Gefährdet der Klimawandel die Olympischen Winterspiele? Die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo haben vor allem auf Kunstschnee stattgefunden. Das wirft Fragen über die Zukunft der Winterspiele auf.
Zum Beitrag von Asmund Nottekämper auf Quarks (20.2.2026)
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»Für die Winterspiele in Italien werden laut den Ausrichtern fast eine Million Kubikmeter Wasser durch die Anlagen gejagt. Das ist ein Problem für die Region.«
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Analyse von David Gogishvili und Martin Müller: Past Carbon Emissions and Future Targets for the Olympic Games
The global visibility, and political weight of the Olympic Games can inspire climate change action. Yet, at the same time, the
Olympics are also significant carbon emitters, potentially undermining their credibility as sustainability leaders. To date, how-
ever, there is a lack of a systematic assessment of past carbon emissions and extrapolation of future targets considering inter-
national agreements. Our analysis shows Olympics-related carbon emissions ranged from 1.59 to 4.5 million tonnes of CO 2 e in
recent editions. Paris 2024 set emission-reduction targets aligned with the 2015 Paris Agreement. Our analysis suggests that the
IOC and future Olympic host cities should commit to verifiable emissions targets and change the delivery model of the event to
meet the Paris Agreement.[Übersetzung: Die globale Sichtbarkeit und politische Bedeutung der Olympischen Spiele können Ansporn für Maßnahmen zum Klimaschutz sein. Gleichzeitig sind die Spiele jedoch auch erhebliche CO₂-Emitter und gefährden damit ihre Glaubwürdigkeit als Vorbilder für Nachhaltigkeit. Bisher fehlt es jedoch an einer systematischen Bewertung der vergangenen Treibhausgasemissionen sowie an der Prognose zukünftiger Ziele unter Berücksichtigung internationaler Vereinbarungen. Unsere Analyse zeigt, dass die klimarelevanten Emissionen der Olympischen Spiele in den jüngsten Ausgaben zwischen 1,59 und 4,5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent lagen. Paris 2024 hat Emissionsreduktionsziele festgelegt, die mit dem Pariser Klimaabkommen von 2015 übereinstimmen. Unsere Untersuchung zeigt, dass das IOC sowie zukünftige Austragungsorte der Spiele verifizierbare Emissionsziele übernehmen und ihr Veranstaltungsmodell grundlegend verändern müssen, um den Anforderungen des Pariser Abkommens gerecht zu werden.]
Institute of British Geographers.
https://doi.org/10.1111/geoj.70068open_in_new
ISSN0016-7398
eISSN1475-4959Received 24 July 2024
Revised28 October 2025
Accepted16 January 2026Zur Analyse
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ORF: Brisbane baut für Spiele 2032 doch neues Stadion (25. März 2025)
»Im australischen Brisbane wird für die Olympischen Spiele 2032 entgegen früherer Pläne nun doch ein neues Stadion mit 63.000 Sitzplätzen gebaut. Der Neubau werde im für seine Grünflächen und Freizeiteinrichtungen bekannten Victoria Park entstehen, teilte der Premierminister des Bundesstaates Queensland, David Crisafulli, mit.
Wütende Bürger protestierten gegen die Ankündigung. Im vergangenen Jahr hatte die Regionalregierung einen Stadionneubau noch ausgeschlossen.
Die Entscheidung sei nach Abschluss einer 100-tägigen unabhängigen Prüfung der Austragungsorte und der Infrastruktur getroffen worden, sagte Crisafulli. Frühere Pläne, zwei bereits bestehende Stadien zu sanieren, wurden verworfen. Das legendäre Kricketstadion ›The Gabba‹, das ursprünglich Herzstück von Olympia 2032 werden sollte, werde nach den Spielen abgerissen, betonte der Politiker. Schätzungen zufolge soll das Stadion im Victoria Park rund 3,7 Milliarden Australische Dollar (rund 2,1 Milliarden Euro) kosten.«
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Sophie Wolf (Scientists for Future Österreich): Spiele zu welchem Preis?
»Vom 6. bis 22. Februar finden die Olympischen Winterspiele 2026 (WS26) in Oberitialien statt, verteilt über die Provinzen Lombardei, Trentino-Südtirol und Veneto. Die offiziellen Kosten liegen aktuell bei über 5 Milliarden Euro. Den Preis, den die Umwelt zahlt, ist noch höher: rund 15 Millionen Tonnen Gletschereis und 2,3 Quadratkilometer Schneebedeckung dürften durch die mit den WS26 unmittelbar verbundenen Treibhausgasemissionen insgesamt verloren gehen. Dazu kommen dann noch Bodenversiegelung, Waldverlust und Wasserverbrauch. Doch alles schön der Reihe nach. […]«
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Benedikt Paetzholdt (Tagesspiegel): Olympia macht Mailands Probleme sichtbar: »Man muss sich schon fragen, ob es das alles wert ist« [€]
»Am Samstag kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und der Polizei. Der Widerstand gegen die Olympischen Spiele hat viele Ursachen. Ein Ortsbericht. […] Die Gewerkschaften sind ganz grundlegende Akteure des Widerstandes. Dass für große Sportereignisse Geld vorhanden ist, während im Gesundheitswesen, in Schulen und im öffentlichen Verkehr gespart werde, sei nicht hinnehmbar. Olympia, so ihr Tenor, verschärfe soziale Schieflagen, statt sie zu lindern. […]«
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Andreas Rüttenauer (taz): Olympiaproteste in Mailand. IOC, ICE? Nein, danke: CIO!
In Mailand eskalieren die Anti-Olympia-Proteste und werden niedergeschlagen. Derweil formiert sich eine antinationale Bewegung für guten Sport.
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Tagesschau: Mailand. Krawalle bei Demonstration gegen Olympia
»[…] Tausende Demonstrierende zogen am ersten vollen Wettkampftag durch Mailand, um für eine Vielzahl von Anliegen Stellung zu beziehen. Eine von Gewerkschaften und Umweltschützern organisierte Kundgebung richtete sich unter anderem gegen explodierende Mieten und wachsende soziale Ungleichheit. […] Auch Umweltbelastungen durch die Winterspiele standen im Fokus der Proteste. Olympia-Gegner bemängeln vor allem die Auswirkungen der Großveranstaltung auf das Ökosystem sowie den wasser- und energieintesiven Einsatz von Kunstschnee. […]«
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ZDF: Krawalle bei Demo von Olympia-Gegnern
»Umweltbelastung, Wohnungsnot, Kostenexplosion – Gegner der Winterspiele sind in Mailand auf die Straße gegangen.[…] Olympia-Kritiker machen Umwelt und Wohnungsnot zum Thema. Gegner der Olympischen Winterspiele bemängeln vor allem deren Auswirkungen auf das fragile Ökosystem der Bergwelt sowie den wasser- und energieintensiven Einsatz von Kunstschnee. Demonstrierende hielten Transparente hoch, auf denen sie die Verwendung von Kunstschnee kritisierten oder das Fällen von Bäumen anprangerten. Auch die Wohnungsnot in der Finanz- und Modemetropole Mailand thematisierten die Teilnehmer der Kundgebung. […] ›Diese Spiele wurden als nachhaltig und kostenneutral beworben‹, kritisierte auch Alberto di Monte, einer der Organisatoren des Protestmarsches, zu dem Gewerkschaften und Aktivisten aufgerufen hatten. Da es sich jedoch um eine geografisch besonders weit verstreute Veranstaltung handelt, seien Milliardenbeträge für den Bau von Straßen ausgegeben worden anstatt für den Schutz der Berge, sagte di Monte. […] Der 69-jährige Demonstrant Giovanni Gaiani kritisierte die Entscheidung, hunderte Bäume zu fällen, um die umstrittene Bobbahn Mailand-Cortina zu bauen. […]«
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ZDF heute-show: Wie nachhaltig sind die Olympischen Winterspiele?
»›Es sind die nachhaltigsten Spiele aller Zeiten‹, heißt es… Sind diese Spiele denn wirklich nachhaltig?…Ja, hieß es, wir nutzen nur bereits vorhandene Sportstätten. Von wegen! Eine nagelneue Bobbahn haben die da schon wieder in die schöne Landschaft geknallt… Die Kosten trägt der italienische Steuerzahler… Neubau statt Umbau der Skischanze… neue Eishockeyhalle in Mailand, die Kunsteisbahn von Cortina, ich sag mal, wirklich nachhaltig ist nur Tina, das Maskottchen der Winterspiele… Seien wir ehrlich. Wintersport ist immer einer Art Krieg gegen die Natur…«
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Christoph Becker (FAZ): Die einen sehen Spektakel, die anderen Zerstörung [€]
Die Rückkehr der Olympischen Spiele in die Alpen wird als Triumphgeschichte inszeniert. Doch aus dem alpinen Ursprung ist eine Tourismusindustrie entstanden, die Mensch und Natur überfordert.
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CIPRA: Olympische Winterspiele auf wackligem Boden
»Möglichst viel Beton und Stahl verbauen: Das scheint die Nachhaltigkeitsstrategie der Olympischen Winterspiele in den italienischen Alpen zu sein. Betroffen sind vor allem Berggemeinden. Das Tüpfelchen auf dem i ist der Bau einer neuen Seilbahn auf einem abrutschenden Hang in Cortina.
Trotz geologischer Bedenken, Widerstand aus der Bevölkerung und einer negativen Umweltprüfung entsteht in Cortina eine neue Gondelbahn auf einem erdrutschgefährdeten Hang. Renommierte Seilbahnfirmen haben sich für das problematische Bauprojekt gar nicht erst beworben – aus gutem Grund: Erst letzten Sommer öffnete sich ein 40 Meter langer Riss quer durch den Hang. Bis zuletzt blieb unklar, ob die Seilbahn überhaupt bis zu den Winterspielen fertig wird.
Zwangsverwaltung statt Umweltverträglichkeit
Anfangs hatte die Stiftung «Milano Cortina 2026» Umweltorganisationen zum Gespräch geladen, um die Umweltverträglichkeit aller Bauvorhaben zu bewerten. Dann kam es jedoch zum Bruch, die Stiftung stellte die Baustellen unter Zwangsverwaltung: Damit wurden mehr als die Hälfte aller Bauprojekte von einer Umweltverträglichkeitsprüfung ausgenommen. Als Reaktion auf dieses intransparente Vorgehen entstand das Bürgernetzwerk «Open Olympics 2026» mit zwanzig Partner-NGOs, darunter auch CIPRA Italien. Dem Netzwerk zufolge werden mehr als die Hälfte aller 98 geplanten Bauprojekte erst nach dem Ende der Winterspiele fertig, sie fallen für die Betreibergesellschaft der Spiele in die Kategorie «Vermächtnis». Dabei handelt es sich Grossteils um Strassenbauprojekte. Insgesamt werden 3,5 Milliarden Euro investiert, drei Viertel aller Bauarbeiten werden nicht im Zeitplan fertig, manche erst mit bis zu drei Jahren Verspätung. Die letzte Baustelle soll im Jahr 2033 abgeschlossen sein. In Rekordzeit aus dem Boden gestampft wurde dagegen die umstrittene, 118 Millionen Euro teure Bobbahn von Cortina. Auch im Südiroler Biathlon- und Langlaufmekka Antholz wurden trotz Widerstand der Bevölkerung 2,5 Hektar Wald in einem Naherholungsgebiet gerodet, um ein neues Speicherbecken für die Beschneiung der Langlaufloipen zu bauen. «Mailand-Cortina 2026 verdeutlicht die grosse Kluft zwischen Anspruch und Realität bei Olympischen Winterspielen. Statt nachhaltiger Entwicklung profitiert nur die Bauindustrie auf Kosten der Menschen, der Umwelt und der Natur vor Ort. Denn die Alpen sind ein sensibler Lebensraum und kein Spielplatz für kurzfristige Interessen», meint Jakob Dietachmair, Geschäftsleiter von CIPRA International. Die CIPRA fordert in ihrem neuen Positionspapier [pdf] umfassende Reformen vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und den Gastgeberländern.
Weitere Informationen und Stimmen aus dem CIPRA Netzwerk
Quellen:
www.repubblica.it/green-and-blue/2026/01/12/news/olimpiadi_milano-cortina_2026_cabinovia_tofane_impatto_ambientale-425089858/ (it),tirol.orf.at/tv/stories/3337737/ (de),
salto.bz/de/article/13012026/olympische-windelspiele (de),
www.youtube.com/watch?v=72t-ORJ4ZaM (de),
www.zdfheute.de/politik/ausland/winterspiele-nachhaltigkeit-olympia-2026-100.html (de),
https://protectourwinters.it/lezioni-imparate-da-milano-cortina/ (it),
https://salto.bz/it/article/16012026/questa-cabinovia-e-una-vergogna (it),
www.club-arc-alpin.eu/ (de, en),
www.ilpost.it/2026/01/22/a-cortina-ci-sono-piu-cantieri-che-neve/ (it)
Club Arc Alpin : Positionspapier zu sportlichen Grossveranstaltungen im Alpenraum (de, en, veröffentlicht im Januar 2026)«
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kicker.de: Olympia zurück in den Alpen: Von Bobbahn-Ärger bis IOC-Diktat
In Cortina fand vor 70 Jahren schon einmal Olympia statt. Jetzt ist auch Mailand dabei. Die Veranstalter hoffen, dass mit Beginn der Spiele der Funke überspringt – wie in Paris. Sicher ist das nicht.
»[…] ›Aber die nächsten Wochen hat von uns keiner mehr etwas zu sagen, weil das Internationale Olympische Komitee (IOC) alles diktiert‹, meint [Altbürgermeister von Antholz] Renzler. […] Für die neue Beschneiungsanlage wurde eben noch ein künstlicher See ausgehoben […] ›Wenn der Sport zur Religion wird und die Sportler zu Göttern, stimmt etwas nicht.‹ Die Vorsitzende von Südtirols Dachverband für Natur- und Umweltschutz, Elisabeth Ladinser, sagt dazu nur knapp: ›Gott Mammon lässt grüßen.‹ […]«
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Greenpeace: ÖLympias dreckiges Gold. Offener Brief an das Internationale Olympische Komitee
»An das Internationale Olympische Komitee,
wir fordern Sie dringend auf, alle Sponsoring- und Partnerschaftsverträge mit Öl- und Gasunternehmen, einschließlich Eni, zu kündigen. Die fossile Industrie muss für die von ihr verursachten Schäden durch Steuern oder Geldstrafen aufkommen. Sie darf keine Möglichkeit bekommen, ihr Image durch Sponsoring reinzuwaschen, während sie gleichzeitig die Klimakrise vorantreibt, die die Zukunft des Wintersports bedroht.
Es ist Zeit für einen Richtungswechsel.
Beenden Sie das Öl- und Gas-Sponsoring der Olympischen und Paralympischen Winterspiele – und erteilen Sie der klimaschädlichen fossilen Industrie für alle künftigen Olympischen Spiele eine Absage.
Unterzeichnen Sie den offenen Brief an das IOC und unterstützen Sie unsere Forderung: Fossile Unternehmen müssen ihrer Verantwortung für die Folgen der Klimakrise gerecht werden und die Kosten für Klimaschäden und Klimaschutzmaßnahmen übernehmen. «
Hier unterzeichnen: https://act.greenpeace.de/oelympias-dreckiges-gold
Artikel zur Kampagne:
An oil and gas corporation killing winters with its planet-heating pollution is sponsoring the Winter Olympics. Could it be Eni more ironic?
Federico Spadini
https://www.greenpeace.org/international/story/80988/an-oil-and-gas-corporation-killing-winters-with-its-planet-heating-pollution-is-sponsoring-the-winter-olympics-could-it-be-eni-more-ironic/Greenpeace-Video »It’s the Olympics – not the OILympics« auf Youtube unter https://www.youtube.com/watch?v=5755Rv7NwxE (3. Februar 2026)
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Greenpeace: Olympische Winterspiele in Zeiten der Klimakrise
Sonka Terfehr
»Die Temperaturen steigen, die Gletscher schmelzen und weltweit gibt es immer weniger Schnee – und damit immer weniger geeignete Orte für Wintersport wie die Olympischen Winterspiele. Maßgeblich verantwortlich für die Erderhitzung ist die fossile Industrie, mit katastrophalen Auswirkungen für weit mehr als nur die Wettkämpfe. Doch ausgerechnet Konzerne dieser Branche treten gerne als Sponsor bei Sportveranstaltungen auf, deren Zukunft sie selbst zerstört. Schluss damit, fordert Greenpeace. […]«
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Michael Fuchs (Kölnische Rundschau): Hitzige Debatte. Bei den Grünen in Köln überwiegt die Olympia-Skepsis
»…. Ida Holschbach, Sprecherin der Grünen Jugend Köln, hielt eine flammende Rede gegen eine Olympia-Bewerbung und zerriss den Antrag des Vorstands in der Luft. Der sage nichts aus: ›Viele Worte, keine Position‹. Die grüne Partei stehe ›für Nachhaltigkeit, Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit, besonnene und faktenbasierte Politik. Und für all das steht diese Olympia-Bewerbung überhaupt nicht.‹…«
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Robin Dittrich (Mercur): Italien-Bewohner empört über Olympia-Wahnsinn – »Um Geld zu verdienen, zerstört man Berge«
»…. Olympia-Chaos in Cortina… ›Für Geld verkaufen sie alles.‹ Die Olympischen Spiele werden von vielen als ›Verschwendung von Geld und Zerstörung der Umwelt‹ gesehen. Besonders bitter: ›Was für eine weltweite Blamage sie gerade hinlegen‹, schreibt ein Nutzer über den Zustand der Vorbereitungen.« Zum Artikel
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Neue Studie der Universitäten Waterloo, Innsbruck und Toronto: Zwischen Klimaschutz und Schneesicherheit. Die Zukunft der Olympischen Winterspiele
»Olympische und Paralympische Winterspiele geraten durch die Klimakrise zunehmend unter Druck. Eine neue internationale Studie der Universitäten Waterloo, Innsbruck und Toronto zeigt, wie steigende Temperaturen und unsichere Schneeverhältnisse die Auswahl an möglichen Austragungsorten einschränken. Laut den Autor:innen sind Anpassungen nötig, damit die Spiele auch in Zukunft fair und sicher ausgetragen werden können. Federführend an der Analyse beteiligt ist Robert Steiger, Tourismusforscher an der Uni Innsbruck.
[…] Die Modelle zeigen, dass die Zahl der potenziellen Gastgeber ohne Beschneiung bis in die 2050er Jahre auf nur noch vier Orte weltweit sinken würde. ›Es gab in den vergangenen Jahren immer wieder Kritik an der starken Nutzung von Kunstschnee, etwa in Peking‹, sagt Scott. ›Aber ein genereller Verzicht ist keine realistische Option, genauso wenig wie die Rückkehr von Eishockey, Eiskunstlauf oder Curling ins Freie. Ohne Beschneiung würden die Spiele sehr viel häufiger von unsicheren und unfairen Bedingungen oder abgesagten Bewerben geprägt sein, am Ende gäbe es Winterspiele ohne ‹ Robert Steiger betont, dass Beschneiung effizient und möglichst klimafreundlich organisiert werden müsse, mit moderner Technik, sparsamem Einsatz von Wasser und Energie und einem möglichst geringen Ausstoß von Treibhausgasen. […]«
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Zur Studie Advancing climate change resilience of the Winter Olympic-Paralympic Games
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Beschluss Landesdelegiertenkonferenz GEW Berlin: Ablehnung einer Bewerbung der Stadt Berlin für die Olympischen Spiele
Die GEW Berlin spricht sich gegen eine Bewerbung der Stadt Berlin für die Austragung der Olympischen Spiele aus. Sie fordert den Berliner Senat auf, von einer Bewerbung abzusehen und stattdessen die öffentlichen Mittel für den Ausbau und die Sanierung von Bildungseinrichtungen, Sportstätten an Schulen, für sozialen Wohnungsbau sowie für Erhaltung und Ausbau der sozialen Infrastruktur zu verwenden.
Begründung
1. Finanzielle Risiken
Olympische Spiele gehören weltweit zu den kostenintensivsten Großprojekten überhaupt. Laut der OxfordOlympics Study 2024 lagen die durchschnittlichen Kosten der Spiele seit 1960 bei über 12 Mrd. USD, mit einer durchschnittlichen Kostenüberschreitung von 172 %. (Flyvbjerg, Bent/ Budzier, Alexander, The Oxford Olympics Study 2024. Cost and Cost Overrun at the Games, Oxford 2024.) Für Paris 2024 werden die Gesamtausgaben auf einen Betrag von 8,7 bis 11 Mrd. Euro geschätzt – über 115 % mehr als ursprünglich veranschlagt. (Lutaud, Emmanuelle/Mouterde, Philippe, Les Jeux de Paris 2024 coûtent déjà 8,7 milliards d’euros; in: Le Monde, 6. Juli 2024.) Auch Berlin müsste nach internen Berechnungen der Senatsfinanzverwaltung mit bis zu 16 Mrd. Euro rechnen, ohne langfristige Gewinngarantien. (Hettfleisch, Anne, Olympia-PR in Berlin. Millionen für Stimmungsmache; in: Der Tagesspiegel, 18. März 2024.)
2. Bildungs- und sportpolitische Argumente gegen Olympia
Eine Olympia-Bewerbung gefährdet dringend benötigte Investitionen in Bildung. Schon heute besteht ein Sanierungsstau an Berliner Schulen von über 5 Mrd. Euro ( Rechnungshof Berlin (Hrsg.), Schulbau und Sanierungsstau; in: Jahresbericht 2024, Kap. III Nr. 3, Berlin 2024.). Eine Großveranstaltung dieser Dimension würde Haushaltsmittel binden, die für Schulbau, Kitas, Ganztagsangebote und den Breitensport fehlen. Sporthallen und Schwimmbäder müssten temporär für den Schulsport gesperrt werden – mit unmittelbaren Folgen für Unterricht und Vereine. Investitionen in Bildung und Sportstätten vor Ort wären nachhaltiger und kämen Schüler*innen und Beschäftigten direkt zugute. Auch ein positiver Impuls Olympischer Spiele für den Breitensport lässt sich nicht nachweisen: In einer Olympiastadt wird nach den Spielen nicht mehr Sport getrieben als zuvor.
3. Sozialpolitische Belastungen
Erfahrungen aus anderen Austragungsorten zeigen, dass Olympia soziale Ungleichheit verschärft. In London 2012 stiegen die Mieten im Umfeld der Wettkampfstätten um bis zu 400 % (Wainwright, Oliver, London Olympic legacy. House prices soar by 400 % around the Park; in: The Guardian, 5. August 2013.). Viele Anwohner*innen wurden verdrängt. Auch in Berlin ist der Wohnungsmarkt bereits angespannt – temporäre Profite für Immobilienkonzerne würden den Druck weiter erhöhen. Ausbau und Erhalt von sozialem Wohnungsbau und sozialer Infrastruktur bedarf keiner zusätzlichen Großveranstaltungen und nützt der gesamten Stadtgesellschaft direkt.4. Ökologische Belastungen
Olympische Spiele verursachen erhebliche Umweltbelastungen. Trotz Nachhaltigkeitsversprechen führen Bau- und Infrastrukturmaßnahmen zu hohen CO2-Emissionen, Flächenversiegelung und Energieverbrauch. Der BUND Berlin warnt, dass eine Berliner Olympiabewerbung ein falsches Signal in Zeiten der Klimakrise wäre und den Fokus von dringend nötiger nachhaltiger Stadtentwicklung ablenke. (Fleckenstein, Hanno/Peter, Erik, Olympia- Pläne in Berlin. NOlympia gilt immer noch; in: taz , 4. Dezember 2024.) Bestehende Sportstätten und Grünflächen würden umgebaut oder übernutzt, während temporäre Bauten nach den Spielen oft leer stehen. Die Mittel sollten stattdessen in klimaneutrale Schulgebäude und öffentliche Sportstätten fließen.
5. Fragwürdiges Vorgehen beim Volksentscheid
Das Ergebnis des am 26. Oktober 2025 durchgeführten Referendums über eine Olympiabewerbung der Stadt München kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem Versand der Abstimmungsunterlagen ein Werbeprospekt für die Ausrichtung der Veranstaltung beilag, hingegen keinerlei kritische Informationen. Das dürfte einer differenzierten Meinungsbildung nicht geholfen haben (Effern, Heiner, Streit über Münchner Olympia- Votum. Kritiker drohen mit Klage; in: SZ , 22. September 2025.). Bisher hat auch der Berliner Senat alle Hinweise auf die finanziellen, ökologischen und sozialen Risiken solcher Großprojekte ignoriert. Stattdessen wurden bereits 6 Mio. Euro öffentlicher Mittel für PR- und Werbekampagnen eingeplant, um eine positive Grundstimmung zu erkaufen und die Bevölkerung von einer Bewerbung zu überzeugen, bevor eine Debatte überhaupt stattgefunden hat. (Thewalt, Anna, Bis zu sechs Millionen Euro. Berliner Senat will Olympia-Bewerbung mit zusätzlichem Geld und neuem Gremium Schwung verleihen; in: Der Tagesspiegel , 30. September 2025). Notwendig ist aber ein Volksentscheid auf breiter Informationsbasis, weil nur so ein transparentes Verfahren und demokratische Mitbestimmung über Milliardeninvestitionen möglich ist.
6. Undemokratisches und intransparentes Vorgehen des IOC
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) agiert als privatwirtschaftlicher Akteur ohne demokratische Kontrolle. Das IOC zählt zu den intransparentesten globalen Organisationen. Kommunen haben bei der Vertragsgestaltung in der Vergangenheit kaum Einfluss, obwohl sie die Hauptkosten tragen. Im Falle eines Defizits müssen sie für die Kosten haften. Die Gewinne aber streichen in der Masse das IOC und privatwirtschaftliche Unternehmen ein. Ein solches Finanzmodell steht im Widerspruch zu demokratischer Selbstbestimmung und verantwortlicher Haushaltsführung. (Bendrich, Benjamin, Olympische Spiele in Hamburg? Link zum Artikel letzter Zugriff am 28.10.2025, 11:02 Uhr.)
7. Mangelnde historische und politische Kontextualisierung
Olympische Spiele gelten in der Öffentlichkeit oft als unpolitisches Sportereignis und werden mit Assoziationen von „olympischem Frieden“ oder „friedlicher Begegnung der Völker“ beworben. Doch dienen sie der politischen Repräsentation oft diktatorischer Staaten. Das IOC hat sich seiner Verantwortung für die Kooperation mit Diktatoren und Diktaturen weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart gestellt. Es folgte stets seinen materiellen Interessen. Nach den Spielen von 1936 unter den Bedingungen des NS- Regimes und des danach jahrzehntelang verfehlten Umgangs mit diesem Erbe bedürfen neuerliche Spiele besonderer Aufarbeitung und Kontextualisierung. Deutsche Sportverbände und Berliner Bewerber*innen versagten hier in der Vergangenheit schon wiederholt. Auch heute ist zu befürchten, dass die Spiele von 1936 nachträglich mit positiven Eindrücken überschrieben werden sollen. Von den Olympiawilligen wurde ein Konzept für den Umgang mit dem historischen Erbe nicht einmal andiskutiert. Das ist einer demokratischen Stadtgesellschaft unwürdig und nährt Zweifel am Horizont der Entscheider*innen.
Zum Beschluss der Landesdelegiertenkonferenz GEW Berlin hier
