Olympische Sommerspiele

  • Deutschlandfunk: Olympiabewerbung – Wie ehrlich sind die Städte-Kampagnen? Interview mit Ben Bendrich

    »Das Problem bei eigentlich allen Bewerbern ist, dass es zu einer einseitigen Darstellung ohne Gegenargumente kommt. Wir sehen in den einzelnen Broschüren, dass besonderer Wert auf die Pro-Argumente oder die vermeintlichen positiven Auswirkungen der Spiele gelegt wird, aber eben auf die Kontra-Argumente wenig bzw. gar keinen Wert gelegt wird und das sehe ich als problematisch an.

    Da gibt es keinen einzigen Risikohinweis in Bezug auf die Bewerbung. Es fehlen Szenarien zu der Kostenüberschreitung und, was mich besonders entsetzt, muss ich sagen, dass wenig auf die sozialen Folgen eingegangen wird und diese nahezu nicht erwähnt werden….

    Wir haben eine massive Gentrifizierung in den Olympiastädten. Das heißt, es gibt einen unheimlichen Mietpreisanstieg in den Austragungsorten, aber auch die Immobilienpreise steigen stark an. Es kommt zur Verdrängung von der einkommensschwächeren Bevölkerung in den Innenstädten.

    Wir haben massive Sicherheitsmaßnahmen, die vonstatten gehen, die sich mittlerweile im Milliardenbereich befinden, aber von den Bewerbern.. überhaupt nicht erwähnt werden.

    Dann kommt es zu einer Militarisierung der Polizei. Das hat auch Auswirkungen auf die örtliche Bevölkerung, aber eben auch für den Mittelstand, da viele der kleinen Unternehmen mal eben gar keine Kundschaft haben durch die massiven Sicherheitsabsperrungen…

    Wir haben einen massiven Eingriff in die demokratische Willensbildung…

    Die Gewinne werden privatisiert, aber die Kosten werden weiterhin sozialisiert« Zum ganzen Interview

    Zur Website von Dr. Benjamin Bendrich
    https://derballluegtnicht.com/eine-seite/

  • Marie Gogoll (Sportschau): Millionenschwerer Wettstreit um deutsche Olympiabewerbung

    »Wer geht für Deutschland ins Rennen um Olympische Spiele? München, Hamburg, Berlin und „KölnRheinRuhr“ kämpfen darum, der deutsche Olympiabewerber zu werden, und geben dafür schon jetzt viel Geld aus. […] Roland Schüler hält es dennoch für falsch, dass Länder und Kommunen so viel Geld in die Bewerbung investieren. Er ist Bezirksbürgermeister des Kölner Stadtteils Lindenthal und engagiert sich im Bündnis „NOlympia Colonia“. Für die Bewerbung um die nationale Kandidatur als Austragungsort rechnet die Stadt Köln mit Ausgaben von etwa 2,5 Millionen Euro. Rund 85 Prozent davon übernimmt das Land NRW. So eine Summe, meint Schüler, wäre besser in Kölner Fußballplätze, Schwimmbäder oder Schulsporthallen investiert. […]«
    Geplante Ausgaben für die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele bis zum nationalen Entscheid im Herbst 2026: über 50 Millionen
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  • Dr. Benjamin Benrich: Taschenspielertricks an der Elbe? Das Argument, das keines ist – wie Hamburg seine Bürger*innen mit Wissenschaft von Olympia überzeugen will

    »[…] Es ist alarmierend, wie viele Millionen Euro die Bewerberstädte und Regionen für den internen deutschen Wettbewerb aus Steuergeldern bereits investiert haben, insbesondere angesichts der häufig angespannten finanziellen Situation der Bewerberstädte und der Kürzungen der Fördermittel im Breitensport (siehe Berlin).[…]«
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  • Benno Schirrmeister (taz): Jugend indoktriniert für Olympia. Hamburgs Polizeisenator überwältigt Schü­le­r*in­nen

    »Andy Grote (SPD) will in Schulen Stimmung pro Olympia verbreiten. Er bedient sich dafür der undemokratischen Methode der Indoktrination. […] Dass Hamburgs Innensenator, nur um eine Bewerbung für ein Sportfest durchzusetzen, die Heranwachsenden der Stadt entmündigen will: Das ist beängstigend.«
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  • Pressemitteilung Hamburg Innenbehörde: Unterschriftensammlung der Initiative NOlympia für eine weitere Stellungnahme im Informationsheft erfolgreich

    »Der [Hamburger] Senat hat heute, am 17. März 2026, festgestellt, dass die Aufnahme der Stellungnahme der Initiative NOlympia in das Informationsheft zum Olympia-Referendum von mindestens 10.000 Wahlberechtigten unterstützt worden ist. Damit ist die Stellungnahme in das Informationsheft aufzunehmen.

    Zum Hintergrund teilt der Landeswahlleiter folgendes mit: Mit der ab dem 22. April 2026 versandten Abstimmungsbenachrichtigung zum Olympia-Referendum erhalten die Stimmberechtigten ein Informationsheft, in dem die Bürgerschaft und der Senat jeweils auf acht Seiten zu der Bewerbung um Olympische und Paralympische Sommerspiele Stellung nehmen können. Eine weitere Stellungnahme ist aufzunehmen, wenn sie von mindestens 10.000 zur Bürgerschaft Wahlberechtigten unterstützt wird. Die Initiative NOlympia hat in dem Zeitraum vom 31. Januar bis zum 20. Februar für ihre Stellungnahme gesammelt und am 21. Februar 2026 nach eigenen Angaben 19.423 Unterschriften eingereicht. Die Gültigkeitsprüfung der Unterschriften hat ergeben, dass das Quorum erreicht worden ist. Nach Erreichen des Quorums wurde die Prüfung abgebrochen.
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  • NOlympia Hamburg: Ist die Schule ein besonders geschützter Raum für politische Bildung?

    »Am 5.02. erhielten die Schulpostfächer in Hamburg eine Email mit einem „Schulbrief“, der sich an alle Schulleitungen und Lehrkräfte wendete. Auf dem Briefkopf der “Behörde für Inneres & Sport”, im Olympiakampagnen-Look und unterschrieben vom Vorprojektteam für die Olympischen und Paralympischen Spiele wurde dem Lehrkörper anläßlich des bevorstehenden Referendums folgendes angekündigt:

    Unterrichtsmaterialien zu Olympischen Werten und dem Hamburger Bewerbungskonzept
    Unterstützung bei der Einbindung in schulsportliche Veranstaltungen
    Aufruf zu ehrenamtlichem Engagement von Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern als Volunteers.
    Interessierte konnten sich an
    olympia-paralympics@sommerspiele.hamburg.de wenden.[…]

    Im Beutelsbacher Konsens, der politische Bildung im schulischen Kontext seit langem prägt, heißt es dazu, dass Schülerinnen und Schüler nicht im Sinne einer politischen Position beeinflusst werden sollen (Indoktrinationsverbot).

    Weder die Unterlagen für die Klassen 8-10 noch die für die Klassen 11-13 fördern die Auseinandersetzung mit dem Tool des Bürgerschaftsreferendums in seinen olympiabewerbungsbezogenen Entstehungungs- und bislang ausschließlichen Anwendungskontext ein. Keine der Unterlagen bindet das zivilgesellschaftliche Instrument der Stellungnahme ein, das 2015 und auch 2026 zur Anwendung kommt und welches in besonderem Maße die Kontroversität des Anliegens auf den Punkt bringt. Das Beutelsbacher Prinzip des Gebots der Kontroversität fordert im schulischen Kontext, dass politisch-gesellschaftlich kontroverses auch im Unterricht kontrovers dargestellt werden soll. […]«

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  • Die LINKE, Fraktion in der BVV Pankow: Keine Olympischen Spiele in Berlin und Pankow – Für eine Sportpolitik im Interesse der Bürger*innen

    »Im September wurde im Ausschuss für Schule und Sport erstmals vorgestellt, dass Berlin eine Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036 oder 2040 prüft. Präsentiert wurden dabei auch mögliche Austragungsorte in Pankow – darunter der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, das Velodrom, Arkenberge und die Max-Schmeling-Halle. Die präsentierenden Vertreter*innen des Senats sprachen von Modernisierung, internationaler Strahlkraft und Impulsen für den Sport. Wiederholt wurde betont, ein erheblicher Teil der Investitionen könne durch private Investor*innen getragen werden. Konkrete, belastbare Aussagen zu Gesamtkosten, Risiken, tatsächlicher Nutzung durch Bürger*innen und möglicher Entlastung der öffentlichen Haushalte blieben jedoch offen.

    Der Widerstand gegen eine Olympiabewerbung beschränkt sich längst nicht auf unseren – berlinweit wächst die Kritik deutlich. Initiativen sowie engagierte Bürger*innen bereiten bereits Unterschriftensammlungen vor, um ein klares Signal gegen die Bewerbung zu setzen. Sie fordern Transparenz und eine ehrliche Debatte über unsere Prioritäten: Milliarden für ein Großereignis – oder gezielte Investitionen in Bildung, soziale Infrastruktur und Breitensport? Für uns ist klar: Eine Olympiabewerbung verschiebt den Fokus weg von den realen Bedarfen im Bezirk.

    Pankow steht vor erheblichen Herausforderungen im Breiten-, Schul- und Vereinssport. Sporthallen sind überlastet oder sanierungsbedürftig, Hallenzeiten sind knapp, Schwimmkapazitäten fehlen. Schulen benötigen verlässliche Bedingungen für den Sportunterricht, Sportvereine ausreichende Trainingsflächen. Diese Defizite lassen sich nicht durch ein Großprojekt beheben – vielmehr müssen genau sie im Zentrum politischer Prioritätensetzung stehen. Auch die internationale Erfahrung mahnt zur Vorsicht Die „Oxford Olympics Study 2024“ zeigt: Seit 1992 waren die Kosten für Olympische Sommerspiele im Schnitt mehr als doppelt so hoch wie angesetzt. Selbst wenn Teile der Organisation über das IOC refinanziert werden, verbleiben Ausgaben für Infrastruktur, Sicherheit und Bauwerke bei der öffentlichen Hand.

    Zudem sind die versprochenen Effekte auf Wirtschaft und Breitensport wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Eine Studie des ifo Instituts aus dem Jahr 2024 kommt zu dem Ergebnis, dass sportliche Großereignisse – wenn überhaupt – nur begrenzte und selten nachhaltige wirtschaftliche Impulse auslösen. Auch ein dauerhafter Motivationsschub für den Breiten- und Vereinssport ist nicht nachweisbar. Besonders kritisch sehen wir die politische Schwerpunktsetzung. Eine Bewerbung bedeutet, Planungen, Ressourcen und Aufmerksamkeit an internationalen Normen auszurichten: Stadionkapazitäten, Sicherheitskonzepte, Vermarktungsinteressen. Damit verschiebt sich die Perspektive von Gemeinwohlorientierung zu Großeventlogik.

    Für den sich aktuell im Umbau befindenden Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark würde eine olympische Einbindung zusätzlichen Zeitdruck und funktionale Anpassungen bedeuten. Statt langfristig bedarfsgerechter Lösungen für Schüler*innen, Vereinsmitglieder und Freizeitsportler*innen droht die Orientierung an internationalen Wettkampfvorgaben. Auch das Argument umfangreicher privater Finanzierung überzeugt uns nicht. Private Investitionen sind immer an Renditeerwartungen gebunden. Risiken und Folgekosten verbleiben erfahrungsgemäß dennoch bei der öffentlichen Hand – insbesondere bei Infrastruktur und Betrieb. Hinzu kommen soziale und ökologische Aspekte: zusätzlicher Flächendruck, Verkehrsbelastung und Energieverbrauch. In einer wachsenden Stadt mit angespanntem Wohnungsmarkt und begrenzten Haushaltsmitteln halten wir es für nicht verantwortbar, Milliardenrisiken für ein einmaliges Großereignis einzugehen.

    Für uns haben die Sanierung von Schulen und Sporthallen, wohnortnahe Bewegungsangebote, barrierefreie Anlagen und verlässliche Strukturen für den Vereins- und Freizeitsport Priorität. Pankow braucht keine Olympischen Spiele. Pankow braucht verlässliche Investitionen in Bildung, soziale Infrastruktur und gemeinwohlorientierten Sport.« (Dr. Jaana Stiller)
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  • André Zuschlag (taz): Olympia-Referendum in Hamburg. Rot-Grün will bei Olympia lieber nicht nachrechnen

    »Den Antrag der Linken, den Rechnungshof um eine Einschätzung zu möglichen Olympia-Kosten zu bitten, will Rot-Grün ablehnen. Das passt leider ins Bild…. Auf welchen Informationen und Einschätzungen basierend sollen sich die Ham­bur­ge­r:in­nen eigentlich eine Meinung bilden? Da will Rot-Grün nicht dabei helfen, allzu tief ins Konkrete und in mögliche Lücken des Konzepts zu blicken. […]«

    Zum Artikel (24.2.2026)

  • BUND-Kreisgruppe Köln: NOlympia – Fragen und Antworten (24. Februar 2026)

    Welche Auswirkungen hätten die Olympischen Spiele auf Stadt, Finanzen, Klima und Verkehr?

    Der BUND Köln hat einen Q&A-Katalog zum Thema NOlympia zusammengestellt, der die Auswirkungen eines Austragungsort Köln hätte, gruppiert nach den Themenfeldern:

    – Stadtnatur und Flächenverbrauch
    – Kosten und kommunale Finanzen
    – Verkehr und Alltag
    – Demokratie und Mitbestimmung
    – Nachhaltigkeit und Greenwashing

    Die Publikation kann hier heruntergeladen werden.

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    Hier die Fragen und Antworten aus der downloadbaren PDF als Fließtext:

    Stand: Februar 2026

    Fragen und Antworten zum Ratsbürgerentscheid im März/April 2026

    Bewerbung der Stadt Köln für Olympische Spiele 2036, 2040, 2044

    Stadtnatur und Flächenverbrauch

    Frage 1: Befürworter der Olympischen Spiele behaupten, dass 90% der benötigten Sportstätten bereits vorhanden seien. Wie sieht es in Köln aus?

    Antwort: Das Gegenteil ist in Köln der Fall. Olympiastadion und Olympisches Dorf müssen neu errichtet werden!

    Frage 2: Welche Auswirkungen sind damit verbunden?

    Antwort: Im Kölner Norden in Kreuzfeld sollen dafür über 88 ha wertvoller landwirtschaftlicher Flächen, durchsetzt mit Hecken und Säumen, geopfert werden. Die Bodenzerstörung durch Siedlungsneubau gilt als eines der größten Umweltprobleme.

    Obwohl der Rat der Stadt Köln am 9. Juli 2019 den Klimanotstand ausgerufen hat, soll in Kreuzfeld ein wichtiges Kaltluftentstehungsgebiet beseitigt werden, ebenso Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten.

    Frage 3: Sollte Kreuzfeld nicht ohnehin bebaut werden?

    Antwort: Die Planungen für einen neuen Stadtteil mit ca. 8.000 Einwohnern laufen schon länger. Dabei wird dieser gar nicht benötigt.

    Das Potential für zusätzlichen Wohnraum ist durch Aufstockungen auf Bestandsgebäuden, höhere Geschossigkeit bei Neubauten, die Nutzung von Baulücken und mindergenutzten Grundstücken in den Stadtteilen, die neuen Stadtquartiervorhaben Parkstadt Süd und Deutzer Hafen, die Nutzung bisheriger industrieller Konversionsflächen, etwa in Mülheim und die Überbauung von Parkplätzen um ein Mehrfaches höher.

    Kosten und kommunale Finanzen

    Frage 4: Welche Kosten kommen auf die Stadt Köln bei einer Durchführung der Olympischen Spiele zu?

    Antwort: Bisher sind lediglich die Kosten für den Bürgerentscheid in Köln bekannt. Diese betragen nach Angaben der Stadt Köln 2,5 Millionen Euro. Hiervon will 85% das Land NRW übernehmen. Zu den eigentlichen Kosten der Durchführung der Olympischen Spiele in Köln gibt es bisher keine Angaben.

    Das Rechnungsprüfungsamt der Stadt Köln verlangt deswegen eine zeitnahe Wirtschaftlichkeitsbetrachtung.

    Erfahrungsgemäß werden die ursprünglichen Kostenprognosen systematisch zu niedrig angesetzt – nicht zuletzt, um politische Zustimmung und öffentliche Akzeptanz zu sichern. Tatsächlich liegen die Gesamtkosten Olympischer Spiele im Durchschnitt um 156% über den veranschlagten Budgets.

    Die finanziellen Risiken werden in die Zukunft verlagert, zu Lasten der öffentlichen Haushalte.

    Frage 5: Welche Erfahrungen mit den Kosten bei den Olympischen Spielen 2024 hat die Stadt Paris gemacht?

    Antwort: Der französische Rechnungshof beziffert die öffentlichen Kosten auf 6,6 Milliarden Euro. 2023 wurde noch mit lediglich 2,44 Milliarden Euro gerechnet. 3,63 Milliarden entfielen auf die Infrastruktur und 3,02 Milliarden für die Organisation, darunter allein 1,44 Milliarden für Sicherheit.

    Frage 6: Wie wirken sich die Kosten durch die Olympischen Spiele auf den Haushalt der Stadt Köln aus?

    Antwort: Durch Olympische Spiele würde das vorhandene Haushaltsdefizit der Stadt Köln weiter erhöht. Bereits für 2024 weist der Kölner Stadthaushalt ein Defizit von 293,4 Millionen Euro aus, 2025 waren es sogar 582 Millionen Euro.

    Auch für die folgenden Jahre bis 2029 fallen zusätzlich jedes Jahr erhebliche Millionenbeträge an Verlusten an.

    Es droht eine Haushaltssicherung. Zentrale Entscheidungen für die Stadt trifft dann die Bezirksregierung und nicht mehr der gewählte Stadtrat. Ende 2025 musste eine Haushaltssperre verhängt und die Grundsteuer erhöht werden.

    Es ist nicht verantwortbar, dass Finanzmittel für eine leistungsfähige KVB, zur Sanierung von Schwimmbädern, Schulen und Brücken und zur personellen Ausstattung von Kitas weiterhin fehlen, während gleichzeitig die Durchführung Olympischer Spiele das Haushaltsdefizit der Stadt Köln weiter ansteigen lässt!

    Verkehr und Alltag

    Frage 7: Wie soll das zusätzliche Verkehrsaufkommen durch die Olympischen Spiele in Köln bewältigt werden?

    Antwort: Das geplante Olympische Dorf und das Olympiastadion in Köln Kreuzfeld auf der linken Rheinseite sind über die Eisenbahnstrecke Köln-Neuss erreichbar. Diese Strecke ist bereits heute mit Güterverkehr, zwei Regionalbahnen und einer S-Bahn völlig überlastet und ein Kapazitätsausbau kaum möglich.

    Auf der rechten Rheinseite wird das Verkehrskonzept Rhein-Ruhr-Express geplant und gebaut und soll bis 2040 die derzeit ausgeschöpften Kapazitäten vergrößern. Ob aber angesichts des sanierungsbedürftigen Schienennetzes in NRW die Vorgaben des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) eingehalten werden können, erscheint mehr als fraglich.

    Der DOSB verlangt, dass die Fahrwege zwischen Olympischen Dorf und Wettkampfstätten in weniger als einer Stunde erreichbar bzw. die Entfernungen kleiner als 50 km sind.

    Frage 8: Was bedeutet das zusätzliche Verkehrsaufkommen für die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB)?

    Antwort: Die KVB hat seit 2023 wegen fehlender Fahrer/innen und Wagen ihr Verkehrsangebot deutlich reduziert. Mit diesem verringerten Angebot ist es kaum noch möglich, Menschen für den Umstieg auf den ÖPNV zu gewinnen. Die Kapazität der KVB stößt an ihre Grenzen.

    Gleichzeitig steckt die KVB in einer wirtschaftlichen Krise. Über Jahrzehnte hat der Kölner Stadtwerkekonzern die jährlichen KVB-Defizite im Rahmen des steuerlichen kommunalen Querverbunds durch die Überschüsse vor allem der GEW/RheinEnergie ausgeglichen. Dies wird zukünftig in vollem Umfang nicht mehr möglich sein.

    Der zu erwartende Zusatzverkehr durch die Olympischen Spiele würde das System überfordern zu Lasten der regulären Fahrgäste und mit erheblichen Beeinträchtigungen für den Alltagsverkehr.

    Frage 9: Was bedeuten zusätzliche Sicherheitsanforderungen bei den Olympischen Spielen für die lokale Bevölkerung?

    Antwort: Olympische Spiele gelten als „High Risk Events“. Dies ist mit weitreichenden Sicherheitszonen, Zugangsbeschränkungen und umfassenden Kontrollmaßnahmen verbunden. Es kommt zu Eingriffen in den Alltag und in gewohnte Freiheitsräume.

    Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris berichteten Anwohner/innen von erheblichen Zugangsbeschränkungen in ihrem eigenen Stadtteil. Bereits im Vorfeld kam es zu einer massiven Verlagerung obdachloser Menschen aus Pariser Stadtteilen in entfernte Regionen Frankreichs.

    Demokratie und Mitbestimmung

    Frage 10: Hat die Stadt Köln gegenüber dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ausreichend Mitsprachemöglichkeiten?

    Antwort: Leider nein. Das IOC nutzt seine unkontrollierte Monopolstellung für Regelungen, die Vertragspartner einseitig belasten. Der Host-City-Vertrag gilt als Knebelvertrag.

    Er lastet nahezu alle Risiken der Stadt an und gibt fast alle Rechte an das IOC.

    Frage 11: Kann die Stadt Köln im Rahmen ihres kommunalen Selbstverwaltungsrechts beim Bau der Sportstätten mitbestimmen?

    Antwort: Praktisch nicht, da die Standards vom IOC vorgegeben werden.

    Nachhaltigkeit und Greenwashing

    Frage 12: Warum betonen die Befürworter der Olympischen Spiele die Bedeutung der Nachhaltigkeit?

    Antwort: Der Nachhaltigkeitsbegriff ist deswegen so bedeutsam, weil die ökologische Gesamtbilanz bisheriger Olympischer Spiele verheerend ist und die gesellschaftliche Akzeptanz der Olympischen Spiele ohne dieses Label kaum noch erreichbar wäre. So blieb bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro die zugesagte Reduzierung der Gewässerverschmutzung in der Guanabara-Bucht bei den Segelwettbewerben aus. Zudem wurde der Olympische Golfplatz in einem Naturschutzgebiet errichtet.

    Frage 13: Was ist erforderlich, um frühzeitig, systematisch und transparent die Umweltauswirkungen der Olympischen Spiele zu ermitteln?

    Antwort: Vor einer Bewerbung und weiteren Planungsschritten ist zwingend eine Strategische Umweltprüfung (SUP) durchzuführen.

    Eine solche Prüfung sollte vor einer verbindlichen politischen Grundsatzentscheidung, wie etwa dem Bürgerentscheid, vorliegen, damit die Öffentlichkeit auf der Grundlage belastbarer Informationen abstimmen kann.

    Die SUP untersucht umfassend, welche Folgen die Olympischen Spiele für Menschen und Umwelt hätten. Sie bewertet die Auswirkungen auf Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung, Tiere, Pflanzen und die biologische Vielfalt, auf Boden, Wasser, Luft, Klima und Landschaft, auf Kultur und sonstige Sachgüter sowie die Wechselwirkungen zwischen den genannten Schutzgütern.

    Dabei müssen auch Alternativen geprüft werden, einschließlich der Frage, ob auf die Bewerbung ganz verzichtet werden sollte (sog. „Null-Option“).

    Frage 14: Wie sind die Auswirkungen Olympischer Spiele auf die Wirtschaft?

    Antwort: Wirtschaftsforschungsinstitute wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin sprechen von meist begrenzten gesamtwirtschaftlichen Effekten.

    Der französische Rechnungshof geht bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris von einem Anstieg des BSP von 0,07%, etwa 1,9 Milliarden Euro aus.

    Öffentliche Investitionen in Milliardenhöhe erzeugen zwar kurzfristig zusätzliche Nachfrage und Beschäftigung. Ihnen stehen aber erhebliche Folgekosten für den Betrieb, Instandhaltung, Sicherheit und ggf. den Rückbau der Anlagen gegenüber.

    Der gezielte Einsatz vergleichbarer finanzieller Mittel in Bildung, klimafreundliche Infrastruktur, energetische Sanierung von Gebäuden oder nachhaltige Mobilität hätte voraussichtlich höhere Beschäftigungs- und Wertschöpfungseffekte als die Durchführung Olympischer Spiele.

    Frage 15: Gibt es einen Vorschlag für am ehesten nachhaltige Olympische Spiele?

    Antwort: Um den alle vier Jahre stattfindenden weltweiten Wettbewerb um die Ausrichtungsorte mit all den bekannten schädlichen ökologischen und finanziellen Auswirkungen zu vermeiden, sollten die Olympischen Spiele an einem festen, dafür geeigneten Standort stattfinden.

  • +++ GEW Berlin unterstützt NOlympia-Bündnis: Gemeinsam gegen Olympia – für eine Stadt, die für alle da ist +++

    Ein klares Signal aus der Bildungs- und Wissenschaftspolitik: Der Landesvorstand der GEW Berlin hat am 23. Februar 2026 den Beschluss gefasst, das Bündnis NOlympia Berlin zu unterstützen.

    Diese Entscheidung ist mehr als eine politische Erklärung – sie ist ein Mahnung an die Politik, ein Zeichen der Solidarität mit den Menschen in Berlin und ein klarer Appell für eine Stadt, die für alle da ist.

    Warum die GEW Berlin das Bündnis unterstützt

    Die GEW – die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft – steht für:
    – Gute Bildung für alle
    – Faire Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte und Beschäftigte
    – Demokratische Mitbestimmung in Schule, Hochschule und Verwaltung

    Diese Werte sind genau das, was die Olympischen Spiele in Frage stellen:
    – Milliardenkosten statt Investitionen in Schulen und Kitas
    – Vertreibung von Menschen für Bauprojekte
    – Kostenüberschreitungen und finanzielle Risiken für die Stadt

    Dass die GEW Berlin diese Risiken erkannt hat und sich klar gegen eine Bewerbung der Stadt für die Olympischen Spiele ausspricht, ist ein wichtiger Meilenstein.

    Vorläufige Entscheidung – jetzt wird es konkret

    Bereits im Dezember 2025 hatte die Landesdelegiertenversammlung der GEW Berlin die Ablehnung einer Bewerbung der Stadt Berlin für die Olympischen Spiele beschlossen:

    »Die GEW Berlin spricht sich gegen eine Bewerbung der Stadt Berlin für die Austragung der Olympischen Spiele aus. Sie fordert den Berliner Senat auf, von einer Bewerbung abzusehen und stattdessen die öffentlichen Mittel für den Ausbau und die Sanierung von Bildungseinrichtungen, Sportstätten an Schulen, für sozialen Wohnungsbau sowie für Erhaltung und Ausbau der sozialen Infrastruktur zu verwenden.«

    Die Begründung der GEW findest du hier!

    Wir danken der GEW Berlin – und bleiben gemeinsam stark

    Wir vom Bündnis NOlympia Berlin freuen uns sehr über diese Unterstützung.
    Die GEW ist eine der wichtigsten Stimmen in der Bildungs- und Wissenschaftspolitik – und ihre Stellungnahme ist ein starkes Zeichen der Solidarität.

    Denn:
    – Bildung ist kein Luxus – sie ist eine Grundvoraussetzung für eine gerechte Gesellschaft.
    – Die Stadt braucht keine Spiele – sie braucht eine Zukunft, die für alle da ist.

    Was jetzt kommt: Die Vorbereitung zu einem Volksbegehren

    Mit der Unterstützung der GEW Berlin wird unsere Kampagne noch stärker.
    Wir arbeiten weiter an der Vorbereitung eines Volksbegehrens, das sicherstellt:
    »Keine Olympiabewerbung ohne Beteiligung der Bürger*innen!«

  • André Zuschlag (taz): Olympia-Kritik für alle

    »[…] Die Initiative ›Nolympia‹, die für ein ›Nein‹ beim Referendum wirbt, bemängelt .., dass der rot-grüne Senat und die städtische Projektgruppe die Nachteile und Risiken einer Austragung verschweigen: Die Liste der Kritik ist lang: von hohen Kosten einer Durchführung über steigende Mieten in Folge städtischer Aufwertung bis hin zu Umweltbelastungen.

    Hamburg gebe viele Millionen allein für die aktuelle Bewerbung aus, spare aber an anderen Stellen, sagte Ihring: »Wir leben in einer Stadt mit maroden Schulen und Turnhallen, soziale Einrichtungen kämpfen ums Überleben, die Hochschulen sind unterfinanziert.‹ […]«
    Zum Artikel (22. Februar 2026)

  • Grundsätzliches. Das Problem mit der »Volksbefragung von oben«

    Grundsätzliches. Das Problem mit der »Volksbefragung von oben«

    Volksbefragungen, die von der Regierung initiiert werden, sind kein echtes Instrument der direkten Demokratie. Diese »Volksbefragungen von oben« geben der Regierung Kontrolle über Inhalt, Formulierung und Zeitpunkt – und verwandeln so ein eigentlich demokratisches Werkzeug in ein Mittel zur Stärkung ihrer eigenen Macht. Darum halten wir »Volksbefragungen von oben« für eine Demokratiesimulation – eine Form, die den Anschein von Bürgerbeteiligung erweckt, aber die Macht bei der Regierung belässt.


    Als Beispiele dienen hier drei unterschiedliche Modi von Volksbefragungen zur Olympiabewerbung 2036/2040/2044:

    🔴 Beispiel München (2025): »Volksbefragung von oben«

    Vor dem Münchner Bürgerentscheid zur Olympiabewerbung wurde von der Stadtregierung ein einseitig argumentierender Flyer mit dem Slogan »Olympiabewerbung München – Miteinander Großes schaffen!« den Wahlunterlagen beigelegt. Gegenargumente von beispielsweise NOlympia München jedoch fehlten. Eine fundierte Entscheidung war unter diesen Bedingungen kaum möglich. Am 26. Oktober 2025 stimmten über 60 % für eine Bewerbung – unter eindeutig einseitiger Informationslage.

    🟡 Beispiel Hamburg (2026): »Volksbefragung von oben« + Direkte Demokratie

    Dort setzte die Initiative NOlympia Hamburg mit direkter Demokratie (Unterschriftensammlung) durch, dass auch ihre Gegenargumente in die Wahlunterlagen für das Bürgerschaftsreferendum über die Olympiabewerbung aufgenommen werden. So können die Bürger*innen am 31. Mai 2026 eine einigermaßen informierte Entscheidung treffen.

    🟢 Beispiel Berlin (2026): »Volksbefragung von unten« = Direkte Demokratie

    In Berlin ist eine »Volksbefragung von oben« verfassungsrechtlich nicht möglich – und das ist auch gut so. Das Bündnis NOlympia Berlin startet darum mit dem Volksbegehren »Für Berlin – gegen Olympia. Wir sagen Nein zu einer Bewerbung zu Olympischen Spielen in den Jahren 2036, 2040 und 2044!« eine »Volksbefragung von unten«. Die Kontrolle bleibt weitgehend in eigenen Händen. Eine öffentliche Debatte mit Pro- und Contra-Argumenten ist gewährleistet. Die Bürger*innen haben über einen längeren Zeitraum hinweg ausreichend Gelegenheit, sich zu informieren – und können am Ende informiert abstimmen.

     

  • PM NOlympia Hamburg: NOlympische Bilanz Milano Cortina 26

    »Heute enden die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo. Die Bilanz spricht klar gegen das IOC und Olympische Spiele und ist für die Debatte um eine Hamburger Olympiabewerbung relevant:

    Öffentlicher Haushalt
    Geplant: 1.3 Milliarden Euro. Realisiert: 5.7 Milliarden Euro[1].

    Eintrittspreise
    Zutritt zur Eröffnungsfeier: Durchschnittspreis ca. 870–1200 Euro. Sportereignisse: ganz überwiegend ab 100 Euro[2].

    Freiheitsrechte
    Einführung von ›Sicherheitsdekret‹ in Italien. Ein präventiver Sicherheitsgewahrsam ermöglicht, die ›Feinde Italiens‹ , also diejenigen, die gegen Olympia demonstrieren, bei Verdacht wegzusperren[3].

    Klimaschutz
    Das CO2 Schätzbudget von Milano Cortina beträgt eine Millionen Tonnen CO2 – für 14 Tage.[4] Das ist mehr als das Doppelte des C02-Budgets Hamburgs in 2040 & 2044 für 365 Tage und alle Sektoren (0.4 Millionen Tonnen CO2). Im Unterschied zum Hamburger Klimaschutzgesetz ermächtigen die IOC Bilanzregeln dazu, mittels Zertifikatekauf CO2 zu kompensieren. – Paris 2024 (2.1 Millionen Tonnen CO2) entsprach dem fünffachen der in Hamburg 2040 und 2044 zulässigen Menge.

    Neutralität des Sports
    Das IOC kaufte die Filmrechte für Leni Riefenstahls Aufnahmen von 1936. Während der Winterspiele konnten Motive der 1936er Spiele im Fan-Shop erworben werden.[5]

    Immobilienpreise
    Daten des Immobilienportals Idealista weisen in eine ähnliche Richtung wie die Studie zu PyeongChang 2018[6], die eine deutliche Verteuerung von Immobilien aufgrund der Spiele nachwies. Die Idealista-Daten, die auch nicht-olympische Effekte enthalten, zeigen eine Beschleunigung von 6–8% jährlich gegenüber der vor-olympischen Periode.

    Dazu Eckart Maudrich, Pressesprecher von NOlympia: ›Ob Winter– oder Sommerspiele – die Altlasten der Spiele ähneln sich: die Allgemeinheit zahlt massive Ausgabenüberschreitungen, die Top 10%, die sich die hohen Eintrittspreise leisten können, haben Spaß, während für alle die Immobilienpreise nachhaltig durch die Decke gehen, Freiheitsrechte beschränkt werden und ein CO2-Fußabdruck erzeugt wird, der nur im Wege des Ablasshandels zukunftsfähig ist. Mit dem Kauf der Filmrechte für Leni Riefenstahls Aufnahmen der 1936er Spiele, sowie dem Verkauf von Motiven der Nazi-Spiele sollte nun auch dem letzten klar sein, welche Werte das IOC vertritt.‹

    [1] https://www.theintelbriefing.com/p/why-a-staggering-57-billion-price

    [2] s. PM vom 6.02.

    [3] https://taz.de/Rechtswende-in-Italien/!6153398/

    [4] Fondazione Milano Cortina 2026: GHG Management Strategy, S12

    [5] https://www.sportandpolitics.de/olympic-heritage-coventrys-failure-riefenstahl-nazi-olympics/

    [6] Hur/Kim:The anticipated legacies of mega sporting events. 2022. Gastgeberdistrikte lagen um 6.6% über Nicht-Gastgeberdistrikten«

    Download PDF mit ergänzenden Grafiken

    Zur Pressemitteilung

     

  • PM NOlympia Hamburg: »19.423 Unterschriften für ein ausgewogenes Meinungsbild in den Wahlunterlagen fürs Olympiareferendum«

    Die Initiative NOlympia [Hamburg] hat heute 19.423 Unterschriften an den Landeswahlleiter übergeben – beinahe doppelt so viel, wie erforderlich gewesen wären. Damit setzt die Initiative durch, dass den Wahlunterlagen für das Bürgerschaftsreferendum über Olympische und Paralympische Spiele in Hamburg eine olympiakritische Stellungnahme beigefügt wird.

    Dazu Clara Ihring, Pressesprecherin von NOlympia Hamburg: ›Wir sind überwältigt, wie viele Menschen in den vergangenen drei Wochen bei Minusgraden Unterschriften gesammelt haben. Wir sind dankbar für die vielen Gespräche auf der Straße. Darin wurde deutlich: Sehr viele Menschen wollen nicht, dass Milliarden für ein Megaprojekt ausgegeben werden, das Geld in die Kassen weniger spült, während die Mehrheit der Hamburger*innen unter den Folgen leidet. Hamburg gibt viele Millionen allein für die aktuelle Bewerbung aus, spart aber an anderen Stellen: Wir leben in einer Stadt mit maroden Schulen und Turnhallen, soziale Einrichtungen kämpfen ums Überleben, die Hochschulen sind unterfinanziert. Dieser Gegensatz macht viele Hamburger*innen wütend. Olympia bringt die Hamburger*innen nicht zusammen. Olympia spaltet die Stadt.‹

    Historisch ist das Bürgerschaftsreferendum 2015 entstanden. Nach der Beratung im Verfassungs- und Bezirksausschuss, die unter dem Titel ›Selbstbefassung Ausführungsgesetz zum Olympiareferendum‹ firmierte, wurde das Bürgerschaftsreferendum 2015, nach vorheriger Verfassungsänderung, in das Volksabstimmungsgesetz eingefügt und angewendet. In Bezug auf die Artikulationsrechte wurde festgehalten: ›Da der Senat selbst vorschlagsberechtigt für ein Referendum ist, darf er auch eine eigene Meinung haben zum Abstimmungsgegenstand und zu möglichen Gegenvorlagen; er darf – unter Wahrung des Sachlichkeitsgebots – auch für seine Position werben.‹ (Drs. 21/600, S.9) Die Hamburger*innen entschieden sich gegen die Olympiabewerbung. Am 31. Mai 2026 kommt das Bürgerschaftsreferendum zum zweiten Mal zum Einsatz. Damals wie heute prüft der DOSB, ob die Bevölkerung hinter der Bewerbung steht. Im Unterschied zu 2015 hat Hamburg Wettbewerber und die Münchener haben im Oktober 2025 bereits für eine Bewerbung gestimmt.

    Eckart Maudrich, Pressesprecher von NOlympia Hamburg: ›Hamburg ist nicht München. Den Münchner*innen wurde die Möglichkeit ausgewogener Information in ihren Wahlunterlagen in beschämender Weise nicht eingeräumt. Gesetzlich ist das in Hamburg anders: 19.423 Hamburger*innen und damit beinahe doppelt so viele wie gesetzlich gefordert, haben sich für ein ausgewogeneres Meinungsbild und damit für die Veröffentlichung unserer kritischen Stellungnahme in ihren Wahlunterlagen ausgesprochen. Ganz besonders haben uns beim Sammeln die Hamburger Olympiabefürworter*innen beeindruckt, die uns aus genau dieser demokratischen Überzeugung heraus ihre Unterschrift gegeben haben. Dass wir unsere Stellungnahme gesetzlich ab Einreichung am 15. Januar nicht mehr verändern dürfen, während Senat und Bürgerschaft dies bis kurz vor Druckunterlagenschluss im April dürfen, verursacht bei uns demokratische Störgefühle; vor allem auch deshalb, weil der Senat erst Mitte März sein Finanzierungskonzept und weitere Details veröffentlichen will. Überdies plant der Senat mit einem 1000-fachen unserer Spendenmittel in den Aufmerksamkeitskampf zu ziehen. Das mag man demokratisch finden. Wir finden es olympisch – also nicht Fairplay.‹«

    Zur Pressemitteilung

  • Fast 20.000 Unterschriften in nur 3 Wochen! Großer Erfolg für NOlympia Hamburg! Wir gratulieren!!!

    »10.000 Unterschriften in drei Wochen sammeln bei Minusgraden – diese Aufgabe musste die Initiative NOlympia [Hamburg] erfüllen, damit die Wahlunterlagen für das Olympia-Referendum am 31. Mai nicht vorwiegend Werbung für Olympia enthalten, sondern auch die Gegenposition Platz hat.«
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    Wir gratulieren NOlympia Hamburg zu diesem schönen Erfolg. Es ist beschämend, dass es nicht selbstverständlich ist, dass auch Gegenargumente Aufnahme in die Wahlunterlagen finden!

    Passend dazu noch einmal der Beitrag von Professor Hermann Heußner: »Von der Regierung und/oder dem Parlament ›von oben‹ ausgelöste Volksbefragungen (oder Volksentscheide) sind hingegen Plebiszite. Sie sind eine Prämie auf die Macht. Sie sind keine Form der direkten Demokratie, denn nicht die BürgerInnen entscheiden, wann und über was sie abstimmen. Damit bekommt die Regierung bzw. die Parlamentsmehrheit entscheidende Trümpfe in die Hand: Sie entscheidet einseitig über Inhalt, Formulierung und Zeitpunkt der Abstimmung. In ihren Händen liegen die Rahmendaten der ›Choreografie‹.« Darum ist es sehr gut, dass in Berlin Volksbefragungen nicht möglich sind!
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    Nachtrag:
    »NOlympia erfolgreich: 19.423 Unterschriften für ein ausgewogenes Meinungsbild in den Wahlunterlagen fürs Olympiareferendum«
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  • BUND Berlin: Interview mit dem Olympioniken Christoph Harting. »Da knallen zwei Welten aufeinander«

    Diskuswerfer und NOlympia-Unterstützer Christoph Harting über desillusionierende Erlebnisse in Brasilien, marode Turnhallen in Berlin und sinnvolle Alternativen zu einer Olympia-Bewerbung

    Zum Interview

  • RBB: Berliner Senatsverwaltung. Rückzug von Olympia-Bewerbung würde eine Million Euro kosten

    »… Allerdings räumte der Senat auch ein, dass Olympische Spiele das Land einen mittleren einstelligen [?] Milliardenbetrag kosten würden. Genauere Zahlen zu den Kosten habe man allerdings nicht.«

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  • NOlympia-Volksbegehren: Amtliche Kostenschätzung oder Faschingsscherz?

    NOlympia Berlin Senat rechnet sich Olympia mit Phantom-Milliarden schön.

    Die vom Berliner Senat vorgelegte amtliche Kostenschätzung zum Volksbegehren gegen die Olympia-Bewerbung gleicht eher einer Büttenrede zum politischen Aschermittwoch als einer seriösen finanzpolitischen Analyse. Anstatt die realen Risiken für den Landeshaushalt zu benennen, operiert die Innenverwaltung mit völlig unbelegten Gewinnen und blendet die historische Kostenexplosion von Olympischen Spielen komplett aus.

    In der Kostenschätzung wird behauptet, bei einem Stopp der Bewerbung würden dem Land Berlin Investitionen in einem »hohen einstelligen Milliardenbereich« entgehen. Gleichzeitig gibt der Senat selbst zu, dass eine belastbare Gesamtkalkulation »zurzeit nicht möglich« sei und zentrale Merkmale zur Finanzierung noch gar nicht feststünden.

    Dazu erklärt Gabriele Hiller, Sprecherin des Bündnisses NOlympia Berlin:
    »Diese Kostenschätzung ist eine politische Nebelkerze. Der Senat versucht, den Berlinerinnen und Berlinern weiszumachen, dass es teurer sei, die Spiele nicht auszurichten, als sie durchzuführen. Das ist eine klassische Milchmädchenrechnung. Es wird mit fiktiven Einnahmen aus der Wirtschaft und vom IOC argumentiert, die durch nichts belegt sind, während die realen Kostensteigerungen, die bei Olympischen Spielen die Regel sind, völlig unter den Tisch fallen.«

    Unsere Kritikpunkte im Detail:

    Phantom-Gewinne statt Risikoanalyse: Der Senat behauptet, durch den Verzicht würden »langfristige wirtschaftliche Effekte« und Investitionen entfallen. Diese Annahme ignoriert sämtliche unabhängigen Studien, die belegen, dass Olympische Spiele für die Austragungsorte fast immer ein Verlustgeschäft sind.

    Ausblendung der Folgekosten: Während der Senat zugibt, dass Ausgaben im »mittleren einstelligen Milliardenbereich« eingespart würden, wenn man die Bewerbung stoppt, fehlt jeder Hinweis auf die typischen Kostenexplosionen bei Infrastruktur und Sicherheit. Wer heute von 5 Milliarden Kosten spricht, landet bei Olympia erfahrungsgemäß am Ende bei 15 oder 20 Milliarden Steuergeldern.

    Absurde Drohkulisse: Die Warnung vor einem »erheblichen internationalen Imageverlust« ist reine Panikmache. Der wahre Imagegewinn für Berlin wäre eine demokratische Absage an Gigantismus und Steuerverschwendung.

    Verwaltungskosten: Die veranschlagten Kosten von »bis zu einer Million Euro« für die Rücknahme der Bewerbung sind vernachlässigbar im Vergleich zu den Milliardenrisiken, die Berlin bei einer Fortsetzung drohen.

    Das Bündnis fordert den Senat auf, zur Sachlichkeit zurückzukehren und die Bevölkerung nicht mit schönfärberischen Rechnungen in die Irre zu führen. Wir werden das Volksbegehren mit aller Kraft vorantreiben, um Berlin vor diesem finanziellen Abenteuer zu bewahren.

    Zur Kostenschätzung des Berliner Senats (pdf)

    Im Bündnis NOlympia Berlin arbeiten zusammen:
    BUND, BUNDjugend, Grüne Liga, NABU, NaturFreunde, Bürgerinitiative Jahnsportpark, Berliner Wassertisch, Fridays for Future, Roter Stern, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE, Grüne Jugend, Linksjugend, Jusos

  • Analyse von David Gogishvili und Martin Müller: Past Carbon Emissions and Future Targets for the Olympic Games

    The global visibility, and political weight of the Olympic Games can inspire climate change action. Yet, at the same time, the
    Olympics are also significant carbon emitters, potentially undermining their credibility as sustainability leaders. To date, how-
    ever, there is a lack of a systematic assessment of past carbon emissions and extrapolation of future targets considering inter-
    national agreements. Our analysis shows Olympics-related carbon emissions ranged from 1.59 to 4.5 million tonnes of CO 2 e in
    recent editions. Paris 2024 set emission-reduction targets aligned with the 2015 Paris Agreement. Our analysis suggests that the
    IOC and future Olympic host cities should commit to verifiable emissions targets and change the delivery model of the event to
    meet the Paris Agreement.

    [Übersetzung: Die globale Sichtbarkeit und politische Bedeutung der Olympischen Spiele können Ansporn für Maßnahmen zum Klimaschutz sein. Gleichzeitig sind die Spiele jedoch auch erhebliche CO₂-Emitter und gefährden damit ihre Glaubwürdigkeit als Vorbilder für Nachhaltigkeit. Bisher fehlt es jedoch an einer systematischen Bewertung der vergangenen Treibhausgasemissionen sowie an der Prognose zukünftiger Ziele unter Berücksichtigung internationaler Vereinbarungen. Unsere Analyse zeigt, dass die klimarelevanten Emissionen der Olympischen Spiele in den jüngsten Ausgaben zwischen 1,59 und 4,5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent lagen. Paris 2024 hat Emissionsreduktionsziele festgelegt, die mit dem Pariser Klimaabkommen von 2015 übereinstimmen. Unsere Untersuchung zeigt, dass das IOC sowie zukünftige Austragungsorte der Spiele verifizierbare Emissionsziele übernehmen und ihr Veranstaltungsmodell grundlegend verändern müssen, um den Anforderungen des Pariser Abkommens gerecht zu werden.]

    Institute of British Geographers.
    https://doi.org/10.1111/geoj.70068open_in_new
    ISSN0016-7398
    eISSN1475-4959

    Received 24 July 2024
    Revised28 October 2025
    Accepted16 January 2026

    Zur Analyse

  • ORF: CO2-Abdruck von Winterspielen nach wie vor groß

    »Der CO2-Abdruck von Olympischen Spielen ist nach wie vor groß. Dies zeigte eine zum Beginn der Schlusswoche der Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina veröffentlichte Studie. Laut den Forschenden muss das Modell der Spiele grundlegend geändert werden, damit das Pariser Klimaabkommen eingehalten werden kann. […] Seit 2020 verpflichtet das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Gastgeberstädte zur Reduzierung ihrer Emissionen, ohne jedoch einen konkreten Fahrplan vorzugeben. Dies öffne Tür und Tor für den Kauf von Emissionszertifikaten, um eine neutrale Bilanz vorzuweisen, ohne die Praktiken zu ändern.«
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    Der Beitrag verweist auf diese Studie