»Mit dem Abstand von rund zehn Jahren betrachtet war Christoph Harting vielleicht doch der lässigste Athlet, der je auf einem olympischen Podest stand. Während die schwarz-rot-goldene Flagge gehisst wurde und die Nationalhymne erklang, alberte der Diskus-Goldmedaillensieger herum, stillstehen wollte er nicht. Die Botschaft, die man herauslesen konnte, wenn man wollte: Lasst mich mit diesem Zeremoniell und eurem Nationalgedöns in Ruhe. Ich will einfach nur feiern!«
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IOC
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Martin Einsiedler (Tagesspiegel): Politischer Protest im Sport: Olympia ist ein großer Schwindel [€]
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Christoph Becker (FAZ): Der DOSB wählt den Gleichschritt [€]
»[…] Allerdings sollten Weikert und Co. darauf achten, mit welchem Weltbild Frau Coventry Olympische Spiele aufzieht. Dass das IOC und die Olympischen Spiele von 1936 keinen Beitrag zur Propaganda der Nationalsozialisten geleistet haben, sie ebenso wenig Wladimir Putin 2014 beim Winterfestival an seiner Sommerresidenz in Sotschi in die Karten spielten, ist eine Sicht, die in ihrer Geschichtsvergessenheit und Verantwortungslosigkeit nicht satisfaktionsfähig ist.«
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RBB: Kritik aus der Politik NS-Ästhetik? IOC verteidigt Verkauf von Shirts zu Olympia 1936 in Berlin
»Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verkauft ein T-Shirt mit einem Motiv zu den Olympischen Spielen von 1936 in Berlin
Kritik aus der Politik: Shirt würde ästhetisch an NS-Regime anknüpfen
IOC verteidigt den Verkauf, stellt den Sport [??? wohl eher das Markenrecht = Geld] in den Vordergrund
[…] Das IOC betonte, dass es damit auch sein geistiges Eigentum schütze. Dass diese Markenrechte weiterhin gültig seien, hänge davon ab, dass diese weiter genutzt werden. Ansonsten könnten diese von anderen genutzt werden. […]«
Zum Beitrag -
Berliner Morgenpost: Inzwischen ausverkauft. Fragwürdiges Geschäft: IOC verkauft Shirt zu Olympischen Spielen 1936 in Berlin
»Im offiziellen Shop der Olympischen Spiele wird ein T-Shirt mit dem Motiv der Nazi-Spiele 1936 in Berlin angeboten. Binnen kurzer Zeit war es ausverkauft.[…] Dass das IOC mit einem solchen T-Shirt Geld macht, kann man durchaus als skandalös bezeichnen. […]«
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Mark Hertsgaard (taz): Petition an das Olympische Komitee. Sportler*innen wollen keine fossilen Sponsoren
Tausende Wintersportler warnen, die Olympischen Winterspiele schmölzen »buchstäblich dahin«. Sie fordern, die Zusammenarbeit mit Fossilen zu beenden.
Einige der weltweit besten Wintersportler haben das Internationale Olympische Komitee IOC aufgefordert, keine Gelder mehr von der fossilen Industrie anzunehmen, darunter auch vom italienischen Ölkonzern ENI, »Premium-Partner« und offizieller Sponsor der Olympischen Winterspiele 2026.
Zum ArtikelHier zum Aufruf
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Pferd ohne Reiter. Sportschau: »Haiti: Streit mit dem IOC« (Ausschnitt)
»Das Outfit von Haiti hatte im Vorfeld für Kontroversen gesorgt. Der kleine Karibikstaat ist zum zweiten Mal bei Olympischen Winterspielen dabei und präsentierte sich dort mit handgemalten Outfits. Der erste Entwurf der haitisch-italienischen Designerin Stella Novarino orientierte sich zunächst an einem Gemälde, das den Revolutionsführer Toussaint Louverture auf einem Pferd zeigte. Das IOC aber verbot das Design wegen der politischen Botschaft. Also musste noch einmal nachgearbeitet werden.«
Zum BeitragEin ausführlicherer Artikel (engl.) dazu:
Haiti’s Winter Olympics team shines a positive light even as IOC removes patriot from uniforms
Zum ArtikelKommentar:
Ein moralisches Armutszeugnis, schließlich geht es hier um eine Erinnerung an eine überwundene Sklaverei.Zum Gemälde »Toussaint Louverture«, 2006, Duval-Carrie, Edouard (Haitian, b. 1954)
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Christoph Becker (FAZ): Die einen sehen Spektakel, die anderen Zerstörung [€]
Die Rückkehr der Olympischen Spiele in die Alpen wird als Triumphgeschichte inszeniert. Doch aus dem alpinen Ursprung ist eine Tourismusindustrie entstanden, die Mensch und Natur überfordert.
Zum Artikel [€] -
Jules Boykoff and Dave Zirin (The Nation): Get Ready for This Year’s Undemocratic, Debt-Ridden, and Mobster-Infused Winter Olympics
»ICE thugs in the streets, Mafia meddling, and billions in waste—seems like the Games are off to a great start. […] This is the first Olympics staged after a batch of much-ballyhooed ›Olympic Agenda‹ reforms carried out by the International Olympic Committee that were first approved back in 2014. Former IOC president Thomas Bach noted, ›Milano Cortina 2026 will be the first…to fully benefit from our Olympic Agenda reforms from start to finish.‹
But how different are these Olympics, really? In the 21st century, the Games are beset by ingrained problems such as overspending, corruption, intensified policing, and greenwashing. Despite cosmetic Olympic reforms, the Milano Cortina 2026 Winter Olympics show us that these problems have largely remained unaddressed.[…]«
Zum Artikel [€] -
kicker.de: Olympia zurück in den Alpen: Von Bobbahn-Ärger bis IOC-Diktat
In Cortina fand vor 70 Jahren schon einmal Olympia statt. Jetzt ist auch Mailand dabei. Die Veranstalter hoffen, dass mit Beginn der Spiele der Funke überspringt – wie in Paris. Sicher ist das nicht.
»[…] ›Aber die nächsten Wochen hat von uns keiner mehr etwas zu sagen, weil das Internationale Olympische Komitee (IOC) alles diktiert‹, meint [Altbürgermeister von Antholz] Renzler. […] Für die neue Beschneiungsanlage wurde eben noch ein künstlicher See ausgehoben […] ›Wenn der Sport zur Religion wird und die Sportler zu Göttern, stimmt etwas nicht.‹ Die Vorsitzende von Südtirols Dachverband für Natur- und Umweltschutz, Elisabeth Ladinser, sagt dazu nur knapp: ›Gott Mammon lässt grüßen.‹ […]«
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Christoph Becker (FAZ): IOC-Politik unter Coventry: Frohe Botschaft für Moskau [€]
Mord und Totschlag in der Ukraine zum Trotz: Die olympische Welt unter IOC-Präsidentin Kirsty Coventry betreibt eine aktive Resozialisierung von Putins Sportsystem. Darin spielt die Armee die zentrale Rolle.
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Siehe dazu auch
Weiß sie überhaupt, was mit Menschenrechten gemeint ist? [€]
Von Christoph Becker
30.01.2026, 14:47Zum Artikel
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NOlympia Hamburg: Teure Tickets: Die »Ich muss leider draußen bleiben« Eröffnung der Olympischen Winterspiele 2026
»Am 6. Februar, von 20:00-23:00 werden die Olympischen Winterspiele 2026 im Giuseppe-Meazza-Stadion in Mailand eröffnet. Das Stadion verfügt über 75.725 Zuschauerplätze. Für die Eröffnungsfeier stehen reguläre Tickets für 260 Euro, 700 Euro, 1.400 Euro und 2026 Euro zum Verkauf. Unter 26-jährige können für den Preis eines 260 Euro-Tickets zwei Karten erhalten.
Die Firma On Location verkauft exklusiv für die Spiele sogenannte ›Hospitality Packages‹. Die Premium-Variante für 8.950 Euro pro Kopf inkludiert ein Stadionticket der teuersten Kategorie, ein italienisch inspiriertes drei-Gänge Menü sowie Buffet mit Wein, Bier und Softdrinks in einer vom Sportthema geleiteten Atmosphäre, die kuratierte Kunst, authentische Memorabilia enthalten und Live ›Coverage‹ ermöglichen soll.
On Location ist der ›Premium Experiential Hospitality‹ Ableger des an der New Yorker Börse notierten Premium Sport- und Unterhaltungskonzerns TKO, zu deren größten Anteilseignern der ehemalige Arbeitgeber des Bundeskanzlers und weltweit größte Vermögensverwalter Blackrock sowie Vanguard und die US amerikanische Investmentbank Morgan Stanley gehören. Bislang gingen die 2.8 Milliarden US-Doller Umsätze von TKO primär auf Ultimate Fighting Championship, World Wrestling Entertainment und Professional Bull Riders zurück. Das ändert sich nun. On Location und das IOC haben einen Vierjahresvertrag von 2025 bis 2028 geschlossen, der die Spiele von Mailand 2026 und LA 2028 enthält. Für diesen Zeitraum erwartet TKO 2 Milliarden US-Dollar IOC-Umsätze bzw. jährlich 490 Millionen US-Dollar.
In Abhängigkeit von der In-/Exklusion der Hospitality Pakete, des Caterings, des Sekundärmarkets und von Promorabatten variieren die Umsatzschätzungen für die Eröffnungszeremonie zwischen 66 Millionen und 90 Millionen Euro, was einem Durchschnittspreis von ca. 870 Euro oder 1200 Euro pro Zuschauer entspricht. Das ist das 20 bis 27-fache eines durchschnittlichen HSV Heimspielpreises von ca. 42 Euro. Oder: alle 17 Heimspiele einer Saison und mehr als die Hälfte der nächsten Saison zusammen.
Die Kosten für die olympischen Übertragungsrechte von ARD und ZDF im Zeitraum von 2018 bis 2024 betrugen 221.5 Millionen Euro + MwSt. Die Kosten für die Übertragung von Mailand 2026 bis Brisbane 2032 sind bislang noch nicht veröffentlicht. Die Übertragungsrechte sind der größte Einnahmeposten des IOCs.
Dazu Eckart Maudrich, Pressesprecher von NOlympia: ›Seit die Olympic Charter 1991 den Gestaltsprung der Olympischen Spiele von einem Amateur- zu einem reinen Profisportevent besiegelt hat, hat der findige Schweizer Privatverein IOC seine Marke zu einer Eventplattform ausgebaut, zu dessen Ökosystem in 2026 nun auch Investmentbanker und Vermögensverwalter gehören, deren Firmenbeteiligungen lukrative Umsätze und Profite wittern. Mit Durchschnittspreisen von rund 900 bis 1200 Euro pro Zuschauer setzt die Eröffnungszeremonie der Winterspiele ein klares Zeichen dafür, wer zur Olympischen Familie dazu gehört – und wer nicht. Auch zukünftige Eisprinzessinnen und -prinzen werden das 280 Euro Einsteigerticket für ein Vororterlebnis der billigsten Eiskunstlaufwettbewerbe mit ihren Familien sowie viele andere Wettbewerbe wohl kaum lösen können. Es bleibt die Mattscheibe zu Hause für die die GEZ-Zahler via ARD und ZDF ja auch zahlen. Die Hamburger sollten diese Realität der Einlösung der Teilhabeversprechen beim Bürgerschaftsreferendum am 31.05. im Kopf behalten.‹«
Zum Beitrag
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Greenpeace: ÖLympias dreckiges Gold. Offener Brief an das Internationale Olympische Komitee
»An das Internationale Olympische Komitee,
wir fordern Sie dringend auf, alle Sponsoring- und Partnerschaftsverträge mit Öl- und Gasunternehmen, einschließlich Eni, zu kündigen. Die fossile Industrie muss für die von ihr verursachten Schäden durch Steuern oder Geldstrafen aufkommen. Sie darf keine Möglichkeit bekommen, ihr Image durch Sponsoring reinzuwaschen, während sie gleichzeitig die Klimakrise vorantreibt, die die Zukunft des Wintersports bedroht.
Es ist Zeit für einen Richtungswechsel.
Beenden Sie das Öl- und Gas-Sponsoring der Olympischen und Paralympischen Winterspiele – und erteilen Sie der klimaschädlichen fossilen Industrie für alle künftigen Olympischen Spiele eine Absage.
Unterzeichnen Sie den offenen Brief an das IOC und unterstützen Sie unsere Forderung: Fossile Unternehmen müssen ihrer Verantwortung für die Folgen der Klimakrise gerecht werden und die Kosten für Klimaschäden und Klimaschutzmaßnahmen übernehmen. «
Hier unterzeichnen: https://act.greenpeace.de/oelympias-dreckiges-gold
Artikel zur Kampagne:
An oil and gas corporation killing winters with its planet-heating pollution is sponsoring the Winter Olympics. Could it be Eni more ironic?
Federico Spadini
https://www.greenpeace.org/international/story/80988/an-oil-and-gas-corporation-killing-winters-with-its-planet-heating-pollution-is-sponsoring-the-winter-olympics-could-it-be-eni-more-ironic/Greenpeace-Video »It’s the Olympics – not the OILympics« auf Youtube unter https://www.youtube.com/watch?v=5755Rv7NwxE (3. Februar 2026)
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Robert Kempe/Jochen Leufgens (WDR-Doku): Kirsty Coventry – Vom Golden Girl auf den olympischen Thron (2026)
»Robert Kempe und Jochen Leufgens zeichnen den beispiellosen Aufstieg einer Weltklasseathletin vom Les-Brown-Pool in Harare bis auf den IOC- Thron in Lausanne nach. In der WDR-Doku gehen sie den Fragen nach, die bisher noch niemand öffentlich beantwortet hat. Denn während Kirsty Coventry in Lausanne die olympischen Werte hochhält, blickt ihre Heimat Simbabwe mit anderen Augen auf sie.«
Video verfügbar bis 28.01.2031
VideoDazu der Kommentar in der FAZ:
IOC-Chefin Kirsty Coventry: Weiß sie überhaupt, was mit Menschenrechten gemeint ist?
Von Christoph Becker, 30.01.2026
»….Die WDR-Journalisten Robert Kempe und Jochen Leufgens liefern mit ihrer Dokumentation ›Die Präsidentin‹ eine konzise Antwort: Kirsty Coventry ist zutiefst kompromittiert. ›Sie ist die letzte Person, die über Menschenrechte sprechen sollte‹, sagt die von der Regierung Simbabwes inhaftierte, von der Polizei misshandelte Anwältin Beatrice Mtetwa: ›Ich glaube, sie weiß nicht einmal, was mit Menschenrechten gemeint ist.‹…“
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taz: Grünen-Abgeordnete über Olympia. »Für Berlin ist der Zug eh abgefahren«
In Berlin fehlt das Konzept für Olympische Spiele und die Zustimmung der Bevölkerung, sagt Sportpolitikerin Klara Schedlich. Knackpunkt: die Finanzen.
Klara Schedlich: »…. warum sollte auch nur eine Schwimmhalle im Ostteil der Stadt saniert werden, weil in Berlin-Westend olympische Schwimmwettbewerbe ausgetragen werden? Es gibt überhaupt keinen gesicherten positiven Effekt auf die Infrastruktur. In erster Linie gibt das Internationale Olympische Komitee, das IOC, vor, wie Olympia auszutragen ist….«
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BYTESDE: Wie das Internationale Olympische Komitee Milliarden verdient und umverteilt
„Ich habe dieses interaktive Dashboard erstellt, das das Finanzierungsmodell des IOC visualisiert und zeigt, woher das Geld kommt und wie es während der Olympischen Spiele umverteilt wird. Was wird angezeigt: Einnahmequellen (ungefähre Anteile)……
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Frederic Valin (taz): Das IOC und Trump. Vor dem Despoten in den Goldstaub schmeißen
Nicht nur die Fifa, auch Kirsty Coventry und ihr IOC geben sich demütig gegenüber Donald Trump. In politische Dinge könne man sich nicht einmischen.
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Abgeordnetenhaus von Berlin. Antrag Grüne Fraktion Berlin: Transparenz im Bewerbungsverfahren zu Olympischen und Paralympischen Spielen sicherstellen
Das Abgeordnetenhaus wolle beschließen:
Die Bewerbung für und die Ausrichtung von Olympischen und Paralympischen Spielen in Berlin ist mit erheblichen Kosten und finanziellen Risiken verbunden. Umso wichtiger sind Transparenz und eine Beteiligung der hiesigen Bevölkerung. Vor diesem Hintergrund sind folgende Punkte umzusetzen:
1. Der Senat schafft Transparenz hinsichtlich des Bewerbungsverfahrens für Olympische und Paralympische Spiele. Sämtliche vorhandenen Unterlagen zu Kosten, Konzepten, Risiken, Sportstätten und Verkehr werden dem Abgeordnetenhaus unverzüglich zur Verfügung gestellt.
2. Der Senat legt dem Abgeordnetenhaus ab sofort quartalsweise und unaufgefordert schriftliche Berichte zu allen relevanten Aspekten der Bewerbung vor, einschließlich Kostenentwicklung, Zeitplan, Abstimmungen mit DOSB/IOC sowie Fortschritten und Defiziten bei Sportstätten. Im Bericht wird auch der aktuelle Zustand, der notwendige Sanierungsbedarf sowie die geplante Neubauten der Sportstätten übersichtlich dargestellt.
3. Der Senat wird aufgefordert, eine verbindliche, frühzeitige und niedrigschwellige Bürgerbeteiligung für die Berliner Bevölkerung zu entwickeln, die über reine Informationsangebote hinausgeht und echte Mitbestimmung ermöglicht.
4. Der Senat wird aufgefordert, vor weiteren finanziellen Verpflichtungen gegenüber DOSB oder IOC eine aktualisierte, öffentlich zugängliche Kosten-Nutzen-Analyse vorzulegen, die:
a) den bestehenden Sanierungsstau im Berliner Sport realistisch berücksichtigt,
b) Auswirkungen auf die Haushalts- und Finanzplanung des Landes darstellt,
c) ökologische und soziale Risiken systematisch erfasst,
d) die verkehrliche Machbarkeit prüfbar bewertet.
5) Bis zur Vorlage dieser Informationen und regelmäßigen Updates soll der Senat keine weiteren finanziellen Mittel für das Bewerbungsverfahren bereitstellen oder vertragliche Bindungen eingehen.Dem Abgeordnetenhaus ist erstmals zum 31. März 2026 und danach regelmäßig alle zwei Monate zu berichten.
Begründung
Berlin steht vor finanziellen und infrastrukturellen Herausforderungen, die den Handlungsspielraum der Stadt erheblich einschränken. Während der Sanierungsstau im Bereich der Sportstätten rund eine Milliarde Euro umfasst und zahlreiche Hallen sowie Bäder geschlossen sind, plant der Senat, mindestens sechs Millionen Euro allein in die Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele zu investieren. Diese Mittel fehlen unmittelbar im Breitensport, der zentrale soziale, gesundheitliche und integrative Funktionen erfüllt.Die Risiken einer Bewerbung sind erheblich: fehlende Finanzierungspläne, unklare Konzepte zur Sportstättennutzung, ein überlastetes Verkehrssystem und ein nicht realisierbarer Zeitplan für das geplante Olympische und Paralympische Dorf. Gleichzeitig legt die Wissenschaft nahe, dass Olympische und Paralympische Spiele keine langfristig positiven finanziellen Effekte für Austragungsorte haben. Im Gegenteil: Erfahrungen aus London, Rio de Janeiro oder Paris zeigen drastische Kostensteigerungen, enormen öffentlichen Finanzierungsbedarf und nur kurzfristige ökonomische Effekte.
Von zentraler Bedeutung ist die mangelnde Transparenz des Verfahrens. Weder sind die Kriterien des DOSB klar nachvollziehbar, noch liegt ein fortlaufendes Monitoring der wesentlichen Voraussetzungen – insbesondere der Sportstätten – vor. Genau das ist jedoch nötig, um politische Entscheidungen verantwortungsvoll treffen zu können und um zu verhindern, dass Gelder aus dem regulären Sporthaushalt in ein Prestigeprojekt umgelenkt werden. Ein systematisches, regelmäßiges Sportstättenmonitoring schafft Klarheit darüber, welche Anlagen ertüchtigt werden müssen, welche realistisch verfügbar sind und welche zusätzlichen Kosten entstehen würden.
Auch demokratisch betrachtet ist das Vorgehen des Senats problematisch: Während andere Städte ihre Bevölkerung aktiv einbeziehen, fehlt in Berlin jede Form der verbindlichen Beteiligung. Das ist umso kritischer, als die Unterstützung in der Berliner Bevölkerung gering ist und das IOC den Rückhalt der Austragungsorte ausdrücklich als Auswahlkriterium nennt.
Vor diesem Hintergrund ist eine Olympia-Bewerbung aus sozialer, ökologischer und finanzieller Sicht nicht verantwortbar. Berlin braucht jetzt planbare Investitionen in eine funktionierende Sportinfrastruktur, in barrierefreie Angebote für alle und in eine nachhaltige Mobilität – nicht die Verlagerung knapper Ressourcen in ein hochriskantes Großprojekt. Die geforderte Transparenz und regelmäßige Berichtspflicht sind deshalb unverzichtbar, um Schaden vom Berliner Sport und Haushalt abzuwenden.
Berlin, den 06. Januar 2026
Jarasch Graf SchedlichZum Dokument (pdf)
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NOlympia Hamburg: Zehn Jahre Nein zu Olympia: Hamburger Senat ist lernresistent
Am Samstag jährt sich das Referendum über die Hamburger Olympiabewerbung für die Sommerspiele 2024 zum zehnten Mal. Trotz einer knapp 22 Millionen Werbekampagne stimmten damals 51,6 Prozent der Hamburger*innen gegen Olympia. Zehn Jahre später sieht sich der Hamburger Senat nicht mehr an diesen Entscheid gebunden und plant erneut 18 Millionen für seine Olympiakampagne ein. Kampagnenauftakt waren die sogenannten Bürgerbeteiligungen im November 2025.
Dazu Eckart Maudrich, Sprecher von NOlympia Hamburg: „2015 haben die Hamburger*innen den größenwahnsinnigen Plänen des Senats einen Riegel vorgeschoben. Eigentlich müsste sich der Hamburger Senat bei den Gegner*innen der Spiele bedanken. Zwischen 2015 und 2024 sind infolge von Coronapandemie und Ukrainekrieg die Bau[1]– und Sicherheitskosten[2] explodiert. Ein gigantisches Milliardenloch im Haushalt wäre die Folge gewesen. Aber der Hamburger Senat ist lernresistent und verschwendet schon wieder Unsummen für eine neue Hamburger Olympiabewerbung“
„Olympia erzielt 76 Millionen Gewinne”,[3] behauptete Steffen Rülke, Leiter der Hamburger Olympiaprojektgruppe bei der Auftaktveranstaltung der „Bürgerdialoge“ und verschweigt die 6,3 Milliarden Verluste für die öffentliche Hand. Das IOC sei reformiert, die Verträge transparent und das Organisationskomitee zahle nationale Steuern, heißt es von Senatsseite. Unerwähnt bleibt, dass der Senat selbst durch seine Unterschrift unter den Host City Vertrag[4] und die Olympic Charter[5] dafür sorgt, dass die Milliardeneinnahmen des IOC[6] direkt in die Schweiz fließen. Der Hamburger Senat behauptet, der Bund stehe hinter der Bewerbung und verschweigt, dass er zu den derzeitigen Bewerbungskosten keinen Cent an Hamburg überweist[7]. Angesprochen auf die durchschnittlich 1.333 Euro, die ein Ticket bei der Eröffnungsfeier in Paris kostete,[8] konstatiert Rülke (Jahresgehalt 250.000 Euro) zynisch, dass alle Hamburger*innen bei den Langstreckenevents an der Strecke stehen könnten.
Maudrich: „Olympia ist eine Projekt für die Eliten – nur wenige profitieren davon, enorme finanzielle, soziale und ökologische Folgekosten sind die Kehrseite der Medaille. Schon jetzt driften Mieten in Hamburg in immer krassere Dimensionen ab. Die Armut[9] wächst und immer mehr Menschen bekommen die Folgen des Klimawandels zu spüren. Vor 10 Jahren haben die Hamburger Verantwortung übernommen. Beim Zukunftsentscheid dieses Jahr auch. Wir hoffen, dass sie dies im Mai 2026 bei Olympia ebenso tun werden.”
[1] Cours de Compt: Les Jeux Olympiques et Paralympiques de Paris 2024.Rapport au Parlement. S.36 Der öffentliche Bau-Zuschuss mute um 175% auf knapp eine 500 Millionen erhöht werden
[2] ebenda: S32 und 34: Das Sicherheitsbudget stieg von 200 Millionen auf auf gut 1.700 Millionen.
[3] S. Endnote 1. Das zitierte Budget betrifft nur die Eventveranstalterperspektive der Durchführung. Das Ergebnis kommt zustande, weil a) die öffentliche Hand auch dazu bereits gut 200 Millionen zugeschossen hat (S 18 iVm S26) und b) die Sicherheitskosten i.H.v. 1.700 Millionen auf die öffentliche Hand abgewälzt wurden (s. FN 2)
[4] “…necessary for the Host City, the Host NOC and the OCOG to coordinate with competent Host Country Authorities so that the tax legislation of the Host Country is implemented and applied in a manner that guarantees the achievement of the objectives and results described in §22.2-22.5.” HCC Principles 22.1ff. Gleichlautend auch LA28 und Brisbane32
[5] 1. Olympic Charter = lex superior. The nat’l gov´t of the country… must submit to the IOC a legally binding instrument by which the said government… guarantees that the country …will comply with & respect the Olympic Charter”; OCR 33 III. 2. Das Organisationskomitee (also auch Hamburg) ist IOC weisungsgebunden,OCR 35, BLR 35. 3. Finanzielle und organisatorische Verantwortung liegt beim Ausrichter: Immediately upon the election…, the IOC enters into an agreement with the elected host and the NOC …”;OCR 36 I 1. The IOC shall have no financial responsibility in respect of the organisation, financing and staging of the Olympic Games other than the contribution determined in the Olympic Host Contract…; OCR 36 II 2
[6] IOC. Annual Report 2024. Games of a New Era. S.197
[7] BDrs .23-02040
[8] s. Endnote 1, S128
[9] 497 tsd Menschen fallen unter die wohnkostenbereinigte Armutsquote in Hamburg. Der Paritätische 2024: Wohnen macht arm. 2024. 38 tsd Menschen sind wohnungslos in Hamburg. Nagel 2024. Überwindung der Wohnungslosigkeit bis 2030.
Über NOlympia Hamburg
NOlympia Hamburg hat sich anlässlich Hamburgs Olympiabewerbung 2015 formiert, um über Risiken und Nebenwirkungen von Spielen in Hamburg kritisch zu informieren. Mitte 2025 musste die Arbeit erneut aufgenommen werden, weil der Senat sich wieder massiv Steuermittel hat genehmigen lassen, um seine Wahrheit über alle Stimmen und Abstimmungsergebnisse hinweg durchzusetzen und dadurch eine ausgewogene Information akut gefährdet ist.
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Sigrun Franzen / Rainer Schmitz (Spiegel): Berliner Olympia-Debatte. Warum Berlin auf die Spiele verzichten sollte (2015)
Soll sich die deutsche Hauptstadt für die Olympischen Sommerspiele 2024 beziehungsweise 2028 bewerben? Hier erklären zwei Mitglieder des Berliner NOlympia-Bündnisses, warum sie dagegen sind.
27.02.2015, 13.21 Uhr
Zum Artikel -
Pressemitteilung: LSB-»Volksinitiative« ist ein Plebiszit ›von oben‹. Echte Bürgerbefragung geht anders
Der Landessportbund Berlin (LSB) hat am 2. Juli 2025 seine Volksinitiative zur Austragung Olympischer Spiele (OS) in Berlin gestartet. Damit sich das Berliner Abgeordnetenhaus (AGH) mit dem Anliegen befasst, müssen innerhalb von sechs Monaten mindestens 20.000 wahlberechtigte Berliner*innen ab 16 Jahren den Aufruf unterstützen. Ziel der Initiative ist es, einen Beschluss des AGH für eine Bewerbung für OS zu erreichen.
Dazu das Bündnis NOlympia Berlin:
Die vom Landessportbund gestartete Volksinitiative ist nichts weiter als eine Demokratiesimulation. Dem LSB geht es als Mitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) nicht um echte Mitbestimmung, sondern vor allem darum, dem Senat Rückendeckung zu verschaffen und eine Bewerbung politisch abzusichern.
Echte Beteiligung der BerlinerInnen setzt Diskussion voraus. Sie erfordert die Offenlegung aller Pläne und eine seriöse Folgenabschätzung. Eine echte Beteiligung der Bevölkerung würde auch Alternativentscheidungen zulassen. Eine Bewerbung wie die zu Olympischen Spielen, die sich über einen Zeitraum von zehn bis fünfzehn Jahren erstreckt, braucht die Unterstützung einer großen Mehrheit der Bevölkerung. Eine Volksinitiative reicht nicht. Wenn sich Berlin bewirbt, muss, so wie es auch der DOSB fordert, eine echte Bürgerbefragung stattfinden.
Dass eine Olympiabewerbung, wie behauptet wird, den Schul- und Breitensport fördert, ist ein oft wiederholtes Märchen. Das zeigen auch die Spiele in London 2012, wo das Versprechen, die Nation insgesamt fitter zu machen, krachend gescheitert ist. Wir sind überzeugt: Es wird kein einziges Schwimmbad, keine neue Schulsportanlage für die Berliner Bevölkerung entstehen. Neubauten stünden ohnehin im eklatanten Widerspruch zu allen Einsparungsmaßnahmen, die in der Stadt gegenwärtig in allen gesellschaftlichen Bereichen vorgenommen werden.
Ökonom Oliver Holtemöller warnt: Berlin würde wirtschaftlich unter Olympia leiden
Berlin hat bereits jetzt über 67 Mrd. EU Schulden. Die Finanzierung der Spiele mit ungeklärten Beteiligungen durch das privatwirtschaftlich agierende IOC, durch unbekannte private Investoren und durch die Bundesregierung würde den Schuldenberg massiv erhöhen und unsere Stadt tiefer in die Abhängigkeit von Banken treiben. Die Konzentration auf die Olympischen Spiele zöge unweigerlich Benachteiligungen in allen anderen Bereichen nach sich, so in der Bildung, in der Kultur, im Sozialen, in der Verkehrsinfrastruktur. Die soziale Schieflage in der Stadt würde weiter verstärkt. Es darf Berlin nicht so gehen wie beispielsweise Rio de Janeiro nach den Spielen 2016: »An Olympia ist die Stadt […] zerbrochen. Sie hat für eine knapp dreiwöchige Party ihre letzten Finanzreserven zusammengekratzt. Das Geld fehlt jetzt in den Schulen, den Unis, in den Krankenhäusern und der Rentenkasse und vor allem bei der öffentlichen Sicherheit.« (SZ, 13.7.2018)
- Olympische Spiele lösen in Berlin kein einziges Problem!
- Im Gegenteil: Olympische Spiele schaffen neue Probleme!
Ein NEIN zu Olympischen Spielen ist ein JA zu Berlin!
