Elitenprojekt

  • NOlympia Hamburg: Zehn Jahre Nein zu Olympia: Hamburger Senat ist lernresistent

    Am Samstag jährt sich das Referendum über die Hamburger Olympiabewerbung für die Sommerspiele 2024 zum zehnten Mal. Trotz einer knapp 22 Millionen Werbekampagne stimmten damals 51,6 Prozent der Hamburger*innen gegen Olympia. Zehn Jahre später sieht sich der Hamburger Senat nicht mehr an diesen Entscheid gebunden und plant erneut 18 Millionen für seine Olympiakampagne ein. Kampagnenauftakt waren die sogenannten Bürgerbeteiligungen im November 2025.

    Dazu Eckart Maudrich, Sprecher von NOlympia Hamburg: „2015 haben die Hamburger*innen den größenwahnsinnigen Plänen des Senats einen Riegel vorgeschoben. Eigentlich müsste sich der Hamburger Senat bei den Gegner*innen der Spiele bedanken. Zwischen 2015 und 2024 sind infolge von Coronapandemie und Ukrainekrieg die Bau[1]– und Sicherheitskosten[2] explodiert. Ein gigantisches Milliardenloch im Haushalt wäre die Folge gewesen. Aber der Hamburger Senat ist lernresistent und verschwendet schon wieder Unsummen für eine neue Hamburger Olympiabewerbung“

    „Olympia erzielt 76 Millionen Gewinne”,[3] behauptete Steffen Rülke, Leiter der Hamburger Olympiaprojektgruppe bei der Auftaktveranstaltung der „Bürgerdialoge“ und verschweigt die 6,3 Milliarden Verluste für die öffentliche Hand. Das IOC sei reformiert, die Verträge transparent und das Organisationskomitee zahle nationale Steuern, heißt es von Senatsseite. Unerwähnt bleibt, dass der Senat selbst durch seine Unterschrift unter den Host City Vertrag[4] und die Olympic Charter[5] dafür sorgt, dass die Milliardeneinnahmen des IOC[6] direkt in die Schweiz fließen. Der Hamburger Senat behauptet, der Bund stehe hinter der Bewerbung und verschweigt, dass er zu den derzeitigen Bewerbungskosten keinen Cent an Hamburg überweist[7]. Angesprochen auf die durchschnittlich 1.333 Euro, die ein Ticket bei der Eröffnungsfeier in Paris kostete,[8] konstatiert Rülke (Jahresgehalt 250.000 Euro) zynisch, dass alle Hamburger*innen bei den Langstreckenevents an der Strecke stehen könnten.

    Maudrich: „Olympia ist eine Projekt für die Eliten – nur wenige profitieren davon, enorme finanzielle, soziale und ökologische Folgekosten sind die Kehrseite der Medaille. Schon jetzt driften Mieten in Hamburg in immer krassere Dimensionen ab. Die Armut[9] wächst und immer mehr Menschen bekommen die Folgen des Klimawandels zu spüren. Vor 10 Jahren haben die Hamburger Verantwortung übernommen. Beim Zukunftsentscheid dieses Jahr auch. Wir hoffen, dass sie dies im Mai 2026 bei Olympia ebenso tun werden.”

     

    [1] Cours de Compt: Les Jeux Olympiques et Paralympiques de Paris 2024.Rapport au Parlement. S.36 Der öffentliche Bau-Zuschuss mute um 175% auf knapp eine 500 Millionen erhöht werden

    [2] ebenda: S32 und 34: Das Sicherheitsbudget stieg von 200 Millionen auf auf gut 1.700 Millionen.

    [3] S. Endnote 1. Das zitierte Budget betrifft nur die Eventveranstalterperspektive der Durchführung. Das Ergebnis kommt zustande, weil a) die öffentliche Hand auch dazu bereits gut 200 Millionen zugeschossen hat (S 18 iVm S26) und b) die Sicherheitskosten i.H.v. 1.700 Millionen auf die öffentliche Hand abgewälzt wurden (s. FN 2)

    [4] “…necessary for the Host City, the Host NOC and the OCOG to coordinate with competent Host Country Authorities so that the tax legislation of the Host Country is implemented and applied in a manner that guarantees the achievement of the objectives and results described in §22.2-22.5.” HCC Principles 22.1ff. Gleichlautend auch LA28 und Brisbane32

    [5] 1. Olympic Charter = lex superior. The nat’l gov´t of the country… must submit to the IOC a legally binding instrument by which the said government… guarantees that the country …will comply with & respect the Olympic Charter”; OCR 33 III. 2. Das Organisationskomitee (also auch Hamburg) ist IOC weisungsgebunden,OCR 35, BLR 35. 3. Finanzielle und organisatorische Verantwortung liegt beim Ausrichter: Immediately upon the election…, the IOC enters into an agreement with the elected host and the NOC …”;OCR 36 I 1. The IOC shall have no financial responsibility in respect of the organisation, financing and staging of the Olympic Games other than the contribution determined in the Olympic Host Contract…; OCR 36 II 2

    [6] IOC. Annual Report 2024. Games of a New Era. S.197

    [7] BDrs .23-02040

    [8] s. Endnote 1, S128

    [9] 497 tsd Menschen fallen unter die wohnkostenbereinigte Armutsquote in Hamburg. Der Paritätische 2024: Wohnen macht arm. 2024. 38 tsd Menschen sind wohnungslos in Hamburg. Nagel 2024. Überwindung der Wohnungslosigkeit bis 2030.

    Über NOlympia Hamburg

    NOlympia Hamburg hat sich anlässlich Hamburgs Olympiabewerbung 2015 formiert, um über Risiken und Nebenwirkungen von Spielen in Hamburg kritisch zu informieren. Mitte 2025 musste die Arbeit erneut aufgenommen werden, weil der Senat sich wieder massiv Steuermittel hat genehmigen lassen, um seine Wahrheit über alle Stimmen und Abstimmungsergebnisse hinweg durchzusetzen und dadurch eine ausgewogene Information akut gefährdet ist.

  • Kommentar: Wegners »Alles auf eine Karte«-Strategie ist ein gefährliches Glücksspiel für Berlin

    Zur heutigen Pressekonferenz des Berliner Senats und der Befürworter-Initiative zur Olympiabewerbung erklärt das Bündnis NOlympia Berlin:

    Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner hat heute die Maske fallen lassen. Mit seiner Aussage, Olympia sei »die Antwort auf alles«, offenbart der Senat seine politische Ideenlosigkeit. Wer glaubt, dass ein zweiwöchiges Sportfest die strukturellen Probleme dieser Stadt – von der Wohnungsnot bis zur maroden Verwaltung – löst, streut den Berlinerinnen und Berlinern Sand in die Augen.

    Wirtschaftsinteressen statt Gemeinwohl

    Die heutige Pressekonferenz hat deutlich gemacht, wem diese Spiele wirklich dienen sollen. Wenn Herr Voigt (VBKI) stolz verkündet, dass 50 CEOs und Wirtschaftsverbände »brennen für Olympia«, bestätigt das unsere Kritik: Dies ist ein Eliten-Projekt. Während bei Kita-Plätzen und Sozialausgaben der Rotstift angesetzt wird, fantasiert der Senat von einem »Investitionsbooster«, der erfahrungsgemäß vor allem Baukonzernen und Sponsoren zugutekommt, aber die Mieten für Normalverdiener weiter in die Höhe treiben wird.

    Milchmädchenrechnung Paris

    Die Behauptung von Herrn Härtel (LSB) und Herrn Wegner, Paris habe nur 0,2 Milliarden Euro öffentliches Geld gekostet, ist eine bewusste Irreführung. Die gigantischen Kosten für Sicherheit, Infrastruktur und die langfristige Instandhaltung werden in dieser Rechnung systematisch ausgeblendet. Berlin kann sich keine Milliarden-Risiken leisten – schon gar nicht, wenn im Haushalt bereits jetzt über »woher wir das Geld nehmen« (O-Ton PK) gestritten wird. Dass Schulsanierungen und eine saubere Spree nun an die Bedingung einer Olympiabewerbung geknüpft werden, ist zynisch. Diese Aufgaben muss der Senat sofort erledigen, nicht erst 2036.

    Demokratie-Simulation statt echter Beteiligung

    Dass die EXPO-Bewerbung nun zugunsten von Olympia »geopfert« wird, ist kein Zeichen von Fokus, sondern von Verzweiflung. Man versucht, jegliche Alternative vom Tisch zu wischen, um den Druck zu erhöhen.

    Besonders kritisch sehen wir die inszenierte »Volksinitiative« des Landessportbundes. Wenn Verbände mit Steuergeldern und hauptamtlichen Strukturen Unterschriften sammeln, hat das nichts mit Graswurzel-Demokratie zu tun. Das ist Astroturfing – eine künstliche Bewegung von oben.

    Wir fordern:

    • Keine Knebelverträge mit dem IOC: Die angeblichen Reformen des IOC sind kosmetischer Natur. Die Verträge bleiben undemokratisch.
    • Ehrliche Kostenwahrheit: Der Senat muss die gesamten Kosten (inkl. Sicherheit und Inflation) offenlegen, statt Paris-Zahlen schönzurechnen.
    • Investitionen ohne Bedingungen: Sanierung von Bädern und Schulen jetzt – unabhängig von einer Bewerbung.

    Wir nehmen die Kampfansage des Senats an. Wenn Herr Wegner sagt, die Stimmung sei »so hoch wie noch nie«, dann laden wir ihn ein, seine Blase aus Wirtschaftsfunktionären zu verlassen und mit den Menschen zu sprechen, die Angst vor Verdrängung und weiteren Sozialkürzungen haben.