• Nach offiziellem Rückzug der Bewerbung: NOlympia beendet Volksbegehren

    Nach offiziellem Rückzug der Bewerbung: NOlympia beendet Volksbegehren

    Programmiertes Scheitern der Berliner Olympiabewerbung – Fokus nun auf nachhaltiger Stadtentwicklung.

    Fast auf den Tag 33 Jahre nach dem Scheitern der Olympiabewerbung für das Jahr 2000 hat der CDU/SPD-Senat heute seinen Rückzug von der Olympiabewerbung für das Jahr 2036 bekannt gegeben. Das Olympiaabenteuer hat die Berliner*innen mindestens sechs Millionen EUR an Steuergeldern gekostet, die Stadtgesellschaft polarisiert und einen immensen Personalaufwand sowohl auf Seiten des Senats als auch des NOlympia-Bündnisses beansprucht – Ressourcen, die nun wieder für eine sozial ausgewogene und bürgernahe Politik zur Verfügung stehen.

    Dazu sagen die Vertrauenspersonen des NOlympia-Volksbegehrens:

    Prof. Johannes Verch (Sportwissenschaftler): »Die jetzige Niederlage des Senats ist umso ärgerlicher, weil sie absehbar war. Die Olympischen und Paralympischen Wettkämpfe des IOC sind nicht sonderlich populär in Berlin. Und zwar seit Jahrzehnten nicht. Vielen gelten sie als abgehobenes und überteuertes Elitenprojekt, das mit der Lebenswelt der meisten Berliner*innen nicht viel zu tun hat. Am Ende ist die Olympiakampagne an genau der Unbeliebtheit gescheitert, die von Anfang an bekannt war.«

    Carmen Schultze (BUND Berlin): »Die Angst vor der eigenen Bevölkerung prägte die Olympiakampagne von Beginn an. Wie der Olympiabeauftragte des Senats Kaweh Niroomand in einem Fernsehinterview zugab, war den Organisatoren beim Start der Kampagne bewusst, dass ein von ihnen initiierter Volksentscheid nicht zu ihren Gunsten ausgehen würde. Zwar gibt es in Berlin aus guten Gründen keinen Volksentscheid ›von oben‹*, doch hätte der Landessportbund jederzeit ein Volksbegehren starten können, so wie wir das getan haben. Stattdessen vermieden es die Olympiaorganisatoren aus Angst vor der Antwort peinlichst bei den verschiedenen Beteiligungsformaten, die Ablehnung von Olympia als Option anzubieten.«

    Die vom Bündnis kritisierte Kostenintransparenz des CDU/SPD-Senats hat sich kurz vor der Olympia-Absage in nunmehr erschreckendem Maße bestätigt. Eine Akteneinsicht hatte außerdem unlängst ergeben, dass die Kosten nicht, wie vom Berliner Senat behauptet, rund 4,8 Milliarden, sondern über 15 Milliarden betragen hätten. Das ist das Dreifache!

    Dr. Gabriele Hiller (Sportwissenschaftlerin): »Die krachende Niederlage der Senatsparteien bei der Abgeordnetenhauswahl ist nicht allein auf die Olympiabewerbung zurückzuführen, aber auch. Das Demokratiedefizit der Olympiakampagne zeigte sich nicht zuletzt in der schriftlichen Aufforderung des Olympia-Kuratoriums an die Spitzenkandidatin der Linkspartei Elif Eralp, ihr Wahlversprechen zu brechen und auf Olympiakurs zu gehen – ohne Rücksicht auf das Wähler*innenvotum sowie die zu erwartende Politikverdrossenheit, die ein solcher Schritt hervorrufen würde.«

    Uwe Hiksch (NaturFreunde Berlin, Trägerin des NOlympia-Volksbegehrens) fügt hinzu: »Seine Ignoranz gegenüber der Zivilgesellschaft zeigte der CDU/SPD-Senat ein letztes Mal. Seine Pressekonferenz zur Olympiaabsage setzte er genau eine Stunde vor der Pressekonferenz an, auf der unser NOlympia-Bündnis das Erreichen der Unterschriftenzahl für die erste Stufe des NOlympia-Volksbegehrens ankündigen wollte.
    Das Berliner NOlympia-Bündnis zeigt sich sehr erleichtert über den von ihm seit langem geforderten Rückzug der Bewerbung. Berlin sollte viele Milliarden für die Olympischen Spiele ausgeben. Wir erwarten vom neuen Senat, dass die jetzt freiwerdenden Mittel für den Ausbau der Sportstätten für den Schul- und Breitensport in Berlin eingesetzt werden.
    Der neue Berliner Senat kann sich nun wichtigeren Aufgaben widmen. Und auch unser NOlympia-Bündnis kann seine Arbeit einstellen. Das laufende Volksbegehren wird heute beendet, die gesammelten Unterschriftsblätter werden vernichtet.
    Das Bündnis dankt den Partner*innen, Vertrauenspersonen des Volksbegehrens und allen anderen Unterstützer*innen sowie Unterzeichner*innen für ihren Einsatz. Gemeinsam haben wir dazu beigetragen, von der ohnehin hochverschuldeten Stadt großen Schaden abzuwenden.«

    * Hermann Heußner: Prämie auf die Macht. Warum die Berliner CDU die Finger vom Instrument der Volksbefragung lassen sollte, in: Verfassungsblog, 1.12.2023, https://verfassungsblog.de/pramie-auf-die-macht/

    Im Bündnis NOlympia Berlin arbeite[te]n zusammen:
    NaturFreunde Berlin, BUND Berlin, GEW Landesverband Berlin, Grüne Liga Berlin, Berliner MieterGemeinschaft, BI 100% Tempelhofer Feld, Berliner Wassertisch, NABU Berlin, BUNDjugend Berlin, Kotti&Co, Roter Stern Berlin, BI A100, BI Wuhlheide, FridaysForFuture Berlin, Bündnis gegen Verdrängung und #Mietenwahnsinn, BI Jahnsportpark, Bündnis UNSERE STADT!, BerlinZusammen, Die Linke Berlin, Bündnis 90 / Die Grünen Berlin, Tierschutzpartei Berlin, Mera 25 Berlin, Grüne Jugend Berlin, Linksjugend Berlin, Jusos Berlin

  • Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus: Olympia in Berlin: statt nachhaltige Verbesserungen, nur wirre Event-Träume und verschleierte Kosten

    Der Senat hat in seiner heutigen Sitzung ein Konzept für die Bewerbung um die Ausrichtung Olympischer Spiele beschlossen. Die Behauptung des Senats, das sogenannte „BERLIN+“-Konzept sei finanziell tragfähig und bringe der Stadt sogar Gewinne ein, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als dreister politischer Bluff auf Kosten der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler.

    Dazu erklärt Elif Eralp, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion Die Linke:

    »Das Olympiakonzept des Senats entlarvt all die vollmundigen Ankündigungen von Kai Wegner zu nachhaltigen Spielen als leere Worte. Eine Riesenrampe statt bezahlbarer Wohnungen, eine goldene Pyramide statt einer sauberen Spree. Statt nachhaltige Verbesserungen für die Berlinerinnen und Berliner enthält das Konzept offenbar vor allem viele wirre Event-Träume aus der Mottenkiste des Stadtmarketings.

    Unsere Stadt braucht keine kostspieligen Großveranstaltungen, während die soziale Infrastruktur bröckelt. Marode Turnhallen und geschlossene Schwimmbäder repariert man nicht mit einem olympischen Luftschloss. Während Millionen für eine PR-Kampagne und für ein zweiwöchiges Spektakel verplant werden, verfällt Berlins sportliche Basis. Das werde ich ändern. Was unsere Stadt jetzt braucht, sind Investitionen in den Breitensport und in die soziale Infrastruktur, bezahlbare Wohnungen, gute Schulen und Krankenhäuser und kein Mega-Projekt, das viel Geld kostet und das Leben der Berlinerinnen und Berliner kein bisschen verbessert.«

    Claudia Engelmann, sportpolitische Sprecherin der Linksfraktion Berlin, ergänzt:

    »Wer sich das Olympia-Konzept genau ansieht, erkennt den gigantischen Bluff sofort. Der Senat brüstet sich auf der einen Seite mit einem angeblichen Überschuss von 420 Millionen Euro im operativen Geschäft. Gleichzeitig werden die wahren, milliardenschweren Kosten für die zwingend notwendigen Sanierungen von Olympiastadion, Jahnsportpark, Velodrom und anderen Sportstätten dreist aus dem offiziellen Olympia-Budget herausgerechnet – getarnt als Investitionen für den ›laufenden Betrieb‹. Allein beim Jahnsportpark sind die Kosten bereits auf absurde 349 Millionen Euro explodiert, weshalb man dort ausgerechnet bei der Inklusion den Rotstift ansetzt.

    Die echten Rechnungen, auch für die derzeit völlig unkalkulierten Sicherheitskosten, will der Senat dem Parlament erst Ende 2026 präsentieren. Das ist lange nachdem die Bewerbung am 4. Juni beim DOSB eingereicht werden muss. Hier wird ein ungedeckter Scheck nach dem anderen ausgestellt.«

    Pressemitteilung