Bewerberstädten werden Millionen für Werbung und Konzepte ausgegeben, obwohl am Ende nur eine Stadt den Zuschlag erhalten kann. Das ist eine ineffiziente und teure Vorgehensweise.

    Die Verfahren des DOSB sind zudem intransparent: Es bleibt unklar, welche Kriterien genau gelten, wer die Entscheidungen am Ende wirklich trifft und wie der Zeitplan konkret aussieht. Bewertungsstandards werden nicht offengelegt. Insgesamt entsteht der Eindruck eines undemokratischen, intransparenten Machtprozesses, der den Ansprüchen an moderne, offene und partizipative Entscheidungen nicht gerecht wird.

    Frage 11: Warum ist das Internationale Olympische Komitee ein Problem für Austragungsorte wie Berlin?

    Das Internationale Olympische Komitee (IOC) ist nicht nur Sportdachverband, sondern ein mächtiger globaler Akteur, der die Spielregeln setzt, während Städte die Risiken tragen. In der Olympischen Charta und im „Host City Contract“ legt das IOC detaillierte Anforderungen fest – von Infrastruktur über Sicherheit bis zu Markenrechten und Ticketing. Bewerberstädte müssen Millionen in aufwendige Bewerbungsdossiers stecken, haben aber nur begrenzten Spielraum, die Bedingungen mitzugestalten. Gleichzeitig schöpft das IOC einen großen Teil der Gewinne aus TV-Rechten und globalen Sponsoren ab, während Milliardeninvestitionen in Sportstätten, Verkehr und Sicherheit überwiegend bei Städten und Staaten hängen bleiben. Ökonomische Analysen zeigen, dass seit 1960 alle Spiele das Budget überschritten haben und Austragungsorte oft langfristig mit Schulden und wenig genutzten Anlagen zurückbleiben.

    Hinzu kommt eine lange Geschichte der Kritik an Korruption, Intransparenz und Menschenrechtsverletzungen. Skandale wie bei der Vergabe der Winterspiele 2002 nach Salt Lake City sowie Vorwürfe rund um andere Bieterrunden haben das Bild eines korruptionsanfälligen Systems verfestigt. Menschenrechtsorganisationen dokumentieren immer wieder Verdrängung, Wohnraumverlust und Einschränkungen von Freiheitsrechten im Umfeld der Spiele. Als privater Verein mit erheblichem politischem Einfluss unterliegt das IOC nur schwacher demokratischer Kontrolle – ein weiteres Argument dagegen, Berlin in diese Abhängigkeit zu führen.

    Frage 12: Was hat die Münchner Abstimmung für Olympische und Paralympische Spiele mit Berlin zu tun?

    Ende Oktober 2025 konnten die Münchner*innen darüber abstimmen, ob sie für oder gegen eine Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele in ihrer Stadt sind. Eine Mehrheit hat dabei mit Ja gestimmt. Mit dieser Beteiligung und der Zustimmung hat München einen eindeutigen Vorteil gegenüber Berlin, wo es nicht mal eine Beteiligung geben soll (siehe vorherige Frage). Das muss auch dem Senat klar sein. Das halbherzige Vorgehen des Senats wirkt wie eine gesichtswahrende Bewerbung. Dafür sind sechs Millionen Euro zu viel Geld – Geld, das uns bei der Sanierung von Sportstätten fehlt. Während München die Stadt hinter sich hat, zeigt sich in Berlin in Umfragen eine Ablehnung von Olympischen und Paralymischen Spielen.

    Auch andere Städte machen es längst vor. In Nordrhein-Westfalen soll im April 2026 ein Bürgerentscheid in 17 Städten und Kommunen stattfinden. Hamburg führt sogar ein digitales Beteiligungsverfahren durch – auf einer Online-Plattform können Interessierte Vorschläge einbringen, Informationen abrufen und an einer Umfrage teilnehmen. Ende Mai 2026 stimmen die Hamburger*innen schließlich per Referendum über die Bewerbung ab. Fast alle Bewerberstädte binden ihre Bevölkerung aktiv ein – nur Berlin nicht. Obwohl klar ist: Rückhalt der Bevölkerung ist ein zentrales Auswahlkriterium für das IOC, das über die Vergabe der Spiele entscheidet.

    Auf dieser Grundlage ist es falsch, weiter Millionen in eine aussichtslose Bewerbung zu stecken, statt in die notwendige Sanierung maroder Sportanlagen zu investieren. Damit erweist Berlin dem Breitensport einen Bärendienst. Allen ist klar, dass weder der DOSB noch das IOC einen Austragungsort wählen, dessen Bevölkerung nicht eindeutig dahintersteht.

    Frage 13: Hat die Grüne Fraktion bereits in Regierungsveranwortung die Durchführung von Olympischen und Paralympischen Spielen in Berlin gefordert?

    Nein. Im Koalitionsvertrag 2021 haben wir keine Austragung von Olympischen oder Paralympischen Spielen gefordert. Wir haben lediglich festgelegt, dass Sportgroßveranstaltungen künftig klimaneutral, ökonomisch und sozial nachhaltig umgesetzt werden sollen. Eine Bewerbung wird nur unter klar definierten Bedingungen grundsätzlich geprüft. Dazu gehören eine grundlegende Reform der Vergaberichtlinien durch das IOC, ein nachhaltiges Konzept ohne Gigantismus, die Zustimmung des Deutschen Olympischen Sportbundes und der Bundesregierung sowie die Absicherung notwendiger Infrastrukturinvestitionen durch den Bund. Eine konkrete Forderung für eine Bewerbung oder Durchführung gab es von uns nicht.

    Frage 14: Welche Rolle spielt das geplante Volksbegehren des Bündnisses „NOlympia Berlin”?

    Das Bündnis will mit dem Volksbegehren erreichen, dass die Berliner Bevölkerung selbst über die Bewerbung für Olympische und Paralymische Spiele entscheiden kann. Das klare Ziel ist es, die Austragung Olympischer und Paralympische Spiele in Berlin politisch zu stoppen. Am Ende soll ein Volksentscheid stehen, bei dem die Berliner*innen über die Frage „Olympische Spiele in Berlin: Ja oder Nein?” abstimmen. Ein mehrheitliches „Nein” würde den Senat erheblich unter Druck setzen, die Bewerbung zurückzuziehen, und die Pläne für Olympische und Paralympische Spiele für Berlin faktisch kaum noch durchsetzbar machen.

    Rechtlich orientiert sich das Bündnis an den bestehenden Regeln für direkte Demokratie in Berlin. Das Verfahren ist mehrstufig: Zunächst braucht es einen Antrag auf ein Volksbegehren mit rund 20.000 gültigen Unterschriften. Wird dieser zugelassen, folgt das eigentliche Volksbegehren, für das etwa 170.000 bis knapp 175.000 Unterschriften von Wahlberechtigten gesammelt werden müssen. Erst wenn dieses Quorum erreicht ist und der Senat das Anliegen nicht freiwillig übernimmt, kommt es zum Volksentscheid, bei dem alle wahlberechtigten Berliner*innen abstimmen können.

    Frage 15: Zusammengefasst – warum ist eine Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele für Berlin der falsche Weg?

    Die Fakten sprechen klar gegen eine Bewerbung Berlins: Die Stadt hat die finanziellen Mittel nicht, es besteht ein massiver Sanierungsstau im Sportbereich, die Verkehrsinfrastruktur ist überlastet, das Olympische und Paralympische Dorf ist planerisch und zeitlich unrealistisch. Die Veranstaltung wäre weder klimafreundlich noch nachhaltig, und echte demokratische Beteiligung ist nicht vorgesehen.

    Gleichzeitig zeigt das Vorgehen des DOSB ein hohes Maß an Intransparenz, während in mehreren Städten Millionen in ein Konkurrenzverfahren gesteckt werden, bei dem am Ende nur eine Stadt übrig bleibt. Unter diesen Umständen ist es unsere Verantwortung, klar zu sagen: Berlin braucht jetzt Investitionen in bestehende Sportflächen, in den Breitensport für alle, in funktionierende Infrastruktur und in Klimaschutz, nicht ein teures, kurzfristiges Prestigeprojekt Olympia.

    Veröffentlicht am 01.12.2025 unter dem Link

  • Pressemitteilung: LSB-»Volksinitiative« ist ein Plebiszit ›von oben‹. Echte Bürgerbefragung geht anders

    Der Landessportbund Berlin (LSB) hat am 2. Juli 2025 seine Volksinitiative zur Austragung Olympischer Spiele (OS) in Berlin gestartet. Damit sich das Berliner Abgeordnetenhaus (AGH) mit dem Anliegen befasst, müssen innerhalb von sechs Monaten mindestens 20.000 wahlberechtigte Berliner*innen ab 16 Jahren den Aufruf unterstützen. Ziel der Initiative ist es, einen Beschluss des AGH für eine Bewerbung für OS zu erreichen.

    Dazu das Bündnis NOlympia Berlin:

    Die vom Landessportbund gestartete Volksinitiative ist nichts weiter als eine Demokratiesimulation. Dem LSB geht es als Mitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) nicht um echte Mitbestimmung, sondern vor allem darum, dem Senat Rückendeckung zu verschaffen und eine Bewerbung politisch abzusichern.

    Echte Beteiligung der BerlinerInnen setzt Diskussion voraus. Sie erfordert die Offenlegung aller Pläne und eine seriöse Folgenabschätzung. Eine echte Beteiligung der Bevölkerung würde auch Alternativentscheidungen zulassen. Eine Bewerbung wie die zu Olympischen Spielen, die sich über einen Zeitraum von zehn bis fünfzehn Jahren erstreckt, braucht die Unterstützung einer großen Mehrheit der Bevölkerung. Eine Volksinitiative reicht nicht. Wenn sich Berlin bewirbt, muss, so wie es auch der DOSB fordert, eine echte Bürgerbefragung stattfinden.

    Dass eine Olympiabewerbung, wie behauptet wird, den Schul- und Breitensport fördert, ist ein oft wiederholtes Märchen. Das zeigen auch die Spiele in London 2012, wo das Versprechen, die Nation insgesamt fitter zu machen, krachend gescheitert ist. Wir sind überzeugt: Es wird kein einziges Schwimmbad, keine neue Schulsportanlage für die Berliner Bevölkerung entstehen. Neubauten stünden ohnehin im eklatanten Widerspruch zu allen Einsparungsmaßnahmen, die in der Stadt gegenwärtig in allen gesellschaftlichen Bereichen vorgenommen werden.

    Ökonom Oliver Holtemöller warnt: Berlin würde wirtschaftlich unter Olympia leiden

    Berlin hat bereits jetzt über 67 Mrd. EU Schulden. Die Finanzierung der Spiele mit ungeklärten Beteiligungen durch das privatwirtschaftlich agierende IOC, durch unbekannte private Investoren und durch die Bundesregierung würde den Schuldenberg massiv erhöhen und unsere Stadt tiefer in die Abhängigkeit von Banken treiben. Die Konzentration auf die Olympischen Spiele zöge unweigerlich Benachteiligungen in allen anderen Bereichen nach sich, so in der Bildung, in der Kultur, im Sozialen, in der Verkehrsinfrastruktur. Die soziale Schieflage in der Stadt würde weiter verstärkt. Es darf Berlin nicht so gehen wie beispielsweise Rio de Janeiro nach den Spielen 2016: »An Olympia ist die Stadt […] zerbrochen. Sie hat für eine knapp dreiwöchige Party ihre letzten Finanzreserven zusammengekratzt. Das Geld fehlt jetzt in den Schulen, den Unis, in den Krankenhäusern und der Rentenkasse und vor allem bei der öffentlichen Sicherheit.« (SZ, 13.7.2018)

    • Olympische Spiele lösen in Berlin kein einziges Problem!
    • Im Gegenteil: Olympische Spiele schaffen neue Probleme!

    Ein NEIN zu Olympischen Spielen ist ein JA zu Berlin!