• Kommentar: »Berlin kann sich nicht mal die Schuhe zubinden?« – Dann lasst uns doch einfach barfuß bleiben!

    Atila Altun hat es am 28. Mai 2025 im Tagesspiegel auf den Punkt gebracht: Olympia in Berlin? Na klar – direkt nach dem BER-Update 2048 und dem finalen Pflasterstein in der Friedrichstraße! 🥇

    Aus Sicht des NOlympia-Bündnisses möchten wir an dieser Stelle einfach mal sagen: Danke! Danke für diese ehrliche Momentaufnahme einer Stadt, die so charmant-chaotisch ist, dass sie schon beim Bewerbungsschreiben ins Stolpern gerät. Und das ist nicht mal böse gemeint – wir lieben Berlin ja gerade deshalb.

    Die Leser*innen-Kommentare unter dem Artikel? Ein Goldregen aus Alltagswitz und Realismus. Von „Schuhe zubinden klappt nicht“ bis „Olympia? Eher ein Seilspringen mit Bürokratie und Haushaltslöchern“ ist viel Humor dabei. Dabei wird nicht vergessen, was Berlin aktuell hat; nämlich bröckelnde Turnhallen, überforderte Sportvereine und Trainerinnen, die mit einem Fuß im Ehrenamt und dem anderen in der maroden Sportstätte stehen.

    Was wir vorschlagen? Statt Milliarden für fünf Ringe und das IOC lieber Investitionen in das, was schon da ist – echte Teilhabe für alle Berliner*innen, faire Bezahlung im Sport, barrierefreie Zugänge und eine Sportstadt für alle. Berlin braucht keine Olympischen Spiele, um sportlich zu sein. Berlin braucht Mut zur Realität – und die fängt bei Schuhen an, die man sich selbst gebunden hat.

     

  • Kommentar: Oops, we did it again?

    1993 war kein Ende – sondern der Anfang einer anderen Vision für Berlin.

    Der Traum von Olympia ist in Berlin nicht neu – genauso wenig wie seine Brüche. 1993 platzte die Bewerbung für die Spiele 2000, mitten im Berliner Aufbruch nach der Wende. Der Artikel auf goolazo.berlin erinnert eindrücklich daran, wie sich Hoffnungen, aber auch Ängste und Widersprüche in der Stadt verdichteten. Damals fehlte es an Transparenz, an Beteiligung, an einem realistischen Blick auf das, was Olympia wirklich bedeutet. Die Absage war kein Zufall – sie war ein Ausdruck des demokratischen Widerstands gegen eine Idee, die über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden wurde.

    Heute, 2025, stehen wir wieder an diesem Punkt – und wieder ruft eine Berliner Stadtregierung nach den Olympischen Spielen. Doch vieles hat sich verändert: Die sozialen Verwerfungen sind sichtbarer denn je, unsere Sportinfrastruktur bröckelt, Trainer*innen und Vereine arbeiten am Limit, während Prestigeprojekte die öffentliche Aufmerksamkeit binden.

    Aber auch der Widerstand hat sich verändert. Aus der Erfahrung von 1993 ist ein Bewusstsein gewachsen. Das NOlympia-Bündnis 2025 ist kein bloßes „Dagegen“, sondern ein Raum für neue Perspektiven: für demokratische Mitbestimmung, für den Schutz unserer Lebensräume, für eine Sportstadt, die von unten kommt – inklusiv, solidarisch und nachhaltig.

    Was 1993 als Scheitern galt, begreifen wir heute als Chance. Es liegt an uns, diesen Weg fortzusetzen – mit Mut, mit klarem Blick und mit der Hoffnung, dass Berlin mehr sein kann als nur eine Kulisse für ein Milliarden-Event.

    Für eine Sporthauptstadt für alle – nicht nur für Olympia.

     

  • Kommentar: Stimmungsmache für Olympia im Tagesspiegel. Olympiablindheit in Zeiten des Mangels

    Anke Myrrhe entwirft in ihrem Kommentar vom 25. Juli 2025 ein glitzerndes Bild von Olympia in Berlin: ein Sportfest, das angeblich allen guttut. Doch ihr Plädoyer verkennt grundlegende Realitäten, die gerade den Berliner Breitensport und die sozialen Grundlagen der Sportförderung betreffen.

    Die Autorin feiert die Fantasie, mit der sich Berlin „Olympia-Meilen“ und „unvergessliche Bilder“ schaffen könnte – und übergeht dabei, dass die sportliche Infrastruktur dieser Stadt seit Jahren verfällt. In zahllosen Stadtteilen bröckeln Turnhallen, Schwimmbäder sind marode oder geschlossen, und bereits heute fehlt das Geld für die Sanierung dringend benötigter Anlagen. Der vom Landessportbund selbst bezifferte Sanierungsstau in Höhe von 411 Millionen Euro ist kein ideologisches Argument der Grünen, sondern ein Ausdruck jahrelanger Austeritätspolitik, die öffentlichen Raum und soziale Infrastruktur systematisch unterfinanziert hat.

    Gleichzeitig fehlt es nicht nur an funktionierenden Orten, sondern auch an Menschen, die dort arbeiten: Trainer*innen, Übungsleiter*innen, Sozialarbeiter*innen in Sportkontexten – sie alle kämpfen mit prekären Beschäftigungsverhältnissen. Viele sind als Honorarkräfte tätig, oft ohne soziale Absicherung, mit zu geringen Stundenkontingenten und kaum Aufstiegschancen. Diese Personen sollen laut Myrrhe von Olympia „mitgerissen“ werden. Doch wie, wenn ihnen bereits heute die Zeit und Mittel fehlen, um das existierende Vereinsleben aufrechtzuerhalten?

    Gerade Kinder und Jugendliche profitieren von kontinuierlicher, pädagogisch fundierter Betreuung – nicht von einem Strohfeuer medialer Großereignisse. Dass kurzfristige Mitgliederanstiege in Frankreich nach Olympia ein nachhaltiges Engagement bedeuten, ist keineswegs belegt. Ohne stabile Strukturen, ausreichende Finanzierung und Personal werden solche Effekte verpuffen. Olympia wäre hier vor allem eins: ein gigantisches Schaufensterprojekt, das Geld bindet, das an anderer Stelle viel dringender gebraucht wird.

    Besonders problematisch ist der antidemokratische Unterton des Kommentars. Die Forderung, das Volk nicht zu befragen, klingt nicht nur elitär, sie ist auch ein gefährlicher Rückschritt in einer Stadt, die bereits mehrfach deutlich gemacht hat, dass sie kein Olympia will. Statt mit „weniger schlechter Laune“ braucht es mehr Bürgerbeteiligung, mehr demokratische Debatte und ein klares Bekenntnis zu einem sozial gerechten, solidarisch finanzierten Sport für alle – nicht für ein paar VIPs auf der Olympia-Meile.

    Olympia als Lösung zu präsentieren, während die Fundamente des Sportsystems – Personal, Räume, Ausstattung – fehlen, ist zynisch. Es verschiebt den Fokus von den Alltagsproblemen der Sportförderung auf spektakuläre Visionen, die in der Realität kaum einen nachhaltigen Effekt haben werden. Wer tatsächlich will, dass Berlin eine Sportstadt für alle ist, muss nicht Millionen in Bewerbungspapiere und Marketing investieren, sondern in Turnhallen, Löhne und langfristige Förderung.

  • Pressemitteilung: Keine Spiele in Berlin. Bündnis NOlympia Berlin kündigt Widerstand an

    Es ist wieder so weit: Der Berliner CDU-SPD-Senat will wieder einmal die Olympischen Spiele in Berlin durchführen. Der Berliner CDU-SPD-Senat will gemeinsam mit Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Schleswig-Holstein Olympische Spiele nach Deutschland holen. Das Bündnis NOLYMPIA Berlin spricht sich gegen eine Bewerbung Berlins um die Olympische Spiele aus und kündigt seinen Widerstand an. 

    Das Bündnis NOLYMPIA BERLIN wird gegen diese finanzielle Gigantonomie eine breite Öffentlichkeit der BerlinerInnen gegen eine Ausrichtung der Spiele mobilisieren. Das Bündnis NOLYMPIA BERLIN wird dafür sorgen, dass die Berliner*innen demokratisch entscheiden können, ob sie diese Spiele in Berlin wollen. Das Bündnis wird ein Volksbegehren gegen die Austragung der Olympischen Spiele starten. Die Aktiven im Bündnis NOLYMPIA sind sich sicher, dass die überwiegende Mehrheit der Berliner*innen Olympische Spiele in Berlin ablehnen wird.

    Berlin zählt zu den am höchsten verschuldeten Städten Deutschlands. Über 65 Mrd. Euro Schulden mit stetig wachsender Tendenz sind nicht geeignet, erneut schuldenträchtige Großevents in unserer Stadt zu finanzieren und auszurichten. Der Berliner Senat hat zwischenzeitlich mehrere Sparhaushalte vorgelegt, bei denen er bei Schulen und Hochschulen dreistellige Millionenbeträge gestrichen hat. Gleichzeitig gibt es riesigen Finanzbedarf für die Bildung und die Kultur. Durch diese Politik wird das Leben in der Stadt noch teurer und sozial ungerechter.

    Berlin hat gegenwärtig viele Probleme zu bewältigen, die die Stadt auf Jahrzehnte vor große Herausforderungen stellen werden. Genannt seien hier Wohnungsnot, Verkehrskollaps, Infrastruktur, Bildungsmisere, Digitalisierungsstau, Verwaltungskrise, Trockenheit/Klimaschäden. Noch immer erreicht die Stadt ihre Klima-/Nachhaltigkeitsziele nicht. Vielmehr werden die Klima- und Nachhaltigkeitsziele durch die Austragung der Olympischen Spiele in Berlin noch mehr verfehlt. 

    Berlin steht beim Schul- und Nachwuchssport schlecht da. Marode Sportanlagen, zu geringe Kapazitäten für den Schul- und Nachwuchssport, fehlende Übungsleiter*innen sowie schlecht bezahlte Trainer*innen und eine magere leistungssportliche Bilanz bei internationalen Vergleichen weisen auf grundlegende Probleme der Entwicklung eines vielseitigen Sports in Berlin hin. Die Ausrichtung auf die Austragung von Olympischen Spielen würde deren Lösung noch mehr in Richtung der Unterstützung von Profi- und Leistungssport verlagern. Berlin wird seine Probleme in der allgemeinen sportlichen Infrastruktur nicht durch Großprojekte für die Olympischen Spiele lösen können!

    Wir wollen das IOC nicht in unserer Stadt. Das IOC und seine Strukturen sind nicht geeignet, demokratische, ökonomische und ökologische Veranstaltungen zu organisieren. Undurchsichtige Geschäftsgebaren und intransparente Entscheidungen prägen heute das Bild dieser privatkapitalistisch organisierten Organisation. Dieser sollte man die Entwicklung unserer Stadt auf keinen Fall überlassen.