Finanzen

  • Tagesschau: Mailand. Krawalle bei Demonstration gegen Olympia

    »[…] Tausende Demonstrierende zogen am ersten vollen Wettkampftag durch Mailand, um für eine Vielzahl von Anliegen Stellung zu beziehen. Eine von Gewerkschaften und Umweltschützern organisierte Kundgebung richtete sich unter anderem gegen explodierende Mieten und wachsende soziale Ungleichheit. […] Auch Umweltbelastungen durch die Winterspiele standen im Fokus der Proteste. Olympia-Gegner bemängeln vor allem die Auswirkungen der Großveranstaltung auf das Ökosystem sowie den wasser- und energieintesiven Einsatz von Kunstschnee. […]«
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  • Katja Weber (RBB): Die Weber: OHlympia oder NOlympia – in welchem Team sind Sie?

    »[…] Gegner der Spiele, wie das Bündnis NOlympia Berlin, fordern: Statt prestigeträchtige Sportstätten zu bauen, solle lieber im großen Stil in die Sanierung von Schulsporthallen investiert werden. Frei nach dem Motto: Breitensport statt Spitzensport. Auch bezweifeln die Gegner der Olympiabewerbung, dass etwa der öffentliche Nahverkehr Olympia gewachsen wäre. Nicht zuletzt verweisen sie auf unklare Kostenrisiken für den ohnehin klammen Berliner Haushalt und die Gefahr, dass Olympia die Verdrängung auf dem Berliner Wohnungsmarkt weiter verschärft.[…]«
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    Zum Podcast (Beitrag von NOlympia-Sprecher Uwe Hiksch ab Minute 22:30)

  • NDR: »NOlympia«-Sprecher: Kosten für Spiele in Hamburg unkalkulierbar

    Aus der Vergangenheit wisse man, dass Olympische Spiele immer doppelt so teuer geworden seien, wie projektiert, sagte Eckart Maudrich, Sprecher der Hamburger Bürgerinitiative.
    Zum Podcast (6 Min | Verfügbar bis 06.02.2027)

  • SAJE (Strategic Actions for a Just Economy): Verdammt, wenn man es tut, verdammt, wenn man es nicht tut: Die Risiken für Los Angeles bei der Ausrichtung oder dem Rückzug aus den Olympischen Spielen 2028

    »L.A. steht in beiden Fällen vor einer potenziellen finanziellen Katastrophe, und die Entscheidung, ob man versucht, die Olympischen Spiele abzusagen
    oder die Bedingungen für die Ausrichtung neu zu verhandeln, hängt davon ab, welches Risiko man lieber eingehen möchte: Verluste in Milliardenhöhe durch die Ausrichtung der Spiele oder Strafen in Milliardenhöhe für die Nicht-Ausrichtung.

    […] Die Olympischen Spiele werden nicht nur zu einer erheblichen Erhöhung der Zahl der Bundespolizisten, einschließlich ICE-Beamten, auf unseren Straßen führen, sondern auch die vom DHS geplanten und durchgesetzten Sicherheitszonen werden das tägliche Leben der Einwohner von Los Angeles im Jahr 2028 zunehmend beeinträchtigen. Die Sicherheitszonen erstrecken sich bis in die Nachbarschaften, die an die ausgewiesenen olympischen Veranstaltungsorte grenzen, und werden für die dort lebenden und arbeitenden Menschen eine verstärkte Überwachung, Massenrazzien gegen Obdachlose, regelmäßige Straßensperrungen, invasive Fahrzeugdurchsuchungen und sogar Körperkontrollen wie am Flughafen mit sich bringen.

    Allein aus diesen Gründen befürwortet SAJE weiterhin eine Absage. Wir verstehen auch, dass Menschen ernsthafte Bedenken hinsichtlich der damit verbundenen Kosten haben.

    Dieser Bericht ist daher ein Versuch, die sehr realen finanziellen Risiken zu quantifizieren, die die Olympischen Sommerspiele 2028 auch für die Einwohner von Los Angeles mit sich bringen. Und da es bis zum Beginn der Spiele weniger als 900 Tage sind, sollten wir uns alle Sorgen machen: Mehr denn je drohen die Spiele unserem Stadtbudget sowie den Menschen, die hier leben, irreparablen Schaden zuzufügen. Wenn die Spiele 2028 mit den gleichen Kostenüberschreitungen wie andere
    Olympische Spiele der letzten Zeit enden, könnten die Steuerzahler in L.A. am Ende 6,6 Milliarden Dollar oder mehr an Kosten tragen müssen.

    […]
    Und obwohl das Olympische Komitee von Los Angeles (LA28) den Verantwortlichen in L.A. versprochen hatte, dass sich die Spiele 2028 wie schon 1984 selbst finanzieren würden, sieht die Lage diesmal ganz anders aus: Die Sicherheitskosten sind auf Milliarden Dollar angestiegen, während der Vertrag der Stadt mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ihr nicht mehr die Kontrolle über die Sponsoring-Einnahmen garantiert – und vor allem L.A. dazu zwingt, Kostenüberschreitungen zu decken. […]

    Die Finanzen der Spiele 2028 sind weitgehend eine Black Box: Wie viel die Olympischen Spiele letztendlich kosten und wie viel sie einbringen werden, ist noch unbekannt. Das Budget für die Ausgaben des L.A. Olympic Komitee ist seit 2017 von 5,3 Milliarden Dollar auf 7,149 Milliarden Dollar gestiegen, aber niemand weiß, wie genau diese Prognosen sind.«

    « (Übersetzung mit deepl.com, kostenlose Version)

    Zum Bericht (englisch): Damned if You Do, Damned if You Don’t: The Risks to L.A. of Hosting or Withdrawing from the 2028 Olympics
    pdf

  • taz: Grünen-Abgeordnete über Olympia. »Für Berlin ist der Zug eh abgefahren«

    In Berlin fehlt das Konzept für Olympische Spiele und die Zustimmung der Bevölkerung, sagt Sportpolitikerin Klara Schedlich. Knackpunkt: die Finanzen.
    Klara Schedlich: »…. warum sollte auch nur eine Schwimmhalle im Ostteil der Stadt saniert werden, weil in Berlin-Westend olympische Schwimmwettbewerbe ausgetragen werden? Es gibt überhaupt keinen gesicherten positiven Effekt auf die Infrastruktur. In erster Linie gibt das Internationale Olympische Komitee, das IOC, vor, wie Olympia auszutragen ist….«
    Zum Interview

  • NOlympia Colonia: Es bröckelt bei der Olympia-Bewerbung in NRW: Zwei Städte [hoffentlich] raus aus der Bewerbung

    »Eine der 16 beteiligten NRW-Städte bei der Olympia-Bewerbung Köln-Rhein-Ruhr schert aus. Im Rat der Stadt Herten kam am Mittwochabend nicht die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit für den Bürgerentscheid zustande, der wiederum Voraussetzung für die Teilnahme an der Bewerbung ist….« zitiert NOlympia Colonia in einem Beitrag die Kölnische Rundschau vom 30. Januar 2026. Fairspielen schreibt dazu: »Olympia Köln-Rhein-Ruhr@NRW – SPD Herten steigt aus« und verlinkt auf die lesenswerte Begründung (pdf) der SPD-Fraktion Herten. »Die Folge: Auch Recklinghausen ist damit raus aus dem Bewerbungskonzept, weil beide Städte irgendwie verbunden im Konzept beteiligt waren.«

    Ein Auszug aus der Presseerklärung: »Olympia. Licht und Schatten« der SPD-Fraktion Herten vom 28. Januar 2026 (pdf):

    »Wie kann es sein, dass landesweit im sozialen Bereich, in der Bildung und bei kommunalen Leistungen gespart wird, gleichzeitig aber mehrere Millionen Euro für die Durchführung von Bürgerentscheiden bereitgestellt werden?…. Mit Blick auf Herten hat der Kämmerer gerade eine Teilhaushaltssperre verhängt und diesbezüglich wird der Rat im März über einen Nachtragshaushalt zu entscheiden haben. Darüber hinaus hat die Politik in der letzten Ratssitzung unter großen Bauchschmerzen mit Mehrheit weitere Gebührenerhöhungen beschlossen. In dieser Situation den Bürgerinnen und Bürgern zu sagen, es gehe ›ja nur um den eigenen 15-prozentigen Anteil beim Ratsbürgerentscheid (Anteilshöhe abhängig von Beteiligung), damit wir uns vielleicht bewerben können‹, halten wir für nicht vertretbar. Nicht berücksichtigt bei der Kostenübersicht ist hierbei der erhöhte personelle Verwaltungsaufwand, der einhergeht mit Leistungskürzungen bzw. Einschränkungen für Hertener Bürgerinnen und Bürger.« 👍

  • DIE PARTEI Essen: NEIN zu Olympia – JA zu Essen

    Die PARTEI Essen spricht sich gegen eine Beteiligung der Stadt Essen an einer Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele aus.- NOlympia für die Stadt Essen!

    »Nachdem man aus dem STEAG Abenteuer mit 2 blauen Augen davongekommen ist, verfällt Essens Politik erneut in Großmannssucht! Nicht weniger als die Olympischen Spiele möchte man auch nach Essen holen -2036, 2040 oder 2044, egal…
    […] Das Geld, was für eine Olympia Bewerbung rausgepulvert wird, könnte stattdessen besser für eine nachhaltige Förderung des Breiten- und Schulsports in unserer Stadt verwendet werden.

    Deshalb beim BÜRGERENTSCHEID am 19.04.2026 konsequent mit NEIN stimmen […]«
    [Zum Artikel]

  • BYTESDE: Wie das Internationale Olympische Komitee Milliarden verdient und umverteilt

    „Ich habe dieses interaktive Dashboard erstellt, das das Finanzierungsmodell des IOC visualisiert und zeigt, woher das Geld kommt und wie es während der Olympischen Spiele umverteilt wird. Was wird angezeigt: Einnahmequellen (ungefähre Anteile)……
    Zum Artikel

  • Berlin träumt von Olympia – Neukölln sperrt Turnhallen wegen etwas Schnee

    Schwarz-Rot verkennt mit Olympiabewerbung tatsächliche Bedarfe der Stadt.

    Von einer Schneekatastrophe ist Berlin mit aktuellen Schneehöhen zwischen sechs und zwölf Zentimetern weit entfernt, dennoch hat der Bezirk Neukölln neun Schulturnhallen „aufgrund der aktuellen Witterungsbedingungen und der dadurch entstandenen Schneelast“ für den Trainings- und Spielbetrieb gesperrt, bis der Schnee beräumt wurde. Das ist in der dem BUND Berlin vorliegenden E-Mail des Bezirks an die Nutzenden der Hallen zu lesen.

    Dazu erklärt Carmen Schultze, Vertrauensperson des geplanten Volksbegehrens »Für Berlin – gegen Olympia. Wir sagen Nein zu einer Bewerbung zu Olympischen Spielen in den Jahren 2036, 2040 und 2044«:

    „Der Berliner Senat will sich im Licht eines internationalen Sportevents sonnen, während gleichzeitig die Grundvoraussetzungen für den Schul- und Breitensport immer weiter vor sich hinbröckeln. Die im Haushalt 2026 reservierten sechs Millionen Euro für die Berliner Olympiabewerbung wären offensichtlich wesentlich besser in vordringlichen Instandsetzungsarbeiten der bestehenden Sportinfrastruktur aufgehoben.

    Olympische Spiele in Berlin wären weder finanziell noch ökologisch nachhaltig. Schon in der Anbahnungsphase fressen sie wertvolle Ressourcen. Diese braucht gerade Berlin dringend, um die Stadt zukunftsfest umzubauen. Wärmewende, Mobilitätswende, Klimaanpassung – die Liste der Aufgaben ist gewaltig und wird nicht oder kaum abgearbeitet. Da passt die Bewerbung für ein Mega-Event wie die Olympischen Spiele überhaupt nicht.“

    Am 15. Dezember 2025 haben die Vertrauenspersonen des geplanten Volksbegehrens »Für Berlin – gegen Olympia. Wir sagen Nein zu einer Bewerbung zu Olympischen Spielen in den Jahren 2036, 2040 und 2044« bei der Senatsinnenverwaltung den offiziellen Antrag auf eine amtliche Kostenschätzung eingereicht. Die Verwaltung unter der Leitung von Iris Spranger (SPD) hat nun zwei Monate Zeit, ihre Schätzung abzugeben. Frühestens Mitte Februar kann mit dem Sammeln von den 20.000 benötigten Unterschriften für den Antrag auf Einleitung des Volksbegehrens begonnen werden.

    Betroffen von der Sperrung in Neukölln sind laut vorliegender Mail die Turnhallen von Christoph-Ruden-Schule, Hermann-Boddin-Schule, Bruno-Taut-Schule, Elbe-Schule, Hans-Fallada-Schule, Karlsgarten-Schule, Thomas-Morus-Schule, Albert-Einstein-Schule und Theodor-Storm-Schule.

    Zur Pressemitteilung

  • Beschluss Landesdelegiertenkonferenz GEW Berlin: Ablehnung einer Bewerbung der Stadt Berlin für die Olympischen Spiele

    Die GEW Berlin spricht sich gegen eine Bewerbung der Stadt Berlin für die Austragung der Olympischen Spiele aus. Sie fordert den Berliner Senat auf, von einer Bewerbung abzusehen und stattdessen die öffentlichen Mittel für den Ausbau und die Sanierung von Bildungseinrichtungen, Sportstätten an Schulen, für sozialen Wohnungsbau sowie für Erhaltung und Ausbau der sozialen Infrastruktur zu verwenden.

    Begründung

    1. Finanzielle Risiken

    Olympische Spiele gehören weltweit zu den kostenintensivsten Großprojekten überhaupt. Laut der OxfordOlympics Study 2024 lagen die durchschnittlichen Kosten der Spiele seit 1960 bei über 12 Mrd. USD, mit einer durchschnittlichen Kostenüberschreitung von 172 %. (Flyvbjerg, Bent/ Budzier, Alexander, The Oxford Olympics Study 2024. Cost and Cost Overrun at the Games, Oxford 2024.) Für Paris 2024 werden die Gesamtausgaben auf einen Betrag von 8,7 bis 11 Mrd. Euro geschätzt – über 115 % mehr als ursprünglich veranschlagt. (Lutaud, Emmanuelle/Mouterde, Philippe, Les Jeux de Paris 2024 coûtent déjà 8,7 milliards d’euros; in: Le Monde, 6. Juli 2024.) Auch Berlin müsste nach internen Berechnungen der Senatsfinanzverwaltung mit bis zu 16 Mrd. Euro rechnen, ohne langfristige Gewinngarantien. (Hettfleisch, Anne, Olympia-PR in Berlin. Millionen für Stimmungsmache; in: Der Tagesspiegel, 18. März 2024.)

    2. Bildungs- und sportpolitische Argumente gegen Olympia

    Eine Olympia-Bewerbung gefährdet dringend benötigte Investitionen in Bildung. Schon heute besteht ein Sanierungsstau an Berliner Schulen von über 5 Mrd. Euro ( Rechnungshof Berlin (Hrsg.), Schulbau und Sanierungsstau; in: Jahresbericht 2024, Kap. III Nr. 3, Berlin 2024.). Eine Großveranstaltung dieser Dimension würde Haushaltsmittel binden, die für Schulbau, Kitas, Ganztagsangebote und den Breitensport fehlen. Sporthallen und Schwimmbäder müssten temporär für den Schulsport gesperrt werden – mit unmittelbaren Folgen für Unterricht und Vereine. Investitionen in Bildung und Sportstätten vor Ort wären nachhaltiger und kämen Schüler*innen und Beschäftigten direkt zugute. Auch ein positiver Impuls Olympischer Spiele für den Breitensport lässt sich nicht nachweisen: In einer Olympiastadt wird nach den Spielen nicht mehr Sport getrieben als zuvor.

    3. Sozialpolitische Belastungen
    Erfahrungen aus anderen Austragungsorten zeigen, dass Olympia soziale Ungleichheit verschärft. In London 2012 stiegen die Mieten im Umfeld der Wettkampfstätten um bis zu 400 % (Wainwright, Oliver, London Olympic legacy. House prices soar by 400 % around the Park; in: The Guardian, 5. August 2013.). Viele Anwohner*innen wurden verdrängt. Auch in Berlin ist der Wohnungsmarkt bereits angespannt – temporäre Profite für Immobilienkonzerne würden den Druck weiter erhöhen. Ausbau und Erhalt von sozialem Wohnungsbau und sozialer Infrastruktur bedarf keiner zusätzlichen Großveranstaltungen und nützt der gesamten Stadtgesellschaft direkt.

    4. Ökologische Belastungen

    Olympische Spiele verursachen erhebliche Umweltbelastungen. Trotz Nachhaltigkeitsversprechen führen Bau- und Infrastrukturmaßnahmen zu hohen CO2-Emissionen, Flächenversiegelung und Energieverbrauch. Der BUND Berlin warnt, dass eine Berliner Olympiabewerbung ein falsches Signal in Zeiten der Klimakrise wäre und den Fokus von dringend nötiger nachhaltiger Stadtentwicklung ablenke. (Fleckenstein, Hanno/Peter, Erik, Olympia- Pläne in Berlin. NOlympia gilt immer noch; in: taz , 4. Dezember 2024.) Bestehende Sportstätten und Grünflächen würden umgebaut oder übernutzt, während temporäre Bauten nach den Spielen oft leer stehen. Die Mittel sollten stattdessen in klimaneutrale Schulgebäude und öffentliche Sportstätten fließen.

    5. Fragwürdiges Vorgehen beim Volksentscheid

    Das Ergebnis des am 26. Oktober 2025 durchgeführten Referendums über eine Olympiabewerbung der Stadt München kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem Versand der Abstimmungsunterlagen ein Werbeprospekt für die Ausrichtung der Veranstaltung beilag, hingegen keinerlei kritische Informationen. Das dürfte einer differenzierten Meinungsbildung nicht geholfen haben (Effern, Heiner, Streit über Münchner Olympia- Votum. Kritiker drohen mit Klage; in: SZ , 22. September 2025.). Bisher hat auch der Berliner Senat alle Hinweise auf die finanziellen, ökologischen und sozialen Risiken solcher Großprojekte ignoriert. Stattdessen wurden bereits 6 Mio. Euro öffentlicher Mittel für PR- und Werbekampagnen eingeplant, um eine positive Grundstimmung zu erkaufen und die Bevölkerung von einer Bewerbung zu überzeugen, bevor eine Debatte überhaupt stattgefunden hat. (Thewalt, Anna, Bis zu sechs Millionen Euro. Berliner Senat will Olympia-Bewerbung mit zusätzlichem Geld und neuem Gremium Schwung verleihen; in: Der Tagesspiegel , 30. September 2025). Notwendig ist aber ein Volksentscheid auf breiter Informationsbasis, weil nur so ein transparentes Verfahren und demokratische Mitbestimmung über Milliardeninvestitionen möglich ist.

    6. Undemokratisches und intransparentes Vorgehen des IOC

    Das Internationale Olympische Komitee (IOC) agiert als privatwirtschaftlicher Akteur ohne demokratische Kontrolle. Das IOC zählt zu den intransparentesten globalen Organisationen. Kommunen haben bei der Vertragsgestaltung in der Vergangenheit kaum Einfluss, obwohl sie die Hauptkosten tragen. Im Falle eines Defizits müssen sie für die Kosten haften. Die Gewinne aber streichen in der Masse das IOC und privatwirtschaftliche Unternehmen ein. Ein solches Finanzmodell steht im Widerspruch zu demokratischer Selbstbestimmung und verantwortlicher Haushaltsführung. (Bendrich, Benjamin, Olympische Spiele in Hamburg? Link zum Artikel letzter Zugriff am 28.10.2025, 11:02 Uhr.)

    7. Mangelnde historische und politische Kontextualisierung

    Olympische Spiele gelten in der Öffentlichkeit oft als unpolitisches Sportereignis und werden mit Assoziationen von „olympischem Frieden“ oder „friedlicher Begegnung der Völker“ beworben. Doch dienen sie der politischen Repräsentation oft diktatorischer Staaten. Das IOC hat sich seiner Verantwortung für die Kooperation mit Diktatoren und Diktaturen weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart gestellt. Es folgte stets seinen materiellen Interessen. Nach den Spielen von 1936 unter den Bedingungen des NS- Regimes und des danach jahrzehntelang verfehlten Umgangs mit diesem Erbe bedürfen neuerliche Spiele besonderer Aufarbeitung und Kontextualisierung. Deutsche Sportverbände und Berliner Bewerber*innen versagten hier in der Vergangenheit schon wiederholt. Auch heute ist zu befürchten, dass die Spiele von 1936 nachträglich mit positiven Eindrücken überschrieben werden sollen. Von den Olympiawilligen wurde ein Konzept für den Umgang mit dem historischen Erbe nicht einmal andiskutiert. Das ist einer demokratischen Stadtgesellschaft unwürdig und nährt Zweifel am Horizont der Entscheider*innen.

    Zum Beschluss der Landesdelegiertenkonferenz GEW Berlin hier

  • CiPRA: Olympische Winterspiele: Die Alpen sind mehr als nur ein Spielplatz

    »Grosse, globale Sportveranstaltungen haben die Kraft, zu faszinieren und zu begeistern. Wintersport hat in den Alpen mit seiner tief verwurzelten Tradition und seiner leidenschaftlichen Anhängerschaft einen besonderen Stellenwert. Wir sind jedoch der Meinung, dass die Olympischen Winterspiele in ihrer derzeitigen Form weder ökologisch noch sozial vertretbar sind. Trotz Reformversprechen zeigen die jüngsten Entwicklungen wie die Vorbereitungen für Mailand-Cortina 2026 und die Spiele 2030 in Frankreich sowie die «privilegierte Kandidatur» der Schweiz für die Winterspiele 2038, dass das olympische Modell nach wie vor nicht nachhaltig ist. In den letzten Jahrzehnten haben Referenden (z. B. in Innsbruck, Sion, München, Graubünden) mehrfach gezeigt, dass grosse Teile der Bevölkerung nicht mehr bereit sind, den Preis für Olympische Winterspiele zu zahlen.

    Die negativen ökologischen und sozialen Auswirkungen der Olympischen Winterspiele sind in Gastgeberregionen auf der ganzen Welt dokumentiert und betreffen sowohl die Natur als auch die lokale Bevölkerung. In diesem Positionspapier konzentrieren wir uns jedoch auf die Alpen, wo diese Herausforderungen besonders akut sind und in direktem Zusammenhang mit unserer Mission für nachhaltige Entwicklung stehen. Die Alpen sind ein sensibler Natur- und Kulturraum, der für die Olympischen Winterspiele in ihrer derzeitigen Form ungeeignet ist. Die Verschärfung der Klima- und Umweltkrise in den letzten Jahrzehnten unterstreicht die Tatsache, dass gefährdete Bergregionen nicht mehr als Austragungsorte für umweltschädliche Grossveranstaltungen geeignet sind. Sie übersteigen die Tragfähigkeit der überwiegend kleinräumigen Alpenregionen. Die Anforderungen der Olympischen Winterspiele an die Verkehrsinfrastruktur, Sportanlagen und Unterkünfte sind so hoch, dass sie in den Alpen nicht auf nachhaltige Weise erfüllt werden können. Die negativen Auswirkungen der Olympischen Winterspiele auf Mensch und Natur überwiegen die Vorteile und sind daher nicht zu rechtfertigen.

    Olympische Agenda: leere Versprechungen

    Weder die Olympische Agenda 2020 noch die Olympische Agenda 2020+5 stellen einen wirklichen Fortschritt dar: Trotz ihrer ambitionierten Wortwahl und lobenswerten Absichten haben sie keine konkreten Veränderungen in der Planung und Durchführung der Olympischen Winterspiele bewirkt.Selbst wenn die neuen IOC-Richtlinien eine Verteilung der Spiele auf mehrere Austragungsorte und sogar Länder zulassen, werden diese von den Gastgeberländern nicht befolgt, wie im Fall von Mailand-Cortina 2026. Die Wahl Frankreichs als Austragungsort der Winterspiele 2030, einschliesslich Veranstaltungen in der Mittelmeerstadt Nizza, widerspricht dem Grundsatz der Klimawandelanpassung. Darüber hinaus sind Gastgeberländer nicht an die Mindestverpflichtungen in Bezug auf Nachhaltigkeit gebunden, die sie in ihren Bewerbungen zugesagt haben. Unserer Ansicht nach sind die in solchen Bewerbungen gemachten Versprechen als Mindeststandard zu betrachten, der möglichst übertroffen werden sollte. Länder, deren Nachhaltigkeitsbilanz unter diesen Standards liegt, sollten entlarvt und bestraft werden.

    Zunehmender Druck auf Natur und Landschaft

    Für Skipisten, Lifte und Seilbahnen, Stadien, Unterkünfte für die Teilnehmenden, Zufahrtsstrassen, Parkplätze und andere Infrastruktur wird immer mehr Platz benötigt. Das hat schwerwiegende Folgen für natürliche Lebensräume und Landschaften. Für die Entscheidungsträger:innen im IOC und viele Politiker:innen in den Gastgeberstädten und -ländern scheint der Klimawandel als eines der grössten Probleme im Alpenraum keine Rolle zu spielen. Veränderte Wettermuster und unzureichende Schneebedeckung werden entweder ignoriert oder als rein technische Herausforderung dargestellt. Um die notwendige Schneedecke zu gewährleisten, muss mit Hilfe einer immer aufwendigeren technischen Infrastruktur (einschliesslich Schneekanonen, Speicherbecken mit grossflächigen Entwässerungs- und Rohrsystemen, Kühltürmen sowie «Snowfarming») Kunstschnee (oder «technischer Schnee», wie sie ihn nennen) produziert werden. Solche Anlagen haben zunehmend negative Auswirkungen auf Landschaft, Energie- und Wasserhaushalt.

    Wirtschaftliche Katastrophe für periphere Regionen

    Eine ehrliche Kosten-Nutzen-Analyse kann für Steuerzahlende nur zu einem negativen Ergebnis führen. Es gibt keine einzige fundierte Studie, die belegt, dass Olympische Spiele in einer Alpenregion einen positiven, langfristigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung für die Allgemeinheit geleistet haben. Im Gegenteil, die Erfahrung zeigt, dass Olympische Spiele, wenn überhaupt, nur kurzfristige wirtschaftliche Auswirkungen haben. Was sie für die Gastgeberstädte und -regionen am häufigsten bewirken, sind Verschuldung sowie Druck auf die Lebenshaltungskosten und den Wohnungsmarkt. Da sie olympische Disziplinen beherbergen müssen, die vom Schnee abhängig sind, bleiben entlegene Bergregionen nach den Spielen oft mit Schulden und Ruinen zurück: Ein typisches Beispiel dafür sind einige Sportanlagen von «Turin 2006», die in den italienischen Tälern Susa und Chisone errichtet wurden. Die Winterspiele 2026 in Italien haben erneut die Systemfehler des olympischen Modells offengelegt: Trotz der Verpflichtung zur Nachhaltigkeit und dem Versprechen, die öffentlichen Finanzen nicht zu belasten, werden über 5,7 Milliarden Euro in Infrastrukturprojekte investiert, während ursprünglich nur 1,5 Milliarden Euro vorgesehen waren. Viele dieser Projekte wurden ohne Umweltverträglichkeitsprüfung und ohne langfristige Nutzenbetrachtung durchgeführt. Der Bau der neuen Bobbahn in Cortina – entgegen den Empfehlungen des IOC – ist ein Beispiel für diese Missachtung ökologischer und finanzieller Verantwortung.

    Umfassende Reformen des IOC erforderlich

    Das IOC arbeitet weiterhin ohne Transparenz und Rechenschaftspflicht. Seine Verträge mit den Austragungsorten untergraben demokratische Prozesse, während seine Nachhaltigkeitsagenda weitgehend symbolisch bleibt. Die Missachtung von Volksbefragungen, Umweltbelangen oder finanzieller Vernunft – wie bei den letzten Spielen zu beobachten – bestätigt, dass das IOC nicht bereit ist, sinnvolle Reformen umzusetzen. Darüber hinaus stehen Themen wie Nachhaltigkeit und Umwelt, die für die Gemeinden und Regionen der Alpen von grosser Bedeutung sind, nicht weit oben auf der Agenda des IOC. Die CIPRA fordert eine grundlegende Reform des IOC und der Rahmenbedingungen für die Planung und Durchführung der Winterspiele. Die Olympischen Winterspiele sollten als Symbol für Frieden und Freiheit dienen und auf transparente, inklusive sowie sozial und ökologisch vertretbare Weise geplant und durchgeführt werden.
    Mailand-Cortina 2026 und Frankreich 2030: Ein Ruf nach Verantwortung
    Wir werden die Planung und Durchführung der Olympischen Winterspiele 2026 in Italien und der Spiele 2030 in Frankreich genau beobachten. Diese Grossereignisse sind entscheidende Tests für die Glaubwürdigkeit der Nachhaltigkeitsverpflichtungen des IOC und die Bereitschaft der Gastgeberländer, langfristiges regionales Gemeinwohl über kurzfristiges Prestige zu stellen. Wir fordern alle verantwortlichen Behörden – von den regionalen Verwaltungen über die nationalen Olympischen Komitees bis hin zum IOC selbst – auf, dafür zu sorgen, dass bei diesen Spielen die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt werden. Dazu gehören:

    • Keine Neubauten und Einhaltung von Grenzen zum Schutz der Umwelt
    • Sicherstellen vollständiger Transparenz bei Planung und Budgetierung
    • Ernsthafte Einbeziehung der Zivilgesellschaft und der betroffenen Gemeinden in die Entscheidungsprozesse
    • Vorrang für Klimaanpassung und nachhaltige Mobilität
    • Hinterlassen eines positiven, langfristigen Erbes sowohl für die Gastgeberregionen und ihre Einwohner:innen als auch für die Natur, einschliesslich Klimaschutz-Massnahmen.

    Die Alpen können sich kein weiteres Jahrzehnt gebrochener Versprechen leisten. Sie sind mehr als nur ein olympischer Spielplatz!«

    Zum Beitrag

    Zum CIPRA-Positionspapier, verabschiedet vom Präsidium am 9. Dezember 2025 (pdf)

  • The Oxford Olympics Study 2024: Are Cost and Cost Overrun at the Games Coming Down? July 2024

    The Oxford Olympics Study 2024: Are Cost and Cost Overrun at the Games Coming Down? July 2024

    27 Pages Posted: 31 May 2024
    Alexander Budzier

    University of Oxford – Saïd Business School
    Bent Flyvbjerg

    University of Oxford – Said Business School; IT University of Copenhagen; St Anne’s College, University of Oxford

    Multiple version iconThere are 2 versions of this paper

    Date Written: May 30, 2024
    Abstract

    The present paper is an update and extension of the „The Oxford Olympics Study 2016“ (Flyvbjerg et al. 2016). We document that the Games remain costly and continue to have large cost overruns, to a degree that threatens their viability. The IOC is aware of the problem and has initiated reform. We assess the reforms and find: (a) Olympic costs are statistically significantly increasing; prior analyses did not show this trend; it is a step in the wrong direction. (b) Cost overruns were decreasing until 2008, but have increased since then; again a step in the wrong direction. (c) At present, the cost of Paris 2024 is USD 8.7 billion (2022 level) and cost overrun is 115% in real terms; this is not the frugal Games that were promised. (d) Cost overruns are the norm for the Olympics, past, present, and future; the Games are the only project type that never delivered on budget, ever. We assess a new IOC policy of reducing cost by reusing existing venues instead of building new ones. We find that reuse did not have the desired effect for Tokyo 2020 and also looks ineffective for Paris 2024. Finally, we recommend that the Games look to other types of megaproject for better data, better forecasting, and better methods for generating the positive learning curves that are necessary for bringing costs and overrun down. Only if this happens are Los Angeles 2028 and Brisbane 2032 likely to live up to the IOC’s intentions of a more affordable Games that more cities will want to host.

    [Der vorliegende Beitrag ist eine Aktualisierung und Erweiterung der ›Oxford Olympics Study 2016‹ (Flyvbjerg et al. 2016). Wir dokumentieren, dass die Spiele nach wie vor kostspielig sind und weiterhin erhebliche Kostenüberschreitungen aufweisen, die ihre Durchführbarkeit gefährden. Das IOC ist sich des Problems bewusst und hat Reformen eingeleitet. Wir bewerten die Reformen und stellen Folgendes fest: (a) Die Kosten der Olympischen Spiele steigen statistisch signifikant an; frühere Analysen haben diesen Trend nicht gezeigt; dies ist ein Schritt in die falsche Richtung. (b) Die Kostenüberschreitungen gingen bis 2008 zurück, sind seitdem jedoch wieder gestiegen; auch dies ist ein Schritt in die falsche Richtung. (c) Derzeit belaufen sich die Kosten für Paris 2024 auf 8,7 Milliarden US-Dollar (Stand 2022) und die Kostenüberschreitung beträgt real 115 %; dies sind nicht die versprochenen sparsamen Spiele. (d) Kostenüberschreitungen sind bei den Olympischen Spielen die Norm, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart und Zukunft; die Spiele sind die einzige Art von Projekt, bei der das Budget noch nie eingehalten wurde. Wir bewerten eine neue IOC-Politik zur Kostensenkung durch die Wiederverwendung bestehender Veranstaltungsorte anstelle des Baus neuer. Wir stellen fest, dass die Wiederverwendung bei Tokio 2020 nicht den gewünschten Effekt hatte und auch für Paris 2024 unwirksam zu sein scheint. Abschließend empfehlen wir, dass die Spiele sich an anderen Arten von Megaprojekten orientieren, um bessere Daten, bessere Prognosen und bessere Methoden zur Erzeugung positiver Lernkurven zu erhalten, die notwendig sind, um Kosten und Überschreitungen zu senken. Nur wenn dies geschieht, werden Los Angeles 2028 und Brisbane 2032 wahrscheinlich den Absichten des IOC gerecht werden, günstigere Spiele zu veranstalten, die mehr Städte ausrichten wollen. (Übersetzt mit deepl.com)]

    Zum Originalbeitrag

  • NOlympia Hamburg: Zur Mitgliederversammlung des DOSB / Kritik an »operativen Mindestanforderungen«

    Olympia in Hamburg: Verkehrschaos und Sicherheit auf Steuerzahlerkosten – Mindestanforderungen der Stadt nicht erfüllt.

    Im Rahmen der sogenannten »operativen Mindestanforderungen« hat der DOSB die vier Bewerberstädte auf Eventdurchführungstauglichkeit und Plausibilität des Gesamtkonzeptes geprüft. Hamburg und alle anderen Städte haben bestanden. Die Ergebnisse werden am 6. Dezember den DOSB-Mitgliedern vorgestellt. NOlympia Hamburg und der Bund der Steuerzahler Hamburg e.V. sehen ihre Mindestanforderungen nicht erfüllt.

    Dazu Eckart Maudrich, Sprecher von NOlympia Hamburg:

    »Nach der Prüfmethode des DOSB1 würden zentrale Hamburger Verkehrsadern zu Nadelöhren für die Hamburger*innen werden – wie der Elbtunnel, die Elbbrücken, die Lombardsbrücke, sowie die Willy-Brandt-, Budapester-, Stresemann- und Billhorner Brückenstraße. Auf diesen Straßen würden eigene Fahrspuren für das IOC sowie Akkreditierte eingerichtet werden, sogenannte Olympic Lanes. Das Chaos wäre vorprogrammiert, die Stadt gelähmt. Auch bei der Risiko- und Lastenverteilung akzeptiert der Senat den Status Quo des IOC, anstatt für Hamburg zu kämpfen: Weihnachtsmarktveranstalter zahlen für die Sicherheit ihrer Veranstaltung. Bei den Spielen ist jedoch die Stadt bereit, gigantische Summen dafür zu zahlen – wie Paris, wo die Sicherung der Spiele den öffentlichen Haushalt 1,4 Milliarden2 kostete. Der Senat hat sich noch nicht einmal mit der Idee beschäftigt, zumindest die Hochrisikokosten vom IOC bezahlen zu lassen.3 Dass in den sogenannten Beteiligungsformaten nicht darüber informiert wurde, spricht Bände.«4

    Sascha Mummenhoff, Landesvorsitzender des Bund der Steuerzahler Hamburg e.V.:

    »Dass der DOSB Hamburg bei der Eventtauglichkeit durchwinkt, beantwortet die entscheidende Frage nicht: Welche konkreten Belastungen kommen auf die Stadt zu und wer trägt am Ende die Risiken und Kosten, besonders bei Verkehr und Sicherheit? Ohne vollständige Transparenz ist eine verantwortliche Bewertung unmöglich. Der Bund der Steuerzahler Hamburg e.V. erwartet daher eine lückenlose, öffentlich zugängliche Kostendarstellung, vom ersten Euro der Bewerbungsphase bis zu Infrastruktur-, Organisations- und Sicherheitsausgaben. Jede finanzielle Verpflichtung muss nachvollziehbar offengelegt werden, bevor politische Festlegungen getroffen werden. Und ausgerechnet bei den Sicherheitskosten erleben wir seit Jahren eine Mauer des Schweigens: Die Hamburger Innenbehörde verweigert echte Transparenz darüber, welche Polizeikosten bei Großveranstaltungen tatsächlich entstehen und wie sie sich zusammensetzen. Wer beim Tagesgeschäft mauert, darf erst recht keine zusätzlichen Milliardenrisiken eingehen. Beim Profifußball fordern wir seit Jahren das Verursacherprinzip: Wer zusätzliche Polizeieinsätze auslöst, soll die Mehrkosten tragen. Für Olympia muss derselbe Maßstab gelten. Es ist nicht vermittelbar, dass Steuerzahlerinnen und Steuerzahler die olympiabedingten Sicherheits-Mehrkosten eines globalen Milliardenevents schultern sollen, während das IOC wirtschaftlich profitiert. Unsere Position lautet daher: Die olympiabedingten Sicherheits-Mehrkosten, insbesondere Hochrisiko- und Zusatzaufwände, müssen vom IOC übernommen werden. Der Hamburger Senat muss die Realität des eigenen Haushalts im Blick behalten. Wenn parallel weitere große Vorhaben (Naturkundemuseum im Elbtower, Kühne-Oper, Sanierung der bestehenden Oper, Hafenmuseum und Zukunftsentscheid) anstehen, steigt die Pflicht zu Transparenz, Prioritäten und klarer Risikobegrenzung. Das ist kein Votum gegen Olympia. Aber Olympia kann in Hamburg nur seriös diskutiert werden, wenn alle Risiken offen auf dem Tisch liegen und die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler nicht zum Selbstbedienungsladen für ein internationales Prestigeprojekt werden.«

    1 siehe DOSB Anleitung im Anhang [hier nicht angehängt]
    2 Cours de Compte: Les Jeux Olympiques et Paralympiques de Paris 2024. Rapport au Parlement. S.18. Zusätzliche Infrastrukturkosten: 300 Millionen für Sicherheitsequipment
    3 BDrs 23-02040
    4 Der DOSB bestätigt am 30.09.2025, dass die Minimumkriterien erfüllt sind – inkl. Olympic Lanes.

  • Warum NOlympia Berlin? Klara Schedlich (Stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für Sportpolitik)

    Grüne Fraktion Berlin: Fragen & Antworten zur Berliner Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele in Deutschland

    Frage 1: Warum lehnen wir als Fraktion die Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele für Berlin ab?

    Berlin steht vor massiven Haushaltskürzungen durch den schwarz-roten Senat und verfügt weder über die finanziellen Mittel noch über die notwendige Infrastruktur, um ein solches Großereignis sinnvoll auszurichten. Hinzu kommt, dass die Sportinfrastruktur für den Breitensport einen sehr hohen Sanierungsstau hat und Gelder für Reparaturen und Renovierungen fehlen. Anstatt also Milliarden an Steuergeldern in ein Prestige-Ereignis zu investieren, das keinen dauerhaften Mehrwert für die Stadt schafft, müssen wir uns dringend um bestehende Probleme kümmern: marode Sportstätten und Bäder, eine überlastete Verkehrsinfrastruktur, verfehlte Klimaziele und ein angespannter Wohnungsmarkt. Gleichzeitig ist die Bewerbung intransparent organisiert, es liegen weder Finanzierungspläne noch Konzepte für die Sportstättennutzung öffentlich vor, die Bevölkerung wird kaum beteiligt. Aus diesen Gründen lehnen wir eine Bewerbung für mögliche Olympische und Paralympische Spiele in Berlin in 2036, 2040 und 2044 ab, weil sie aus sport- und finanzpolitischer, sozialer sowie ökologischer Sicht nicht verantwortbar ist.

    Frage 2: Kann sich Berlin Olympische und Paralympische Spiele finanziell überhaupt leisten?

    Nein, aus unserer Sicht kann Berlin sich Olympische und Paralympische Spiele ganz klar nicht leisten. Schon die Bewerbung selbst kostet mindestens sechs Millionen Euro und das nur für Marketing, Planung und Kommunikation rund um den innerdeutschen Wettstreit, mit welchem Standort sich Deutschland beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) für eine mögliche Austragung der Spiele bewirbt. Die eigentliche Ausrichtung – wenn es überhaupt einen Zuschlag für Deutschland gibt – würde dann in die Milliarden gehen. Aber schon die 6 Millionen Euro, die jetzt ausgegeben werden sollen, werden an anderer Stelle fehlen und zu Kürzungen im Berliner Sport führen.

    Allein bei Sportstätten und Bädern besteht heute schon ein Sanierungsstau von rund einer Milliarde Euro. Statt weitere Milliarden in überteuerte Groß-Events zu investieren, müsste Berlin zuerst die bestehenden Anlagen sanieren. Hinzu kommt das hohe Risiko von Kostenexplosionen, wie zuletzt immer bei Olympischen und Paralympischen Spielen in anderen Städten.

    Frage 3: Aber bringen Olympische und Paralympische Spiele nicht ganz viele Einnahmen für die Stadt?

    Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass Olympische und Paralympische Spiele langfristig positive finanzielle Effekte für Austragungsorte haben. Im Gegenteil: In London klaffte nach den Spielen eine massive Kostenlücke – das Delta zwischen Ausgaben und Einnahmen lag bei rund 8 Milliarden US-Dollar zulasten der öffentlichen Hand. Zahlen zu Paris liegen noch nicht abschließend vor aber klar ist, auch Paris liefert keinen Gegenbeweis: Der Rechnungshof erhöhte die geschätzten Kosten auf 6,6 Milliarden Euro, inklusive 1,44 Milliarden Euro für Sicherheit. Die Bilanz: Der Einfluss auf das Wirtschaftswachstum 2024 liegt bei lediglich +0,07 Prozentpunkten, laut Rechnungshof „bescheiden“ und „kurzfristig begrenzt“. Wenn selbst Paris – mit hoher Zustimmung der Bevölkerung und professioneller Vorbereitung – keinen deutlichen ökonomischen Effekt erzielt, ist es für Berlin noch unrealistischer. Statt Millionen in Hoffnungen zu investieren, brauchen wir sie dringend für Sportstätten.

    Frage 4: Profitiert nicht der Tourismus von Olympia?

    Auch der Mythos, dass Olympia den Tourismus ankurbelt, hält einer Überprüfung nicht stand. Untersuchungen zeigen, dass Großveranstaltungen Verdrängungseffekte haben. Das heißt, dass viele Tourist*innen oft nicht in Städte reisen, in denen sportliche Großveranstaltungen stattfinden, weil oft die Preise in diesem Zeitraum (z.B. für Hotels) viel höher sind als sonst. Die weithin als Erfolg gewertete Olympiade in Paris hat dort im Jahr 2024 sogar zu einem Rückgang der Tourismuszahlen geführt. Ein ähnliches Bild zeigte sich bereits bei der Europameisterschaft 2024, die Auslastung der Berliner Hotels lag trotz des Turniers nicht höher als üblich. Für Berlin gibt es weder eine belastbare, noch eine öffentliche Kostenschätzung oder Risikoabwägung. Faktisch würden Milliarden an Steuergeldern für eine zweiwöchige Veranstaltung ausgegeben, ohne dass dies einen dauerhaften Mehrwert für die Stadt brächte.

    Frage 5: Würden die Olympischen und Paralympischen Spiele nicht dabei helfen, die Sportinfrastruktur in Berlin zu verbessern?

    Dieses Argument klingt zwar auf den ersten Blick attraktiv, hält einer genaueren Betrachtung jedoch nicht stand. Schon heute sind in Berlin über 50 Sportstätten und 8 Bäder geschlossen und werden nicht saniert. Hier liegt der eigentliche Handlungsbedarf, der durch eine Bewerbung nicht kleiner, sondern eher größer wird, weil Geld in die Ausrichtung der Spiele und nicht in die Sportstätten für den Breitensport fließt.

    Berlin verfügt über keine Schwimmhalle, die für olympisches und paralympisches Schwimmen geeignet ist. Eine entsprechende Anlage würde temporär errichtet werden, anstatt vorhandene Strukturen dauerhaft zu stärken. Das ist weder nachhaltig noch sinnvoll.

    Das oft vorgebrachte Argument, eine Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele würde dem Sport in Berlin automatisch helfen, ist deshalb irreführend. Es besteht die reale Gefahr, dass Mittel aus dem regulären Sporthaushalt zugunsten von Prestigeprojekten und Großveranstaltungen umgeleitet werden, genauso wie es jetzt bereits geschieht. Am Ende profitieren nicht der Breitensport, die Vereine und die Kinder, sondern einzelne Großprojekte.

    Frage 6: Ist Berlin überhaupt in der Lage, den Verkehr für ein solches Mega-Event zu stemmen?

    Der aktuelle Zustand unserer Nahverkehrssysteme und der Verkehrsinfrastruktur weckt Zweifel. BVG und S-Bahn befinden sich in einem kritischen bis alarmierenden Zustand. Es fehlen Fahrzeuge und Personal bei U-Bahn, S-Bahn, Straßenbahn und Bussen. Gleichzeitig müssen rund 120 Brücken, zahlreiche Bahnhöfe, Stellwerke und U-Bahntunnel saniert oder neu gebaut werden. Der Busbetrieb wurde massiv runtergefahren und eine Normalisierung ist nicht in Sicht. Das bedeutet langfristige Sperrungen und massives Verkehrschaos, Fahrplanausfälle und Verzögerungen und damit auch heute schon komplett überfüllte Fahrzeuge und Bahnsteige.

    Unter diesen Bedingungen wäre eine zusätzliche Belastung durch ein globales Großereignis unverantwortlich. Bevor wir über Olympische und Paralympische Spiele nachdenken, müssen wir erst einmal sicherstellen, dass der Alltagsverkehr für die Berliner*innen zuverlässig funktioniert.

    Frage 7: Entsteht durch das Olympische und Paralympische Dorf zusätzlicher benötigter Wohnraum?

    Nein. Nach den aktuellen Planungen soll das ohnehin geplante neue Stadtquartier „Stadteingang West“ zunächst als Olympisches und Paralympisches Dorf genutzt werden. Der Bau von Wohnungen ist hier aber sowieso geplant. Das Projekt soll rund um das Autobahndreieck am Funkturm entstehen. Genau hier liegt das Problem. Die Planungen sind abhänging vom vorgesehen Umbau des Autobahnkreuzes, der durch die Autobahn GmbH und den Bund durchgeführt wird und die sich immer weiter verzögern. Laut Ausschreibung ist eine vollständige Realisierung nicht vor 2045 vorgesehen. Eine Fertigstellung bis 2036 ist somit völlig unrealistisch. Hinzu kommt, dass ein Olympisches und Paralympisches Dorf andere bauliche und räumliche Anforderungen hat, als „normaler“ Wohnungsbau. Es müssten also erneute Umbaumaßnahmen vorgenommen werden, damit die Wohnungen im Anschluss vermietet werden können, was zusätzliche Kosten verursacht.

    Frage 8: Wären Olympische und Paralympische Spiele in Berlin nicht eine Chance, um Klima- und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen?

    Aus unserer Sicht ist eine wirklich umweltfreundliche Austragung einer solchen Großveranstaltung unrealistisch. Bisherige vergleichbare Veranstaltungen wurden nicht nachhaltig umgesetzt. Berlin verfehlt bereits heute seine eigenen Klimaziele und hat Probleme, bestehende Umweltprobleme zu bewältigen.

    Auch temporäre Bauten verbrauchen Fläche und Ressourcen, sind also weder klimaneutral noch folgenlos. Bei Olympischen und Paralympischen Spielen ist Nachhaltigkeit keine verpflichtende Bedingung, sondern vor allem ein PR-Versprechen. Unter diesen Voraussetzungen wäre es nicht glaubwürdig, die Spiele als Klimaprojekt zu vermarkten, während wir gleichzeitig unsere eigenen Ziele vor Ort verfehlen.

    Frage 9: Wie sieht es mit der demokratischen Beteiligung der Berliner Bevölkerung aus?

    Die mangelnde demokratische Beteiligung ist eines der größten Defizite der aktuellen Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele. In Berlin kann laut Landesverfassung keine Bürger*innenbefragung oder ein Bürger*innenentscheid „von oben“, also direkt durch einen Senatsbeschluss durchgeführt werden. Um ein solches Instrument einzuführen, wäre eine Verfassungsänderung nötig. Der Senat plant bisher aber auch keine vergleichbaren Beteiligungsformate oder Befragungen.

    Gleichzeitig hat sich München bereits für die Spiele entschieden. Berlin könnte seine Bewerbung also zurückziehen und damit Kosten sparen, anstatt weiteres Geld in ein Verfahren zu stecken, das auf wackligen Füßen steht. Die Unterstützung in der Berliner Bevölkerung ist ohnehin gering. Ein Projekt dieser finanziellen Größenordnung ohne breite Zustimmung der Menschen vor Ort voranzutreiben, halten wir politisch für falsch.

    Frage 10: Was kritisieren wir am Vorgehen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)?

    Der DOSB hat zunächst eine deutschlandweite Bewerbung angekündigt, die potenziell sinnvoller und nachhaltiger hätte sein können. Von dieser Idee ist er jedoch wieder abgerückt. Nun bewerben sich vier Städte gleichzeitig. In allen vier Bewerberstädten werden Millionen für Werbung und Konzepte ausgegeben, obwohl am Ende nur eine Stadt den Zuschlag erhalten kann. Das ist eine ineffiziente und teure Vorgehensweise.

    Die Verfahren des DOSB sind zudem intransparent: Es bleibt unklar, welche Kriterien genau gelten, wer die Entscheidungen am Ende wirklich trifft und wie der Zeitplan konkret aussieht. Bewertungsstandards werden nicht offengelegt. Insgesamt entsteht der Eindruck eines undemokratischen, intransparenten Machtprozesses, der den Ansprüchen an moderne, offene und partizipative Entscheidungen nicht gerecht wird.

    Frage 11: Warum ist das Internationale Olympische Komitee ein Problem für Austragungsorte wie Berlin?

    Das Internationale Olympische Komitee (IOC) ist nicht nur Sportdachverband, sondern ein mächtiger globaler Akteur, der die Spielregeln setzt, während Städte die Risiken tragen. In der Olympischen Charta und im „Host City Contract“ legt das IOC detaillierte Anforderungen fest – von Infrastruktur über Sicherheit bis zu Markenrechten und Ticketing. Bewerberstädte müssen Millionen in aufwendige Bewerbungsdossiers stecken, haben aber nur begrenzten Spielraum, die Bedingungen mitzugestalten. Gleichzeitig schöpft das IOC einen großen Teil der Gewinne aus TV-Rechten und globalen Sponsoren ab, während Milliardeninvestitionen in Sportstätten, Verkehr und Sicherheit überwiegend bei Städten und Staaten hängen bleiben. Ökonomische Analysen zeigen, dass seit 1960 alle Spiele das Budget überschritten haben und Austragungsorte oft langfristig mit Schulden und wenig genutzten Anlagen zurückbleiben.

    Hinzu kommt eine lange Geschichte der Kritik an Korruption, Intransparenz und Menschenrechtsverletzungen. Skandale wie bei der Vergabe der Winterspiele 2002 nach Salt Lake City sowie Vorwürfe rund um andere Bieterrunden haben das Bild eines korruptionsanfälligen Systems verfestigt. Menschenrechtsorganisationen dokumentieren immer wieder Verdrängung, Wohnraumverlust und Einschränkungen von Freiheitsrechten im Umfeld der Spiele. Als privater Verein mit erheblichem politischem Einfluss unterliegt das IOC nur schwacher demokratischer Kontrolle – ein weiteres Argument dagegen, Berlin in diese Abhängigkeit zu führen.

    Frage 12: Was hat die Münchner Abstimmung für Olympische und Paralympische Spiele mit Berlin zu tun?

    Ende Oktober 2025 konnten die Münchner*innen darüber abstimmen, ob sie für oder gegen eine Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele in ihrer Stadt sind. Eine Mehrheit hat dabei mit Ja gestimmt. Mit dieser Beteiligung und der Zustimmung hat München einen eindeutigen Vorteil gegenüber Berlin, wo es nicht mal eine Beteiligung geben soll (siehe vorherige Frage). Das muss auch dem Senat klar sein. Das halbherzige Vorgehen des Senats wirkt wie eine gesichtswahrende Bewerbung. Dafür sind sechs Millionen Euro zu viel Geld – Geld, das uns bei der Sanierung von Sportstätten fehlt. Während München die Stadt hinter sich hat, zeigt sich in Berlin in Umfragen eine Ablehnung von Olympischen und Paralymischen Spielen.

    Auch andere Städte machen es längst vor. In Nordrhein-Westfalen soll im April 2026 ein Bürgerentscheid in 17 Städten und Kommunen stattfinden. Hamburg führt sogar ein digitales Beteiligungsverfahren durch – auf einer Online-Plattform können Interessierte Vorschläge einbringen, Informationen abrufen und an einer Umfrage teilnehmen. Ende Mai 2026 stimmen die Hamburger*innen schließlich per Referendum über die Bewerbung ab. Fast alle Bewerberstädte binden ihre Bevölkerung aktiv ein – nur Berlin nicht. Obwohl klar ist: Rückhalt der Bevölkerung ist ein zentrales Auswahlkriterium für das IOC, das über die Vergabe der Spiele entscheidet.

    Auf dieser Grundlage ist es falsch, weiter Millionen in eine aussichtslose Bewerbung zu stecken, statt in die notwendige Sanierung maroder Sportanlagen zu investieren. Damit erweist Berlin dem Breitensport einen Bärendienst. Allen ist klar, dass weder der DOSB noch das IOC einen Austragungsort wählen, dessen Bevölkerung nicht eindeutig dahintersteht.

    Frage 13: Hat die Grüne Fraktion bereits in Regierungsveranwortung die Durchführung von Olympischen und Paralympischen Spielen in Berlin gefordert?

    Nein. Im Koalitionsvertrag 2021 haben wir keine Austragung von Olympischen oder Paralympischen Spielen gefordert. Wir haben lediglich festgelegt, dass Sportgroßveranstaltungen künftig klimaneutral, ökonomisch und sozial nachhaltig umgesetzt werden sollen. Eine Bewerbung wird nur unter klar definierten Bedingungen grundsätzlich geprüft. Dazu gehören eine grundlegende Reform der Vergaberichtlinien durch das IOC, ein nachhaltiges Konzept ohne Gigantismus, die Zustimmung des Deutschen Olympischen Sportbundes und der Bundesregierung sowie die Absicherung notwendiger Infrastrukturinvestitionen durch den Bund. Eine konkrete Forderung für eine Bewerbung oder Durchführung gab es von uns nicht.

    Frage 14: Welche Rolle spielt das geplante Volksbegehren des Bündnisses „NOlympia Berlin”?

    Das Bündnis will mit dem Volksbegehren erreichen, dass die Berliner Bevölkerung selbst über die Bewerbung für Olympische und Paralymische Spiele entscheiden kann. Das klare Ziel ist es, die Austragung Olympischer und Paralympische Spiele in Berlin politisch zu stoppen. Am Ende soll ein Volksentscheid stehen, bei dem die Berliner*innen über die Frage „Olympische Spiele in Berlin: Ja oder Nein?” abstimmen. Ein mehrheitliches „Nein” würde den Senat erheblich unter Druck setzen, die Bewerbung zurückzuziehen, und die Pläne für Olympische und Paralympische Spiele für Berlin faktisch kaum noch durchsetzbar machen.

    Rechtlich orientiert sich das Bündnis an den bestehenden Regeln für direkte Demokratie in Berlin. Das Verfahren ist mehrstufig: Zunächst braucht es einen Antrag auf ein Volksbegehren mit rund 20.000 gültigen Unterschriften. Wird dieser zugelassen, folgt das eigentliche Volksbegehren, für das etwa 170.000 bis knapp 175.000 Unterschriften von Wahlberechtigten gesammelt werden müssen. Erst wenn dieses Quorum erreicht ist und der Senat das Anliegen nicht freiwillig übernimmt, kommt es zum Volksentscheid, bei dem alle wahlberechtigten Berliner*innen abstimmen können.

    Frage 15: Zusammengefasst – warum ist eine Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele für Berlin der falsche Weg?

    Die Fakten sprechen klar gegen eine Bewerbung Berlins: Die Stadt hat die finanziellen Mittel nicht, es besteht ein massiver Sanierungsstau im Sportbereich, die Verkehrsinfrastruktur ist überlastet, das Olympische und Paralympische Dorf ist planerisch und zeitlich unrealistisch. Die Veranstaltung wäre weder klimafreundlich noch nachhaltig, und echte demokratische Beteiligung ist nicht vorgesehen.

    Gleichzeitig zeigt das Vorgehen des DOSB ein hohes Maß an Intransparenz, während in mehreren Städten Millionen in ein Konkurrenzverfahren gesteckt werden, bei dem am Ende nur eine Stadt übrig bleibt. Unter diesen Umständen ist es unsere Verantwortung, klar zu sagen: Berlin braucht jetzt Investitionen in bestehende Sportflächen, in den Breitensport für alle, in funktionierende Infrastruktur und in Klimaschutz, nicht ein teures, kurzfristiges Prestigeprojekt Olympia.

    Veröffentlicht am 01.12.2025 unter dem Link

  • NOlympia Hamburg: Zehn Jahre Nein zu Olympia: Hamburger Senat ist lernresistent

    Am Samstag jährt sich das Referendum über die Hamburger Olympiabewerbung für die Sommerspiele 2024 zum zehnten Mal. Trotz einer knapp 22 Millionen Werbekampagne stimmten damals 51,6 Prozent der Hamburger*innen gegen Olympia. Zehn Jahre später sieht sich der Hamburger Senat nicht mehr an diesen Entscheid gebunden und plant erneut 18 Millionen für seine Olympiakampagne ein. Kampagnenauftakt waren die sogenannten Bürgerbeteiligungen im November 2025.

    Dazu Eckart Maudrich, Sprecher von NOlympia Hamburg: „2015 haben die Hamburger*innen den größenwahnsinnigen Plänen des Senats einen Riegel vorgeschoben. Eigentlich müsste sich der Hamburger Senat bei den Gegner*innen der Spiele bedanken. Zwischen 2015 und 2024 sind infolge von Coronapandemie und Ukrainekrieg die Bau[1]– und Sicherheitskosten[2] explodiert. Ein gigantisches Milliardenloch im Haushalt wäre die Folge gewesen. Aber der Hamburger Senat ist lernresistent und verschwendet schon wieder Unsummen für eine neue Hamburger Olympiabewerbung“

    „Olympia erzielt 76 Millionen Gewinne”,[3] behauptete Steffen Rülke, Leiter der Hamburger Olympiaprojektgruppe bei der Auftaktveranstaltung der „Bürgerdialoge“ und verschweigt die 6,3 Milliarden Verluste für die öffentliche Hand. Das IOC sei reformiert, die Verträge transparent und das Organisationskomitee zahle nationale Steuern, heißt es von Senatsseite. Unerwähnt bleibt, dass der Senat selbst durch seine Unterschrift unter den Host City Vertrag[4] und die Olympic Charter[5] dafür sorgt, dass die Milliardeneinnahmen des IOC[6] direkt in die Schweiz fließen. Der Hamburger Senat behauptet, der Bund stehe hinter der Bewerbung und verschweigt, dass er zu den derzeitigen Bewerbungskosten keinen Cent an Hamburg überweist[7]. Angesprochen auf die durchschnittlich 1.333 Euro, die ein Ticket bei der Eröffnungsfeier in Paris kostete,[8] konstatiert Rülke (Jahresgehalt 250.000 Euro) zynisch, dass alle Hamburger*innen bei den Langstreckenevents an der Strecke stehen könnten.

    Maudrich: „Olympia ist eine Projekt für die Eliten – nur wenige profitieren davon, enorme finanzielle, soziale und ökologische Folgekosten sind die Kehrseite der Medaille. Schon jetzt driften Mieten in Hamburg in immer krassere Dimensionen ab. Die Armut[9] wächst und immer mehr Menschen bekommen die Folgen des Klimawandels zu spüren. Vor 10 Jahren haben die Hamburger Verantwortung übernommen. Beim Zukunftsentscheid dieses Jahr auch. Wir hoffen, dass sie dies im Mai 2026 bei Olympia ebenso tun werden.”

     

    [1] Cours de Compt: Les Jeux Olympiques et Paralympiques de Paris 2024.Rapport au Parlement. S.36 Der öffentliche Bau-Zuschuss mute um 175% auf knapp eine 500 Millionen erhöht werden

    [2] ebenda: S32 und 34: Das Sicherheitsbudget stieg von 200 Millionen auf auf gut 1.700 Millionen.

    [3] S. Endnote 1. Das zitierte Budget betrifft nur die Eventveranstalterperspektive der Durchführung. Das Ergebnis kommt zustande, weil a) die öffentliche Hand auch dazu bereits gut 200 Millionen zugeschossen hat (S 18 iVm S26) und b) die Sicherheitskosten i.H.v. 1.700 Millionen auf die öffentliche Hand abgewälzt wurden (s. FN 2)

    [4] “…necessary for the Host City, the Host NOC and the OCOG to coordinate with competent Host Country Authorities so that the tax legislation of the Host Country is implemented and applied in a manner that guarantees the achievement of the objectives and results described in §22.2-22.5.” HCC Principles 22.1ff. Gleichlautend auch LA28 und Brisbane32

    [5] 1. Olympic Charter = lex superior. The nat’l gov´t of the country… must submit to the IOC a legally binding instrument by which the said government… guarantees that the country …will comply with & respect the Olympic Charter”; OCR 33 III. 2. Das Organisationskomitee (also auch Hamburg) ist IOC weisungsgebunden,OCR 35, BLR 35. 3. Finanzielle und organisatorische Verantwortung liegt beim Ausrichter: Immediately upon the election…, the IOC enters into an agreement with the elected host and the NOC …”;OCR 36 I 1. The IOC shall have no financial responsibility in respect of the organisation, financing and staging of the Olympic Games other than the contribution determined in the Olympic Host Contract…; OCR 36 II 2

    [6] IOC. Annual Report 2024. Games of a New Era. S.197

    [7] BDrs .23-02040

    [8] s. Endnote 1, S128

    [9] 497 tsd Menschen fallen unter die wohnkostenbereinigte Armutsquote in Hamburg. Der Paritätische 2024: Wohnen macht arm. 2024. 38 tsd Menschen sind wohnungslos in Hamburg. Nagel 2024. Überwindung der Wohnungslosigkeit bis 2030.

    Über NOlympia Hamburg

    NOlympia Hamburg hat sich anlässlich Hamburgs Olympiabewerbung 2015 formiert, um über Risiken und Nebenwirkungen von Spielen in Hamburg kritisch zu informieren. Mitte 2025 musste die Arbeit erneut aufgenommen werden, weil der Senat sich wieder massiv Steuermittel hat genehmigen lassen, um seine Wahrheit über alle Stimmen und Abstimmungsergebnisse hinweg durchzusetzen und dadurch eine ausgewogene Information akut gefährdet ist.

  • Pressemitteilung: Nein zur Olympiabewerbung! Berlin hat andere Probleme

    Der Senat hat heute einen Beschluss gefasst, der die Bewerbung Berlins für Olympische Spiele 2036/40/44 unwiderruflich machen soll. Es werden Maßnahmen, Veranstaltungen, Mittel in ungenannter Höhe angekündigt, die dazu zur Verfügung stehen sollen. Personal, ja eine Zentrale Steuerungseinheit, wird in Aussicht gestellt, um die Bewerbung zu forcieren. Im September 2026, also kurz vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin, soll die endgültige Bewerbung eingereicht werden.

    Man wundert sich. Hat dieser Senat keine anderen Probleme? Weiß er um die Beschaffenheit des öffentlichen Nahverkehrs? Kennt er die über siebzig maroden Brücken dieser Stadt? Kennt er den Sanierungsbedarf von Schule, Schwimmbädern, Sportanlagen in dieser Stadt? Weiß er um die Beschaffenheit der Hochschulen, der Theater, Museen? Kennt er die Wohnungsnot? Weiß er, wie geflüchtete Menschen hier untergebracht werden? Und dann setzt er solche Prioritäten?

    Wir als Bündnis NOlympia Berlin halten diesen Beschluss für einen perfiden Versuch, von den Problemen des Landes Berlin abzulenken. Stattdessen manövriert er die Stadt noch tiefer in die Schuldenfalle.

    Es geht dem Senat nicht wirklich um die Verbesserung der Lebensbedingungen der Berliner*innen, sondern darum, von diesen abzulenken, sich zu inszenieren und vermeintliche Erfolgsmeldungen vermitteln zu können. Die Olympiabewerbung ist nichts anderes als eine kollektive Realitätsflucht der gescheiterten CDU-SPD-Regierung.

    Wir von NOlympia Berlin werden es dazu nicht kommen lassen.

    Volksentscheid jetzt!

  • Sigrun Franzen / Rainer Schmitz (Spiegel): Berliner Olympia-Debatte. Warum Berlin auf die Spiele verzichten sollte (2015)

    Soll sich die deutsche Hauptstadt für die Olympischen Sommerspiele 2024 beziehungsweise 2028 bewerben? Hier erklären zwei Mitglieder des Berliner NOlympia-Bündnisses, warum sie dagegen sind.
    27.02.2015, 13.21 Uhr
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  • Pressemitteilung: LSB-»Volksinitiative« ist ein Plebiszit ›von oben‹. Echte Bürgerbefragung geht anders

    Der Landessportbund Berlin (LSB) hat am 2. Juli 2025 seine Volksinitiative zur Austragung Olympischer Spiele (OS) in Berlin gestartet. Damit sich das Berliner Abgeordnetenhaus (AGH) mit dem Anliegen befasst, müssen innerhalb von sechs Monaten mindestens 20.000 wahlberechtigte Berliner*innen ab 16 Jahren den Aufruf unterstützen. Ziel der Initiative ist es, einen Beschluss des AGH für eine Bewerbung für OS zu erreichen.

    Dazu das Bündnis NOlympia Berlin:

    Die vom Landessportbund gestartete Volksinitiative ist nichts weiter als eine Demokratiesimulation. Dem LSB geht es als Mitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) nicht um echte Mitbestimmung, sondern vor allem darum, dem Senat Rückendeckung zu verschaffen und eine Bewerbung politisch abzusichern.

    Echte Beteiligung der BerlinerInnen setzt Diskussion voraus. Sie erfordert die Offenlegung aller Pläne und eine seriöse Folgenabschätzung. Eine echte Beteiligung der Bevölkerung würde auch Alternativentscheidungen zulassen. Eine Bewerbung wie die zu Olympischen Spielen, die sich über einen Zeitraum von zehn bis fünfzehn Jahren erstreckt, braucht die Unterstützung einer großen Mehrheit der Bevölkerung. Eine Volksinitiative reicht nicht. Wenn sich Berlin bewirbt, muss, so wie es auch der DOSB fordert, eine echte Bürgerbefragung stattfinden.

    Dass eine Olympiabewerbung, wie behauptet wird, den Schul- und Breitensport fördert, ist ein oft wiederholtes Märchen. Das zeigen auch die Spiele in London 2012, wo das Versprechen, die Nation insgesamt fitter zu machen, krachend gescheitert ist. Wir sind überzeugt: Es wird kein einziges Schwimmbad, keine neue Schulsportanlage für die Berliner Bevölkerung entstehen. Neubauten stünden ohnehin im eklatanten Widerspruch zu allen Einsparungsmaßnahmen, die in der Stadt gegenwärtig in allen gesellschaftlichen Bereichen vorgenommen werden.

    Ökonom Oliver Holtemöller warnt: Berlin würde wirtschaftlich unter Olympia leiden

    Berlin hat bereits jetzt über 67 Mrd. EU Schulden. Die Finanzierung der Spiele mit ungeklärten Beteiligungen durch das privatwirtschaftlich agierende IOC, durch unbekannte private Investoren und durch die Bundesregierung würde den Schuldenberg massiv erhöhen und unsere Stadt tiefer in die Abhängigkeit von Banken treiben. Die Konzentration auf die Olympischen Spiele zöge unweigerlich Benachteiligungen in allen anderen Bereichen nach sich, so in der Bildung, in der Kultur, im Sozialen, in der Verkehrsinfrastruktur. Die soziale Schieflage in der Stadt würde weiter verstärkt. Es darf Berlin nicht so gehen wie beispielsweise Rio de Janeiro nach den Spielen 2016: »An Olympia ist die Stadt […] zerbrochen. Sie hat für eine knapp dreiwöchige Party ihre letzten Finanzreserven zusammengekratzt. Das Geld fehlt jetzt in den Schulen, den Unis, in den Krankenhäusern und der Rentenkasse und vor allem bei der öffentlichen Sicherheit.« (SZ, 13.7.2018)

    • Olympische Spiele lösen in Berlin kein einziges Problem!
    • Im Gegenteil: Olympische Spiele schaffen neue Probleme!

    Ein NEIN zu Olympischen Spielen ist ein JA zu Berlin!