• NOlympia Colonia: Es bröckelt bei der Olympia-Bewerbung in NRW: Zwei Städte [hoffentlich] raus aus der Bewerbung

    »Eine der 16 beteiligten NRW-Städte bei der Olympia-Bewerbung Köln-Rhein-Ruhr schert aus. Im Rat der Stadt Herten kam am Mittwochabend nicht die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit für den Bürgerentscheid zustande, der wiederum Voraussetzung für die Teilnahme an der Bewerbung ist….« zitiert NOlympia Colonia in einem Beitrag die Kölnische Rundschau vom 30. Januar 2026. Fairspielen schreibt dazu: »Olympia Köln-Rhein-Ruhr@NRW – SPD Herten steigt aus« und verlinkt auf die lesenswerte Begründung (pdf) der SPD-Fraktion Herten. »Die Folge: Auch Recklinghausen ist damit raus aus dem Bewerbungskonzept, weil beide Städte irgendwie verbunden im Konzept beteiligt waren.«

    Ein Auszug aus der Presseerklärung: »Olympia. Licht und Schatten« der SPD-Fraktion Herten vom 28. Januar 2026 (pdf):

    »Wie kann es sein, dass landesweit im sozialen Bereich, in der Bildung und bei kommunalen Leistungen gespart wird, gleichzeitig aber mehrere Millionen Euro für die Durchführung von Bürgerentscheiden bereitgestellt werden?…. Mit Blick auf Herten hat der Kämmerer gerade eine Teilhaushaltssperre verhängt und diesbezüglich wird der Rat im März über einen Nachtragshaushalt zu entscheiden haben. Darüber hinaus hat die Politik in der letzten Ratssitzung unter großen Bauchschmerzen mit Mehrheit weitere Gebührenerhöhungen beschlossen. In dieser Situation den Bürgerinnen und Bürgern zu sagen, es gehe ›ja nur um den eigenen 15-prozentigen Anteil beim Ratsbürgerentscheid (Anteilshöhe abhängig von Beteiligung), damit wir uns vielleicht bewerben können‹, halten wir für nicht vertretbar. Nicht berücksichtigt bei der Kostenübersicht ist hierbei der erhöhte personelle Verwaltungsaufwand, der einhergeht mit Leistungskürzungen bzw. Einschränkungen für Hertener Bürgerinnen und Bürger.« 👍

  • DIE PARTEI Essen: NEIN zu Olympia – JA zu Essen

    Die PARTEI Essen spricht sich gegen eine Beteiligung der Stadt Essen an einer Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele aus.- NOlympia für die Stadt Essen!

    »Nachdem man aus dem STEAG Abenteuer mit 2 blauen Augen davongekommen ist, verfällt Essens Politik erneut in Großmannssucht! Nicht weniger als die Olympischen Spiele möchte man auch nach Essen holen -2036, 2040 oder 2044, egal…
    […] Das Geld, was für eine Olympia Bewerbung rausgepulvert wird, könnte stattdessen besser für eine nachhaltige Förderung des Breiten- und Schulsports in unserer Stadt verwendet werden.

    Deshalb beim BÜRGERENTSCHEID am 19.04.2026 konsequent mit NEIN stimmen […]«
    [Zum Artikel]

  • Greenpeace: Olympische Winterspiele in Zeiten der Klimakrise

    Sonka Terfehr
    »Die Temperaturen steigen, die Gletscher schmelzen und weltweit gibt es immer weniger Schnee – und damit immer weniger geeignete Orte für Wintersport wie die Olympischen Winterspiele. Maßgeblich verantwortlich für die Erderhitzung ist die fossile Industrie, mit katastrophalen Auswirkungen für weit mehr als nur die Wettkämpfe. Doch ausgerechnet Konzerne dieser Branche treten gerne als Sponsor bei Sportveranstaltungen auf, deren Zukunft sie selbst zerstört. Schluss damit, fordert Greenpeace. […]«
    Zum Beitrag

    Aktion: https://act.greenpeace.de/oelympias-dreckiges-gold

  • BYTESDE: Wie das Internationale Olympische Komitee Milliarden verdient und umverteilt

    „Ich habe dieses interaktive Dashboard erstellt, das das Finanzierungsmodell des IOC visualisiert und zeigt, woher das Geld kommt und wie es während der Olympischen Spiele umverteilt wird. Was wird angezeigt: Einnahmequellen (ungefähre Anteile)……
    Zum Artikel

  • Michael Fuchs (Kölnische Rundschau): Hitzige Debatte. Bei den Grünen in Köln überwiegt die Olympia-Skepsis

    »…. Ida Holschbach, Sprecherin der Grünen Jugend Köln, hielt eine flammende Rede gegen eine Olympia-Bewerbung und zerriss den Antrag des Vorstands in der Luft. Der sage nichts aus: ›Viele Worte, keine Position‹. Die grüne Partei stehe ›für Nachhaltigkeit, Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit, besonnene und faktenbasierte Politik. Und für all das steht diese Olympia-Bewerbung überhaupt nicht.‹…«
    Zum Artikel

  • ICE-Einsatz bei den olympischen Winterspielen in Italien 2026

    FAZ: ICE-Einsatz bei Olympia. „Ich möchte diese private Polizeitruppe nicht in Mailand“.
    Beamte der US-Einwanderungsbehörde ICE sollen bei den Olympischen Winterspielen in Italien für Sicherheit sorgen – trotz heftiger Kritik nach tödlichen Einsätzen. Im Gastgeberland regt sich Unmut.
    Zum Artikel.

    Dazu auch:
    NTV: Sonderauftrag in Italien. USA senden ICE-Beamte zu den Olympischen Spielen.
    „Wie ein Sprecher der Behörde der Nachrichtenagentur AFP mitteilte, soll die ICE-Abteilung für Heimatschutz (Homeland Security Investigations) …. zudem dem „Gastgeberland bei der Überprüfung und Minderung von Risiken durch transnationale kriminelle Organisationen“ helfen.“
    Zum Artikel

  • Micaela Taroni (Berliner Morgenpost): Urlaub in Italiens Dolomiten: Die Hotelpreise explodieren

    Cortina d‘Ampezzo. Italien-Urlauber, die während der Winterspiele in die Dolomiten reisen, müssen sich auf Teuerungen von mehr als 200 Prozent gefasst machen.
    Zum Artikel

  • Frederic Valin (taz): Das IOC und Trump. Vor dem Despoten in den Goldstaub schmeißen

    Nicht nur die Fifa, auch Kirsty Coventry und ihr IOC geben sich demütig gegenüber Donald Trump. In politische Dinge könne man sich nicht einmischen.

    Zum Artikel

  • Robin Dittrich (Mercur): Italien-Bewohner empört über Olympia-Wahnsinn – »Um Geld zu verdienen, zerstört man Berge«

    »…. Olympia-Chaos in Cortina… ›Für Geld verkaufen sie alles.‹ Die Olympischen Spiele werden von vielen als ›Verschwendung von Geld und Zerstörung der Umwelt‹ gesehen. Besonders bitter: ›Was für eine weltweite Blamage sie gerade hinlegen‹, schreibt ein Nutzer über den Zustand der Vorbereitungen.« Zum Artikel

  • Neue Studie der Universitäten Waterloo, Innsbruck und Toronto: Zwi­schen Kli­ma­schutz und Schnee­si­cher­heit. Die Zukunft der Olym­pi­schen Win­ter­spiele

    »Olympische und Paralympische Winterspiele geraten durch die Klimakrise zunehmend unter Druck. Eine neue internationale Studie der Universitäten Waterloo, Innsbruck und Toronto zeigt, wie steigende Temperaturen und unsichere Schneeverhältnisse die Auswahl an möglichen Austragungsorten einschränken. Laut den Autor:innen sind Anpassungen nötig, damit die Spiele auch in Zukunft fair und sicher ausgetragen werden können. Federführend an der Analyse beteiligt ist Robert Steiger, Tourismusforscher an der Uni Innsbruck.

    […] Die Modelle zeigen, dass die Zahl der potenziellen Gastgeber ohne Beschneiung bis in die 2050er Jahre auf nur noch vier Orte weltweit sinken würde. ›Es gab in den vergangenen Jahren immer wieder Kritik an der starken Nutzung von Kunstschnee, etwa in Peking‹, sagt Scott. ›Aber ein genereller Verzicht ist keine realistische Option, genauso wenig wie die Rückkehr von Eishockey, Eiskunstlauf oder Curling ins Freie. Ohne Beschneiung würden die Spiele sehr viel häufiger von unsicheren und unfairen Bedingungen oder abgesagten Bewerben geprägt sein, am Ende gäbe es Winterspiele ohne ‹ Robert Steiger betont, dass Beschneiung effizient und möglichst klimafreundlich organisiert werden müsse, mit moderner Technik, sparsamem Einsatz von Wasser und Energie und einem möglichst geringen Ausstoß von Treibhausgasen. […]«

    Zum Beitrag

    Zur Studie Advancing climate change resilience of the Winter Olympic-Paralympic Games

  • Zentrale Fragen zur geplanten Olympiabewerbung Leipzigs für 2036 bleiben unbeantwortet, kritisiert der BUND Leipzig

    Trotz wiederholter Nachfragen bleiben zentrale Fragen zur geplanten Olympiabewerbung Leipzigs für 2036 unbeantwortet. Das kritisieren die Initiator:innen der Einwohnerfrage „Wirklich Gold für Leipzig?“, die im November 2025 in der Ratsversammlung behandelt wurde (VIII-EF-02006-AW-01).

    „Die Antworten der Stadtspitze waren auffallend allgemein – konkrete Angaben zu Bauprojekten, Kosten, Finanzierung und sozialen Auswirkungen fehlen bis heute“, kritisieren Lisa Falkowski und Jürgen Kasek vom BUND Leipzig. Auch detaillierte Unterfragen zu ökologischen Folgen, Nachnutzungskonzepten und langfristigen finanziellen Risiken seien nicht substanziell beantwortet worden.

    DOSB-Kriterien erfordern belastbare Zahlen

    Brisant ist die Situation auch vor dem Hintergrund neuer Entwicklungen: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat inzwischen eine Bewertungsmatrix für Bewerberstädte veröffentlicht. Zentrale Kriterien sind unter anderem internationale Wettbewerbsfähigkeit, Finanzierung und Kosten sowie gesellschaftliche Akzeptanz. Da die detaillierten Bewerbungsunterlagen der Städte nach bisherigem Kenntnisstand bereits im Februar/März 2026 beim DOSB eingereicht werden müssen, gehen die Initiator:innen davon aus, dass der Stadt Leipzig mittlerweile konkretisierte Planungen und Kostenanalysen vorliegen.

    „Wenn Leipzig ernsthaft olympische Ambitionen verfolgt, muss es diese Informationen jetzt offenlegen – nicht erst nach einer Vorentscheidung“, so die weitere Kritik von Falkowski und Kasek.

    Offene Fragen zu Bauprojekten, Finanzierung und Nachnutzung

    In einer erneuten Anfrage an den Oberbürgermeister fordert die Initiative nun detaillierte projektbezogene Auskünfte, unter anderem zu:

    • geplanten Neu- und Ausbauprojekten im Olympiakontext (Sportstätten, Infrastruktur, Unterkünfte),
    • konkreten Standorten, Flächenverbräuchen und Versiegelungen,
    • Investitions- und Folgekosten (kommunal, Land, Bund),
    • Zeitplänen und möglichen Beschleunigungen durch Olympia,
    • sowie belastbaren Nachnutzungskonzepten.

    Besonders kritisch sehen die Fragesteller:innen die fehlende Transparenz bei den Kosten. So wird in der bisherigen Antwort auf einen Stadtratsbeschluss („Memorandum of Understanding mit dem DOSB“) verwiesen, der jedoch weder im Ratsinformationssystem noch auf der städtischen Website öffentlich zugänglich ist.

    Unklare Rolle von „Gold for Leipzig e.V.“

    Ebenfalls ungeklärt sei die Finanzierung des Vereins „Gold for Leipzig e.V.“. Bislang ist nicht öffentlich nachvollziehbar,

    • ob und in welchem Umfang öffentliche Mittel an den Verein fließen,
    • ob Sponsoring-Vereinbarungen mit Unternehmen bestehen
    • und wie die organisatorische Einbindung in die städtische Verwaltung erfolgt.

    Stakeholder-Workshop ohne Umweltverbände

    Kritik gibt es auch am sogenannten Stakeholder-Workshop im September 2025. Zwar verweist die Stadt auf Beteiligung aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – Ergebnisse, Protokolle oder Teilnehmerlisten sind jedoch nicht öffentlich. Auffällig sei zudem, dass der BUND als einer der größten Umweltverbände Deutschlands offenbar nicht eingeladen wurde.

    „Gerade bei einem Projekt dieser Größenordnung ist Transparenz keine Kür, sondern Voraussetzung“, heißt es von Seiten der Fragesteller:innen.

    Soziale und ökologische Risiken bislang ausgeblendet

    Bis heute unbeantwortet geblieben seien außerdem Fragen zu möglichen negativen Folgen einer Olympiabewerbung, etwa:

    • steigende Lebenshaltungskosten,
    • sozialräumliche Verdrängung,
    • Kürzungen öffentlicher Mittel in sozialen und ökologischen Bereichen.

    Ob hierzu Studien, Gutachten oder Szenario-Analysen existieren, ist unklar – obwohl die gesellschaftliche Akzeptanz ein zentrales Kriterium des DOSB ist.

    Forderung: Offene Debatte statt Marketing

    Die Initiative fordert nun eine vollständige, zeitnahe und transparente Information der Öffentlichkeit. Parallel dazu hat sich auch in Leipzig eine Initiative gegründet, die die Olympiabewerbung kritisch begleiten will.

    „Olympia ist kein Imageprojekt, sondern ein massiver Eingriff in Stadtentwicklung, Haushalt und soziale Strukturen“, so das Fazit der Initiator:innen. „Wenn Leipzig diesen Weg gehen will, dann nur auf Grundlage überprüfbarer Zahlen und einer ehrlichen gesellschaftlichen Debatte.“

    Zur Pressemitteilung »Olympiabewerbung Leipzig 2036: Stadt bleibt zentrale Antworten schuldig. Initiative des BUND Leipzig fordert Transparenz zu Kosten, Bauprojekten und sozialen Folgen«

  • Abgeordnetenhaus von Berlin. Antrag Grüne Fraktion Berlin: Transparenz im Bewerbungsverfahren zu Olympischen und Paralympischen Spielen sicherstellen

    Das Abgeordnetenhaus wolle beschließen:

    Die Bewerbung für und die Ausrichtung von Olympischen und Paralympischen Spielen in Berlin ist mit erheblichen Kosten und finanziellen Risiken verbunden. Umso wichtiger sind Transparenz und eine Beteiligung der hiesigen Bevölkerung. Vor diesem Hintergrund sind folgende Punkte umzusetzen:

    1. Der Senat schafft Transparenz hinsichtlich des Bewerbungsverfahrens für Olympische und Paralympische Spiele. Sämtliche vorhandenen Unterlagen zu Kosten, Konzepten, Risiken, Sportstätten und Verkehr werden dem Abgeordnetenhaus unverzüglich zur Verfügung gestellt.
    2. Der Senat legt dem Abgeordnetenhaus ab sofort quartalsweise und unaufgefordert schriftliche Berichte zu allen relevanten Aspekten der Bewerbung vor, einschließlich Kostenentwicklung, Zeitplan, Abstimmungen mit DOSB/IOC sowie Fortschritten und Defiziten bei Sportstätten. Im Bericht wird auch der aktuelle Zustand, der notwendige Sanierungsbedarf sowie die geplante Neubauten der Sportstätten übersichtlich dargestellt.
    3. Der Senat wird aufgefordert, eine verbindliche, frühzeitige und niedrigschwellige Bürgerbeteiligung für die Berliner Bevölkerung zu entwickeln, die über reine Informationsangebote hinausgeht und echte Mitbestimmung ermöglicht.
    4. Der Senat wird aufgefordert, vor weiteren finanziellen Verpflichtungen gegenüber DOSB oder IOC eine aktualisierte, öffentlich zugängliche Kosten-Nutzen-Analyse vorzulegen, die:
    a) den bestehenden Sanierungsstau im Berliner Sport realistisch berücksichtigt,
    b) Auswirkungen auf die Haushalts- und Finanzplanung des Landes darstellt,
    c) ökologische und soziale Risiken systematisch erfasst,
    d) die verkehrliche Machbarkeit prüfbar bewertet.
    5) Bis zur Vorlage dieser Informationen und regelmäßigen Updates soll der Senat keine weiteren finanziellen Mittel für das Bewerbungsverfahren bereitstellen oder vertragliche Bindungen eingehen.

    Dem Abgeordnetenhaus ist erstmals zum 31. März 2026 und danach regelmäßig alle zwei Monate zu berichten.

    Begründung
    Berlin steht vor finanziellen und infrastrukturellen Herausforderungen, die den Handlungsspielraum der Stadt erheblich einschränken. Während der Sanierungsstau im Bereich der Sportstätten rund eine Milliarde Euro umfasst und zahlreiche Hallen sowie Bäder geschlossen sind, plant der Senat, mindestens sechs Millionen Euro allein in die Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele zu investieren. Diese Mittel fehlen unmittelbar im Breitensport, der zentrale soziale, gesundheitliche und integrative Funktionen erfüllt.

    Die Risiken einer Bewerbung sind erheblich: fehlende Finanzierungspläne, unklare Konzepte zur Sportstättennutzung, ein überlastetes Verkehrssystem und ein nicht realisierbarer Zeitplan für das geplante Olympische und Paralympische Dorf. Gleichzeitig legt die Wissenschaft nahe, dass Olympische und Paralympische Spiele keine langfristig positiven finanziellen Effekte für Austragungsorte haben. Im Gegenteil: Erfahrungen aus London, Rio de Janeiro oder Paris zeigen drastische Kostensteigerungen, enormen öffentlichen Finanzierungsbedarf und nur kurzfristige ökonomische Effekte.

    Von zentraler Bedeutung ist die mangelnde Transparenz des Verfahrens. Weder sind die Kriterien des DOSB klar nachvollziehbar, noch liegt ein fortlaufendes Monitoring der wesentlichen Voraussetzungen – insbesondere der Sportstätten – vor. Genau das ist jedoch nötig, um politische Entscheidungen verantwortungsvoll treffen zu können und um zu verhindern, dass Gelder aus dem regulären Sporthaushalt in ein Prestigeprojekt umgelenkt werden. Ein systematisches, regelmäßiges Sportstättenmonitoring schafft Klarheit darüber, welche Anlagen ertüchtigt werden müssen, welche realistisch verfügbar sind und welche zusätzlichen Kosten entstehen würden.

    Auch demokratisch betrachtet ist das Vorgehen des Senats problematisch: Während andere Städte ihre Bevölkerung aktiv einbeziehen, fehlt in Berlin jede Form der verbindlichen Beteiligung. Das ist umso kritischer, als die Unterstützung in der Berliner Bevölkerung gering ist und das IOC den Rückhalt der Austragungsorte ausdrücklich als Auswahlkriterium nennt.

    Vor diesem Hintergrund ist eine Olympia-Bewerbung aus sozialer, ökologischer und finanzieller Sicht nicht verantwortbar. Berlin braucht jetzt planbare Investitionen in eine funktionierende Sportinfrastruktur, in barrierefreie Angebote für alle und in eine nachhaltige Mobilität – nicht die Verlagerung knapper Ressourcen in ein hochriskantes Großprojekt. Die geforderte Transparenz und regelmäßige Berichtspflicht sind deshalb unverzichtbar, um Schaden vom Berliner Sport und Haushalt abzuwenden.

    Berlin, den 06. Januar 2026
    Jarasch Graf Schedlich

    Zum Dokument (pdf)

  • Berlin träumt von Olympia – Neukölln sperrt Turnhallen wegen etwas Schnee

    Schwarz-Rot verkennt mit Olympiabewerbung tatsächliche Bedarfe der Stadt.

    Von einer Schneekatastrophe ist Berlin mit aktuellen Schneehöhen zwischen sechs und zwölf Zentimetern weit entfernt, dennoch hat der Bezirk Neukölln neun Schulturnhallen „aufgrund der aktuellen Witterungsbedingungen und der dadurch entstandenen Schneelast“ für den Trainings- und Spielbetrieb gesperrt, bis der Schnee beräumt wurde. Das ist in der dem BUND Berlin vorliegenden E-Mail des Bezirks an die Nutzenden der Hallen zu lesen.

    Dazu erklärt Carmen Schultze, Vertrauensperson des geplanten Volksbegehrens »Für Berlin – gegen Olympia. Wir sagen Nein zu einer Bewerbung zu Olympischen Spielen in den Jahren 2036, 2040 und 2044«:

    „Der Berliner Senat will sich im Licht eines internationalen Sportevents sonnen, während gleichzeitig die Grundvoraussetzungen für den Schul- und Breitensport immer weiter vor sich hinbröckeln. Die im Haushalt 2026 reservierten sechs Millionen Euro für die Berliner Olympiabewerbung wären offensichtlich wesentlich besser in vordringlichen Instandsetzungsarbeiten der bestehenden Sportinfrastruktur aufgehoben.

    Olympische Spiele in Berlin wären weder finanziell noch ökologisch nachhaltig. Schon in der Anbahnungsphase fressen sie wertvolle Ressourcen. Diese braucht gerade Berlin dringend, um die Stadt zukunftsfest umzubauen. Wärmewende, Mobilitätswende, Klimaanpassung – die Liste der Aufgaben ist gewaltig und wird nicht oder kaum abgearbeitet. Da passt die Bewerbung für ein Mega-Event wie die Olympischen Spiele überhaupt nicht.“

    Am 15. Dezember 2025 haben die Vertrauenspersonen des geplanten Volksbegehrens »Für Berlin – gegen Olympia. Wir sagen Nein zu einer Bewerbung zu Olympischen Spielen in den Jahren 2036, 2040 und 2044« bei der Senatsinnenverwaltung den offiziellen Antrag auf eine amtliche Kostenschätzung eingereicht. Die Verwaltung unter der Leitung von Iris Spranger (SPD) hat nun zwei Monate Zeit, ihre Schätzung abzugeben. Frühestens Mitte Februar kann mit dem Sammeln von den 20.000 benötigten Unterschriften für den Antrag auf Einleitung des Volksbegehrens begonnen werden.

    Betroffen von der Sperrung in Neukölln sind laut vorliegender Mail die Turnhallen von Christoph-Ruden-Schule, Hermann-Boddin-Schule, Bruno-Taut-Schule, Elbe-Schule, Hans-Fallada-Schule, Karlsgarten-Schule, Thomas-Morus-Schule, Albert-Einstein-Schule und Theodor-Storm-Schule.

    Zur Pressemitteilung

  • Beschluss Landesdelegiertenkonferenz GEW Berlin: Ablehnung einer Bewerbung der Stadt Berlin für die Olympischen Spiele

    Die GEW Berlin spricht sich gegen eine Bewerbung der Stadt Berlin für die Austragung der Olympischen Spiele aus. Sie fordert den Berliner Senat auf, von einer Bewerbung abzusehen und stattdessen die öffentlichen Mittel für den Ausbau und die Sanierung von Bildungseinrichtungen, Sportstätten an Schulen, für sozialen Wohnungsbau sowie für Erhaltung und Ausbau der sozialen Infrastruktur zu verwenden.

    Begründung

    1. Finanzielle Risiken

    Olympische Spiele gehören weltweit zu den kostenintensivsten Großprojekten überhaupt. Laut der OxfordOlympics Study 2024 lagen die durchschnittlichen Kosten der Spiele seit 1960 bei über 12 Mrd. USD, mit einer durchschnittlichen Kostenüberschreitung von 172 %. (Flyvbjerg, Bent/ Budzier, Alexander, The Oxford Olympics Study 2024. Cost and Cost Overrun at the Games, Oxford 2024.) Für Paris 2024 werden die Gesamtausgaben auf einen Betrag von 8,7 bis 11 Mrd. Euro geschätzt – über 115 % mehr als ursprünglich veranschlagt. (Lutaud, Emmanuelle/Mouterde, Philippe, Les Jeux de Paris 2024 coûtent déjà 8,7 milliards d’euros; in: Le Monde, 6. Juli 2024.) Auch Berlin müsste nach internen Berechnungen der Senatsfinanzverwaltung mit bis zu 16 Mrd. Euro rechnen, ohne langfristige Gewinngarantien. (Hettfleisch, Anne, Olympia-PR in Berlin. Millionen für Stimmungsmache; in: Der Tagesspiegel, 18. März 2024.)

    2. Bildungs- und sportpolitische Argumente gegen Olympia

    Eine Olympia-Bewerbung gefährdet dringend benötigte Investitionen in Bildung. Schon heute besteht ein Sanierungsstau an Berliner Schulen von über 5 Mrd. Euro ( Rechnungshof Berlin (Hrsg.), Schulbau und Sanierungsstau; in: Jahresbericht 2024, Kap. III Nr. 3, Berlin 2024.). Eine Großveranstaltung dieser Dimension würde Haushaltsmittel binden, die für Schulbau, Kitas, Ganztagsangebote und den Breitensport fehlen. Sporthallen und Schwimmbäder müssten temporär für den Schulsport gesperrt werden – mit unmittelbaren Folgen für Unterricht und Vereine. Investitionen in Bildung und Sportstätten vor Ort wären nachhaltiger und kämen Schüler*innen und Beschäftigten direkt zugute. Auch ein positiver Impuls Olympischer Spiele für den Breitensport lässt sich nicht nachweisen: In einer Olympiastadt wird nach den Spielen nicht mehr Sport getrieben als zuvor.

    3. Sozialpolitische Belastungen
    Erfahrungen aus anderen Austragungsorten zeigen, dass Olympia soziale Ungleichheit verschärft. In London 2012 stiegen die Mieten im Umfeld der Wettkampfstätten um bis zu 400 % (Wainwright, Oliver, London Olympic legacy. House prices soar by 400 % around the Park; in: The Guardian, 5. August 2013.). Viele Anwohner*innen wurden verdrängt. Auch in Berlin ist der Wohnungsmarkt bereits angespannt – temporäre Profite für Immobilienkonzerne würden den Druck weiter erhöhen. Ausbau und Erhalt von sozialem Wohnungsbau und sozialer Infrastruktur bedarf keiner zusätzlichen Großveranstaltungen und nützt der gesamten Stadtgesellschaft direkt.

    4. Ökologische Belastungen

    Olympische Spiele verursachen erhebliche Umweltbelastungen. Trotz Nachhaltigkeitsversprechen führen Bau- und Infrastrukturmaßnahmen zu hohen CO2-Emissionen, Flächenversiegelung und Energieverbrauch. Der BUND Berlin warnt, dass eine Berliner Olympiabewerbung ein falsches Signal in Zeiten der Klimakrise wäre und den Fokus von dringend nötiger nachhaltiger Stadtentwicklung ablenke. (Fleckenstein, Hanno/Peter, Erik, Olympia- Pläne in Berlin. NOlympia gilt immer noch; in: taz , 4. Dezember 2024.) Bestehende Sportstätten und Grünflächen würden umgebaut oder übernutzt, während temporäre Bauten nach den Spielen oft leer stehen. Die Mittel sollten stattdessen in klimaneutrale Schulgebäude und öffentliche Sportstätten fließen.

    5. Fragwürdiges Vorgehen beim Volksentscheid

    Das Ergebnis des am 26. Oktober 2025 durchgeführten Referendums über eine Olympiabewerbung der Stadt München kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem Versand der Abstimmungsunterlagen ein Werbeprospekt für die Ausrichtung der Veranstaltung beilag, hingegen keinerlei kritische Informationen. Das dürfte einer differenzierten Meinungsbildung nicht geholfen haben (Effern, Heiner, Streit über Münchner Olympia- Votum. Kritiker drohen mit Klage; in: SZ , 22. September 2025.). Bisher hat auch der Berliner Senat alle Hinweise auf die finanziellen, ökologischen und sozialen Risiken solcher Großprojekte ignoriert. Stattdessen wurden bereits 6 Mio. Euro öffentlicher Mittel für PR- und Werbekampagnen eingeplant, um eine positive Grundstimmung zu erkaufen und die Bevölkerung von einer Bewerbung zu überzeugen, bevor eine Debatte überhaupt stattgefunden hat. (Thewalt, Anna, Bis zu sechs Millionen Euro. Berliner Senat will Olympia-Bewerbung mit zusätzlichem Geld und neuem Gremium Schwung verleihen; in: Der Tagesspiegel , 30. September 2025). Notwendig ist aber ein Volksentscheid auf breiter Informationsbasis, weil nur so ein transparentes Verfahren und demokratische Mitbestimmung über Milliardeninvestitionen möglich ist.

    6. Undemokratisches und intransparentes Vorgehen des IOC

    Das Internationale Olympische Komitee (IOC) agiert als privatwirtschaftlicher Akteur ohne demokratische Kontrolle. Das IOC zählt zu den intransparentesten globalen Organisationen. Kommunen haben bei der Vertragsgestaltung in der Vergangenheit kaum Einfluss, obwohl sie die Hauptkosten tragen. Im Falle eines Defizits müssen sie für die Kosten haften. Die Gewinne aber streichen in der Masse das IOC und privatwirtschaftliche Unternehmen ein. Ein solches Finanzmodell steht im Widerspruch zu demokratischer Selbstbestimmung und verantwortlicher Haushaltsführung. (Bendrich, Benjamin, Olympische Spiele in Hamburg? Link zum Artikel letzter Zugriff am 28.10.2025, 11:02 Uhr.)

    7. Mangelnde historische und politische Kontextualisierung

    Olympische Spiele gelten in der Öffentlichkeit oft als unpolitisches Sportereignis und werden mit Assoziationen von „olympischem Frieden“ oder „friedlicher Begegnung der Völker“ beworben. Doch dienen sie der politischen Repräsentation oft diktatorischer Staaten. Das IOC hat sich seiner Verantwortung für die Kooperation mit Diktatoren und Diktaturen weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart gestellt. Es folgte stets seinen materiellen Interessen. Nach den Spielen von 1936 unter den Bedingungen des NS- Regimes und des danach jahrzehntelang verfehlten Umgangs mit diesem Erbe bedürfen neuerliche Spiele besonderer Aufarbeitung und Kontextualisierung. Deutsche Sportverbände und Berliner Bewerber*innen versagten hier in der Vergangenheit schon wiederholt. Auch heute ist zu befürchten, dass die Spiele von 1936 nachträglich mit positiven Eindrücken überschrieben werden sollen. Von den Olympiawilligen wurde ein Konzept für den Umgang mit dem historischen Erbe nicht einmal andiskutiert. Das ist einer demokratischen Stadtgesellschaft unwürdig und nährt Zweifel am Horizont der Entscheider*innen.

    Zum Beschluss der Landesdelegiertenkonferenz GEW Berlin hier

  • Brisbane 2032. Avaaz: Unterschriftensammlung gegen den Bau von zwei Olympiastadien im Victoria Park

    »Der Victoria Park (Barrambin) ist seit Jahrtausenden ein Treffpunkt für die First Nations. Er beherbergt alte Bäume, Wildtiere und Feuchtgebiete, die zur Kühlung der Stadt beitragen.

    Nun plant die Regierung von Queensland jedoch, die Hügel zu ebnen, die Bäume zu fällen und dieses lebendige Erbe für die Spiele 2032 mit Beton zu übergießen – obwohl andere, besser geeignete Standorte zur Verfügung stehen, an denen die Stadien errichtet werden könnten, ohne dieses heilige Land zu zerstören.

    Die First Nations-Gemeinden haben bereits einen formellen Antrag gestellt, in dem sie den Bundesumweltminister auffordern, Barrambin unter dem Aboriginal and Torres Strait Islander Heritage Protection Act zu schützen – aber er schweigt, und jeder Tag ohne Maßnahmen bringt die Bulldozer näher.

    Wir fordern ihn auf, dieses Schweigen zu brechen und diesen heiligen Ort zu schützen, bevor es zu spät ist.

    Wenn Hunderttausende von uns jetzt ihre Stimme erheben, können wir es ihm unmöglich machen, unseren Aufruf zu ignorieren. Gemeinsam mit indigenen Führern und lokalen Aktivisten werden wir unsere Botschaft direkt an den Minister übermitteln, um ihm zu zeigen, dass die Welt zusieht und er sofort reagieren muss, um Barrambin zu schützen. Unterschreiben Sie jetzt.«

    Die Forderung an den Minister für Umwelt und Wasser Murray Watt:
    »Als Bürger aus aller Welt sind wir zutiefst besorgt über die Pläne, im Victoria Park von Brisbane – dem heiligen Land der Yagara- und Turrbal-Völker und einer der letzten verbliebenen grünen Lungen der Stadt – Olympiastadien zu errichten. Die Hüter der First Nations haben Schutz gemäß dem Aboriginal and Torres Strait Islander Heritage Protection Act beantragt, aber Sie haben darauf nicht reagiert. Wir fordern Sie dringend auf, Ihr Schweigen zu beenden, Barrambin zu schützen und dessen Zerstörung zu verhindern.«

    https://secure.avaaz.org/campaign/en/save_victoria_park_4_3/

    Alle Übersetzungen mit DeepL.com (kostenlose Version)

    Zum Hintergrund auch:
    Brisbane baut doch neues Stadion – Demonstrationen gegen die Pläne
    In sieben Jahren richtet das australische Brisbane die Sommerspiele aus. Entgegen früherer Ankündigungen soll nun doch ein neues Stadion entstehen. Gegen den Standort gibt es aber bereits Proteste.
    25.03.2025
    Zum Artikel

  • Es geht los! NOlympia-Bündnis Berlin startet mit Antrag auf Kostenschätzung sein Volksbegehren

    (Berlin, 15. Dezember 2025) Die fünf Vertrauenspersonen des geplanten Volksbegehrens »Für Berlin – gegen Olympia. Wir sagen Nein zu einer Bewerbung zu Olympischen Spielen in den Jahren 2036, 2040 und 2044« haben heute gemeinsam bei der Senatsverwaltung für Inneres und Sport den offiziellen Antrag auf eine amtliche Kostenschätzung eingereicht. Der Innensenat unter der Leitung von Iris Spranger (SPD) hat nun zwei Monate Zeit, seine Schätzung abzugeben. Spätestens Mitte Februar kann mit dem Sammeln von Unterschriften für den Antrag auf Einleitung des Volksbegehrens begonnen werden. Dazu die Kommentare der Vertrauenspersonen:

    »Berlin ist eine arme Stadt, die sich am Rande einer Haushaltsnotlage befindet. In dieser Situation«, so Dr. Gabriele Hiller (Die LINKE Berlin) weiter, »ist jeder Euro, der für Olympische Spiele ausgegeben wird, einer zu viel. Berlin muss in Wohnungsbau investieren, die soziale Infrastruktur stärken und Bildungsgerechtigkeit fördern – DAS sind die Pflichtaufgaben für Berlin.«

    Klara Schedlich (Grüne Fraktion Berlin) bekräftigt: »Olympische Spiele kosten das Land Berlin Milliarden an Steuergeldern – Gelder, die an anderer Stelle wie dem Ausbau von Sportstätten fehlen werden. Berlin sollte lieber erst seine Hausaufgaben machen, die wegen Sanierungsstau geschlossenen Hallen öffnen und ermöglichen, dass Kinder in Vereine kommen, statt auf Wartelisten verharren zu müssen. Ein positives NOlympia Volksbegehren spart Geld und ermöglicht Investitionen in den Sport und das bezahlbare Leben.«

    »Nachhaltigkeitsversprechen von IOC und Politik werden regelmäßig gebrochen. Weder in Paris noch bei den anstehenden Winterspielen in Südtirol spielen ökologische Kriterien oder Klimaschutz eine entscheidende Rolle.1 Schon in der Anbahnungsphase fressen sie wertvolle Ressourcen. Diese braucht gerade Berlin dringend, um die Stadt zukunftsfest umzubauen. Wärmewende, Mobilitätswende, Klimaanpassung – die Liste der Aufgaben ist gewaltig und wird nicht oder kaum abgearbeitet. Da passt die Bewerbung für ein Mega-Event wie die Olympischen Spiele überhaupt nicht«, so Carmen Schultze vom BUND Berlin.

    Uwe Hiksch (NaturFreunde Berlin): »Nachhaltige Olympische Spiele gibt es nicht, solange das IOC mit seinen Auflagen die Ausrichterstädte für die Sportstätten zu riesigen Modernisierungs- oder Neubaumaßnahmen zwingt. Die Ausrichtung der Olympischen Spiele ist in keiner Weise mit einer klimagerechten und ökologischen Entwicklung Berlins vertretbar. So werden weitere Flächen sinnlos versiegelt und auch die Errichtung von temporären Spielstätten verschwendet Energie und Ressourcen.«

    Sportwissenschaftler Prof. Dr. Johannes Verch fügt hinzu: »Das Modell des Höchstleistungs­sport mit gigantomanischen Spielen in mehrfacher Milliardenhöhe in wechselnden Städten ermöglicht weder einen vielfältigen Sport für alle noch löst es mit seinem immens verbleibenden Ressourcen-, Energie- und Flugaufkommen die Versprechen auf Klimagerechtigkeit und Nachhaltigkeit ein, die Deutschland bzw. Berlin bei den UN-Verträgen mit propagieren.«

     

    Kontakt:
    Uwe Hiksch, hiksch@naturfreunde.de, 0176 62 0159 02

    Dr. Gabriele Hiller, drghiller@gmail.com, 0174 37 250 58

    Carmen Schultze, schultze@bund-berlin.de, 0179 59 359 12

     

    Im Bündnis NOlympia Berlin arbeiten zusammen:

    BUND, BUNDjugend, Grüne Liga, NABU, NaturFreunde, Bürgerinitiative Jahnsportpark, Berliner Wassertisch, Roter Stern, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE, Grüne Jugend, Linksjugend [’solid], Jusos

    Bündnis NOlympia Berlin

    c/o NaturFreunde Landesverband Berlin e.V., Paretzer Str. 7, Tel. 030-810560250, nolympia@naturfreunde-berlin.de

    1. Vgl. bspw. zuletzt »Die Olympia-Organisatoren und unsere Politiker haben uns die nachhaltigsten Olympischen Spiele versprochen, aber das Gegenteil ist eingetreten« (Michaela Schuster, 2025). In: Hans Gasser: Olympische Spiele in Südtirol. Oh, Olympia! In: Süddeutsche Zeitung, 11. Dezember 2025, https://www.sueddeutsche.de/reise/olympia-biathlon-antholz-suedtirol-li.3337962

     

  • CiPRA: Olympische Winterspiele: Die Alpen sind mehr als nur ein Spielplatz

    »Grosse, globale Sportveranstaltungen haben die Kraft, zu faszinieren und zu begeistern. Wintersport hat in den Alpen mit seiner tief verwurzelten Tradition und seiner leidenschaftlichen Anhängerschaft einen besonderen Stellenwert. Wir sind jedoch der Meinung, dass die Olympischen Winterspiele in ihrer derzeitigen Form weder ökologisch noch sozial vertretbar sind. Trotz Reformversprechen zeigen die jüngsten Entwicklungen wie die Vorbereitungen für Mailand-Cortina 2026 und die Spiele 2030 in Frankreich sowie die «privilegierte Kandidatur» der Schweiz für die Winterspiele 2038, dass das olympische Modell nach wie vor nicht nachhaltig ist. In den letzten Jahrzehnten haben Referenden (z. B. in Innsbruck, Sion, München, Graubünden) mehrfach gezeigt, dass grosse Teile der Bevölkerung nicht mehr bereit sind, den Preis für Olympische Winterspiele zu zahlen.

    Die negativen ökologischen und sozialen Auswirkungen der Olympischen Winterspiele sind in Gastgeberregionen auf der ganzen Welt dokumentiert und betreffen sowohl die Natur als auch die lokale Bevölkerung. In diesem Positionspapier konzentrieren wir uns jedoch auf die Alpen, wo diese Herausforderungen besonders akut sind und in direktem Zusammenhang mit unserer Mission für nachhaltige Entwicklung stehen. Die Alpen sind ein sensibler Natur- und Kulturraum, der für die Olympischen Winterspiele in ihrer derzeitigen Form ungeeignet ist. Die Verschärfung der Klima- und Umweltkrise in den letzten Jahrzehnten unterstreicht die Tatsache, dass gefährdete Bergregionen nicht mehr als Austragungsorte für umweltschädliche Grossveranstaltungen geeignet sind. Sie übersteigen die Tragfähigkeit der überwiegend kleinräumigen Alpenregionen. Die Anforderungen der Olympischen Winterspiele an die Verkehrsinfrastruktur, Sportanlagen und Unterkünfte sind so hoch, dass sie in den Alpen nicht auf nachhaltige Weise erfüllt werden können. Die negativen Auswirkungen der Olympischen Winterspiele auf Mensch und Natur überwiegen die Vorteile und sind daher nicht zu rechtfertigen.

    Olympische Agenda: leere Versprechungen

    Weder die Olympische Agenda 2020 noch die Olympische Agenda 2020+5 stellen einen wirklichen Fortschritt dar: Trotz ihrer ambitionierten Wortwahl und lobenswerten Absichten haben sie keine konkreten Veränderungen in der Planung und Durchführung der Olympischen Winterspiele bewirkt.Selbst wenn die neuen IOC-Richtlinien eine Verteilung der Spiele auf mehrere Austragungsorte und sogar Länder zulassen, werden diese von den Gastgeberländern nicht befolgt, wie im Fall von Mailand-Cortina 2026. Die Wahl Frankreichs als Austragungsort der Winterspiele 2030, einschliesslich Veranstaltungen in der Mittelmeerstadt Nizza, widerspricht dem Grundsatz der Klimawandelanpassung. Darüber hinaus sind Gastgeberländer nicht an die Mindestverpflichtungen in Bezug auf Nachhaltigkeit gebunden, die sie in ihren Bewerbungen zugesagt haben. Unserer Ansicht nach sind die in solchen Bewerbungen gemachten Versprechen als Mindeststandard zu betrachten, der möglichst übertroffen werden sollte. Länder, deren Nachhaltigkeitsbilanz unter diesen Standards liegt, sollten entlarvt und bestraft werden.

    Zunehmender Druck auf Natur und Landschaft

    Für Skipisten, Lifte und Seilbahnen, Stadien, Unterkünfte für die Teilnehmenden, Zufahrtsstrassen, Parkplätze und andere Infrastruktur wird immer mehr Platz benötigt. Das hat schwerwiegende Folgen für natürliche Lebensräume und Landschaften. Für die Entscheidungsträger:innen im IOC und viele Politiker:innen in den Gastgeberstädten und -ländern scheint der Klimawandel als eines der grössten Probleme im Alpenraum keine Rolle zu spielen. Veränderte Wettermuster und unzureichende Schneebedeckung werden entweder ignoriert oder als rein technische Herausforderung dargestellt. Um die notwendige Schneedecke zu gewährleisten, muss mit Hilfe einer immer aufwendigeren technischen Infrastruktur (einschliesslich Schneekanonen, Speicherbecken mit grossflächigen Entwässerungs- und Rohrsystemen, Kühltürmen sowie «Snowfarming») Kunstschnee (oder «technischer Schnee», wie sie ihn nennen) produziert werden. Solche Anlagen haben zunehmend negative Auswirkungen auf Landschaft, Energie- und Wasserhaushalt.

    Wirtschaftliche Katastrophe für periphere Regionen

    Eine ehrliche Kosten-Nutzen-Analyse kann für Steuerzahlende nur zu einem negativen Ergebnis führen. Es gibt keine einzige fundierte Studie, die belegt, dass Olympische Spiele in einer Alpenregion einen positiven, langfristigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung für die Allgemeinheit geleistet haben. Im Gegenteil, die Erfahrung zeigt, dass Olympische Spiele, wenn überhaupt, nur kurzfristige wirtschaftliche Auswirkungen haben. Was sie für die Gastgeberstädte und -regionen am häufigsten bewirken, sind Verschuldung sowie Druck auf die Lebenshaltungskosten und den Wohnungsmarkt. Da sie olympische Disziplinen beherbergen müssen, die vom Schnee abhängig sind, bleiben entlegene Bergregionen nach den Spielen oft mit Schulden und Ruinen zurück: Ein typisches Beispiel dafür sind einige Sportanlagen von «Turin 2006», die in den italienischen Tälern Susa und Chisone errichtet wurden. Die Winterspiele 2026 in Italien haben erneut die Systemfehler des olympischen Modells offengelegt: Trotz der Verpflichtung zur Nachhaltigkeit und dem Versprechen, die öffentlichen Finanzen nicht zu belasten, werden über 5,7 Milliarden Euro in Infrastrukturprojekte investiert, während ursprünglich nur 1,5 Milliarden Euro vorgesehen waren. Viele dieser Projekte wurden ohne Umweltverträglichkeitsprüfung und ohne langfristige Nutzenbetrachtung durchgeführt. Der Bau der neuen Bobbahn in Cortina – entgegen den Empfehlungen des IOC – ist ein Beispiel für diese Missachtung ökologischer und finanzieller Verantwortung.

    Umfassende Reformen des IOC erforderlich

    Das IOC arbeitet weiterhin ohne Transparenz und Rechenschaftspflicht. Seine Verträge mit den Austragungsorten untergraben demokratische Prozesse, während seine Nachhaltigkeitsagenda weitgehend symbolisch bleibt. Die Missachtung von Volksbefragungen, Umweltbelangen oder finanzieller Vernunft – wie bei den letzten Spielen zu beobachten – bestätigt, dass das IOC nicht bereit ist, sinnvolle Reformen umzusetzen. Darüber hinaus stehen Themen wie Nachhaltigkeit und Umwelt, die für die Gemeinden und Regionen der Alpen von grosser Bedeutung sind, nicht weit oben auf der Agenda des IOC. Die CIPRA fordert eine grundlegende Reform des IOC und der Rahmenbedingungen für die Planung und Durchführung der Winterspiele. Die Olympischen Winterspiele sollten als Symbol für Frieden und Freiheit dienen und auf transparente, inklusive sowie sozial und ökologisch vertretbare Weise geplant und durchgeführt werden.
    Mailand-Cortina 2026 und Frankreich 2030: Ein Ruf nach Verantwortung
    Wir werden die Planung und Durchführung der Olympischen Winterspiele 2026 in Italien und der Spiele 2030 in Frankreich genau beobachten. Diese Grossereignisse sind entscheidende Tests für die Glaubwürdigkeit der Nachhaltigkeitsverpflichtungen des IOC und die Bereitschaft der Gastgeberländer, langfristiges regionales Gemeinwohl über kurzfristiges Prestige zu stellen. Wir fordern alle verantwortlichen Behörden – von den regionalen Verwaltungen über die nationalen Olympischen Komitees bis hin zum IOC selbst – auf, dafür zu sorgen, dass bei diesen Spielen die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt werden. Dazu gehören:

    • Keine Neubauten und Einhaltung von Grenzen zum Schutz der Umwelt
    • Sicherstellen vollständiger Transparenz bei Planung und Budgetierung
    • Ernsthafte Einbeziehung der Zivilgesellschaft und der betroffenen Gemeinden in die Entscheidungsprozesse
    • Vorrang für Klimaanpassung und nachhaltige Mobilität
    • Hinterlassen eines positiven, langfristigen Erbes sowohl für die Gastgeberregionen und ihre Einwohner:innen als auch für die Natur, einschliesslich Klimaschutz-Massnahmen.

    Die Alpen können sich kein weiteres Jahrzehnt gebrochener Versprechen leisten. Sie sind mehr als nur ein olympischer Spielplatz!«

    Zum Beitrag

    Zum CIPRA-Positionspapier, verabschiedet vom Präsidium am 9. Dezember 2025 (pdf)

  • The Oxford Olympics Study 2024: Are Cost and Cost Overrun at the Games Coming Down? July 2024

    The Oxford Olympics Study 2024: Are Cost and Cost Overrun at the Games Coming Down? July 2024

    27 Pages Posted: 31 May 2024
    Alexander Budzier

    University of Oxford – Saïd Business School
    Bent Flyvbjerg

    University of Oxford – Said Business School; IT University of Copenhagen; St Anne’s College, University of Oxford

    Multiple version iconThere are 2 versions of this paper

    Date Written: May 30, 2024
    Abstract

    The present paper is an update and extension of the „The Oxford Olympics Study 2016“ (Flyvbjerg et al. 2016). We document that the Games remain costly and continue to have large cost overruns, to a degree that threatens their viability. The IOC is aware of the problem and has initiated reform. We assess the reforms and find: (a) Olympic costs are statistically significantly increasing; prior analyses did not show this trend; it is a step in the wrong direction. (b) Cost overruns were decreasing until 2008, but have increased since then; again a step in the wrong direction. (c) At present, the cost of Paris 2024 is USD 8.7 billion (2022 level) and cost overrun is 115% in real terms; this is not the frugal Games that were promised. (d) Cost overruns are the norm for the Olympics, past, present, and future; the Games are the only project type that never delivered on budget, ever. We assess a new IOC policy of reducing cost by reusing existing venues instead of building new ones. We find that reuse did not have the desired effect for Tokyo 2020 and also looks ineffective for Paris 2024. Finally, we recommend that the Games look to other types of megaproject for better data, better forecasting, and better methods for generating the positive learning curves that are necessary for bringing costs and overrun down. Only if this happens are Los Angeles 2028 and Brisbane 2032 likely to live up to the IOC’s intentions of a more affordable Games that more cities will want to host.

    [Der vorliegende Beitrag ist eine Aktualisierung und Erweiterung der ›Oxford Olympics Study 2016‹ (Flyvbjerg et al. 2016). Wir dokumentieren, dass die Spiele nach wie vor kostspielig sind und weiterhin erhebliche Kostenüberschreitungen aufweisen, die ihre Durchführbarkeit gefährden. Das IOC ist sich des Problems bewusst und hat Reformen eingeleitet. Wir bewerten die Reformen und stellen Folgendes fest: (a) Die Kosten der Olympischen Spiele steigen statistisch signifikant an; frühere Analysen haben diesen Trend nicht gezeigt; dies ist ein Schritt in die falsche Richtung. (b) Die Kostenüberschreitungen gingen bis 2008 zurück, sind seitdem jedoch wieder gestiegen; auch dies ist ein Schritt in die falsche Richtung. (c) Derzeit belaufen sich die Kosten für Paris 2024 auf 8,7 Milliarden US-Dollar (Stand 2022) und die Kostenüberschreitung beträgt real 115 %; dies sind nicht die versprochenen sparsamen Spiele. (d) Kostenüberschreitungen sind bei den Olympischen Spielen die Norm, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart und Zukunft; die Spiele sind die einzige Art von Projekt, bei der das Budget noch nie eingehalten wurde. Wir bewerten eine neue IOC-Politik zur Kostensenkung durch die Wiederverwendung bestehender Veranstaltungsorte anstelle des Baus neuer. Wir stellen fest, dass die Wiederverwendung bei Tokio 2020 nicht den gewünschten Effekt hatte und auch für Paris 2024 unwirksam zu sein scheint. Abschließend empfehlen wir, dass die Spiele sich an anderen Arten von Megaprojekten orientieren, um bessere Daten, bessere Prognosen und bessere Methoden zur Erzeugung positiver Lernkurven zu erhalten, die notwendig sind, um Kosten und Überschreitungen zu senken. Nur wenn dies geschieht, werden Los Angeles 2028 und Brisbane 2032 wahrscheinlich den Absichten des IOC gerecht werden, günstigere Spiele zu veranstalten, die mehr Städte ausrichten wollen. (Übersetzt mit deepl.com)]

    Zum Originalbeitrag

  • NOlympia Hamburg: Zur Mitgliederversammlung des DOSB / Kritik an »operativen Mindestanforderungen«

    Olympia in Hamburg: Verkehrschaos und Sicherheit auf Steuerzahlerkosten – Mindestanforderungen der Stadt nicht erfüllt.

    Im Rahmen der sogenannten »operativen Mindestanforderungen« hat der DOSB die vier Bewerberstädte auf Eventdurchführungstauglichkeit und Plausibilität des Gesamtkonzeptes geprüft. Hamburg und alle anderen Städte haben bestanden. Die Ergebnisse werden am 6. Dezember den DOSB-Mitgliedern vorgestellt. NOlympia Hamburg und der Bund der Steuerzahler Hamburg e.V. sehen ihre Mindestanforderungen nicht erfüllt.

    Dazu Eckart Maudrich, Sprecher von NOlympia Hamburg:

    »Nach der Prüfmethode des DOSB1 würden zentrale Hamburger Verkehrsadern zu Nadelöhren für die Hamburger*innen werden – wie der Elbtunnel, die Elbbrücken, die Lombardsbrücke, sowie die Willy-Brandt-, Budapester-, Stresemann- und Billhorner Brückenstraße. Auf diesen Straßen würden eigene Fahrspuren für das IOC sowie Akkreditierte eingerichtet werden, sogenannte Olympic Lanes. Das Chaos wäre vorprogrammiert, die Stadt gelähmt. Auch bei der Risiko- und Lastenverteilung akzeptiert der Senat den Status Quo des IOC, anstatt für Hamburg zu kämpfen: Weihnachtsmarktveranstalter zahlen für die Sicherheit ihrer Veranstaltung. Bei den Spielen ist jedoch die Stadt bereit, gigantische Summen dafür zu zahlen – wie Paris, wo die Sicherung der Spiele den öffentlichen Haushalt 1,4 Milliarden2 kostete. Der Senat hat sich noch nicht einmal mit der Idee beschäftigt, zumindest die Hochrisikokosten vom IOC bezahlen zu lassen.3 Dass in den sogenannten Beteiligungsformaten nicht darüber informiert wurde, spricht Bände.«4

    Sascha Mummenhoff, Landesvorsitzender des Bund der Steuerzahler Hamburg e.V.:

    »Dass der DOSB Hamburg bei der Eventtauglichkeit durchwinkt, beantwortet die entscheidende Frage nicht: Welche konkreten Belastungen kommen auf die Stadt zu und wer trägt am Ende die Risiken und Kosten, besonders bei Verkehr und Sicherheit? Ohne vollständige Transparenz ist eine verantwortliche Bewertung unmöglich. Der Bund der Steuerzahler Hamburg e.V. erwartet daher eine lückenlose, öffentlich zugängliche Kostendarstellung, vom ersten Euro der Bewerbungsphase bis zu Infrastruktur-, Organisations- und Sicherheitsausgaben. Jede finanzielle Verpflichtung muss nachvollziehbar offengelegt werden, bevor politische Festlegungen getroffen werden. Und ausgerechnet bei den Sicherheitskosten erleben wir seit Jahren eine Mauer des Schweigens: Die Hamburger Innenbehörde verweigert echte Transparenz darüber, welche Polizeikosten bei Großveranstaltungen tatsächlich entstehen und wie sie sich zusammensetzen. Wer beim Tagesgeschäft mauert, darf erst recht keine zusätzlichen Milliardenrisiken eingehen. Beim Profifußball fordern wir seit Jahren das Verursacherprinzip: Wer zusätzliche Polizeieinsätze auslöst, soll die Mehrkosten tragen. Für Olympia muss derselbe Maßstab gelten. Es ist nicht vermittelbar, dass Steuerzahlerinnen und Steuerzahler die olympiabedingten Sicherheits-Mehrkosten eines globalen Milliardenevents schultern sollen, während das IOC wirtschaftlich profitiert. Unsere Position lautet daher: Die olympiabedingten Sicherheits-Mehrkosten, insbesondere Hochrisiko- und Zusatzaufwände, müssen vom IOC übernommen werden. Der Hamburger Senat muss die Realität des eigenen Haushalts im Blick behalten. Wenn parallel weitere große Vorhaben (Naturkundemuseum im Elbtower, Kühne-Oper, Sanierung der bestehenden Oper, Hafenmuseum und Zukunftsentscheid) anstehen, steigt die Pflicht zu Transparenz, Prioritäten und klarer Risikobegrenzung. Das ist kein Votum gegen Olympia. Aber Olympia kann in Hamburg nur seriös diskutiert werden, wenn alle Risiken offen auf dem Tisch liegen und die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler nicht zum Selbstbedienungsladen für ein internationales Prestigeprojekt werden.«

    1 siehe DOSB Anleitung im Anhang [hier nicht angehängt]
    2 Cours de Compte: Les Jeux Olympiques et Paralympiques de Paris 2024. Rapport au Parlement. S.18. Zusätzliche Infrastrukturkosten: 300 Millionen für Sicherheitsequipment
    3 BDrs 23-02040
    4 Der DOSB bestätigt am 30.09.2025, dass die Minimumkriterien erfüllt sind – inkl. Olympic Lanes.

  • Warum NOlympia Berlin? Klara Schedlich (Stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für Sportpolitik)

    Grüne Fraktion Berlin: Fragen & Antworten zur Berliner Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele in Deutschland

    Frage 1: Warum lehnen wir als Fraktion die Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele für Berlin ab?

    Berlin steht vor massiven Haushaltskürzungen durch den schwarz-roten Senat und verfügt weder über die finanziellen Mittel noch über die notwendige Infrastruktur, um ein solches Großereignis sinnvoll auszurichten. Hinzu kommt, dass die Sportinfrastruktur für den Breitensport einen sehr hohen Sanierungsstau hat und Gelder für Reparaturen und Renovierungen fehlen. Anstatt also Milliarden an Steuergeldern in ein Prestige-Ereignis zu investieren, das keinen dauerhaften Mehrwert für die Stadt schafft, müssen wir uns dringend um bestehende Probleme kümmern: marode Sportstätten und Bäder, eine überlastete Verkehrsinfrastruktur, verfehlte Klimaziele und ein angespannter Wohnungsmarkt. Gleichzeitig ist die Bewerbung intransparent organisiert, es liegen weder Finanzierungspläne noch Konzepte für die Sportstättennutzung öffentlich vor, die Bevölkerung wird kaum beteiligt. Aus diesen Gründen lehnen wir eine Bewerbung für mögliche Olympische und Paralympische Spiele in Berlin in 2036, 2040 und 2044 ab, weil sie aus sport- und finanzpolitischer, sozialer sowie ökologischer Sicht nicht verantwortbar ist.

    Frage 2: Kann sich Berlin Olympische und Paralympische Spiele finanziell überhaupt leisten?

    Nein, aus unserer Sicht kann Berlin sich Olympische und Paralympische Spiele ganz klar nicht leisten. Schon die Bewerbung selbst kostet mindestens sechs Millionen Euro und das nur für Marketing, Planung und Kommunikation rund um den innerdeutschen Wettstreit, mit welchem Standort sich Deutschland beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) für eine mögliche Austragung der Spiele bewirbt. Die eigentliche Ausrichtung – wenn es überhaupt einen Zuschlag für Deutschland gibt – würde dann in die Milliarden gehen. Aber schon die 6 Millionen Euro, die jetzt ausgegeben werden sollen, werden an anderer Stelle fehlen und zu Kürzungen im Berliner Sport führen.

    Allein bei Sportstätten und Bädern besteht heute schon ein Sanierungsstau von rund einer Milliarde Euro. Statt weitere Milliarden in überteuerte Groß-Events zu investieren, müsste Berlin zuerst die bestehenden Anlagen sanieren. Hinzu kommt das hohe Risiko von Kostenexplosionen, wie zuletzt immer bei Olympischen und Paralympischen Spielen in anderen Städten.

    Frage 3: Aber bringen Olympische und Paralympische Spiele nicht ganz viele Einnahmen für die Stadt?

    Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass Olympische und Paralympische Spiele langfristig positive finanzielle Effekte für Austragungsorte haben. Im Gegenteil: In London klaffte nach den Spielen eine massive Kostenlücke – das Delta zwischen Ausgaben und Einnahmen lag bei rund 8 Milliarden US-Dollar zulasten der öffentlichen Hand. Zahlen zu Paris liegen noch nicht abschließend vor aber klar ist, auch Paris liefert keinen Gegenbeweis: Der Rechnungshof erhöhte die geschätzten Kosten auf 6,6 Milliarden Euro, inklusive 1,44 Milliarden Euro für Sicherheit. Die Bilanz: Der Einfluss auf das Wirtschaftswachstum 2024 liegt bei lediglich +0,07 Prozentpunkten, laut Rechnungshof „bescheiden“ und „kurzfristig begrenzt“. Wenn selbst Paris – mit hoher Zustimmung der Bevölkerung und professioneller Vorbereitung – keinen deutlichen ökonomischen Effekt erzielt, ist es für Berlin noch unrealistischer. Statt Millionen in Hoffnungen zu investieren, brauchen wir sie dringend für Sportstätten.

    Frage 4: Profitiert nicht der Tourismus von Olympia?

    Auch der Mythos, dass Olympia den Tourismus ankurbelt, hält einer Überprüfung nicht stand. Untersuchungen zeigen, dass Großveranstaltungen Verdrängungseffekte haben. Das heißt, dass viele Tourist*innen oft nicht in Städte reisen, in denen sportliche Großveranstaltungen stattfinden, weil oft die Preise in diesem Zeitraum (z.B. für Hotels) viel höher sind als sonst. Die weithin als Erfolg gewertete Olympiade in Paris hat dort im Jahr 2024 sogar zu einem Rückgang der Tourismuszahlen geführt. Ein ähnliches Bild zeigte sich bereits bei der Europameisterschaft 2024, die Auslastung der Berliner Hotels lag trotz des Turniers nicht höher als üblich. Für Berlin gibt es weder eine belastbare, noch eine öffentliche Kostenschätzung oder Risikoabwägung. Faktisch würden Milliarden an Steuergeldern für eine zweiwöchige Veranstaltung ausgegeben, ohne dass dies einen dauerhaften Mehrwert für die Stadt brächte.

    Frage 5: Würden die Olympischen und Paralympischen Spiele nicht dabei helfen, die Sportinfrastruktur in Berlin zu verbessern?

    Dieses Argument klingt zwar auf den ersten Blick attraktiv, hält einer genaueren Betrachtung jedoch nicht stand. Schon heute sind in Berlin über 50 Sportstätten und 8 Bäder geschlossen und werden nicht saniert. Hier liegt der eigentliche Handlungsbedarf, der durch eine Bewerbung nicht kleiner, sondern eher größer wird, weil Geld in die Ausrichtung der Spiele und nicht in die Sportstätten für den Breitensport fließt.

    Berlin verfügt über keine Schwimmhalle, die für olympisches und paralympisches Schwimmen geeignet ist. Eine entsprechende Anlage würde temporär errichtet werden, anstatt vorhandene Strukturen dauerhaft zu stärken. Das ist weder nachhaltig noch sinnvoll.

    Das oft vorgebrachte Argument, eine Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele würde dem Sport in Berlin automatisch helfen, ist deshalb irreführend. Es besteht die reale Gefahr, dass Mittel aus dem regulären Sporthaushalt zugunsten von Prestigeprojekten und Großveranstaltungen umgeleitet werden, genauso wie es jetzt bereits geschieht. Am Ende profitieren nicht der Breitensport, die Vereine und die Kinder, sondern einzelne Großprojekte.

    Frage 6: Ist Berlin überhaupt in der Lage, den Verkehr für ein solches Mega-Event zu stemmen?

    Der aktuelle Zustand unserer Nahverkehrssysteme und der Verkehrsinfrastruktur weckt Zweifel. BVG und S-Bahn befinden sich in einem kritischen bis alarmierenden Zustand. Es fehlen Fahrzeuge und Personal bei U-Bahn, S-Bahn, Straßenbahn und Bussen. Gleichzeitig müssen rund 120 Brücken, zahlreiche Bahnhöfe, Stellwerke und U-Bahntunnel saniert oder neu gebaut werden. Der Busbetrieb wurde massiv runtergefahren und eine Normalisierung ist nicht in Sicht. Das bedeutet langfristige Sperrungen und massives Verkehrschaos, Fahrplanausfälle und Verzögerungen und damit auch heute schon komplett überfüllte Fahrzeuge und Bahnsteige.

    Unter diesen Bedingungen wäre eine zusätzliche Belastung durch ein globales Großereignis unverantwortlich. Bevor wir über Olympische und Paralympische Spiele nachdenken, müssen wir erst einmal sicherstellen, dass der Alltagsverkehr für die Berliner*innen zuverlässig funktioniert.

    Frage 7: Entsteht durch das Olympische und Paralympische Dorf zusätzlicher benötigter Wohnraum?

    Nein. Nach den aktuellen Planungen soll das ohnehin geplante neue Stadtquartier „Stadteingang West“ zunächst als Olympisches und Paralympisches Dorf genutzt werden. Der Bau von Wohnungen ist hier aber sowieso geplant. Das Projekt soll rund um das Autobahndreieck am Funkturm entstehen. Genau hier liegt das Problem. Die Planungen sind abhänging vom vorgesehen Umbau des Autobahnkreuzes, der durch die Autobahn GmbH und den Bund durchgeführt wird und die sich immer weiter verzögern. Laut Ausschreibung ist eine vollständige Realisierung nicht vor 2045 vorgesehen. Eine Fertigstellung bis 2036 ist somit völlig unrealistisch. Hinzu kommt, dass ein Olympisches und Paralympisches Dorf andere bauliche und räumliche Anforderungen hat, als „normaler“ Wohnungsbau. Es müssten also erneute Umbaumaßnahmen vorgenommen werden, damit die Wohnungen im Anschluss vermietet werden können, was zusätzliche Kosten verursacht.

    Frage 8: Wären Olympische und Paralympische Spiele in Berlin nicht eine Chance, um Klima- und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen?

    Aus unserer Sicht ist eine wirklich umweltfreundliche Austragung einer solchen Großveranstaltung unrealistisch. Bisherige vergleichbare Veranstaltungen wurden nicht nachhaltig umgesetzt. Berlin verfehlt bereits heute seine eigenen Klimaziele und hat Probleme, bestehende Umweltprobleme zu bewältigen.

    Auch temporäre Bauten verbrauchen Fläche und Ressourcen, sind also weder klimaneutral noch folgenlos. Bei Olympischen und Paralympischen Spielen ist Nachhaltigkeit keine verpflichtende Bedingung, sondern vor allem ein PR-Versprechen. Unter diesen Voraussetzungen wäre es nicht glaubwürdig, die Spiele als Klimaprojekt zu vermarkten, während wir gleichzeitig unsere eigenen Ziele vor Ort verfehlen.

    Frage 9: Wie sieht es mit der demokratischen Beteiligung der Berliner Bevölkerung aus?

    Die mangelnde demokratische Beteiligung ist eines der größten Defizite der aktuellen Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele. In Berlin kann laut Landesverfassung keine Bürger*innenbefragung oder ein Bürger*innenentscheid „von oben“, also direkt durch einen Senatsbeschluss durchgeführt werden. Um ein solches Instrument einzuführen, wäre eine Verfassungsänderung nötig. Der Senat plant bisher aber auch keine vergleichbaren Beteiligungsformate oder Befragungen.

    Gleichzeitig hat sich München bereits für die Spiele entschieden. Berlin könnte seine Bewerbung also zurückziehen und damit Kosten sparen, anstatt weiteres Geld in ein Verfahren zu stecken, das auf wackligen Füßen steht. Die Unterstützung in der Berliner Bevölkerung ist ohnehin gering. Ein Projekt dieser finanziellen Größenordnung ohne breite Zustimmung der Menschen vor Ort voranzutreiben, halten wir politisch für falsch.

    Frage 10: Was kritisieren wir am Vorgehen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)?

    Der DOSB hat zunächst eine deutschlandweite Bewerbung angekündigt, die potenziell sinnvoller und nachhaltiger hätte sein können. Von dieser Idee ist er jedoch wieder abgerückt. Nun bewerben sich vier Städte gleichzeitig. In allen vier Bewerberstädten werden Millionen für Werbung und Konzepte ausgegeben, obwohl am Ende nur eine Stadt den Zuschlag erhalten kann. Das ist eine ineffiziente und teure Vorgehensweise.

    Die Verfahren des DOSB sind zudem intransparent: Es bleibt unklar, welche Kriterien genau gelten, wer die Entscheidungen am Ende wirklich trifft und wie der Zeitplan konkret aussieht. Bewertungsstandards werden nicht offengelegt. Insgesamt entsteht der Eindruck eines undemokratischen, intransparenten Machtprozesses, der den Ansprüchen an moderne, offene und partizipative Entscheidungen nicht gerecht wird.

    Frage 11: Warum ist das Internationale Olympische Komitee ein Problem für Austragungsorte wie Berlin?

    Das Internationale Olympische Komitee (IOC) ist nicht nur Sportdachverband, sondern ein mächtiger globaler Akteur, der die Spielregeln setzt, während Städte die Risiken tragen. In der Olympischen Charta und im „Host City Contract“ legt das IOC detaillierte Anforderungen fest – von Infrastruktur über Sicherheit bis zu Markenrechten und Ticketing. Bewerberstädte müssen Millionen in aufwendige Bewerbungsdossiers stecken, haben aber nur begrenzten Spielraum, die Bedingungen mitzugestalten. Gleichzeitig schöpft das IOC einen großen Teil der Gewinne aus TV-Rechten und globalen Sponsoren ab, während Milliardeninvestitionen in Sportstätten, Verkehr und Sicherheit überwiegend bei Städten und Staaten hängen bleiben. Ökonomische Analysen zeigen, dass seit 1960 alle Spiele das Budget überschritten haben und Austragungsorte oft langfristig mit Schulden und wenig genutzten Anlagen zurückbleiben.

    Hinzu kommt eine lange Geschichte der Kritik an Korruption, Intransparenz und Menschenrechtsverletzungen. Skandale wie bei der Vergabe der Winterspiele 2002 nach Salt Lake City sowie Vorwürfe rund um andere Bieterrunden haben das Bild eines korruptionsanfälligen Systems verfestigt. Menschenrechtsorganisationen dokumentieren immer wieder Verdrängung, Wohnraumverlust und Einschränkungen von Freiheitsrechten im Umfeld der Spiele. Als privater Verein mit erheblichem politischem Einfluss unterliegt das IOC nur schwacher demokratischer Kontrolle – ein weiteres Argument dagegen, Berlin in diese Abhängigkeit zu führen.

    Frage 12: Was hat die Münchner Abstimmung für Olympische und Paralympische Spiele mit Berlin zu tun?

    Ende Oktober 2025 konnten die Münchner*innen darüber abstimmen, ob sie für oder gegen eine Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele in ihrer Stadt sind. Eine Mehrheit hat dabei mit Ja gestimmt. Mit dieser Beteiligung und der Zustimmung hat München einen eindeutigen Vorteil gegenüber Berlin, wo es nicht mal eine Beteiligung geben soll (siehe vorherige Frage). Das muss auch dem Senat klar sein. Das halbherzige Vorgehen des Senats wirkt wie eine gesichtswahrende Bewerbung. Dafür sind sechs Millionen Euro zu viel Geld – Geld, das uns bei der Sanierung von Sportstätten fehlt. Während München die Stadt hinter sich hat, zeigt sich in Berlin in Umfragen eine Ablehnung von Olympischen und Paralymischen Spielen.

    Auch andere Städte machen es längst vor. In Nordrhein-Westfalen soll im April 2026 ein Bürgerentscheid in 17 Städten und Kommunen stattfinden. Hamburg führt sogar ein digitales Beteiligungsverfahren durch – auf einer Online-Plattform können Interessierte Vorschläge einbringen, Informationen abrufen und an einer Umfrage teilnehmen. Ende Mai 2026 stimmen die Hamburger*innen schließlich per Referendum über die Bewerbung ab. Fast alle Bewerberstädte binden ihre Bevölkerung aktiv ein – nur Berlin nicht. Obwohl klar ist: Rückhalt der Bevölkerung ist ein zentrales Auswahlkriterium für das IOC, das über die Vergabe der Spiele entscheidet.

    Auf dieser Grundlage ist es falsch, weiter Millionen in eine aussichtslose Bewerbung zu stecken, statt in die notwendige Sanierung maroder Sportanlagen zu investieren. Damit erweist Berlin dem Breitensport einen Bärendienst. Allen ist klar, dass weder der DOSB noch das IOC einen Austragungsort wählen, dessen Bevölkerung nicht eindeutig dahintersteht.

    Frage 13: Hat die Grüne Fraktion bereits in Regierungsveranwortung die Durchführung von Olympischen und Paralympischen Spielen in Berlin gefordert?

    Nein. Im Koalitionsvertrag 2021 haben wir keine Austragung von Olympischen oder Paralympischen Spielen gefordert. Wir haben lediglich festgelegt, dass Sportgroßveranstaltungen künftig klimaneutral, ökonomisch und sozial nachhaltig umgesetzt werden sollen. Eine Bewerbung wird nur unter klar definierten Bedingungen grundsätzlich geprüft. Dazu gehören eine grundlegende Reform der Vergaberichtlinien durch das IOC, ein nachhaltiges Konzept ohne Gigantismus, die Zustimmung des Deutschen Olympischen Sportbundes und der Bundesregierung sowie die Absicherung notwendiger Infrastrukturinvestitionen durch den Bund. Eine konkrete Forderung für eine Bewerbung oder Durchführung gab es von uns nicht.

    Frage 14: Welche Rolle spielt das geplante Volksbegehren des Bündnisses „NOlympia Berlin”?

    Das Bündnis will mit dem Volksbegehren erreichen, dass die Berliner Bevölkerung selbst über die Bewerbung für Olympische und Paralymische Spiele entscheiden kann. Das klare Ziel ist es, die Austragung Olympischer und Paralympische Spiele in Berlin politisch zu stoppen. Am Ende soll ein Volksentscheid stehen, bei dem die Berliner*innen über die Frage „Olympische Spiele in Berlin: Ja oder Nein?” abstimmen. Ein mehrheitliches „Nein” würde den Senat erheblich unter Druck setzen, die Bewerbung zurückzuziehen, und die Pläne für Olympische und Paralympische Spiele für Berlin faktisch kaum noch durchsetzbar machen.

    Rechtlich orientiert sich das Bündnis an den bestehenden Regeln für direkte Demokratie in Berlin. Das Verfahren ist mehrstufig: Zunächst braucht es einen Antrag auf ein Volksbegehren mit rund 20.000 gültigen Unterschriften. Wird dieser zugelassen, folgt das eigentliche Volksbegehren, für das etwa 170.000 bis knapp 175.000 Unterschriften von Wahlberechtigten gesammelt werden müssen. Erst wenn dieses Quorum erreicht ist und der Senat das Anliegen nicht freiwillig übernimmt, kommt es zum Volksentscheid, bei dem alle wahlberechtigten Berliner*innen abstimmen können.

    Frage 15: Zusammengefasst – warum ist eine Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele für Berlin der falsche Weg?

    Die Fakten sprechen klar gegen eine Bewerbung Berlins: Die Stadt hat die finanziellen Mittel nicht, es besteht ein massiver Sanierungsstau im Sportbereich, die Verkehrsinfrastruktur ist überlastet, das Olympische und Paralympische Dorf ist planerisch und zeitlich unrealistisch. Die Veranstaltung wäre weder klimafreundlich noch nachhaltig, und echte demokratische Beteiligung ist nicht vorgesehen.

    Gleichzeitig zeigt das Vorgehen des DOSB ein hohes Maß an Intransparenz, während in mehreren Städten Millionen in ein Konkurrenzverfahren gesteckt werden, bei dem am Ende nur eine Stadt übrig bleibt. Unter diesen Umständen ist es unsere Verantwortung, klar zu sagen: Berlin braucht jetzt Investitionen in bestehende Sportflächen, in den Breitensport für alle, in funktionierende Infrastruktur und in Klimaschutz, nicht ein teures, kurzfristiges Prestigeprojekt Olympia.

    Veröffentlicht am 01.12.2025 unter dem Link